Der Krieg im Sudan seit April 2023. Auslöser, Akteure und Dynamik

Die Sudanese Armed Forces und die Rapid Support Forces bekämpfen einander in einem brutalen Krieg auf Kosten der Zivilbevölkerung. Internationale Unterstützung erhalten die Kriegsparteien dabei aus unterschiedlichen geopolitischen Interessen.

In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 7. August 2026

Bild: Kontrolle von Territorium in Sudan Anfang Juli 2026, (c) Thomas van Linge

Am Morgen des 15. April 2023 erschütterten Schüsse die sudanesische Hauptstadt Khartum. In kürzester Zeit griffen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) auf weite Teile der Metropole über.

Der Krieg im Sudan hat sich seitdem zur größten humanitären Krise weltweit entwickelt, gemessen an der Anzahl von Personen, die laut den Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind: 33,7 Millionen im Jahr 2026. Zur Auflösung der Fußnote[1] Nirgend sonst waren so viele Menschen – 8,8 Millionen im Mai 2026 – innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Zur Auflösung der Fußnote[2] Die Zahl der Todesopfer lässt sich nicht mit Sicherheit beziffern, aber allein beim Massaker der RSF in al-Faschir im Herbst 2025 sind schätzungsweise zehntausende Menschen getötet worden. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind immens, sodass 19,5 Millionen Menschen – 41 Prozent der Bevölkerung – Hunger leiden, einige von ihnen in lebensgefährlicher Not. Zur Auflösung der Fußnote[3]

Gewalt ist leider nicht neu in der Republik Sudan, aber dieser Krieg unterscheidet sich von früheren Konflikten. Für Bevölkerungsgruppen in Darfur oder den Nubabergen begann der Krieg nicht erst an jenem Samstagmorgen im April 2023, da die sudanesischen Peripherien schon lange von bewaffneten Konflikten erschüttert wurden. Dieser Krieg brach jedoch innerhalb des Machtzentrums aus: zwischen den beiden größten Sicherheitskräften des Landes, mitten in der Hauptstadt Khartum, nicht durch einen Rebellenaufstand in einer weit entfernten Landesgegend. Die politische Ordnung implodierte von innen heraus.

Dominanz der Sicherheitskräfte

Der aktuelle Konflikt hat tiefe Wurzeln. Dem politischen System Sudans ist eine große Ungleichheit eingeschrieben: Urbane arabische Eliten beuteten die Arbeitskraft und Ressourcen in der Peripherie im Westen, Süden und Osten aus. Bereits im 19. Jahrhundert etablierte sich eine kommerzielle Führungsschicht, die sich als arabisch verstand und auf „die nicht-arabische“ Bevölkerung teils mit rassistischer Verachtung hinabsah. Eine landesweit geteilte nationale Identität, ob unter säkular-arabischen oder islamischen Vorzeichen, konnte sich seitdem nicht entwickeln. Im Süden und in der westlichen Region Darfur, die erst 1916 Teil des Sudan wurde, setzten die britisch-ägyptischen Kolonialherren auf Militärexpeditionen und die Ermächtigung lokaler Herrscher, aber investierten jahrzehntelang nur wenig in Bildung, Gesundheit und andere öffentliche Entwicklung. Zur Auflösung der Fußnote[4] Bürgerkrieg und Militärherrschaft prägen den Sudan seit seiner Unabhängigkeit 1956.

Gegen die Ausbeutung durch den Staat wandten sich mehrfach bewaffnete Aufstände. Spätestens seit den 1980er Jahren setzte die sudanesische Regierung zur Bekämpfung dieser Aufstände auf eine Milizenstrategie. Zur Auflösung der Fußnote[5] Sie bewaffnete, trainierte und unterstützte Milizen, die oft ethnisch oder religiös geprägt waren. In den frühen 2000er Jahren baute der Sicherheitsapparat arabische Reitermilizen in Darfur auf, die lokal als „Dschandschawid“ bekannt wurden. Zur Auflösung der Fußnote[6] Das strategische Ziel der Milizenstrategie war, die Kämpfe fernab des wirtschaftlichen und politischen Zentrums zwischen Angehörigen von Bevölkerungsgruppen in der Peripherie zu halten. Zudem erlaubte es diese Strategie, die regulären Streitkräfte relativ schwach zu halten, um sich vor möglichen neuen Machtzentren dort zu schützen. Denn das Militär spielte sowohl eine zentrale Rolle bei Putschen gegen zivile Regierungen als auch beim Sturz von Militärregierungen. Zur Auflösung der Fußnote[7]

Als Teil dieses Systems beförderte der damalige Präsident Umar al-Baschir 2013 eine Dschandschawid-Gruppe und nannte sie „Rapid Support Forces“, zu dessen Kommandeur er Mohammed Hamdan Daglo, Spitzname „Hemeti“, bestimmte. Die RSF standen ursprünglich unter der Aufsicht des Geheimdienstes, 2017 setzte sie al-Baschir jedoch unter seine direkte Kontrolle und stellte sie damit auf eine Ebene mit den anderen Sicherheitskräften. Zur Auflösung der Fußnote[8] Sie wurden nicht nur zur Aufstandsbekämpfung in Darfur, sondern auch zur Grenz- und Migrationskontrolle eingesetzt. Auch wenn die EU stets darauf Wert legte, die RSF nicht direkt zu finanzieren, kooperierte sie doch mit der Baschir-Regierung im Zuge des „Khartum-Prozesses“ zur Migrationskontrolle. Die RSF kontrollierten fortan die Schmuggelnetzwerke Richtung Libyen und dem Mittelmeer. Zur Auflösung der Fußnote[9] Die RSF wurden auch als Söldner im Krieg im Jemen ab 2015 auf Seiten der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) angeführten Koalition eingesetzt, was sehr einträglich für die RSF war.

Von der Revolution zum Krieg

Der Sturz al-Baschirs im April 2019 und die Einführung einer zivil-militärischen Übergangsregierung im August brachten Hemeti und die RSF ins Zentrum der politischen Macht. Hemeti wurde Mitglied des Souveränitätsrats, der als Kollektivorgan die Präsidentschaft ersetzte, und gerierte sich als Stellvertreter von Abdel Fattah al-Burhan, dem Oberkommandierenden der SAF und Vorsitzenden dieses Gremiums, dem auch zivile Vertreter angehörten. Ein Verhandler der zivilen Parteien argumentierte 2019, dass der Versuch, die Sicherheitskräfte schneller an die Seite zu drängen, bereits damals zu Kämpfen zwischen SAF und RSF in Khartum hätte führen können. Zur Auflösung der Fußnote[10] So baute der Übergangsprozess darauf, dass die zivile Demokratiebewegung weiterhin Druck über die Straße, über internationale Kontakte und in den neuen Institutionen ausüben würde, um das System nachhaltig zu verändern. Doch so kam es nicht.

Von Beginn an dominierten die Sicherheitskräfte die Regierung und nutzten jede Gelegenheit, ihre Macht gegenüber der zivilen Komponente auszuweiten. Der zivile Ministerpräsident Abdalla Hamdok bemühte sich um eine „Partnerschaft“ mit dem Militär, statt auf Distanz zu gehen. Das Juba Peace Agreement (JPA), das die Sicherheitskräfte zusammen mit einer Reihe von bewaffneten Gruppen am 3. Oktober 2020 im südsudanesischen Dschuba unterschrieben, stärkte die militärische Komponente in der Übergangsregierung. Zur Auflösung der Fußnote[11] Ein Viertel der Kabinettssitze war nun diesen bewaffneten Bewegungen vorbehalten, obwohl sie bereits Jahre zuvor von den Sicherheitskräften militärisch besiegt und ihre verbleibenden Kräfte außer Landes vertrieben worden waren. Die Unterzeichner des Friedensabkommens spalteten sich vom Rest der Demokratiebewegung ab. Am 25. Oktober 2021 ließ al-Burhan Ministerpräsident Hamdok und weitere Kabinettsmitglieder festsetzen und riss die ganze Macht an sich.

Nach dem Militärputsch gelang es SAF und RSF nicht, eine zivile Fassadenregierung zu errichten – angesichts der breiten, andauernden Protestbewegung fanden sich keine zivilen Vertreter:innen für diese Rolle. Stattdessen verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den beiden Sicherheitskräften. Al-Burhan brachte Angehörige des früheren Baschir-Regimes zurück in die Regierung, die Hemeti skeptisch sahen. Dieser begann, sich um Teile der zivilen Parteien zu bemühen. Im Dezember 2022 unterzeichneten al-Burhan, Hemeti und Vertreter der politischen Parteien ein Rahmenabkommen, welches die Bildung einer vollständig zivilen Regierung vorsah. Vorher sollten allerdings noch einige Kernfragen in Workshops geklärt werden. Beim Thema Sicherheitssektorreform gab es trotz anfänglicher Annäherung keine Einigung. Strittig waren primär zwei Fragen: der Zeitraum, in dem die RSF in die SAF integriert werden sollten (die RSF wollten zehn Jahre, die SAF maximal zwei), und wie autonom die RSF in der Zwischenzeit operieren könnte. Zur Auflösung der Fußnote[12]

Anfang April 2023 brachten die RSF zusätzliche Truppen in die Hauptstadtregion. Am 13. April verlegten sie Einheiten nach Meroe im Norden des Landes, was wiederum die SAF in Alarmbereitschaft versetzte. Mitglieder des Souveränitätsrats und die Vereinten Nationen versuchten vergebens, bis in die Nacht des 14. April zu vermitteln. Wer angesichts des gegenseitigen Misstrauens für die ersten Schüsse am folgenden Morgen verantwortlich war, ist nicht restlos geklärt. Die RSF waren zweifelsohne besser vorbereitet.

Wechselnde Konfliktdynamik und große Gewalt

Den RSF gelang es, weite Teile der Städte Khartum und Omdurman zu kontrollieren sowie bis zum Herbst 2023 den Großteil Darfurs einzunehmen. Al-Burhan war im Militärhauptquartier im Zentrum Khartums umzingelt, bis es den SAF im August 2023 gelang, ihn zu evakuieren. Die Ministerien bauten ein temporäres Verwaltungszentrum in der nordöstlichen Hafenstadt Port Sudan auf. Ende 2023 eroberten die RSF Wad Madani im Bundesstaat al-Dschazira und breiteten sich im Zentrum und Süden des Landes aus. Mit ihren schnellen mobilen Einheiten von Pick-up-Trucks waren sie den SAF im Manöverkampf überlegen. Zur Auflösung der Fußnote[13] Die Stärke der SAF als konventionelle Armee lag in der Verteidigung stationärer Ziele, die Dutzenden Angriffen der RSF standhielten. Die SAF wussten sich anfangs nicht anders zu helfen, als Basen der RSF selbst in der Hauptstadt mit Kampfflugzeugen zu bombardieren. Die RSF verteilten sich in kleinen Gruppen und plünderten private Haushalte.

Erst gegen Ende des Jahres 2024 wendete sich das Blatt: Die SAF begannen, den Bundesstaat al-Dschazira und weitere Gebiete südlich der Hauptstadt zurückzuerobern. Im März 2025 nahmen SAF-Truppen den stark zerstörten Präsidentenpalast in Khartum ein und vertrieben wenig später die RSF ganz aus der Hauptstadtregion. Im Gegenzug gelang es den RSF im Oktober 2025 mit al-Faschir die letzte von der SAF und ihren Verbündeten gehaltene Landeshauptstadt in Darfur einzunehmen. Die Frontlinie verlagerte sich in die Region Kordofan. Außerdem gab es Kämpfe um Versorgungswege der RSF in den Bundesstaaten Nord-Darfur an der Grenze zu Tschad und in Blauer Nil an der Grenze zu Äthiopien.

Der Krieg ist von enormer Brutalität gekennzeichnet. Sudanes:innen sprechen von einem „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“, auf die weder SAF noch RSF Rücksicht nehmen. Während die Vereinten Nationen beiden Seiten massive Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, sticht das Ausmaß der RSF-Gewalt besonders hervor. Zur Auflösung der Fußnote[14] Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt werden als Terrorwaffe eingesetzt, Städte belagert und ausgehungert. Mehrfach gingen die RSF gezielt gegen nicht-arabische Bevölkerungsteile wie 2023 die Masalit in West-Darfur sowie die Zaghawa in Nord-Darfur vor. 18 Monate lang belagerten die RSF die Hauptstadt Nord-Darfurs, al-Faschir. Im April 2025 nahmen sie mit Zamzam das größte Vertriebenenlager des Landes südlich der Stadt ein. Als die RSF ein halbes Jahr später al-Faschir eroberten, gingen sie von Haus zu Haus, stellten Männer in Gruppen zusammen und erschossen sie. Zur Auflösung der Fußnote[15] Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen schrieb, das Ausmaß, die Schwere und Systematik der Gewalt der RSF in al-Faschir seien „Hinweise auf einen Völkermord“. Zur Auflösung der Fußnote[16] Die RSF sahen die Männer der erwähnten Volksgruppen als Teil ihrer Gegner an, die sich aus diesen rekrutierten, egal ob sie Waffen trugen oder nicht. Hetze, Aufstachelung und eine Ideologie der arabischen Oberhoheit entmenschlichten die nicht-arabischen ethnischen Gruppen.

Merkmale der Kriegsführung

Drei zentrale Faktoren erklären den wechselnden militärischen Erfolg der Konfliktparteien: ihre interne Kohärenz und Anpassungsfähigkeit, der Einsatz moderner Rüstungstechnologie sowie die Verfügbarkeit von militärischem Nachschub aus dem Ausland.

Sowohl die RSF als auch die SAF bauten im Verlauf des Kriegs Koalitionen mit weiteren bewaffneten Akteuren auf. Die SAF profitierten von der „Sudanesischen Islamischen Bewegung“, um Freiwilligeneinheiten aufzustellen und Milizenverbände zu gründen. Im November 2023 schlossen sich die wichtigsten Unterzeichnergruppen des Juba Peace Agreement (JPA) offiziell den SAF an, nachdem sie sich bis dahin militärisch neutral verhalten hatten.

