Kriegsverbrechen in Sri Lanka: Aufarbeitung nicht in Sicht

26 Jahre lang tobte ein Bürgerkrieg in dem Inselstaat Sri Lanka. Zehntausende Zivilisten starben zwischen den Fronten. Unzählige Menschen verschwanden spurlos. Eine Aufklärung der Kriegsverbrechen mit Hilfe der Vereinten Nationen scheint heute unwahrscheinlicher denn je – und die Situation für Minderheiten im Land verschärft sich.

The beach of Mulivaikal in March 2014.

Dieser Text erschien am 28. Februar 2020 in der Zeitschrift Pogrom der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Wellen plätschern an einen feinen Sandstrand, der sich in der Ferne biegt. Hinter dem Strand ist die Erde aufgewühlt. Etwas weiter ragen Palmyrapalmen und struppige Büsche auf. Hier, am Strand von Mullivaikal, endete der sri-lankische Bürgerkrieg im Mai 2009. Damals waren zuletzt 130.000 tamilische Zivilisten auf einem winzigen Flecken Land eingepfercht. Von mehreren Seiten regneten Geschosse der sri-lankischen Armee auf sie nieder. Wollten sie fliehen, drohten Kugeln der Rebellen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (dt.: Befreiungstiger von Tamil Eelam; kurz: Tamil Tigers), die im Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas kämpften.

Mehr als ein Jahrzehnt später sind die gesellschaftlichen Wunden noch roh. Zehntausende Menschen, viele von ihnen Tamilen, sind nach dem 26-jährigen Bürgerkrieg nie wieder aufgetaucht. Das Land ist tief gespalten. In den vergangenen Jahren schien eine rechtliche Aufarbeitung des Kriegs und eine Bearbeitung der tieferen Konfliktursachen zwar möglich. Doch mit der Wahl des neuen Präsidenten, Gotabaya Rajapaksa, am 16. November 2019 sind sie wieder in weite Ferne gerückt. Im Januar 2020 erklärte er, die mindestens 24.000 vermissten Personen seien tot, und gab den Tamil Tigers die Schuld, ohne einzelne Beweise vorzulegen. Rajapaksa war ab 2005 Verteidigungsstaatssekretär des Inselstaats. Unter seiner Zuständigkeit fanden schwere Menschenrechtsverletzungen gerade in der Endphase des Krieges statt. Sein älterer Bruder Mahinda war zu jener Zeit Präsident. Die Brüder nehmen den „Sieg gegen den Terrorismus“ für sich in Anspruch.

Sri Lanka 2009: eine hochanspruchsvolle Situation für das UN-System

Die Vereinten Nationen (UN) gaben in den letzten Kriegsmonaten 2008 und 2009 kein gutes Bild ab. Ein Beispiel: Auf eigene Faust sammelte eine Gruppe engagierter Mitarbeiter im UN-Landesteam Daten über zivile Opfer, soweit sie über Kontakte und Satellitendaten an Informationen gelangen konnten. Dem höchsten UN-Mitarbeiter in Sri Lanka, Neil Buhne, fehlte es jedoch an abgestimmten politischen Anweisungen aus New York und an Erfahrung in solchen Situationen. Bei einem Briefing am 9. März 2009 präsentierte er Diplomaten in der sri-lankischen Hauptstadt Colombo die Opferzahlen – erwähnte aber dabei nicht, dass laut UN-Informationen die Regierung für den Großteil der zivilen Opfer zu dem Zeitpunkt verantwortlich gewesen sei.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) machte diese Zahlen dagegen öffentlich, um Druck auf die Regierung auszuüben. Andere Teile des UN-Systems fürchteten wiederum, ihr humanitärer Zugang zu den umkämpften Gebieten Sri Lankas könnte (noch) weiter eingeschränkt werden. Gegenüber dem sri-lankischen Außenminister bezeichnete Buhne die Zahlen als unzuverlässig. Das Ergebnis war ein inkohärentes Auftreten des gesamten UN-Systems gegenüber der sri-lankischen Regierung.

Sri Lanka 2009 war eine hochanspruchsvolle Situation für das UN-System. Vor Ort arbeiteten hauptsächlich humanitäre und Entwicklungsorganisationen. Praktisch keine Vertreter der politischen und menschenrechtlichen Seiten des Systems waren zugegen. Gleichzeitig hatten viele UN-Mitgliedsstaaten die sri-lankische Regierung lange Zeit im Kampf gegen die Tamil Tigers unterstützt, die ihrerseits Anschläge gegen zivile Ziele mit massenhaften Opfern verübt hatten. Erst wenige Monate vor Ende der Kriegshandlungen, unter Druck von großen Demonstrationen der tamilischen Diaspora in Städten wie London und Toronto, übten einige Staaten mehr Druck auf die sri-lankische Regierung aus. Doch Sri Lanka war noch nicht einmal formal auf der Agenda des UN-Sicherheitsrats. Die Mitglieder des Sicherheitsrats zogen nicht an einem Strang.