Die Fähigkeit, lokale Führer für sich zu gewinnen, war oft von entscheidender Bedeutung. Besonders deutlich war dies in der Eroberung von al-Dschazira. Die RSF-Offensive wurde dort von Abu Aqla Keikel geleitet, einem ehemaligen Armeeoffizier, der vor Kriegsbeginn seine eigenen „Sudan Shield Forces“ gegründet hatte und 2023 zu den RSF übergelaufen war. 2024 wechselte Keikel erneut die Seiten und half der Armee, den Bundesstaat zurückzuerobern. Zur Auflösung der Fußnote[17] Die RSF etablierten ihrerseits 2025 eine Zusammenarbeit der Sudan People’s Liberation Army-North (SPLM-N) unter der Führung von Abdelaziz al-Hilu. Diese kontrollierten Gebiete in den Nubabergen und im südlichen Teil des Bundesstaats Blauer Nil, womit die RSF Zugang zu weiten Teilen der Grenze zum Südsudan und 2026 auch einen direkten Zugang zur Grenze mit Äthiopien gewannen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bestand im Zugang zu moderner Waffentechnologie, insbesondere Drohnen und entsprechenden Abwehrsystemen. Hatte die Armee stets über eine konventionelle Luftwaffe verfügt, konnte sie mittels Drohnen ihre Luftaufklärung derart verbessern, dass ihre Artillerie fortan deutlich präziser agieren konnte. Zur Auflösung der Fußnote[18] Die RSF können mit ihren Drohnen Infrastruktur und Militärstellungen weit hinter den Frontlinien angreifen – wie im Mai 2025, als sie für die SAF völlig überraschend Port Sudan bombardierten. Sowohl die hergebrachte Strategie der Armee, Kriege in der Peripherie zu belassen, als auch ihr Anspruch, in den von ihr kontrollierten Gebieten für Wiederaufbau zu werben, werden durch diese Fähigkeit konterkariert.

Externe Akteure und ihre Motivation

Ein zentrales Merkmal des Kriegs im Sudan ist seine Internationalisierung: Zahlreiche Staaten versorgen die Konfliktparteien mit Waffen und Rüstungstechnologie. Eine transnationale Konfliktökonomie sorgt für die Versorgung mit Treibstoff und anderen Gütern, während Goldschmuggel die wichtigste Finanzierungsquelle ist. Wahrscheinlich erhöhte bereits die Aussicht auf (weitere) externe Unterstützung die Risikobereitschaft der Militärführer vor Beginn des Krieges. Zwar stehen zentrale externe Unterstützer teilweise in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, sie arbeiten aber in anderen Bereichen außerhalb Sudans auch zusammen. Die internationale Unterstützung hält den Konflikt am Laufen, der im Kern jedoch ein Kampf um die Vorherrschaft in Politik, Wirtschaft und Sicherheit zwischen sudanesischen Akteuren bleibt. Die Bezeichnung als „Stellvertreterkrieg“ verwischt diese Aspekte. Zur Auflösung der Fußnote[19]

Die SAF profitieren primär von der Unterstützung Ägyptens, der Türkei und Saudi-Arabiens. Alle drei verbindet das Interesse an einem stabilen Staat an der Küste des Roten Meers, wo sie Handels- und Sicherheitsinteressen pflegen. Ägyptens Militär unterhält seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu den SAF. Darüber hinaus verbindet der Nil als wirtschaftliche Lebensader Ägypten und den Sudan, insbesondere in der Auseinandersetzung um die Nutzung des Nilwassers durch den Oberanrainer Äthiopien, dessen Grand Ethiopian Renaissance Dam 2025 offiziell eröffnet wurde. Ägypten will eine erneute Teilung des Sudan verhindern. Zudem ist Ägypten durch die mehr als eine Million sudanesischen Geflüchteten im Land seit Kriegsbeginn belastet. Im Gegensatz zu Ägypten ist die Türkei offen gegenüber der Rolle der Sudanesischen Islamischen Bewegung auf Seiten der SAF. Die Türkei bemühte sich bereits während der Regierungszeit von Präsident al-Baschir um die Reaktivierung des alten osmanischen Hafens Sawakin in der Nähe von Port Sudan. Die Türkei liefert Bayraktar-TB2-Drohnen sowie Drohnenabwehrsysteme. Türkische Drohnen werden auch von ägyptischem Territorium aus gegen die RSF eingesetzt. Zur Auflösung der Fußnote[20] Saudi-Arabien konzentriert sich auf die politische und finanzielle Absicherung des Militärregimes.

Daneben haben die SAF auch von Waffenlieferungen und militärischer Zusammenarbeit mit Iran, Eritrea, Russland und der Ukraine profitiert. Iran hatte bereits unter al-Baschir Waffenlieferungen an die verbündete Hamas über Sudan geleitet. Im aktuellen Krieg lieferten sie Mohajer-6-Drohnen an die SAF. Irans Interesse an einer Basis an der sudanesischen Rotmeerküste traf jedoch auf Ablehnung. Zur Auflösung der Fußnote[21] Eritrea stellte Territorium für die Ausbildung von Kämpfern bewaffneter Einheiten auf Seiten der SAF zur Verfügung. Zur Auflösung der Fußnote[22] Es hat traditionell enge Beziehungen zu einigen Volksgruppen im Ostsudan und sieht die Möglichkeit, zusammen mit Ägypten den Sudan als Hebel gegen seinen regionalen Gegner Äthiopien zu nutzen. Russland verfolgt bereits seit 2017 das Ziel, eine Marinebasis am Roten Meer zu eröffnen. Das entsprechende Abkommen wurde aber von sudanesischer Seite nie ratifiziert. Russland unterstützte die SAF mit Kampfflugzeugen, sicherte sich über die Aktivitäten der Gruppe Wagner bzw. des „Afrikakorps“ zugunsten der RSF jedoch auch ab. Zur Auflösung der Fußnote[23] Die Wagner-Söldner flogen Drohnen und lieferten in den ersten Kriegsmonaten tragbare Flugabwehrraketen an die RSF. Ukrainische Piloten und Spezialkräfte arbeiteten eine Zeit lang zusammen mit den SAF, unter anderem, um al-Burhan aus dem belagerten Militärhauptquartier zu befreien. Zur Auflösung der Fußnote[24] Iran, Russland und die Ukraine scheinen aber in den letzten Jahren keine Rolle mehr für die militärische Unterstützung der SAF zu spielen.

Die RSF arbeiteten derweil mit einem Hauptunterstützer zusammen, den VAE. Von Dubai aus operiert laut US-Finanzministerium ein Netzwerk von 50 Unternehmen, das die militärische und finanzielle Versorgung der RSF sicherstellt. Zur Auflösung der Fußnote[25] Seit September 2024 wurden hunderte von Söldnern aus Kolumbien über die VAE nach Darfur gebracht, wo sie die RSF mit spezialisierten Kenntnissen unterstützten. Zur Auflösung der Fußnote[26] Während China sich politisch auf die SAF konzentriert, landen chinesische Waffen wie Artillerie, Munition und Drohnen aus kommerziellen Gründen auf beiden Seiten des Konflikts. Zur Auflösung der Fußnote[27]

Die VAE-unterstützten Waffenlieferungen beziehen eine Reihe von Nachbarländern mit ein. Die wichtigsten Routen laufen dabei über den von den Libyan Arab Armed Forces von Chalifa Haftar kontrollierten Teil Libyens, über Tschad sowie seit Ende 2025 auch über Äthiopien. Die RSF-Führer treten offen in Kenia und Uganda auf, deren Präsidenten gute Beziehungen zu den VAE pflegen.

Eine Mischung verschiedener Motive treibt die VAE an. Sie haben Interesse am landwirtschaftlichen Potenzial des Sudan, wollen eine Hafeninfrastruktur an der sudanesischen Küste wie bereits in anderen ostafrikanischen Ländern betreiben, und sind dazu das wichtigste Ziel von Goldexporten aus dem Sudan. Hinzu kommt ihre ideologische Opposition gegen die Muslimbruderschaft sowie persönliche Netzwerke und Überzeugungen der VAE-Führung, die bislang weder im eigenen Land noch im Ausland spürbare Konsequenzen wegen ihrer destabilisierenden Rolle erlebte. Zur Auflösung der Fußnote[28]

Vermittlungsansätze

Der Krieg im Sudan steht auch für die Krise der internationalen Konfliktbearbeitung insgesamt. Bisherige Ansätze, die von einigermaßen einheitlichem Druck, Anreizen und Expertise geprägt waren, sind angesichts der vielfältigen ausländischen Interessen im Sudan kaum noch zu erreichen. Zur Auflösung der Fußnote[29] Stattdessen konkurrieren Mittelmächte und internationale Organisationen um die Kontrolle von Mediationsformaten, um ihren Einfluss im Sudan sowie ihre Relevanz unter Beweis zu stellen. Diplomatische Treffen beschäftigen sich dann oft damit, Zugang zu diesen Formaten zu erlangen und sie aufeinander abzustimmen. Die Konfliktparteien nutzen die internationale Uneinigkeit dazu, Legitimität zu gewinnen, während sie die Kämpfe fortsetzen.

Zwei Hauptformate haben sich in der Vermittlung herauskristallisiert. Die Quad-Initiative der USA, Ägyptens, Saudi-Arabiens und der VAE hat das Ziel, eine humanitäre Waffenruhe als Zwischenschritt zu einem dauerhaften Waffenstillstand zu vereinbaren. Indirekte Gespräche mit hochrangigen Vertretern der beiden Hauptkonfliktparteien fanden statt. Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien, die Ende 2025 eskalierte, behindert jedoch Fortschritte.

Das Quintett von Afrikanischer Union als Führung, der Intergovernmental Authority on Development, der Arabischen Liga, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union bemüht sich seit Anfang 2026 darum, in Konsultationen und Workshops mit Vertreter:innen politischer Parteien und der Zivilgesellschaft Parameter für einen neuen Übergangsprozess zu definieren. Die Organisationen haben jedoch teilweise nur sehr begrenzte Kapazitäten für den Prozess bereitgestellt. Die wichtigsten politischen Parteien sind fragmentiert, da sich ihr Führungspersonal entweder dem unabhängigen Block „Somoud“, dem „Democratic Bloc“ (pro-SAF) oder der RSF-geführten „Tasis“-Koalition angeschlossen hat, die oft nicht zusammen in einem Raum verhandeln wollen. Auch bei Frauen- oder Jugendgruppen ist häufig umstritten, wer das Mandat hat, an einem international unterstützten Prozess teilzunehmen. Beide Vermittlungsinitiativen miteinander zu verbinden, bleibt eine Herausforderung.

Fazit

Im Sudan gibt es eine erhebliche Lücke zwischen dem Bedarf einer umfassenden, inklusiven Antwort, welche die strukturellen Konfliktursachen wie die Fragmentierung des Sicherheitssektors, die Politisierung des Militärs und die Ausbeutung der Peripherien angeht, und den Ansätzen, die angesichts der aktuellen Weltlage möglich scheinen. Ein Waffenstillstand, so wichtig er wäre, liefe ohne weiteren politischen Prozess Gefahr, die De-facto-Teilung des Landes zu zementieren. 2025 rief die Tasis-Koalition eine eigene Regierung mit Sitz in Nyala und geführt von Hemeti aus.

Die Koalitionen, welche die SAF und die RSF für den Kampf zusammengestellt haben, zeigen interne Zerfallserscheinungen und Rivalitäten. Mediator:innen können diese bisweilen als Hebel nutzen. Es ist jedoch auch möglich, dass sie den Auftakt für gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb der beiden Lager bilden.

Umso wichtiger wird es deswegen sein, die jeweiligen lokalen Konstellationen in unterschiedlichen Landesteilen in einem möglichen Friedensprozess zu berücksichtigen. Auf lokaler Ebene sind es bereits jetzt vorwiegend engagierte Freiwillige, die sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern – gerade dort, wo internationale Hilfsorganisationen nicht hinkommen. Traditionellen, religiösen oder wirtschaftlichen Eliten ist es gelungen, kurzzeitige lokale Waffenstillstände zu vereinbaren. Zur Auflösung der Fußnote[30] Diese lokalen Initiativen mit Vermittlungsprozessen auf nationaler wie auch regionaler Ebene zu verbinden, wird von zentraler Bedeutung sein, um Frieden im Sudan zu schaffen.

Fußnoten

  1. Zur Erwähnung der Fußnote  [1]Vgl. UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, Global Humanitarian Overview 2026, Genf 2025.
  2. Zur Erwähnung der Fußnote  [2]Vgl. International Organisation on Migration, DTM Sudan Displacement and Return Snapshot (6), 15.6.2026, Externer Link: https://dtm.iom.int/reports/dtm-sudan-displacement-and-return-snapshot-6.
  3. Zur Erwähnung der Fußnote  [3]Vgl. Integrated Food Security Phase Classification, Special Report Sudan, 3.6.2026.
  4. Zur Erwähnung der Fußnote  [4]Vgl. Douglas H. Johnson, The Root Causes of Sudan’s Civil Wars: Old Wars and New Wars, 3. Auflage, Rochester 2016.
  5. Zur Erwähnung der Fußnote  [5]Vgl. Alex de Waal, Counter-Insurgency on the Cheap: The Road to Darfur, in: London Review of Books 15/2004, Externer Link: https://www.lrb.co.uk/the-paper/v26/n15/alex-de-waal/counter-insurgency-on-the-cheap.
  6. Zur Erwähnung der Fußnote  [6]Vgl. Julie Flint/Alex de Waal, Darfur: A New History of a Long War, London 2008.
  7. Zur Erwähnung der Fußnote  [7]Vgl. Willow Berridge/Alex de Waal/Justin Lynch, Sudan’s Unfinished Democracy. The Promise and Betrayal of a People’s Revolution, London 2022.
  8. Zur Erwähnung der Fußnote  [8]Vgl. Joshua Craze/Raga Makawi, The Republic of Kadamol. A Portrait of the Rapid Support Forces at War, Small Arms Survey, Genf 2025.
  9. Zur Erwähnung der Fußnote  [9]Vgl. Jérôme Tubiana/Clotilde Warin/Gaffar Mohammud Saeneen, Multilateral Damage. The Impact of EU Migration Policies on Central Saharan Routes, Den Haag 2018.
  10. Zur Erwähnung der Fußnote  [10]Vgl. Gerrit Kurtz, Machtbeziehungen in Sudan nach dem Fall Bashirs: Von der Revolution zum Krieg, Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-Studie 10/2024, S. 20.
  11. Zur Erwähnung der Fußnote  [11]Vgl. ders., Die Spoiler von Darfur: Im Schatten des gescheiterten Übergangsprozesses verschärft sich die Konfliktsituation in Sudans Westen, SWP-Aktuell 54/2022.
  12. Zur Erwähnung der Fußnote  [12]Vgl. Volker Perthes, Sudan’s Transition to War, in: Survival Aug-Sept/2024, S. 127–148, hier S. 135.
  13. Zur Erwähnung der Fußnote  [13]Vgl. Hager Ali, The War in Sudan: How Weapons and Networks Shattered a Power Struggle, GIGA Fokus 2/2024, Externer Link: https://www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/the-war-in-sudan-how-weapons-and-networks-shattered-a-power-struggle.
  14. Zur Erwähnung der Fußnote  [14]Vgl. Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/60/22, Sudan: A War of Atrocities, vorgestellt auf seiner 60. Tagung (8.9.–3.10.2025).
  15. Zur Erwähnung der Fußnote  [15]Vgl. Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), „They were shooting us like animals“: RSF Final Offensive and Capture of Besieged El Fasher (24–30 October 2025), Genf 2026, Ziff. 50f.
  16. Zur Erwähnung der Fußnote  [16]UNHRC, Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/61/77, Sudan: Hallmarks of Genocide in El-Fasher, vorgestellt auf seiner 61. Sitzung (23.2.–2.4.2026), S. 18 (eigene Übersetzung).
  17. Zur Erwähnung der Fußnote  [17]Vgl. International Crisis Group, Sudan’s Calamitous War: Finding a Path Toward Peace, Crisis Group Africa Briefing 204/2025, Externer Link: https://www.crisisgroup.org/brf/africa/horn-africa/sudan/b204-sudans-calamitous-war-finding-path-toward-peace.
  18. Zur Erwähnung der Fußnote  [18]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Denis M. Tull, The Myth of the Gamechanger: Drones and Military Power in Africa, Megatrends Policy Brief 33/2025, Externer Link: https://doi.org/10.18449/2025MTA-PB33.
  19. Zur Erwähnung der Fußnote  [19]Vgl. Gerrit Kurtz, Wie man über den Krieg in Sudan sprechen sollte – und wie nicht, 22.4.2024, Externer Link: https://www.megatrends-afrika.de/publikation/mta-spotlight-30-wie-man-ueber-den-krieg-in-sudan-sprechen-sollte-und-wie-nicht.
  20. Zur Erwähnung der Fußnote  [20]Vgl. Declan Walsh et al., The Secret Egyptian Air Base Behind Sudan’s Drone War, 1.2.2026, Externer Link: https://www.nytimes.com/2026/02/01/world/africa/egypt-sudan-drones.html.
  21. Zur Erwähnung der Fußnote  [21]Vgl. Nicholas Bariyo/Benoit Faucon, Iran Tried to Persuade Sudan to Allow Naval Base on Its Red Sea Coast, in: Wall Street Journal, 3.3.2024.
  22. Zur Erwähnung der Fußnote  [22]Vgl. Eritrea Military Training Camps Raise Concerns About Security in Eastern Sudan, 26.1.2024, Externer Link: https://www.dabangasudan.org/en/all-news/article/eritrea-training-camps-raise-concerns-about-security-situation-in-eastern-sudan.
  23. Zur Erwähnung der Fußnote  [23]Vgl. Declan Walsh/Ivor Prickett, A War on the Nile Pushes Sudan Toward the Abyss, 5.4.2024, Externer Link: https://www.nytimes.com/2024/06/05/world/africa/sudan-khartoum-darfur-war.html.
  24. Zur Erwähnung der Fußnote  [24]Vgl. Ian Lovett/Nicholas Bariyo/Nikita Nikolaienko, Ukraine Is Now Fighting Russia in Sudan, 6.3.2024, Externer Link: https://www.wsj.com/world/ukraine-is-now-fighting-russia-in-sudan-87caf1d8.
  25. Zur Erwähnung der Fußnote  [25]Vgl. U.S. Department of the Treasury, Treasury Sanctions Sudanese Paramilitary Leader, Weapons Supplier, and Related Companies, 7.1.2025, Externer Link: https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy2772.
  26. Zur Erwähnung der Fußnote  [26]Vgl. Human Rights Watch, From Bogotá to El Fasher. The UAE’s Role in the Deployment of Colombian Fighters and Other Backing to the Rapid Support Forces in Sudan, 25.5.2026.
  27. Zur Erwähnung der Fußnote  [27]Vgl. China’s Hidden Hands: How Chinese Weapons Are Fueling Both Side of Sudan’s War, 4.6.2025, Externer Link: https://3ayin.com/en/china-/.
  28. Zur Erwähnung der Fußnote  [28]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Stephan Roll, Die destabilisierende Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate in afrikanischen Konflikten, SWP-Aktuell 22/2026.
  29. Zur Erwähnung der Fußnote  [29]Vgl. Gerrit Kurtz, Frieden in der Krise: Konfliktbearbeitung am Horn von Afrika, SWP-Studie 10/2026.
  30. Zur Erwähnung der Fußnote  [30]Vgl. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNDP Sudan, Bridging Divides. Local Peace Initiatives in Sudan, Khartum 2025.

Peace in Crisis: Conflict Management in the Horn of Africa

SWP Research Paper 2026/RP 10, 17.06.2026

  • The system of international conflict management is in deep crisis. Relevant instruments such as UN peace operations are being withdrawn, normative and power-political preconditions (for example, US-guaranteed international order) no longer apply and all too often agreements have led to the entrenchment of violent authoritarian systems rather than their transformation.
  • This crisis is particularly evident in the Horn of Africa. Neither peace agreements concluded under significant international pressure (as in the case of South Sudan) nor those negotiated between armed actors with virtually no mediation (as in Sudan in 2020) have brought about stability. Rather, governments (such as that of Ethiopia) have regularly exploited peace processes to secure their own rule.
  • More recent mediation processes have been primarily a function of regional rivalries and the diplomatic interests of the external actors involved (as has been the case in Sudan since the current war began in April 2023). If foreign support is available, the parties to the conflict have fewer incentives to make compromises.
  • Because mechanisms for implementing agreements are poorly resourced and receive little political support, there is no inclusive political process following ceasefires to address the root causes of the conflict. Sooner or later, fighting flares up once again.
  • As far as European contributions to conflict resolution in the Horn of Africa are concerned, there are lessons to be learned from this crisis. Europe should neither cling nostalgically to what is a largely defunct system of conflict management, nor should it, out of frustration, adopt approaches dominated solely by security considerations. Instead, it should support civilian peace initiatives, help political economies of violence die out and rethink its own cooperation with governments that exacerbate conflict (such as that of the United Arab Emirates).

Frieden in der Krise: Konflikt­bearbeitung am Horn von Afrika

SWP-Studie 2026/S 10, 08.05.2026, doi:10.18449/2026S10

Das System internationaler Konfliktbearbeitung befindet sich in einer tiefen Krise. Entsprechende Instrumente wie UN-Friedensmissionen werden abgezogen, normative und machtpolitische Voraussetzungen wie eine US-garantierte internationale Ordnung gelten nicht mehr, und bisherige Abkommen haben zu oft eine Vertiefung gewaltsamer autoritärer Systeme statt deren Transformation bewirkt.

Am Horn von Afrika zeigt sich diese Krise besonders deutlich. Stabilität brachten dort weder international erzwungene Friedensabkommen wie in Südsudan noch solche, die wie in Sudan 2020 praktisch ohne Mediation zwischen bewaffneten Akteuren ausgehandelt wurden. Regierungen wie die äthiopische haben Friedensprozesse vielmehr regelmäßig instrumentalisiert, um die eigene Herrschaft zu sichern.

Jüngere Vermittlungsprozesse sind primär eine Funktion regionaler Rivalitäten und diplomatischer Interessen von beteiligten externen Akteu­ren, wie in Sudan seit Kriegsbeginn im April 2023. Ist wie hier ausländische Unterstützung verfügbar, haben Konfliktparteien weniger Anreize, sich auf Kompromisse einzulassen.

Weil Mechanismen zur Umsetzung von Abkommen nur schwach aus­gestattet sind und politisch wenig unterstützt werden, gibt es nach Waffenstillständen keinen inklusiven politischen Prozess, um die Kon­flikt­ursachen anzugehen. Erneute Waffengänge sind früher oder später die Folge.

Für europäische Beiträge zur Konfliktbewältigung am Horn von Afrika sollten Lehren aus dieser Krise gezogen werden. Es gilt weder nostalgisch auf die weitgehend untergegangene Art der Konfliktbearbeitung zu blicken noch frustriert rein sicherheitsdominierten Ansätzen zu folgen. Vielmehr sollte Europa zivile Friedensinitiativen unterstützen, politische Gewaltökonomien auszutrocknen helfen und die eigene Zusammenarbeit mit konfliktverschärfenden Regierungen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) überdenken.

Volle Publikation

Nachhaltiges Friedensengagement in Zeiten kurzlebiger »Deals«

Beitrag in: Barbara Lippert/Stefan Mair (Hrsg.): Mit, ohne, gegen Washington: Die Neubestimmung der Bezie­hungen Europas zu den USA, SWP-Studie 2026/S 03, 22.01.2026

Ob in Nahost oder der Ukraine, in Sudan oder in Syrien: Die USA spielen in vielen Konflikten eine wichtige, teilweise unverzichtbare Rolle. Präsident Trump inszeniert sich als Friedensvermittler, der eta­blierte Normen, Institutionen und Praktiken bewusst außen vor lässt. Die von der US-Adminis­tration geführ­ten Verhandlungsprozesse und durchgesetzten »Deals« brechen mit den Säulen eines Systems der internationalen Konfliktbearbeitung, Vermittlung und Frie­dens­förderung, in das wenige Länder mehr investiert haben als Deutschland. Hinter den öffent­lich insze­nierten Handschlägen im Beisein Trumps stehen oft neoimperialistische Vorstellungen einer Großmachtdiplomatie zur Aufteilung von Interessensphären und zur Ressourcenausbeutung, ohne die Be­troffenen angemessen zu beteiligen. Konfliktparteien öffentlich unter Druck zu setzen, ein beliebtes Mittel der Trump-Administration, führt oft nur zu oberfläch­lichen, kurz­lebigen Deals für Waffenruhen, ohne die Kon­flikt­ursachen anzugehen, sodass die Feuerpausen bald von erneuter Gewalt unterbrochen werden. Gleichzeitig ist es Ausdruck der Schwäche des tra­dier­ten multilateralen Friedensengagements, in jüngerer Zeit zu wenig eigene belastbare Erfolge her­vorge­bracht zu haben. Deutschland sollte US-geführte Initia­tiven nach ihrem Beitrag zu tatsächlicher Sicher­heit der betroffenen Bevölkerungen bemessen und – mindestens als Ergänzung – wieder stärker in prin­zipien­geleitetes Friedensengagement investieren.

Bröckelnde Grundannahmen

Das deutsche Engagement in der Konfliktbearbeitung und Friedensförderung beruht auf wohlverstandenen außenpolitischen Interessen.1 Deutschlands Interesse an nachhaltigen Friedensordnungen folgt der Einsicht, dass ein derart auf internationale Zu­sammenarbeit, freien Handel und eine offene Gesell­schaft angewiesenes Land sich nicht von den Aus­wirkungen bewaffneter Konflikte abschotten kann.2 Außenminister Johann Wadephul wirbt für dieses Engagement auch außerhalb öffentlich beachteter Brennpunkte: »Ich bin davon überzeugt: Krisen und Konflikte, die wir ignorieren, von denen wir uns ein­bilden, sie beträfen uns nicht, kommen früher oder später zu uns. Deswegen müssen wir uns dort vor Ort engagieren.«3

Bewaffnete Konflikte, Terrorismus und fragile Situa­tionen im Nahen Osten sowie auf Europas Nach­barkontinent Afrika berühren das friedliche Zusammen­leben in einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft, den Wohlstand und die Sicherheit in Deutschland. In einer zunehmend kompetitiven internatio­nalen Ordnung hat Deutschland außerdem ein über­geordnetes Interesse, sich für die Einhaltung grund­legender Normen des Völkerrechts einzusetzen, die auch deutsche Staatsbürger:innen schützen – wie das zwischenstaatliche Gewaltverbot, territoriale Inte­grität und die Verhinderung von Völkermord.

Seit Mitte der 2010er Jahre hat Deutschland sein »integriertes Friedensengagement« ausgeweitet, zu dem eine ganze Reihe von Maßnahmen wie Friedens­mediation, Rechtsstaatsförderung oder die Stärkung legitimer Staatlichkeit gehört.4 Auf diesem Feld der zivilen Friedensförderung ist Deutschland schon seit 2017 der größte Geber weltweit, mit Schwerpunkten unter anderem im Irak, im Tschadseebecken oder in der Ukraine (jenseits der Militärhilfe). Seit 2023 hat Deutschland seine Mittel in diesem Bereich allerdings um 40 Prozent gekürzt.5

Wichtige Annahmen, die dem deutschen Ansatz zugrunde liegen, waren bereits angesichts der Fehl­schläge in Afghanistan und Mali brüchig geworden.6 Unter der Trump-Administration funktionieren sie teil­weise gar nicht mehr. Deutschland leistet seine Bei­träge zu Konfliktbearbeitung und Friedensförderung regelmäßig in Kontexten, in denen politische Prozesse vorrangig von anderen Mächten wie den USA geprägt werden. In der Regel sah sich Deutschland als unterstützender Akteur, der die Aushandlung zentraler politischer Parameter de facto Konflikt­parteien, lokalen Eliten und einflussreicheren Staaten überließ, oft moderiert von multilateralen Sonder­gesandten.7 Dies lag an den eigenen begrenzten Kapa­zitäten, mangelnden Zugängen zu Eliten oder der Risikoaversion der deutschen Außenpolitik, trug aber auch dazu bei, dass sich Deutschland als guter multi­lateraler Mitgliedstaat der Vereinten Nationen (UN) profilieren konnte, der gemeinsame Fonds und Akti­vitäten besonders emsig unterstützt.

Die USA setzten bereits seit langem auf Elitendeals, die auf den kurzfristigen Erfolg orientiert waren.