Lehren aus der Inkohärenz

Unter der Führung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und seinem Stellvertreter Jan Eliasson bemühten sich die Vereinten Nationen, ihre Lehren aus der Erfahrung der Inkohärenz in Sri Lanka 2009 zu ziehen. Gegenüber der sri-lankischen Regierung setzte sich der Generalsekretär mit Nachdruck bereits wenige Tage nach dem formalen Ende der Feindseligkeiten für eine Aufarbeitung der mutmaßlichen Kriegsverbrechen ein. Ein Jahr später ernannte er eine eigene Expertenkommission, um ihn in dieser Frage zu beraten. Eliasson beaufsichtigte Reformen des Maschinenraums des UN-Systems, um mit der Initiative „Human Rights up Front“ (dt.: Menschenrechte im Vordergrund) mehr Anreize für regelmäßige Zusammenarbeit der verschiedenen Teile des UN-Systems zu setzen.  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten gestärkt werden, auch kritische Fragen mit Mitgliedsstaaten zu besprechen.

Unter der Führung der USA begann der UN-Menschenrechtsrat 2012 sich mit Sri Lanka zu befassen. Eine europäische Initiative hatte die sri-lankische Regierung im Mai 2009 zum eigenen Nutzen zuvor gekapert. 2014 begann OHCHR eine Untersuchung, wurde aber von der Rajapaksa-Regierung nicht ins Land gelassen. Das Blatt wendete sich, als die sri-lankische Bevölkerung 2015 eine reformwillige Regierung unter der Führung von Präsident Maithripala Sirisena und Premierminister Ranil Wickremesinghe ins Amt wählte. Die neue Regierung bekannte sich im Menschenrechtsrat zu einem umfangreichen Programm der Übergangsjustiz (Transitional Justice), allerdings ohne Zeitplan.

Die Umsetzung zog sich hin. Bis Ende 2019 richtete die Regierung lediglich eine Behörde zur Untersuchung der verschwundenen Personen (Office of Missing Persons) und ein Reparationsbüro ein, jedoch keine Wahrheitskommission oder gerichtlichen Mechanismus. Auch eine umfangreiche Verfassungsreform einschließlich mehr Autonomierechte für die Provinzen blieb im Parlament stecken. Stattdessen rieb sich die Regierung im inneren Streit auf, der in einer Verfassungskrise im Herbst 2018 gipfelte.

Gewalt gegen Minderheiten

Die Situation der Minderheiten in Sri Lanka – vor allem Muslime, Tamilen und Christen – bleibt angespannt. Der Nationalismus der numerischen Mehrheit der singhalesischen Buddhisten prägt seit Jahrzehnten die Politik des Landes. Dies macht sich beispielsweise in der Sprachenpolitik in Sicherheitsorganen und Verwaltung bemerkbar: Selbst im Norden des Landes, in dem überwiegend Tamilen leben, sprechen nur wenige Polizisten die Sprache der Menschen, die sie schützen sollen. Gleichzeitig hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Übergriffe von organisierten Mobs insbesondere auf Muslime gegeben – sowohl unter Präsident Mahinda Rajapaksa als auch unter Sirisena.

Ostersonntag 2019 verloren bei der größten Terroranschlagsserie seit Kriegsende mehr als 250 Menschen ihr Leben, viele von ihnen Christen im Gottesdienst. Die Sicherheitsorgane ignorierten Warnungen aus der muslimischen Gemeinschaft und vom indischen Geheimdienst über die extreme Radikalisierung einer abgeschotteten Gruppe im Osten, wie ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss feststellte. In der Folgezeit schürte Sirisena die aufgeheizte Stimmung gegen Muslime noch. So begnadigte er zum Beispiel einen verurteilten Scharfmacher einer radikalen buddhistischen Gruppe.

Präsident Gotabaja Rajapaksa hat angekündigt, dass er sich nicht an die Bekenntnisse der Vorgängerregierung hinsichtlich der Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs gebunden fühlt. Sofort nach seiner Wahl berichteten zivilgesellschaftliche Aktivistinnen und Aktivisten über Drohungen und Beeinträchtigungen ihrer Arbeit. Sri Lanka steht bei der 43. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats im Februar/März 2020 wieder auf der Tagesordnung. Das Fenster für Reformen hat sich jedoch geschlossen.