Bereits vor der ersten Trump-Administration setz­ten die USA häufig auf begrenzte Elitendeals, die oft eher auf den kurzfristigen, sichtbaren Erfolg hin ori­entiert waren als auf nachhaltige Friedenssicherung.8 Wie kurzsichtig solch ein Ansatz sein konnte, erfuhr die Bundesregierung unter anderem beim Fall Kabuls, nachdem die erste Trump-Administration ein Abkom­men mit den Taliban ausgehandelt hatte, welches die international anerkannte afghanische Regierung außer Acht ließ.9 Ein anderes Beispiel war die Zurück­haltung der US-Regierung, Sanktionen gegen die put­schen­den sudanesischen Generäle zu verhängen, nach­dem diese im Oktober 2021 den auch von Deutschland mit großem politischem Aufwand10 unterstützten Übergangsprozess beendet hatten. Der anschließende Machtkampf eskalierte im April 2023 zu offenem Krieg, der vielleicht mit entschiedenerem Druck hätte verhindert werden können.11

Der Politikansatz, Beiträge zu von Dritten geführten politischen Prozessen zu leisten, läuft mittler­weile ins Leere. Er stößt auf eine tiefe Krise des Multi­lateralismus und die dramatische Kürzung internatio­naler Mittel.12 Der UN-Sicherheitsrat ist aufgrund der geopolitischen Spannungen nur begrenzt handlungsfähig. UN und Afrikanischer Union (AU) fehlt es an Ernsthaftigkeit und Unparteilichkeit im Umgang mit dem Krieg in Sudan.13 Neuere Vermittlungsakteure wie die Türkei oder Saudi-Arabien handeln transaktio­nale Abkommen wie die Ankara-Erklärung zwischen Äthiopien und Somalia aus, die außerhalb multilateraler Institutionen zustande kommen.

Vermittlung als geopolitisches PR-Spektakel und Großmachtdiplomatie

Besonders eklatant tritt der Widerspruch zwischen den Grundannahmen Deutschlands bei den Vermittlungsanstrengungen der amtierenden US-Regierung zutage. Der Zugang der Trump-Administration zur Beilegung bewaffneter Konflikte folgt einem staats­zentrierten, eigennützigen und oft neoimperialis­tischen Ansatz, der überdies personalisiert und per­formativ ist. Dies trägt der Komplexität von Konflikten nicht Rechnung und widerspricht den etablierten Erfolgskriterien von Friedensvermittlung. Zu ihnen gehören unter anderem Geduld, Expertise, Unparteilichkeit, der Verzicht auf das Scheinwerferlicht, inter­nationale Koordination, die Beteiligung aller relevan­ten Gruppen, die in einen Konflikt involviert sind, sowie eine führende Rolle lokaler Akteure.14

Die USA konzentrieren sich auf zwischenstaatliche Konflikte oder zumindest die zwischenstaatlichen Aspekte bewaffneter Konflikte. Das Abkommen zwi­schen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda vom Juni 2025 beispielsweise ließ die wich­tigste, von Ruanda unterstützte bewaffnete Gruppe Ostkongos, M23, ebenso außen vor wie die zentralen Nachbarstaaten Uganda und Burundi.15 Zu Sudan erreichten die USA im September 2025 zuerst eine Vereinbarung mit den bedeutendsten externen Unter­stützerstaaten der Konfliktparteien – Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Erst danach leiteten sie indirekte Gespräche mit der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces (RSF) ein.16

Nur eine untergeordnete Rolle spielt die Mitwirkung der vom Konflikt betroffenen Bevölkerung. Trump gibt immer wieder dem Impuls nach, mit Moskau direkt und ohne Beteiligung Kyjiws über die Ukraine zu sprechen, und drängt die Ukraine zu Gebietsabtretungen.17 In Gaza kam ein Waffenstillstand im Oktober 2025 erst zustande, nachdem Trump von seiner uneingeschränkten Unterstützung für Israel einschließlich der möglichen Vertreibung von Palästinenser:innen abgerückt war.18 Die Schwächung etablierter Normen und Institutionen ist kein Neben­schauplatz, sondern dient dem strategischen Interesse der aktuellen US-Regierung, als Großmacht eine Welt­ordnung zu schaffen, die eigenem Gutdünken, nicht aber den Regeln des Völkerrechts folgt.19

Die Umsetzung der »Deals« hängt von der persönlichen Kapazität weniger Personen ab.

Maßgebliche Akteure bei vielen dieser Vermittlungsbemühungen, auch das eine Besonderheit des derzeitigen US-Ansatzes, sind nicht professionelle Diplomaten, sondern Sondergesandte, die ein enges persönliches Verhältnis zu Präsident Trump pflegen. Das verschafft ihnen einen Einfluss, über den Karrie­rediplomat:innen nicht verfügen. Massad Boulos, Trumps Afrika-Gesandter, ist der Schwiegervater seiner Tochter Tiffany. Steve Witkoff, der für Trump Gespräche im Nahen Osten und mit Putin führt, ist ein Immobilienunternehmer und Golf-Freund des US-Präsidenten.

Gleichzeitig verloren viele Angestellte des State Departments ihren Arbeitsplatz, für Konfliktbearbei­tung zuständige Abteilungen wurden aufgelöst, Füh­rungspositionen nicht nachbesetzt.20 Die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (United States Agency for International Development, USAID) wurde abgeschafft, viele Projekte im Bereich Friedensförde­rung wurden gestrichen, unter anderem in der suda­nesischen Diaspora.21 Sondergesandte wie Witkoff und Boulos greifen in der Regel kaum auf den Appa­rat des State Departments und dessen Expert:innen zurück.22 Die Aussetzung der US-Beiträge gefährdet die Zahlungs- und Handlungsfähigkeit der UN.23 Ohne institutionelle Absicherung hängt es von der persönlichen Aufmerksamkeit und Kapazität weniger Personen ab, ob und wie gut die Umsetzung von Deals überwacht wird. Die Beauftragten setzen dar­auf, dass ihre Verhandlungsmethoden aus der Geschäftswelt auch in Verhandlungen mit Russland, Iran oder zum Krieg in Sudan helfen. Dabei stellen sie erst mit der Zeit fest, dass sie die ideologische Dis­position und machtpolitische Entschlossenheit ihrer Gesprächspartner unterschätzen, an bewaffneter Ge­walt festzuhalten.24

Wirtschaftliche Nebenabsprachen unterstreichen, dass es den USA um partikuläre Eigeninteressen und nicht um Konflikttransformation geht. Sowohl mit der Ukraine als auch mit der Demokratischen Repu­blik Kongo schlossen sie Rohstoffabkommen. Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, setzte sich für die Abraham-Abkommen zur Normalisierung diploma­tischer Beziehungen einiger arabischer Staaten mit Israel ein und profitierte von hohen Investitionen aus der Region in sein Unternehmen.25 Die Kombination aus Großmachtdiplomatie, Gebietsverschiebungen ohne Beteiligung der Betroffenen und eigenen wirt­schaftlichen Interessen der Vermittler erinnert an den Imperialismus europäischer Mächte im 19. und 20. Jahr­hundert.

Für Trump selbst scheint das Prestige einer von ihm persönlich öffentlich verkündeten Einigung im Vordergrund zu stehen. Nicht zufällig spricht er selbst immer wieder davon, dass er den Friedens­nobelpreis verdiene. Im ägyptischen Scharm El-Scheich versammelte Trump im Oktober 2025 mehr als 20 Staats- und Regierungschefs, um das Ende des Kriegs in Gaza zu feiern, während Vertreter der Kon­fliktparteien fehlten. Man könnte denken, dass Trump auch seine Glaubwürdigkeit mit dem Erfolg eines solchen Friedensprozesses verbindet. Konsistenz scheint aber keine große Rolle für ihn zu spielen.

Schlussfolgerungen

Deutschland sieht sich vor der Aufgabe, die eigentlich reformbedürftige Architektur und Praxis internationaler Konfliktbearbeitung gegen die Angriffe und Kürzungen der Trump-Administration zu verteidigen. Denn das bisherige System eines »liberalen Friedens« befindet sich in einer tiefen Krise.26

Vier notwendige Weichenstellungen lassen sich iden­tifizieren. Erstens sollte die Bundesregierung für sich und in Abstimmung mit zentralen Partnern wie der EU ausdrücklich Mindestkriterien definieren, die US-geführte Vermittlungsprozesse erfüllen müssten, um explizite (finanzielle und politische) Unterstützung zu erhalten. Das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine und das der Palästinenser:innen sind solche Bedingungen. Jeder Prozess sollte überdies danach beurteilt werden, inwiefern er tatsächlich bewaffnete Gewalt reduziert und humanitäre Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung verbessert.

Zweitens sollte die Bundesregierung dort, wo sie selbst Einfluss hat, diplomatische Impulse geben, die Alternativen zu (möglichen) US-Initiativen bieten. Ein Beispiel dafür wäre Deutschlands Unterstützung für den Übergangsprozess in Syrien, auch in Kooperation mit der Türkei und den Golfstaaten.27

Drittens sollte Deutschland (weiterhin) gerade die Art des inklusiven, multilateral koordinierten und lokal geführten Friedensengagements (wie etwa am Tschadseebecken) unterstützen, an welcher es der Trump-Administration fehlt. Dies erfordert jedoch, dass die Bundesregierung den selbst eingeleiteten Kürzungsprozess im Bereich internationale Zusammenarbeit umkehrt sowie politisch und finanziell wie­der mehr in zivile Konfliktbearbeitung investiert.28

Viertens schließlich sollte Deutschland diejenigen Hebel, über die es in Konfliktkontexten verfügt, stär­ker für die Aufrechterhaltung prinzipienorientierter Friedensförderung nutzen. Deutschland sollte Wie­der­aufbauhilfe davon abhängig machen, dass bei den Konfliktparteien grundlegende Weichenstellungen stattfinden, beispielsweise dass kein Gewaltakteur Teil einer zukünftigen Regierung in Sudan sein darf.

Während viele internationale Akteure wie die USA zunehmend auf wirtschaftliche oder geopolitische An­reize setzen, um Kriege zu beenden, wäre Deutsch­land gut beraten, die zentrale Rolle interner und inter­nationaler Legitimität hervorzuheben. Nur mit dieser wird nachhaltiger Frieden möglich.

Rethinking Transitional Justice in Sudan

Drawing Lessons From the Transition Process and Finding an End to the War

Published in Verfassungsblog, 26 June 2025

The war that has plagued Sudan since 15 April 2023 is accompanied by massive violations and abuses of international humanitarian law and international human rights law. Sudanese returning to their homes in Khartoum, which was recaptured by the army in late March, often find graves and decomposing bodies. The UN Fact-Finding Mission on Sudan, meanwhile, recently reported “a sharp rise in sexual and gender-based violence.” The Biden administration in the United States even formally determined that war crimes, crimes against humanity, and genocide had taken place, a rare step. Sudan is no stranger to mass atrocities, as violence against civilians, including sexual violence and identity-based attacks on ethnic groups, have marked previous wars as well. Hardly any of the major perpetrators have faced justice.

Addressing this accumulated injustice has proven to be one of the most important stumbling blocs for previous peace and transition processes in Sudan and also remains a key obstacle now. Impunity with the persistence, and indeed rise, of alleged perpetrators is a key dimension of the current war. Many in Sudan associate transitional justice primarily with criminal justice instead of also addressing structural dimensions of atrocities. This has created uncertainty, resentment, and fear among armed actors as well as survivors.

A culture of impunity fueling conflict

Sudan has been plagued by conflict and violence against civilians for decades. For that reason, justice was a key demand of the protestors that helped topple President Omar al-Bashir in April 2019, after thirty years in power. The constitutional declaration that the military and a coalition of political parties, professional associations, and civil society signed in August 2019 to create a civil-military transitional government included a commitment to transitional justice, as had earlier peace agreements that had addressed previous conflicts. Little was ever implemented, though.

The culture of impunity, the lack of reparations for harm, left out institutional reforms, failed investigations, and missing public consensus about the country’s past as part of its national identity created grounds for conflict and the return of authoritarianism. Those responsible for violence against civilians not only remained in power, but benefited and prospered. Instead of gradually reducing the power and influence of the security sector, the 2019-2021 transition process ended up entrenching them even further.

This is particularly the case for the Rapid Support Forces (RSF), led by Mohamed Hamdan Dagalo, also known as Hemedti. The RSF emerged out of Arab militias locally known as Janjaweed, which were responsible for mass violence in Darfur in the early 2000s. Omar al-Bashir, Sudan’s then President, used the RSF for border protection, counterinsurgency, mercenary services in Yemen, and regime security. Hemedti made himself into a key powerbroker when he joined the intelligence service and the Sudanese Armed Forces to replace Bashir in the face of sustained mass protests in April 2019. His forces likely led a subsequent attack on the main protest camp outside the military headquarters on 3 June 2019 that killed more than 120 people. Still, Hemedti became an influential member of the civil-military Sovereign Council (the transitional collective presidency), styling himself as its deputy chairman and de-facto vice president. In the following years, the RSF grew massively in military strength, with the help of the army and international partners like Russia (Wagner) and the UAE, as well as in economic influence. The RSF’s rivalry with the SAF increased notably after the coup in October 2021, with the army itself staffed by senior officers involved in past atrocities as well. The rivalry between the two armies culminated in the outbreak of open hostilities in the morning hours of Saturday 15 April 2023.

Lessons from Sudan’s transition process

Sudan’s most recent transition process underlines how transitional justice can fail – and what future efforts must learn. The civilian component of the transitional government took a top-down approach to transitional justice, with victim and survivor groups feeling insufficiently consulted. A key element was the so-called dismantling committee, which investigated the shadow system, assets and staff associated with the former regime, leading to the dismissal of thousands of public officials. They operated without sufficient regard to due process, however. The United Nations Independent Expert on the situation of human rights in the Sudan warned that the Committee’s decisions “might degenerate into political purges”, as it had the right to dismiss all public employees based on their mere association with the former regime. The UN human rights office worked with the transitional authorities to improve the situation, but these concerns were not sufficiently addressed before the coup.

Furthermore, transitional justice became part of the bargaining process between armed groups and the security forces during the negotiations that led to the Juba Peace Agreement, signed in October 2020. The agreement includes a detailed chapter on “justice, accountability and reconciliation”, including a timeline of 60 days to establish a truth and reconciliation committee and 90 days to establish a special court for Darfur. None of those were ever established. Instead, representatives of the armed movements joined the government in Khartoum, brought back troops to Sudan and engaged in major recruitment drives in Darfur, incentivized by the promise of demobilization packages in the peace agreement.

The security institutions remained highly skeptical of transitional justice, increasing their motivation to remove the civilian component from the government. After the coup, they overturned many decisions by the dismantling committee. Investigations into the violent dispersal of the protest camp in June 2019 stopped.

When it came to a core demand of the revolutionary protest movement of December 2018, the transition not only delivered little in the way of justice but also created resentments and disappointments in many quarters. It failed to engage with the structural causes of Sudan’s atrocities and repression, ultimately contributing to the situation that led to a devastating war – one that has laid waste to the country’s institutions, livelihoods, and social fabric.

Dealing with power structures

Getting the full spectrum of measures that transitional justice entails right is therefore essential for any future political and peace process. Crucially, anyone engaging in transitional justice needs to acknowledge from the get-go that a transitional justice process reflects the prevailing power structures and is therefore inherently political.

This is an uneasy discussion. Given the previous experience of impunity, delayed implementation, and power-seeking elites, some associate transitional justice in Sudan with a so-called “soft landing” approach: perpetrators as well as benefactors of past crimes get to go scot-free if they make some superficial commitments to peace and human rights. As a result, they receive the legitimacy to either remain in positions of power or join the dominant kleptocratic system for their own benefit.

Acknowledging existing power structures does not mean accepting them. Rather, civilian actors (and those foreign governments wishing to support them) should anticipate and prepare for dealing with armed and authoritarian forces with their eyes open. Simply calling for justice, truth, reparations and comprehensive institutional reforms does not suffice, as important as a principled stance is.

This insight has guided recent efforts to rethink transitional justice in Sudan. In a series of workshops organized jointly by the Friedrich Ebert Foundation and the German Institute for International and Security Affairs (SWP) in Kampala and Addis Ababa between February2024 and May 2025, Sudanese and international leading experts on transitional justice and peace came together to consider some of the challenges, trade-offs and possibilities how transitional justice could contribute to ending the war, and to sustaining peace.

Balancing peace and justice demands in Sudan

One of the challenges of transitional justice globally has been that despite frequent commitments to be context-specific, victim-centered and nationally owned, it can be excessively driven by outside actors. This is particularly prevalent in cases where representatives of an ancien régime (like that of Bashir) or those responsible for atrocities during war time retain significant power, not least because most wars end through a negotiated agreement between warring parties, e.g. in Ethiopia and in South Sudan. In such contexts, in trying to reduce the sensitivity of the subject, transitional justice is often reduced to a technical exercise of consultations, legislation, institutions, and processes. Even in situations where, for example, a truth commission has been able to work – such as in Kenya –, the impact remains very limited. International criminal proceedings may be possible, for example at the International Criminal Court, specialized tribunals or in national courts based on universal jurisdiction, yet they remain distant from the communities and survivors involved.

In a situation of active hostilities as in Sudan, balancing the concurrent demands of peace and justice is key. This has been a lesson that one of the members of the expert group, Rifaat Makkawi, mentioned in a podcast of the INSAF campaign for transitional justice. “Our views shifted”, he said. “We used to believe that justice comes first.” Experiencing the devastation of the war firsthand, the campaign now seeks “a balance between justice and peace.”

The key here is that such a balance means aligning peace and justice as much as possible, not just seeking an immediate target instead of a seemingly more long-term one. Makkawi and Amal Hamdan, another member of the expert group, tackled one of the most controversial subjects in this area: amnesty. In a joint paper, they call for shaping conditional amnesty provisions in such a way that they facilitate peace while not precluding prosecutions, for example through a hybrid court with national and international elements. Conditional amnesty would be a novel instrument in Sudanese conflicts, as previous peace processes have always resulted in either explicit or de facto blanket amnesty due to lack of implementation.

The role of civil society

Furthermore, transitional justice is about much more than criminal trials. It also needs to speak to a sense of everyday peace and justice that helps not just elites but whole communities to co-exist. Reconciliation, an often-cited goal of transitional justice, seems almost far-fetched in the face of mass atrocities. Changing out leaders responsible for such crimes is important, as is transforming the relationship between state institutions and civilian populations.

Sudan has an extraordinarily active civil society. In many parts of the country, mutual aid networks provide basic services in areas that international aid organisations often do not reach. Women, youth and other civilian initiatives discuss ways with political and military leaders to halt violence and end the war. Even if the war’s polarization and displacement affect them deeply just like everyone else, they can still play important roles in transitional justice, and often already do. These roles include the documentation of violations, combating hate speech, trainings, rehabilitation, peace messaging, psychosocial as well as material support to victims and survivors, in addition to advocacy. They do not need to wait for the warring parties, donors, or international organisations to include them to make a difference.

Moving forward, seeking possibilities as well as creative entry points remain essential. Sudan’s war is a fundamental challenge to its social fabric, state integrity and regional stability. Ending the war and overcoming violence requires a combination of principles and innovation.

Note: The author co-organized the expert group on transitional justice and peace in Sudan with a workshop series on which parts of this analysis are based, a project in collaboration with the Friedrich Ebert Foundation.

Peace in Sudan: a fresh mediation effort is needed – how it could work

Published on The Conversation Africa, 28 January 2025

Intense fighting has ravaged Sudan since 15 April 2023. The war between the Sudanese Armed Forces and its erstwhile comrades-in-arms, the paramilitary Rapid Support Forces, has created one of the worst humanitarian crises in the world. Famine, displacement and mass atrocities are wreaking havoc in the country.

International mediation efforts have been lacklustre and fruitless. The United Nations security council has been preoccupied with other crises and blocked by its own divisions. The African Union has created diplomatic groups, a high-level panel and a presidential committee, none of which has been particularly active. It has been very slow in tackling the political process it wanted to lead.

The US and Saudi Arabia convened several rounds of talks, first in Jeddah, then in Switzerland. The Sudanese Armed Forces delegation failed to turn up in Switzerland. The Rapid Support Forces expressed willingness to talk peace, while simultaneously committing sexual and gender-based violence on a massive scale. The Biden administration only lately slapped sanctions on the top leaders of both forces, Abdelfattah al-Burhan and Mohamed Hamdan Dagalo (also known as Hemedti).

I have studied civil wars, mediation and peacebuilding for more than 12 years, with a focus on Sudan, including regular visits to the country and the region in the past five years. Based on this experience I have identified five reasons why mediation has failed. These are: the resistance of the conflict parties based on the dynamic nature of the war; continued military and financial aid by their external sponsors; as well as mediation attempts that were too narrow, not viewed as impartial, and lacking in coherence.

Clearly, a new approach to mediation is needed, not simply a new mediator. Turkey has recently offered to lead talks between the Sudanese Armed Forces and the United Arab Emirates, the main backer of the Rapid Support Forces, but Egypt, Kenya and several multilateral organisations also keep looking for opportunities.

Any new initiative will have to have certain components if it’s going to succeed:

  • political parameters, ideally set by a parallel civilian political process, of what might come next for Sudan should guide mediators
  • negotiations should take place in secret so that trust can be established
  • back channel communications networks must be established with potential spoilers without ceding undue legitimacy to them
  • a gender- and youth-inclusive approach
  • more effective international coordination
  • consistent pressure on the conflict parties and their external backers.

Why previous mediation efforts failed

Firstly, neither the Sudanese Armed Forces nor the Rapid Support Forces have shown significant willingness to stop hostilities.

The military fortunes of the two sides has waxed and waned. As long as either side feels successful militarily, they are unlikely to commit to sincere negotiations. Outright military victory leading to control of the whole territory (and its borders) remains out of reach for all.

Secondly, their respective allies have not shown any particular interest in peace.

External actors have provided military support to the warring parties, and helped finance them. The UAE is the main sponsor of the Rapid Support Forces. The Sudanese Armed Forces cooperates with Egypt, Eritrea, Iran and Russia, for arms deliveries and training. The UAE promised the US to stop supporting the Rapid Support Forces, but the arms flows continued.

Thirdly, some conflict management efforts were based on a flawed conflict analysis. There were attempts to organise a face-to-face meeting between Hemedti and Burhan, by the Intergovernmental Authority on Development and the African Union. But the war is not primarily a contest of “two generals”. Neither Hemedti nor Burhan has full control of their forces. Nor is a renewed military government acceptable to large parts of Sudan’s vibrant civil society.

Fourth, mediation efforts suffered because some of the parties saw them as lacking impartiality. Sudanese Armed Forces leaders don’t trust Kenya, whose President William Ruto is closely aligned with the UAE and has, until recently, allowed the Rapid Support Forces to conduct meetings and a press conference in Nairobi. Kenya was supposed to lead the Intergovernmental Authority on Development quartet of mediators, which never really got off the ground. Similarly, Sudan remains suspended from the African Union.

Finally, there was a competition of mediation platforms, allowing the warring parties to shop for the most convenient forum for them.

What a path to a ceasefire might look like

International attention is currently focused on Turkish president Recep Erdogan, who has offered to mediate between the Sudanese Armed Forces and the UAE. The Sudanese Armed Forces has harshly criticised the UAE for its support to the Rapid Support Forces. The offer, then, is based on the assumption the UAE might actually cease that support.

Any new approach should differ from previous efforts.

  • Mediators should provide a broad sense of political parameters for a post-war (interim) order, ideally with strong input from Sudan’s civilian groups. Those could include a conditional amnesty as well as assurances of personal safety for the top military leaders and of some stake in a transitional period, without promising any blanket impunity or renewed power-sharing.

But international mediators should grant the warring parties political recognition and legitimacy only in exchange for feasible concessions.

  • Negotiations should take place in secret, allowing confidential exchanges between declared enemies. This is particularly important for the Sudanese Armed Forces given the rivalry among its leadership.
  • Back channel communications should be established to all actors with real constituencies in Sudan, without empowering them unnecessarily. Turkey is well-placed to reach out to senior members of the previous (Bashir) regime who have found exile there. They control large parts of the fighting forces on the side of Sudanese Armed Forces and could prove to be a major spoiler. The armed groups in the so-called “joint forces” would also need to feel somewhat included.
  • Mediators should find ways to include a broad array of civilian actors, in particular women and youth groups. Instead of only targeting “men with guns”, a peace process should be gender-inclusive.
  • Any lead mediator should keep other interested parties such as the EU, the UK, Norway, and the other countries and organisations already mentioned, informed and engaged.
  • Pressure should be kept up by the US, UK and EU on external backers of the two main warring parties, and target both military and financial flows. Policies, including further targeted sanctions, should be as aligned as possible.

Preparing for a window of opportunity

There’s no guarantee that the violence would cease even if these conditions were met. The main belligerents are likely to continue their current offensives. The Sudanese Armed Forces will try to oust the Rapid Support Forces from central Khartoum completely. The Rapid Support Forces will keep trying to take El Fasher, the only capital in Darfur not under their control.

The impending re-capture of Khartoum by the Sudanese Armed Forces may provide an opportunity for a new round of talks, if it comes with consistent international pressure. Mediators should be ready to push for an end to the fighting.

Den Krieg in Sudan stoppen

Zivile Akteure, nicht allein die Konfliktparteien, sollten die Friedensverhandlungen führen

SWP-Aktuell zusammen mit Hager Ali (GIGA Institut), erschienen am 15.5.2023

In Sudan kämpfen die wichtigsten Sicherheitskräfte des Landes gegeneinander. Eine schnelle militärische Entscheidung ist angesichts des relativ ausgeglichenen Kräfteverhältnisses zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) nicht zu erwarten. Durch dieses strategische Patt sind die Chancen auf eine erfolgreiche Vermittlung nicht ausweglos. Dafür müssten Sudans internationale Partner aber von dem seit Jahrzehnten dominierenden Ansatz Abstand nehmen, Gewaltakteuren die Hauptrolle in Verhandlungen zuzugestehen. Zivile Akteure haben eine breite Anti-Kriegs-Koalition gebildet, die bei Friedensgesprächen von Anfang an den Ton angeben sollte. Dies könnte durchaus auch im Interesse der Konfliktparteien sein, denn diese brauchen einen dritten Akteur, der ihr Verhältnis in Zukunft mode­rieren kann. Die Bundesregierung sollte sich um eine stärkere Koordination inter­nationaler Vermittlungsansätze unter ziviler Führung aus Sudan bemühen. In der EU sollte sie eine Initiative zur Eingrenzung des finanziellen Spielraums der sudanesischen Gewaltakteure anstoßen.

Seit dem 15. April 2023 erschüttern heftige Kämpfe Sudan. Das schon lange befürchtete schlechteste Szenario ist eingetreten: ein offener bewaffneter Kampf zwischen den SAF unter Führung von General Abdel Fattah al-Burhan und den RSF, die unter dem Befehl von General Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemedti, stehen.

Im Gegensatz zu früheren Kriegen finden diese Auseinandersetzungen nicht nur in Sudans leidgeplagter Peripherie statt, son­dern auch in der Agglomeration, die von den Millionenstädten Khartum, Omdurman und Bahri gebildet wird. Die Kämpfe er­schweren die Versorgung der Bevölkerung und haben bereits zu massiven Preisanstie­gen für Güter des täglichen Bedarfs geführt.

Falls die Kämpfe länger andauern sollten, sind die Gefahren für das Land und die Region immens. Hunger, Unterversorgung und massive Fluchtbewegungen sind zu befürchten. Die islamistische Bewegung in Sudan könnte weiter an Einfluss gewinnen. Zivilisten, die sich bedroht fühlen, könnten sich zum Selbstschutz bewaffnen, während die schon existierenden bewaffneten Grup­pen sich auf eine der beiden Seiten schlagen könnten. Die fragilen Nachbarländer könn­ten selbst destabilisiert werden und Raum bieten für jihadistische Akteure.

Interessen der Konfliktparteien

Die seit langem bestehende Konkurrenz zwischen den SAF und den RSF hat sich durch Hemedtis politischen Aufstieg nach dem Fall des Diktators Omar al-Bashir ver­schärft. Bashir hatte die RSF 2013 bewusst als Gegengewicht gegen die SAF und den ebenfalls mächtigen National Intelligence and Security Service (NISS, heute General Intelligence Service, GIS) aufgebaut. Der Wettbewerb im Sicherheitssektor sollte Bashirs Herrschaft in einem der putsch­anfälligsten Länder der Welt stabilisieren. Die komplementären Einsatzfelder der SAF und der RSF ermöglichten es den beiden Militärorganisationen, im selben Staat zu koexistieren.