Mehr als Friedensrufer: Die Rolle der Vereinten Nationen im Irankonflikt

Die Vereinten Nationen haben trotz gescheiterter Vermittlungsversuche über verschiedene Kanäle weiterhin Einfluss in der Konfliktregion. Die Europäer sollten die VN als zentralen Ort für die internationale Konfliktvermittlung stärken.

Diesen Beitrag schrieb ich zusammen mit Carina Böttcher. Er erschien als DGAP Web-Beitrag am 16. Januar 2020.

„Das neue Jahr hat damit begonnen, dass unsere Welt in Aufruhr ist“, kommentierte UN-Generalsekretär António Guterres die Eskalation zwischen dem Iran und den USA. „Und meine Botschaft ist einfach und klar: Stoppen Sie die Eskalation. Üben Sie maximale Zurückhaltung. Nehmen Sie den Dialog wieder auf. Erneuern Sie die internationale Zusammenarbeit“. Eine Absage an die Vereinten Nationen als Mediator kam in diesem Fall von den USA. Die Regierung unter US-Präsident Donald Trump lehnte in der ersten Januarwoche ein Visum für den iranischen Außenminister Javad Zarif ab – auch wenn dies gegen die Pflichten der USA als Gaststaat der Vereinten Nationen verstößt. Die Vereinten Nationen sind jedoch nicht handlungsunfähig.

Überwachen, berichten, vermitteln, Kapazitäten aufbauen

Die Verhandlungen für das 2015 geschlossene Nuklearabkommen zum Iran fanden zwar im E3+3-Format (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, EU, China, Russland und USA) ohne direkte Beteiligung der Vereinten Nationen statt. Doch es sind die regelmäßigen Berichte der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), die Informationen über die Einhaltung liefern, denen alle Seiten vertrauen können. Trotz seiner jüngsten Ankündigung, sich nicht mehr an die Beschränkungen des  Atomprogrammes gebunden zu fühlen, arbeitet der Iran weiterhin mit der IAEO zusammen. Besuche der IAEO-Inspektoren bei iranischen Einrichtungen gehen weiter.

Die Vereinten Nationen erfüllen in der Region unerlässliche Funktionen, teils wenig beachtet von einer breiteren Öffentlichkeit. Die regionalen Konflikte, in denen der Iran über seine Verbündeten involviert ist, werden weiterhin im Sicherheitsrat verhandelt. Im Irak unterhalten die Vereinten Nationen seit 2003 die zivile Friedensmission UNAMI. Mit ihrer Arbeit wirkt die Mission auf eine stabile und pluralistische irakische Staatsorganisation und Gesellschaft hin. Das macht es für den Iran schwerer, seinen Einfluss in der Region weiter zu vergrößern. UNAMI beobachtet unter anderem die Menschenrechtslage und veröffentlicht Untersuchungsberichte zur Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, zuletzt im Kontext der breiten Anti-Regierungsdemonstrationen im Herbst 2019.

Im Libanon hat die UN-Friedensmission UNIFIL den Auftrag, die Zone an der Grenze zu Israel zu Land und zu See zu kontrollieren. Die Mission hat Schwierigkeiten, Waffenkontrollen flächendeckend durchzuführen und sie wird routinemäßig am Zugang zu kritischen Orten gehindert. Der Sicherheitsrat sollte sich dafür einsetzen, die Mission zu stärken. Dann könnte UNIFIL einen Beitrag dazu leisten, die militärischen Fähigkeiten von Hisbollah, der vom Iran unterstützten schiitischen Miliz im Libanon, tatsächlich einzudämmen.

Auch im Jemen-Krieg vermitteln die Vereinten Nationen. Seit 2015 kämpfen die mit dem Iran verbündeten Houthis gegen die international anerkannte Regierung und die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition. Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths berichtete im Dezember 2019, die Konfliktparteien kämen allmählich zu der Erkenntnis, dass der Konflikt nicht mit einem militärischen Sieg für eine der Seiten enden könne.

Europäer sollten UN-Fähigkeiten stärken

Keines der genannten Aufgabenfelder der Vereinten Nationen funktioniert problemlos. Dennoch bieten sie Möglichkeiten, Aspekte der regionalen Rolle des Iran zu diskutieren, staatliche und gesellschaftliche Institutionen in ihrer Unabhängigkeit zu stärken, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und den Dialog auch mit schwierigen Gesprächspartnern zu führen. Während die USA und Iran seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen pflegen, erlaubt die ständige Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen in New York einen – seltenen – direkten Gesprächskanal.