Bashirs Strategie der Machtsicherung miss­lang, weil ihm die Ressourcen ausgingen, um weiter Subventionen an die Bevölkerung und Loyalitätszahlungen für den Sicherheitssektor zu finanzieren. Seine engsten Verbündeten wandten sich an­gesichts landesweiter Proteste seit Dezember 2018 gegen ihn, nicht zuletzt deshalb, weil auch einige SAF-Einheiten Sympathie mit den Demonstrierenden (darunter Kinder einfluss­reicher SAF-Generäle) zeigten. Wäh­rend sich der mutmaßliche Architekt des Kom­plotts, NISS-Chef Salah Gosh, ins Exil ab­setzte, machten die islamistischen Anhän­ger von Bashirs Regime insbesondere Hemedti, der eine 180-Grad-Volte von Bashirs Be­schützer zu dessen Gegner voll­zog, für den Sturz des Systems verantwortlich.

Angewiesen auf die kampferprobten und skrupellosen RSF machte Burhan als neuer Oberbefehlshaber der Streitkräfte Hemedti im April 2019 zum Stellvertretenden Vor­sitzenden des Übergangsmilitärrats. Doch die Zweck­gemeinschaft der beiden Generäle stellte bereits die Weichen für den Kolli­sionskurs zwischen den SAF und den RSF.

Für die SAF und vor allem für islamistische Kräfte in ihrer Mitte ist es nicht hin­nehmbar, dass mit der RSF eine De-facto-Parallelarmee unabhängig und mit eigenen Einkommensquellen im gleichen Staat ope­rieren kann. Die relative Stärke der RSF er­schwert es den SAF auch perspektivisch, die volle Kontrolle über die Exekutive auszuüben, wie die bisherigen autoritären Regie­rungen Sudans es vermochten. Daher ist es das Ziel der SAF, die konkurrierende Sicher­heitskraft aufzulösen. Eine erfolgreiche In­tegration der RSF würde die Effektivität des Militärs erhöhen und das Putschrisiko mini­mieren.

Umgekehrt will Hemedti die Unabhängig­keit seiner RSF so lange wie möglich erhal­ten und sich nicht einem Militär unterord­nen, das durchsetzt ist mit Offizieren, die ihn und seine Truppe ablehnen. Nach dem Militärputsch im Oktober 2021 hat Burhan Tausende Bedienstete zurück in den öffent­lichen Dienst geholt, die wegen ihrer Loya­lität zum Bashir-Regime vorher entlassen worden waren. Hochrangige Repräsentan­ten des früheren Regimes kamen aus dem Gefängnis frei. Die Sudanesische Islamisti­sche Bewegung unter dem früheren Außen­minister Ali Karti macht aus ihrer Unterstützung für die SAF keinen Hehl.

Hemedti werden politische Ambitionen auf das höchste Staatsamt nachgesagt. Da­für müsste er seine politische Basis deutlich verbreitern, was schwieriger würde, wenn seine RSF in den Streitkräften aufgingen. Das ökonomische Imperium der RSF und der Familie Dagalo macht nach Schätzungen eines Experten die Hälfte der sudanesischen Wirtschaftsleistung aus. Hemedti pro­fitiert somit direkt von den militärischen Kapazitäten der RSF. In Darfur hat er sie zur gewaltsamen Einnahme von Gold­minen eingesetzt.

Sowohl den SAF als auch den RSF geht es also darum, ihre Privilegien zu wahren und Dominanz in einer zukünftigen politischen Ordnung in Sudan zu erlangen. Dafür stre­ben sie nach Legitimität in der sudanesischen Öffentlichkeit und bei internationalen Akteuren.

Strategisches Patt

Sowohl die SAF als auch die RSF werden aller Voraussicht nach geschwächt aus diesem Krieg hervorgehen, auch wenn eine der beiden Parteien Erfolge erzielen sollte. Derzeit ist es jedoch wahrscheinlich, dass beide diesen Konflikt weder militärisch noch politisch in nächster Zeit für sich ent­scheiden können. Je schneller sie einsehen, dass sie sich in einem strategischen Patt befinden, desto eher könnten sie bereit für ernsthafte Friedensgespräche sein.

Schätzungen über die genaue Truppengröße der SAF und der RSF gehen weit aus­einander, zumal beide Kampfverbände stark rekrutiert haben in letzter Zeit. SAF und RSF kontrollieren jedoch eine vergleichbare Größenordnung von Truppen, wobei die SAF noch auf Einheiten von GIS und der Central Reserve Police zurückgreifen. Die militärischen Spezialisierungen der SAF und der RSF erschweren es beiden Streit­kräften, die Oberhand zu gewinnen: Die SAF ist auf konventionelle Kriegsführung mit schweren Waffen und auf die Verteidigung von stationären Ein­richtungen aus­gelegt. Die RSF operiert als reine Boden­truppe hochmobil mit punk­tuellen An­griffen, die oft von Plünderungen begleitet werden.

Keiner der Kontrahenten ist damit auf urbane Kriegsführung im Großraum Khar­tum ausgerichtet. Die SAF tun sich schwer damit, die wesentlich beweglicheren RSF durch die Straßen zu verfolgen. Die Luft­überlegenheit der SAF hat die RSF dazu veranlasst, ihre Basen in der Hauptstadt zu räumen und sich in Wohn­gebieten und Privathäusern einzunisten. Sie hat Schwie­rigkeiten, ihre Versorgung sicherzustellen. In Khartum gibt es einen erbitterten Kampf um stra­tegische Orte wie den Präsidentenpalast, das Militärhauptquartier und die Brücken über den Nil.

Beide Parteien laufen Gefahr, durch den Krieg und die mögliche Beteiligung weiterer bewaffneter Gruppen zu zersplittern. Durch Rekrutierungen und Allianzen verfügen die RSF über Truppen aus vielen Teilen Sudans, nicht nur aus ihrem Ur­sprungsgebiet in Darfur. Dazu zählen auch Angehörige von Drittstaaten wie Tschad und anderen Sahel­ländern, die vor allem opportunistisch agie­ren. Islamistische Kräfte innerhalb der SAF könnten ab einem gewissen Punkt eigen­ständig handeln. Der Abnutzungskampf ist am Ende ruinös für die militärischen Fähig­keiten der beiden Kontrahenten.

Politisch werden SAF und RSF ohnehin geschwächt aus dem Gewaltkonflikt her­vor­gehen. Ihr Putsch war bereits vorher ge­scheitert, denn es war ihnen nicht wie anderen Militärregierungen vor ihnen ge­lungen, zivile politische Parteien zu koop­tieren. Burhan brachte zwar Angehörige der verbotenen National Congress Party (NCP) zurück ins öffentliche Leben, konnte es sich aber nicht leisten, die Partnerschaft publik zu machen. Dazu waren die Proteste der sudanesischen Zivilgesellschaft gegen sein Vorgehen zu groß. Außerdem hätte eine offen islamistische Regierung zu Reibungen mit den wichtigsten Partnern Sudans in der Region – wie Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Saudi-Ara­bien – geführt. Hatten die letzteren beiden nach dem Sturz Bashirs dem damaligen Militärregime unter Burhan und Hemedti noch eine Finanzspritze von drei Milliarden US-Dollar versprochen, zeigen sich die Geber mitt­lerweile zurückhaltender. Eine milliardenschwere Investition aus den VAE in einen Hafen mit umliegendem Gewerbegebiet wurde wiederholt auf­geschoben und erst verkündet nach der prinzipiellen Eini­gung auf eine zivile Regierung im Dezember 2022.

Die Golfstaaten wissen, dass ohne eine Fortsetzung eines IWF-Programms mit makro-ökonomischen Reformen, ohne den Abbau von Sudans Auslandsschulden von über 50 Milliarden Dollar und ohne die Wiederaufnahme der Unterstützung durch die Weltbank und westliche Regierungen die sudanesische Wirtschaft weiter abstür­zen dürfte. Das wäre schlecht für ihre ge­planten Investitionen.

Diese Aussichten waren lange vor dem Ausbruch der Kämpfe in Khartum bekannt. Ein lange anhaltender Krieg wäre weder im Interesse der SAF noch der RSF. Daher spricht einiges dafür, dass die Konflikt­parteien diese Art der Auseinandersetzung so nicht gewollt haben, auch wenn beide mobilisiert und eskaliert haben. Eine Seite hat vermutlich für sich die Chance einer schnellen Entscheidung gesehen oder einem befürchteten unmittelbar bevorstehenden Angriff der anderen zuvorkommen wollen. Ähnliche Eskalationsdynamiken hat es be­reits in der Vergangenheit gegeben, zuletzt im Februar und Anfang März. In diesen Phasen war es sudanesischen und inter­nationalen Vermittlern jedoch gelungen, die Lage vor der Anwendung von Gewalt zu entschärfen. Einige Beobachterinnen wie die sudanesische Analystin Kholood Khair vermuteten in diesem Gehabe von Eskala­tion und Deeskalation eine Taktik des Sicherheitssektors, um unliebsame Kom­promisse in den Verhandlungen für eine zivile Regierung zu vermeiden. Khair warnte zu der Zeit auch vor einer bewaffneten Aus­einandersetzung zwischen beiden Kräften mit »desaströsen Folgen«.

Deals mit Gewaltakteuren sind gescheitert

Die Friedens- und Übergangsprozesse, die Sudan in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat, haben den Gewaltakteuren immer eine überproportionale Rolle zugemessen. Es liegt in der Logik von Abkommen, die unter solchen Vorzeichen starten und in der Regel unter internationaler Vermittlung zustande kommen, dass sie die Anwendung von Gewalt als Mittel der Interessendurchsetzung belohnen. Rebellengruppen haben diese Lektion seit langem gelernt: Wer Auf­merksamkeit und einen Platz am Verhandlungstisch will, sollte möglichst aggressiv auftreten.

Die SAF und die RSF sind Teil dieser am Horn von Afrika verbreiteten Dynamik und verhalten sich entsprechend. Sie sind es gewohnt, bewaffnete Gewalt und bewusste Regelverletzungen als Mittel einzusetzen – und damit Erfolg zu haben.

Diplomatinnen und Diplomaten begründen ihren Umgang mit den Gewaltakteuren in der Regel mit Pragmatismus und Real­politik. Jedes Abkommen sei besser als Krieg und Gewalt. Sudan ist ein gutes Bei­spiel für die Fehlerhaftigkeit dieser Argu­mentation. So stieg die konfliktbezogene Gewalt in Darfur nach dem Friedensabkom­men von Juba 2020 an. Der Deal revitalisierte Rebellengruppen, die in Sudan selbst keine Truppen oder relevante Zustimmung mehr hatten, und verhalf diesen zu einer Beteiligung an der Übergangsregierung.

Obwohl die sudanesische Zivilgesellschaft gerade ihre Organisationskraft auch angesichts massiver Gewalt der Sicherheitskräfte bewiesen hatte, konnten sich letztere während der 2019 eingesetzten zivil-militä­rischen Interimsregierung immer mehr Macht verschaffen. Das lag auch am Verhal­ten der Parteien der Forces of Freedom and Change (FFC), die sich in der Frage der Ver­tei­lung von Sitzen für die Einsetzung eines Übergangsparlaments nicht einigen konn­ten. Stattdessen ließen sie es zu, dass Hemedti und Burhan Einfluss auf die täg­lichen Regierungsgeschäfte nahmen. Das Militär hatte nicht nur daran mitgewirkt die Regeln zu schreiben, sondern legte sie in der Praxis auch für sich aus.

Kein Wunder, dass eine Reihe von ehe­maligen internationalen Diplomaten wie der frühere US-Sondergesandte für das Horn von Afrika, Jeffrey Feltman, diesen mutmaßlich pragmatischen Ansatz mitt­ler­weile ablehnen. Denn er geht von der Prä­misse aus, die Generäle seien gutwillige Akteure, die sich an Abmachungen halten. Das sind sie nicht.

Wettbewerb um Vermittlung

Die Konfliktparteien werden sich wahrschein­lich dann ernsthaft zu Friedens­gesprächen bereiterklären, wenn sie erken­nen, dass sie mit militärischer Gewalt nicht mehr vorankommen können.

Die vielen regionalen und internatio­nalen Akteure, die Interessen in und mit Sudan verfolgen, müssten daher eine einheitliche Linie verfolgen. Vor allem Ägypten, die VAE und Saudi-Arabien sollten den Konflikt­parteien signalisieren, dass sie keine militä­rische Unterstützung zu erwarten haben.

Dies ist durchaus möglich. Kein Land in der Region hat ein Interesse an einem aus­geprägten Bürgerkrieg in Sudan. Auch wenn viele ausländische Regierungen Sympathien für die eine oder andere Seite hegen, hat bis­her keine einzige offiziell ihre Unter­stützung für eine Partei zum Ausdruck ge­bracht. Im Gegenteil haben sich die Nach­barstaaten und die wichtigsten anderen Regierungen einschließlich aller ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats auf Initiative der Afrikanischen Union zu einer Verurteilung des Krieges bekannt und gegen ex­terne Einmischung ausgesprochen.

Gleichwohl zeichnet sich bereits eine Konkurrenz um die Führung von Friedensgesprächen ab. Diese nutzt am Ende nur den Gewaltakteuren selbst, die sich den­jenigen Rahmen aussuchen werden, der ihnen den größtmöglichen Freiraum so­wohl individuell als auch im Verhältnis zu zivilen Parteien erlaubt.

Den USA und Saudi-Arabien gelang es, die SAF und die RSF davon zu überzeugen, Delegationen nach Jeddah zu entsenden, wo die Gegner seit dem 6. Mai 2023 über eine humanitäre Feuerpause verhandeln. Zwar stehen die Media­toren in Kontakt mit den zivilen Forces of Freedom and Change; beteiligt sind diese jedoch nicht direkt an den Gesprächen, bei denen es nicht um das Ende des Krieges gehen soll. Washington und Riad stehen letztlich genau für den Ansatz von Eliten-Deals, der immer wieder gescheitert ist. Schließlich hat der Druck der US-Regierung auf das Militär, den ein­mal festgelegten Zeitplan zur Einrichtung einer zivilen Regierung einzuhalten, ob­wohl es keine belastbare Einigung zum Kernthema Sicherheitssektorreform gab, zur Eskalation beigetragen. Die Afrika-Beauftragte und Verhandlungsführerin der USA, Molly Phee, ist mitverantwortlich für bereits spektakulär gescheiterte Friedensprozesse in Südsudan und Afghanistan.