Die Europäer geraten zunehmend unter Druck, sich in dem Konflikt eindeutig zugunsten der USA zu positionieren. Dies zeigte sich bereits darin, dass die Außenminister der E3-Staaten sowie die EU-Kommission nur den Iran zur Mäßigung aufriefen. Das hat die Glaubwürdigkeit der EU als neutrale Vermittlerin geschwächt. Die europäischen Regierungen sollten daher die Fähigkeiten der Vereinten Nationen im Umgang mit dem Iran und seinen Verbündeten stärken.

Zwei Szenarien scheinen derzeit im Rahmen der Weltorganisation möglich:

  1. Zunächst könnten in New York informelle Gespräche auf Botschafter-Ebene mit allen relevanten Parteien stattfinden. Solche Gespräche unterhalb der großen politischen Aufmerksamkeitsschwelle sind für die USA relativ unproblematisch, da sie kein Signal der Schwäche an innenpolitische Beobachter senden. Sollten die Gespräche gut verlaufen, könnte später der iranische Außenminister nach New York reisen. Es ist aber fraglich, ob die US-Regierung nach ihrer vorherigen Absage dies im Jahr der Präsidentschaftswahl nachträglich zulassen würden.
  2. Die europäischen Staaten im UN-Sicherheitsrat können eine Sitzung an einem anderen Ort als New York initiieren, beispielsweise in Genf, so dass die Teilnahme von Außenminister Zarif nicht von den USA blockiert werden kann. Im Februar wird Belgien turnusgemäß den Vorsitz im Sicherheitsrat übernehmen. Die existierenden Themen auf der Agenda des Sicherheitsrats bieten Anknüpfungspunkte für strukturierte Diskussionen über geopolitische Interessen des Iran, seiner Verbündeten und der anderen Regionalmächte. Eine Mediation im Rahmen der Vereinten Nationen ermöglicht es, den Gesprächsfaden auch über Gipfeltreffen hinaus zu verfolgen.

Die Europäer müssen die Vereinten Nationen wieder zum zentralen Schauplatz der Vermittlung internationaler Spannungen machen. Mit Unterstützung wichtiger Mitgliedstaaten gibt es dort die Chance, mit ihren Gesprächskanälen und Fähigkeiten zur Konfliktbearbeitung den Friedensrufen von Generalsekretär Guterres Nachdruck zu verleihen.

Prävention braucht politische Führung

Dr. Gerrit Kurtz ist Research Fellow bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP). Angesichts eines Untersuchungsberichts zum Verhalten der Vereinten Nationen in Myanmar fordert er größeren Mut auf Seiten des UN-Führungspersonals bei der Prävention von Krieg und Gewalt.

Dieser Standpunkt erschien in der Zeitschrift Vereinte Nationen 6/2019.

Eine Familie der Rohingya im Flüchtlingscamp Kutupalong Rohingya in Bangladesch. UN Photo: KM Asad
Eine Familie der Rohingya im Flüchtlingscamp Kutupalong Rohingya in Bangladesch. UN Photo: KM Asad

Kollektives und systemisches Versagen – das war die Schlussfolgerung eines unabhängigen Berichts, der im Auftrag von Generalsekretär António Guterres das Verhalten der Vereinten Nationen in Bezug auf die staatliche Diskriminierung, Vertreibung und Ermordung tausender Rohingya in Myanmar im Zeitraum von 2010 bis 2018 untersuchte. Der Autor des Berichts, Gert Rosenthal, identifizierte fünf Hauptkritikpunkte: mangelhafte Unterstützung der UN durch die Mitgliedstaaten, keine gemeinsame Strategie des UN-Systems, schwache Koordinationsmechanismen, ein dysfunktionales UN-Landesteam mit einer überforderten Residierenden Koordinatorin sowie widersprüchliche Kommunikationskanäle zwischen Myanmar und New York.

Rosenthals Befund ist umso bemerkenswerter, da das kritisierte Verhalten in die Zeit eines wichtigen Reformvorhabens des damaligen UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon fällt. Die ›Human Rights up Front‹-Initiative (HRUF) war Bans Konsequenz aus einem ähnlichen Untersuchungsbericht zum Verhalten des UN-Systems während des Bürgerkriegsendes in Sri Lanka in den Jahren 2008 und 2009. Bestandteile der Initiative waren zum einen organisatorische Maßnahmen für eine besser abgestimmte Analyse und Zusammenarbeit zwischen den UN-Einheiten. Zum anderen sollte die HRUF einen Wandel der UN-Organisationskultur herbeiführen sowie die Mitgliedstaaten in die Pflicht nehmen. Belegt der Rosenthal-Bericht nun ein Scheitern dieser Reformanstrengungen?