Aus der Sicht der Konfliktparteien im Grunde noch attraktiver ist die Einladung von Südsudans Präsident Salva Kiir Mayar­dit für Gespräche in Juba. Kiir agiert zwar im Auftrag der Regionalorganisation Inter­governmental Authority on Development (IGAD), hat jedoch eigene Interessen. Er sorgt sich um die Sicherheit der Ölexporte über Port Sudan, von denen sein Staatshaushalt fast ausschließlich abhängt. Sudan und Südsudan haben bereits meh­rere Frie­densabkommen verhandelt. Zivile Akteure waren dabei stets höchstens am Rand be­teiligt, ging es doch um rein transaktionale Macht­teilungsvereinbarungen zwischen Gewaltunternehmern.

Größere Chancen könnte eine Vermittlung von IGAD haben, wenn sich Kenias Präsident William Ruto noch stärker ein­bringen sollte, der zusammen mit den Regierungschefs von Südsudan und Dschi­buti von einem IGAD-Gipfel für Friedens­gespräche in Sudan mandatiert wurde. Er hat sich bereits gegen eine Fortsetzung der Militärregierung in Sudan eingesetzt. Kenia spielt auch in Äthiopien und in Ostkongo eine konstruktive Vermittlerrolle.

Die US-saudisch geführte Initiative bringt zumindest sehr gewichtige Länder zusam­men. Andere Vermittlungsangebote aus der Türkei, Äthiopien, Israel oder vom Präsi­denten der AU-Kommission Moussa Faki Mahamat hätten weniger Chancen, zumal diese Akteure selbst eine große Nähe zum sudanesischen Sicherheitssektor aufweisen.

Umso wichtiger ist es daher, dass die EU und die Bundesregierung sich bei den ge­nannten internationalen Partnern für einen anderen Verhandlungsansatz einsetzen. Deutschland könnte dabei an seine führen­de Rolle zu Beginn des sudanesischen Über­gangsprozesses anknüpfen, als die Bundes­regierung die diplomatische Kontaktgruppe der Friends of Sudan mit ins Leben rief, die erste Partnerschaftskonferenz mit und für Sudan ausrichtete und, zusammen mit Großbritannien, federführend das Mandat der UN-Mission in Sudan (UNITAMS) im UN-Sicher­heits­rat aushandelte. Die Friends of Sudan brin­gen die wesentlichen westlichen und arabischen Partnerländer Sudans in einer losen, aber regelmäßigen Austauschrunde zusammen.

Zivile Akteure in die Führung bringen

Wie könnte ein alternativer Ansatz aus­sehen? Beginnen müsste er mit einer anderen Haltung gegenüber den Gewalt­akteuren. Vermittler sollten deren Ver­sprechungen keinen Glauben schenken, son­dern davon ausgehen, dass sie jede Gelegen­heit zu ihrem eigenen Vorteil nutzen werden und Regeln missachten. Die immer wieder gebrochenen Feuerpausen sind Ausdruck dieser Dynamik.

Aus dieser Haltung heraus müsste größerer Druck auf die Gewaltakteure ausgeübt werden, auch zur Einschränkung ihres finanziellen und diplomatischen Handlungs­spielraums. Die USA und die EU sollten Finanz- und Reise­sanktionen gegen aus­gesuchte Personen und Institutionen er­lassen. Dabei sollten sie aber darauf achten, das tägliche Leben für Bürgerinnen und Bürger in Sudan nicht weiter zu erschwe­ren. Auch Zivilisten haben beispielsweise Konten bei Banken, die mehrheitlich dem Sicherheitssektor gehören.

Die Konfliktparteien könnten durchaus ein Eigeninteresse entwickeln, sich einer zivilen Regierung zu unterwerfen. Da kein baldiger militärischer Sieg zu erwarten ist, werden sie einen Dritten brauchen, der ihr gegenseitiges Verhältnis nach dem Krieg moderiert. Eine zivile Regierung und ein­heitlich agierende internationale Akteure könn­ten diese vermittelnde Funktion überneh­men. Sie könnten einen strukturierten Prozess begleiten, der sowohl die SAF von islamistischen Einflüssen befreit als auch alle Milizen einschließlich der RSF inte­griert und damit schrittweise auflöst.

Deutschland sollte sich starkmachen für eine führende Rolle politischer Parteien und anderer zivilgesellschaftlicher Akteure in möglichen Friedensgesprächen. Wichtige Parteien, Gewerkschaften, Widerstands­komitees, Frauenorganisationen und andere nicht-staatliche Initiativen und Vereinigun­gen haben bereits eine breite Anti-Kriegs-Koalition gegründet. Diese Civil Front bietet ein glaubwürdiges, konstruktives Gegen­gewicht zu den Generälen. Ermutigend sind Anstrengungen traditioneller Führer und lokaler Freiwilligenkomitees, räumlich be­grenzte Waffenstillstände auszuhandeln und zu überwachen. Freiwillige kümmern sich auch um die Erstversorgung von Opfern der bewaffneten Konfrontation, um sichere Fluchtwege und die Organisation von Hilfe.

Die Bundesregierung sollte sich innerhalb der von ihr mitinitiierten Koordinierungs­runden der Friends of Sudan gegen jede Parteinahme in Sudan einsetzen und darauf hinwirken, dass der sudanesischen Anti-Kriegs-Koalition schnell die Führungsrolle in Verhandlungen zugemessen wird. Internationaler Druck sollte die Kon­fronta­tion der Gewaltakteure nicht verschärfen, wie in den Wochen vor Ausbruch des Krie­ges. Vielmehr sollte die neu gebildete Civil Front entscheiden, welche Art von inter­nationaler Unterstützung sie will und welche ihren Anliegen eher schaden würde.

Fazit

Den Einfluss der Sicherheitskräfte in Wirt­schaft, Politik und Gesellschaft zurück­zudrängen wird eine lange Zeit brauchen. Der Mindestanspruch jeder zivilen Regierung sollte sein, den bisherigen Bedeutungs­zuwachs des Sicherheitssektors zu stoppen. Die Einigkeit der zivilen Anti-Kriegs-Koali­tion könnte in neuen Verhandlungen leicht zerbrechen, wenn politische Parteien wie­der versuchen sollten, sich gegenseitig aus­zustechen. Die Erfahrung der massiven Kämpfe der letzten Wochen müsste also auch zu einem Umdenken bei sudanesischen Poli­tikerinnen und Politikern führen.

Rückschläge einschließlich erneuter Putschversuche sind angesichts der auto­ritä­ren Instinkte der Gewaltakteure wahr­scheinlich. Ein neuer Ansatz in Sudan würde nicht sofort und vollständig zu Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, dem Slogan der Revolution von 2018/19, führen. Aber er bietet die beste Hoffnung, dass Sudan einen stabileren Weg dorthin einschlägt. Zivile Akteure in den Vordergrund zu stellen ist damit »realistischer« als ein Deal, der wieder nur mit den Generälen vorbereitet wird.

Friedensabkommen in Sudan: Der Ertrag von Juba

Dieser Beitrag erschien am 16. Oktober 2020 bei Zenith.

Das Abkommen von Juba soll dem Krieg in Darfur und anderen Regionen Sudans ein Ende setzen. Die Aussicht auf Frieden bleibt trotzdem unsicher – doch die Machtverhältnisse in Khartum werden neu gemischt.

Ein Friedensvertrag zwischen Rebellengruppen und einer Regierung setzt der organisierten politischen Gewalt ein Ende und verbessert so die Leben jener Menschen, die von dem Konflikt betroffen sind – soweit die Theorie. Diese Hoffnung äußerten auch die sudanesischen Konfliktparteien und internationalen Beobachter, als sie das Friedensabkommen von Juba am 3. Oktober 2020 unterschrieben. Die Stimmung war emotional. Während der Zeremonie in Südsudans Hauptstadt, dessen Regierung das Abkommen vermittelt hatte, verkündete Abdel Fattah Al-Burhan, der Vorsitzende des Souveränitätsrats, feierlich: »Sudan ist unser Land und wir sind alle Brüder.«

Worte der Aussöhnung sind schön, dürfen aber nicht von den Schwächen des Abkommens und von drohenden Unruhen ablenken. Immerhin: Verglichen mit früheren Abkommen ist das Vertrauen zwischen Regierung und Rebellen deutlich größer, nach der Revolution im letzten Jahr. Trotzdem wird das Juba-Abkommen allein nicht die allgegenwärtige Gewalt in Regionen wie Darfur oder Ost-Sudan beenden.

Denn: Die Unterzeichner repräsentieren nur einen Bruchteil der Bevölkerung, einige marginalisierte Gruppen waren nicht an den Verhandlungen beteiligt, die Ursachen der Spannungen wurden nicht ausreichend behandelt und die im Abkommen festgelegten Sicherheitsmaßnahmen könnten zu erneuten Gewaltausbrüchen führen. Dennoch ist das Abkommen wichtig, denn es verändert die Machtverhältnisse in Khartum und wird sich somit maßgeblich auf den politischen Übergangsprozess auswirken.

Hohe Ziele und neue Spannungen

Das Friedensabkommen beinhaltet mehrere Protokolle, die sich auf fünf geographische Schwerpunkte und verschiedene Mitgliedsgruppen der »Sudanesischen Revolutionsfront« (SRF) beziehen. Neben Vereinbarungen zum Osten, Norden und Zentrum Sudans betreffen die detailliertesten Vereinbarungen mit der Übergangsregierung in Khartum Darfur, Süd-Kordofan und den Blauen Nil – Gebiete, die in den letzten zwei Jahrzehnten unter verheerenden Kriegen litten.

Die Inhalte der Protokolle erinnern an frühere Vereinbarungen zu Macht- und Vermögensteilungen, jedoch beinhalten sie auch Verpflichtungen zur Übergangsjustiz (wie beispielsweise die Kooperation mit dem Internationalen Strafgerichtshof), Reparationszahlungen, Land- und Weiderechte sowie zur Rückkehr von Geflüchteten und Binnenvertriebenen.

Die Vereinbarungen umfassen somit mögliche Lösungen für einige der vielen Missstände in Sudan. Doch die mangelnde Einbeziehung lokaler Gruppen könnte erneut Ängste und Spannungen verursachen, etwa bei der Landverteilung. Solche Auswirkungen werden im Osten Sudans bereits sichtbar, wo Demonstranten Teile der Hafenstadt Port Sudan für mehrere Tage blockierten, um gegen die Bedingungen des Friedensabkommens in der Region zu protestieren.

In Darfur gehen die Kriegshandlungen weiter

Die zwei wichtigsten Rebellengruppen Sudans, die nach wie vor relevante Gebiete im Süden und Westen des Landes kontrollieren, haben das Abkommen nicht unterschrieben. Allerdings wächst nun der Druck auf diese Gruppen, sich an Friedensverhandlungen zu beteiligen.

Im Jebel Marra-Plateau in Zentral-Darfur bleibt die »Sudanesische Befreiungsarmee« unter Abdelwahid Al-Nur, kurz SLA-AW, der hartnäckigste Gegner der Friedensverhandlungen. Die Rebellengruppe befindet sich in einem Konflikt mit den sudanesischen Streitkräften, noch Ende September wurde gekämpft. In ihrem aktuellen Bericht identifizierte die gemeinsame Mission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur (UNAMID) 48 Sicherheitsvorkommnisse und 115 Tote allein zwischen Juni und August.

Da sie kaum Zugriff auf das Mobilfunk- oder Satellitennetz haben, sind die von Rebellen kontrollierten Gebiete in Jebel Marra fast vollkommen vom Rest des Landes abgeschnitten. Abdelwahid Al-Nur hat immer wieder eine eigene Friedensinitiative und eine Rückkehr aus seinem Exil in Paris nach Sudan angekündigt. Genauere Einzelheiten zu diesem Vorhaben bleiben jedoch vorerst im Unklaren.

Die andere der beiden Gruppen, die Fraktion der »Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung – Nord« unter der Führung von Abdel-Aziz Al-Hilu, kurz SPLM-Nord (al-Hilu), kontrolliert Teile der Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blauer Nil. Mögliche Spannungen ergeben sich unter anderem durch den Anspruch einer anderen Fraktion der SPLM-Nord unter der Führung von Malig Agar, die Gebiete in den Friedensverhandlungen zu vertreten, obwohl sie selbst praktisch keine Truppen dort unterhält.

Al-Hilu zweifelt an der Aufrichtigkeit der an der Übergangsregierung beteiligten Sicherheitskräfte, echten Wandel in Sudan einzuleiten. Dennoch unterzeichnete er am 3. September 2020 eine gesonderte Grundsatzerklärung mit Premierminister Abdalla Hamdok in Addis Abeba. Das Übereinkommen verlängert den Waffenstillstand in Süd-Kordofan und dem Blauen Nil und erlaubt der SPLM-Nord (al-Hilu) vorübergehend den Besitz ihrer Waffen.

Als wichtigster Erfolg gilt die in der Erklärung festgelegte Trennung von Religion und Staat. Diese Formulierung ist als Kompromissformel gedacht, um den umstrittenen Fokus auf einen säkularen Staat, den al-Hilu anstrebt, zu vermeiden. Am Tag vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens trafen sich Hamdok und al-Hilu nochmals und beschlossen, die genaue Bedeutung dieses Kompromisses als Vorbereitung für offizielle Friedensverhandlungen weiter auszuhandeln.

Die Konfliktlage hat sich seit der Revolution gewandelt

Seit dem Sturz von Präsident Omar Al-Baschir im April 2019 ist die Anzahl der gewalttätigen Auseinandersetzungen in Darfur und Süd-Kordofan wieder deutlich gestiegen. Die bewaffneten Bewegungen, die das Juba-Friedensabkommen unterzeichneten, wie die SLA-Fraktion unter Führung von Minni Minawi, die »Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit« (JEM) unter Jibril Ibrahim oder die SPLM-Nord-Fraktion unter Malik Agar, sind jedoch nicht für diese Entwicklung verantwortlich.

Vielmehr treiben irreguläre Milizgruppen und paramilitärische Gruppen die Gewalt an. Sie sind ein Nebenprodukt der staatlichen Aufstandsbekämpfung, die jahrzehntelang auf die Bewaffnung von Hirten setzte. Obwohl die bewaffneten Milizen in Darfur oft als Kollektiv mit dem Sammelbegriff »Dschandschawid« beschrieben werden, agieren diese Einheiten oft autonom und teilweise auch gegen staatliche Sicherheitskräfte.

Eine Analyse des »Armed Conflict Location Event Data Projects« (ACLED) kam im August zu dem Schluss, dass das Konfliktumfeld in Sudan in den letzten Jahren vielschichtige Veränderungen durchlaufen hat. Zwischen 2014 und 2016 vertrieb die Baschir-Regierung einen Großteil der Rebellengruppen im Rahmen ihrer Aufstandsbekämpfung. Zeitgleich nahmen jedoch die Konflikte zwischen Bauern und Hirten zu und halten immer noch an.