Wie sollen Bedienstete der Vereinten Nationen Menschenrechtsverletzungen kritisieren, wenn ihr Chef keine klare Linie vorgibt?

Diese Schlussfolgerung wäre zu kurz gegriffen. Innerhalb des UN-Landesteams in Myanmar gab es widerstreitende Vorstellungen davon, welche Prioritäten die UN-Organisationen verfolgen sollten, um die Situation der Rohingya zu verbessern. Humanitärer Zugang und Unterstützung des demokratischen Übergangsprozesses wurden eine höhere Priorität als die öffentliche Kritik an Menschenrechtsverletzungen beigemessen.

Die gröbste Fehlleistung passierte jedoch nicht in Rangun, sondern in New York. Die Uneinigkeit, wann öffentliche Kritik und wann private Diplomatie angezeigt sei, setzte sich auf der Leitungsebene zwischen dem UN-Entwicklungsprogramm (United Nations Development Programm – UNDP), dem Sonderberater für Myanmar und dem stellvertretenden Generalsekretär fort. In seinem Bericht stellt Rosenthal fest, dass Ban zu keinem Zeitpunkt diesen Konflikt entschied. Doch wie sollen UN-Bedienstete unter strenger Beobachtung der Gastregierung offen Menschenrechtsverletzungen kritisieren, wenn ihr oberster Chef keine klare Linie vorgibt?

Zunehmender Nationalismus, Autokratie und Souveränitätsdenken erschweren es den UN, Menschenrechte im Gleichklang mit Entwicklung und Sicherheit zu verfolgen. Prävention kann jedoch nur ganzheitlich gelingen. Ohne kohärente Unterstützung der Mitgliedstaaten ist es für die UN schwierig, Einfluss auf Regime wie in Myanmar zu nehmen. Umso wichtiger ist es, sich beständig Gedanken über mögliche Hebel zu machen. Dazu braucht es Mut, Gestaltungswillen und Konsistenz.

Indem er die Konfliktprävention zur wichtigsten Aufgabe seiner Amtszeit gemacht hat, hat Guterres Führungsfähigkeit bewiesen. Doch muss er erstens dafür sorgen, dass die Menschenrechtsmechanismen besser mit der Agenda 2030 und der Friedensarbeit vernetzt werden. Zweitens muss er dafür sorgen, dass die Residierenden Koordinatorinnen und Koordinatoren das passende Profil zur Situation im Land haben und im Zweifel ausgetauscht werden. Dank der Reform des UN-Entwicklungssystems hat Guterres einen direkten Draht zu diesen wichtigen Schaltstellen. Schließlich sollten die UN-Mitgliedstaaten die Aufarbeitung seitens des UN-Systems zum Anlass nehmen, ihr eigenes Verhalten in Situationen staatlicher Diskriminierung kritisch zu untersuchen – nicht nur in Myanmar.

Peace in South Sudan: Don’t repeat the same mistakes

Germany should advocate in the UN Security Council for a course correction on the international approach to peace in South Sudan. If high-level mediation, addressing impunity, and grassroots reconciliation are not prioritized, international pressure to form a transitional government by November 12, 2019, is likely to lead to renewed violence.

UN Security Council delegation visiting South Sudan, October 2019. Photo: Isaac Billy, UNMISS.

This text was published as DGAP Standpunkt on 29 October 2019.

In Juba, South Sudan’s capital, it seems to be Groundhog Day, with the same events reoccurring in a never-ending loop. The current run-up to a November 12 deadline to form a transitional government closely resembles the predicament of just half a year ago, when the parties had extended the initial deadline from May.

Under intense regional and international pressure after the collapse of the original peace agreement of August 2015, the government and opposition parties signed the Revitalized Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan (R-ARCSS) in September 2018. It included a ceasefire, which largely still holds across the country, at least among signatories. R-ARCSS also foresaw the creation of a transitional government of national unity, with positions for the various negotiating parties, including five vice-presidential posts.

A delegation of the UN Security Council, led by the United States and South Africa, visited Juba on October 20, 2019. Its mission: impress upon all signatories to the R-ARCSS the need to abide by their commitments, including forming the transitional government by the agreed deadline. The United States has already hinted at additional sanctions if the parties fail. Yet with no adequate security arrangements and political agreements in place, such international pressure risks repeating the same mistakes made at key junctures since the start of South Sudan’s civil war in December 2013.

The issues hindering the peace process and the formation of the transitional government of national unity are well-known. In a statement from early October 2019, the UN Security Council listed them itself: not only is there no agreement between the parties on the internal borders of South Sudan’s federal states and the cantonment and training of government and opposition security forces, but the government is also dragging its feet in releasing funds to support these processes.

Unsatisfied with the lack of progress, the most prominent opposition group – the Sudan People’s Liberation Army/Movement-in-Opposition (SPLM/A-IO) led by Riek Machar – announced in early October that it would not participate in the transition government. Machar maintained his objection during the Security Council’s mid-October visit. Similarly, the South Sudan Opposition Alliance, another signatory of the peace agreement, said that its participation hinged on the resolution of the outstanding issues. President Salva Kiir has maintained that he will form the transitional government even if some opposition groups choose not to participate. Meanwhile, there are already allegations that Kiir is training new forces.

Déjà Vu of the Original Peace Agreement

The current peace deal risks sharing the fate of the original peace agreement of August 2015, which quickly collapsed three years ago amid the escalation of fighting, spread of violence, and fragmentation of the parties involved. Then, international pressure brought Kiir, Machar, and a smaller opposition group together to sign this agreement, which included a ceasefire, a power-sharing arrangement, and a commitment to establish a hybrid court under the aegis of the African Union. As became clear in the following months, the parties never intended to follow through with many of these commitments. Worse, the regional and international guarantors of the agreement let them get away with it.

Barely two months after he signed the peace agreement, President Kiir announced the reorganization of South Sudan’s federal states, increasing their number from 10 to 28. As the power-sharing arrangements were tied to the original number, his move was a clear violation of the peace agreement. Furthermore, the government failed to withdraw the bulk of its security forces from Juba to cantonment sites on its periphery. Machar and Kiir agreed on security arrangements that brought hundreds of opposition forces to Juba to guarantee the safety of Machar and his team, further militarizing the capital.

Under international pressure and in a weak military position, Machar went to Juba in April 2016 to form a unity government. The arrangement proved to be deeply dysfunctional. When Machar’s and Kiir’s forces clashed at an illegal checkpoint in the city in July of that year, heavy fighting broke out, during which hundreds of civilians and fighters were killed. Machar fled Juba accompanied by a contingent of his rebels, with government security forces in close pursuit. The government later revealed that it had paid Paul Malong, then chief of military staff, five million US dollars directly from the central bank to pursue and kill Machar, then the country’s first vice president.

International and regional reactions to these events were underwhelming. Beyond verbal criticism, there were neither repercussions for Kiir’s reorganization of state borders, nor for the July 2016 crisis. In addition, international and regional partners implicitly accepted that Taban Deng Gai, who had represented the opposition during the peace negotiations, had replaced Machar as first vice president while Machar was on the run.

Waking Up from Groundhog Day

Around 380,000 people are estimated to have died because of South Sudan’s civil war. The South Sudanese need a different international engagement. Germany supported the negotiations that led to the revitalized peace agreement last year with expertise and additional staff for the African Union (AU) and the Intergovernmental Authority on Development (IGAD), the regional organization in the Horn of Africa. As a donor and a current non-permanent member of the UN Security Council, Germany – along with its European partners – now has the chance to steer international policymaking on South Sudan in new, more effective directions.

First of all, in partnership with the AU and IGAD, the Security Council needs to push for continuous mediation between the parties. Security arrangements and the internal political order were already at the heart of the failure of the previous transitional government. Therefore, it is baffling that IGAD has not yet managed to appoint a permanent head of the peace agreement’s monitoring body. South Sudan should not just be seen as an issue to shape US Ambassador to the UN Kelly Craft’s public profile; rather, it deserves sustained political attention from the region, as well as from international decision-makers, including in Europe. There is no shortcut around negotiations between the parties. High-level mediators not only need to bring all the main players to the negotiating table until there is a consensus, but they also need to quickly follow-up with sanctions in the event of serious violations.

Secondly, donor countries like Germany need to spell out their conditions for support of the peace process more explicitly. Right now, the South Sudanese parties shape the narrative by calling for international donors to release further funds for the implementation of the peace agreement, in particular the retraining of government and opposition forces. Instead, donors should insist on the South Sudanese government’s pledge to release 100 million US dollars for this process. While the government currently spends millions on a presidential jet and foreign medical treatment for MPs, it is neither paying security services nor providing sufficient food and water at cantonment sites. Any support of the peace process by external donors should be bound to financial audits and transparency of South Sudan’s oil sector.