Binnenflüchtlinge, die zu ihren Feldern zurückkehren, treffen auf bewaffnete Viehhüter auf ihrem Land. Verhandlungen zwischen diesen Gruppen zum Schutz von Feldern können gelingen, aber ohne funktionierende staatliche Mechanismen und effektive Sicherheitskräfte sind gewalttätige Auseinandersetzungen zu häufig das Ergebnis. Die Viehhirten fürchten den Verlust ihres privilegierten Status, den sie durch die neue Machtverteilung in Khartum in Gefahr sehen, und reagieren daher oft gewaltsam.

Zunehmend finden Auseinandersetzungen in dicht bevölkerten städtischen Regionen statt, da Flüchtlingscamps oft in der Nähe von Städten errichtet wurden. Angesichts scharfer ethnischer Identitätsunterschiede als Ergebnis von Baschirs Politik eskalieren kleinere Streitigkeiten leicht.

Wie die nun verabschiedeten Protokolle für Landnutzung und Weiderechte belegen, spielte diese Konfliktdynamik durchaus eine Rolle in den Verhandlungen in Juba. Dennoch könnten die für Darfur vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen den Boden für neue Gewalt bereiten. Die Unterzeichner vereinbarten die Gründung eines gemeinsamen Einsatzverbands mit 12.000 Soldaten, bestehend aus Truppen der staatlichen Sicherheitskräfte und Rebellengruppen.

In Darfur verfügen die Unterzeichner jedoch über keine eigenen Kämpfer. Berichten zufolge werben sie nun neue Mitglieder für den gemeinsamen Einsatzverband sowie den Abrüstungs-, Demobilisierungs- und Reintegrationsprozess an. Das ist nicht nur teuer, sondern verfehlt auch den Zweck des Abkommens. Die zusätzliche Rekrutierung fördert politische Patronage und die Militarisierung der Konfliktregion.

Ein weiteres Problem ist, dass die sudanesische Regierung die Umsetzung des Friedensabkommens nicht bezahlen kann, und auch keine internationale finanzielle Unterstützung in Aussicht hat. Im Unterschied zu früheren Abkommen vermittelte nicht das reiche Katar, sondern der arme Südsudan. Die sudanesische Regierung hat Darfur zwar jährlich 750 Millionen US-Dollar zugesagt, angesichts seiner Schwierigkeiten für andere Ausgaben wie Nahrungsmittelimporte oder Gehälter im öffentlichen Dienst aufzukommen, ist jedoch unklar, wo diese Summe herkommen soll. Ohne Friedensdividende und Entwicklungsfonds werden die Ursachen des Konflikts weiter schwelen.

Der Einzug der bewaffneten Gruppen stärkt Sicherheitsakteure in der Regierung

Es wird deutlich: Die Hauptwirkung des Juba-Friedensabkommens ist nicht, nachhaltigen Frieden in den von Konflikt zerrütteten Gebieten Sudans zu bringen. Vielmehr zielt es auf den Übergangsprozess in Khartum. Das Abkommen wird in die Verfassungserklärung integriert, die den Übergangsprozess im August 2019 einleitete.

Zudem wird der Übergangsprozess um ein Jahr verlängert und die Vertreter der SRF werden den Übergangsinstitutionen beitreten. Sie erhalten drei zusätzliche Sitze im bisher elf Mitglieder umfassenden Souveränitätsrat (Sudans kollektiver Präsidentschaft während des Übergangsprozesses), sowie 25 Prozent der Sitze im Übergangsparlament, sobald dieses eingerichtet wird.

Fünf Sitze stehen den Rebellengruppen in einem erweiterten Kabinett von insgesamt 25 Ministerposten zu. Zudem dürfen die Vertreterinnen und Vertreter der Unterzeichner des Friedensabkommens bei zukünftigen Wahlen antreten, anders als noch in der Verfassungserklärung vorgesehen.

Die Integration bewaffneter Gruppen in die Politik wird die Machtverhältnisse in Khartum maßgeblich verändern. Es ist anzunehmen, dass Vertreter der bewaffneten Gruppen mit den Sicherheitskräften zusammenarbeiten werden, die sie als die wahren Machthaber ansehen. Dies wird zulasten der zivilen » Kräfte der Freiheit und des Wandels« (FFC) gehen. Die FFC als Koalition politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen sind ohnehin geschwächt und verlieren immer mehr ihren Anschluss an die Widerstandskomitees, die die Revolutionsbewegung 2018/2019 anführten.

Auch das Verhältnis zwischen den FFC, dem zivilen Kabinett und den Sicherheitskräften ist angespannt. Angesichts breiter Demonstrationen wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise und fehlender Fortschritte des Reformprozesses deutete Burhan bereits Ende August eine vollständige Machtübernahme durch das Militär an. Diese Befürchtung äußerte damals auch ein Kontakt vor Ort mir gegenüber.

Die bevorstehende Eröffnung des Übergangsparlaments, die bislang aufgrund der Friedensverhandlungen aufgeschoben worden war, ist ein positiver Schritt für Partizipation während des Übergangsprozesses. Idealerweise wird sie Transparenz, Rechenschaft und Inklusion stärken. Die FFC haben versprochen, Abgeordnete aus allen Teilen Sudans zu ernennen. Öffentliche Beratungen im Übergangsparlament könnten ein Gegenmodel bilden zu den Ad-hoc-Kommissionen, welche die FFC, der Souveränitätsrat und das Kabinett in den letzten Monaten gegründet haben.

Außerdem haben die bewaffneten Gruppen und die FFC sich dazu verpflichtet, mindestens 40 Prozent weibliche Abgeordnete zu ernennen. Dies wäre ein wichtiger Schritt weg von der männlicher Dominanz im Friedens- und Übergangsprozess. Insgesamt muss das Übergangsparlament ein Ort werden, an dem die Übergangsregierung wieder Anschluss an die Widerstandskomitees und die Zivilgesellschaft findet, bevor diese sich ganz von dem Übergangsprozess verabschieden.

Internationale Partner sollten ihre finanzielle Unterstützung umsichtig anpassen

Die internationalen Partners Sudans sollten ihre Unterstützung bei der Umsetzung des Friedensabkommens gewissenhaft ausrichten. Obwohl das Abkommen alles andere als perfekt ist, stellt es doch einen wichtigen Meilenstein in Sudans Übergangsprozess dar. Finanzielle Förderungen dürfen keine Anreize für Neuanwerbungen seitens der Rebellen schaffen und sollten sich stattdessen auf die Fortbildung der bewaffneten Gruppen in demokratischen Prozessen, lokale Friedenskonsolidierung und Versöhnungsmaßnahmen konzentrieren.

Zusätzlich sollten die internationalen Partner ihre Zusagen für humanitäre Hilfe erhöhen. Momentan sind nur 47 Prozent des humanitären Plans der Vereinten Nationen für Sudan für das Jahr 2020 gedeckt.

Obwohl der Einfluss der Friedensmission von AU und UN auf die Sicherheitslage begrenzt ist, bleibt sie zumindest in den nächsten Monaten ein wichtiger Akteur für den Schutz der Zivilbevölkerung, die Sicherung humanitären Zugangs und die Umsetzung des Friedensabkommens. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sollte sein Mandat für UNAMID über den 31. Dezember 2020, dem momentan geplanten Missionsende, verlängern.

Den seit Jahren eingeleiteten UNAMID-Rückzug in dieser Situation zu vollenden würde die von Ungewissheit und Ängsten lokaler Gruppen geprägte Situation in Darfur noch verschärfen. Die sudanesische Regierung hat sich zwar zu dem Schutz der Zivilbevölkerung verpflichtet, schafft es derzeit jedoch nicht, dem ausreichend nachzukommen, wie die Vorfälle der letzten Monate zeigen. Die UN Integrated Transition Assistance Mission in Sudan (UNITAMS), welche die Umsetzung des Friedensabkommens unterstützen soll, befindet sich derzeit noch in der Planungsphase und wird erst allmählich seine Arbeit im Januar 2021 aufnehmen.

Die UN-Mitgliedstaaten sollten eine ausreichende Ausstattung der neuen Mission mit genügend Expertinnen und Experten in den laufenden Haushaltsverhandlungen in New York sicherstellen. UNITAMS sollte die sudanesische Regierung unterstützen, auch lokale Friedensinitiativen in den peripheren Gebieten des Landes im Westen, Süden und Osten voranzutreiben.

Zuletzt bietet der Abschluss der aufwändigen Friedensverhandlungen in Juba eine Chance für die sudanesische Regierung und ihre internationalen Partner, die letztes Jahr vereinbarten Regierungs- und Wirtschaftsreformen mit neuem Schwung zu verfolgen. Denn nur wenn der Übergangsprozess einen Weg hin zu mehr Stabilität und Legitimität zeichnen kann, wird Sudan nachhaltigen Frieden finden.

South Sudan’s Peace Process Needs New Thinking

This piece originally appeared on the Global Observatory that is run by the International Peace Institute.

img_20171005_085355.jpg

Today marks the end of the fourth year of civil war in the youngest state on earth, South Sudan. Over the years, attempts to build a lasting peace agreement have faltered. The Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan (ARCSS)—facilitated by the Intergovernmental Authority on Development (IGAD)—was signed by President Salva Kiir Mayardit and former Vice President Riek Machar Teny in August 2015, but by July 2016 the deal broke apart after several days of heavy fighting between Kiir’s and Machar’s troops in Juba. Current attempts to revitalize the ARCSS, although welcome, face an array of obstacles. To overcome these and to avoid repeating the same mistakes that led to the demise of the ARCSS, new thinking and approaches are needed.

Obstacles to a Lasting Peace Agreement

The model of peacemaking thus far has been characterized as “big tent”: after several rounds of fighting lead to a stalemate, the government provides rebel leaders with an opportunity to control and disperse resources, and to integrate their militia into the national army. This policy formed the basis of the ARCSS. In June 2017, the IGAD council of ministers called for a “high-level revitalization forum” of the ARCSS. The initiative has support within the government and from all major opposition groups who have expressed their readiness to participate in the negotiations. However, IGAD diplomats face a delicate balancing act. Some provisions of the peace agreement, including the security arrangements, are clearly obsolete and need to be reviewed. At the same time, opening the whole agreement for renegotiation risks drawing out the process and potentially losing some of the commitments to constitutional reform, economic management, and transitional justice that are included.

More importantly, it is fundamentally unclear how “revitalization” will look. Since the July 2016 crisis, political and military realities have changed considerably. After Riek Machar fled the country, President Kiir appointed the opposition politician Taban Deng Gai to replace him. Yet the government’s expectation that he would be able to bring along opposition fighters with him has not been met. Most of Riek Machar’s troops remain loyal to him. His involvement in the process remains a major stumbling block for the negotiations. No one in the diplomatic community in Juba that I spoke to during a recent research trip expects Machar to return to Juba, after SPLA units tried to kill him twice, in 2013 and 2016. Accommodating Machar in the government thus seems impossible, though marginalizing him has also not worked.

The underlying problem remains the logic of dividing the spoils. Positions of authority in South Sudan have served the self-enrichment of office-holders and the accumulation of political budgets. As a result of the insecurity in the country and the macroeconomic crisis, the resources that could be allocated are becoming smaller. Moreover, the lack of accountability of officials and politicians is a core challenge that contributed to the outbreak of the civil war in the first place. If there is no overarching political vision for South Sudan, another purely transactional power-sharing deal will inevitably result in dissent and confrontation just as in 2016.

No Easy Solutions

The last few years have made clear that there are no quick fixes in South Sudan. No single process will be able to bring a comprehensive peace to the country in the foreseeable future. For the time being, a number of measures can be taken that may mitigate and contain the scale and brutality of the violence, and even create space for a long-term peace agreement.

The first is for IGAD mediators and international interlocutors to make clear that perpetrators will face justice. Looting, sexual violence, and mass atrocities need to have consequences. Regional support for asset freezes and anti-money laundering measures, for example, is growing. In September, the African Union Peace and Security Council warned that the revitalization process represented “a last chance for the Parties” and threatened unspecified sanctions against spoilers. After the United States strengthened its unilateral sanctions regime, the Kenyan Central Bank instructed its banks to implement asset freezes that the UN Security Council had passed in 2015.

Second, international actors, such as the Troika—the three-nation group supporting negotiations consisting of Norway, the UK, and the US—but also Germany and the EU, could lobby other countries for an informal arms embargo on South Sudan. US pressure has already stopped Sudanese arms deliveries for Machar’s troops. Engaging with Ukraine, Uganda, and Egypt, which the UN Panel of Experts sees as the government’s arms dealers, would be crucial as well. A commitment to a ceasefire at the beginning of the revitalization forum could provide the diplomatic backing for those states to reconsider their covert arms shipments.

Third, empowering civil society and other constructive forces will be crucial. The churches play a very important role in peacemaking and reconciliation as they are the only institutions with a reach in all corners of the country. They also have the patience and stamina to stay engaged when national and international actors have long left. Their biggest advantage is also a challenge though. Part and parcel of South Sudanese society, they are not immune to the polarization that has divided the country. Work on intercommunal conflicts by the churches, the UN mission, and non-governmental organizations needs donor support, including for targeted early recovery measures.

A Need for International Introspection

Finally, Western countries, and in particular the Troika, will contribute more positively to negotiations if they are aware of their own impact on the conflict and the peace process. For example, Troika acceptance of the replacement of Riek Machar with Taban Deng Gai lent legitimacy to the process. On the other hand, the rushed and failed effort of the US to expand the UN sanctions regime and create an arms embargo “gave Juba a degree of increased confidence,” in one Western diplomat’s perception. The government then continued its operations in Equatoria that displaced hundreds of thousands of civilians, and obstructed humanitarian access. Another example is the disappointment of South Sudanese civil society organizations when German foreign minister Sigmar Gabriel stood them up during a visit in August 2017.

Ultimately, there is no silver bullet to ending the civil war in South Sudan. At the very least, international actors should ensure that their actions and omissions do not prolong the suffering, however unintentionally. Overcoming the tendency to broker conventional transactional power-sharing agreements would be an important start.

Gerrit Kurtz is a PhD candidate at King’s College London and a non-resident fellow with the Global Public Policy Institute in Berlin. His research focuses on conflict prevention diplomacy in South Sudan and Sri Lanka.