Thirdly, peacemaking in South Sudan needs to move away from a purely transactional model of power-sharing, in which government positions are meted out to the parties according to their negotiating strength. As Lotje de Vries and Mareike Schomerus argued in 2017, a peace deal alone will not end the war in South Sudan. Europe needs to follow the US example by going after the cash flows funding the violence more aggressively than in the past. Thanks to investigations by the Sentry, a US civil society organization; the panel of experts appointed by the UN Security Council; and the UN Human Rights Commission on South Sudan, detailed evidence already exists of the patronage networks benefiting from the civil war. The EU should freeze the assets of more corrupt members of the South Sudanese elite. Addressing impunity by getting the proposed hybrid court on South Sudan up and running under the aegis of the African Union also deserves a higher priority.

International pressure on the parties needs to focus on resolving the outstanding issues, not on forming a bloated transitional government with minimal trust. Machar can be forgiven for not trusting the UN’s assurance of his and his team’s safety if they return to Juba. In July 2016, UN troops were bogged down amid the urban fighting in the city and did not even intervene to halt an assault on humanitarian and UN workers at a nearby compound, let alone protect civilians in the vicinity of its camps. While the UN Mission has been bumped up to include additional forces with a robust mandate and improved procedures, it is unclear whether these forces would be able to engage with the thousands of government troops stationed in Juba if the 2016 scenario were to repeat itself.

For the moment, sustaining the ceasefire needs to have priority. It has enabled the conclusion of more than 130 local reconciliation efforts in South Sudan’s myriad inter- and intra-communal conflicts. The UN Mission in South Sudan, as well as the South Sudanese Council of Churches, has supported many of these efforts. Both deserve the Security Council’s full political support. Over time, local peace agreements can help build national peace and development from the ground up – until, one day, South Sudan can break the loop of renewed violence for good.

UN-Finanzen: Zeit für multilaterale Führung

In der Not eine Tugend demonstrieren: Die von Deutschland gegründete Allianz für Multilateralismus kann jetzt ihre Bedeutung zeigen, indem sie eine schnelle Übergangsfinanzierung des Haushalts der Vereinten Nationen organisiert – und mitfinanziert.

Diesen Beitrag schrieb ich zusammen mit Carina Böttcher. Er erschien am 13. Oktober 2019 im Tagesspiegel.

António Guterres, der UN-Generalsekretär, warnte am Dienstag vor der tiefsten Finanzkrise der Organisation in diesem Jahrzehnt. Zu viele Mitgliedstaaten, besonders die USA, sind im Verzug mit ihren Mitgliedsbeiträgen. Damit gefährden sie die Arbeit der UN für Frieden, Entwicklung und Menschenrechte. Deutschland sollte seine Partner zur besseren Zahlungsmoral motivieren und den Druck auf säumige Staaten anführen.

US-Präsident Donald Trump hat seine Abneigung gegenüber den UN oft betont. Im September warnte er, die Souveränität vieler Staaten sei bedroht. Seine Regierung werde sich der UN-Bürokratie nicht unterwerfen. So wundert es nicht, dass die USA als größter Beitragszahler ihre Beiträge von mehr als 670 Millionen US-Dollar bisher nicht überwiesen haben. Traditionell gehören die USA zu den vielen Ländern, die ihre Beiträge erst zum Ende des UN-Haushaltsjahrs in voller Höhe begleichen. Diese Praxis ist für die UN höchst problematisch. In diesem Jahr wird die Krise dadurch verschärft, dass die US-Administration nicht bereits erste Raten gezahlt hat, sondern den kompletten Beitrag schuldig ist – wie auch andere Staaten. Die Finanzkrise der UN ist auch Ausdruck der viel beschworenen Krise des Multilateralismus. Nationalistische Regierungen sind nicht mehr bereit, die UN politisch und mit ausreichend Geld zu unterstützen. Nicht zufällig steht Brasilien mit seinem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro mit einer offenen Rechnung von 82 Millionen US-Dollar an zweiter Stelle der säumigen Zahler. Auch Saudi-Arabien, Venezuela und Iran, alle auf den vorderen Rängen auf der Liste, haben ein angespanntes Verhältnis zur UN.

Wenn jeder nur an sich selbst denkt… 

Dabei nützen die UN allen Ländern. 2019 mobilisierten und koordinierten sie humanitäre Hilfe im Wert von 15 Milliarden US-Dollar, die 133 Millionen Menschen in Not erreichte. In 165 Ländern sind die UN präsent, um die nachhaltigen Entwicklungsziele voranzutreiben. Politische UN-Missionen vermitteln in Friedensprozessen in Afghanistan, Kolumbien oder Libyen. Schließlich bieten die UN das wichtigste Forum, in dem sich verfeindete Staaten und Oppositionelle auf neutralem Boden treffen können. Diese Arbeit steht auf dem Spiel, wenn die Trumps und Bolsonaros dieser Welt – und nicht nur sie – nicht zahlen. Wenn jeder nur an sich selbst denkt, bleibt nichts mehr für die großen gemeinsamen Aufgaben übrig. Die Menschen in Krisenregionen verdienen globale Aufmerksamkeit und Unterstützung. Selbst nationalistische Staatenlenker müssen erkennen, dass mehr als 70 Millionen Geflüchtete weltweit gleichsam Ausdruck und Beschleuniger sicherheitspolitischer Herausforderungen sind.

In der gleichen Woche, in der Trump vor den Gefahren globaler Bürokratien warnte, setzte Deutschland einen vielbeachteten Kontrapunkt. Zusammen mit Frankreich gründete es die Allianz für Multilateralismus. Mehr als 60 Staaten kamen dazu zusammen. Nun muss die Allianz beweisen, dass sie es mit der internationalen Zusammenarbeit ernst meint. Die Partner sollten sich für eine schnelle Übergangsfinanzierung des UN-Haushalts einsetzen. Als Initiator des Netzwerks fällt die Führungsrolle an den deutschen Außenminister Heiko Maas. Anfangen könnte er bei seinen Partnern für den Multilateralismus: Südkorea, ein Mitglied der Allianz, schuldet den UN noch rund 63 Millionen US-Dollar für das laufende Jahr. Das EU-Mitglied Rumänien steht ebenfalls noch in der Kreide. Was sind Bekenntnisse zum multilateralen Engagement der Europäischen Union wert, wenn noch nicht mal alle ihre Mitgliedstaaten pünktlich ihre Beiträge an die UN überweisen?

Deutschland könnte in Vorleistung gehen

Deutschland ist der viertgrößte Beitragszahler für den regulären Haushalt und für die Friedensmissionen, sowie der zweitgrößte Geber für das Entwicklungssystem. Daher hat es wenig Interesse daran, die Berechnung der Beiträge zu verändern, die sich an der Wirtschaftsleistung jedes Landes bemisst. Sofern die Zahlungsmoral einiger finanzstarker Mitgliedstaaten miserabel bleibt, wird sich die Allianz aber fragen müssen, wie man die UN weniger abhängig von wenigen Staaten machen kann. Kurzfristig könnte die Allianz bereits mit einem gemeinsamen Aufruf und politischem Druck für eine bessere Zahlungsmoral aller Mitgliedsstaaten eintreten.

Um die Finanzkrise abzuwenden könnte sich die Bundesregierung für einen Übergangsmechanismus einsetzen. Sie könnte beispielsweise anbieten, zusammen mit anderen Staaten in Vorleistung zu gehen, also einmalig einen Teil ihrer Beiträge für das kommende Jahr vorzuziehen. Damit das Licht in New York nicht ausgeht.

Deutschland sollte jedoch noch weiter gehen. In der Allianz für Multilateralismus könnte es für freiwillige Zusagen werben, Beiträge pünktlich und vollständig zu begleichen. Dazu muss Deutschland sich auch an die eigene Nase fassen und in Zukunft wie Kanada, Indien oder die Niederlande jedes Jahr seinen Beitrag im Januar überweisen. Nur wer auf diese „Ehrenliste“ kommt, darf als Führungsmacht für den Multilateralismus gelten. Deutschland muss zeigen, ob es seine Versprechen ernst meint.

Independent inquiry fails to answer important questions on the UN’s role in Myanmar

An independent inquiry into the UN system’s response to the mass violence against the Rohingya population in Myanmar found “systemic and structural failures”, echoing an earlier finding of a similar investigation on Sri Lanka. At the same time, the inquiry conducted by former Guatemalan diplomat Gert Rosenthal leaves important questions unexplored. Crucially, Rosenthal did not explore allegations that the UN Country Team in Myanmar was complicit in the regime’s discrimination against the Rohingya population. For the UN to learn from the past, it needs to have a more detailed record of the decisions taken.

This text first appeared on medium.com on 15 September 2019.

Learning lessons from past mistakes is important. That is true both on an individual level as well at the level of the United Nations. Rwanda, Srebrenica, Sri Lanka, Haiti, South Sudan: there have been many independent inquiries into the UN’s actions in a situation where serious human rights violations took place. They have spurred influential, albeit imperfect reform processes of the organization’s institutional architecture, processes and policies. Unfortunately, the latest such report, into the UN system’s response to the Rohingya crisis in Myanmar between 2010 and 2018, is too shallow and generic to allow for substantial learning to take place how the UN system could have used potential leverage to prevent the atrocities. It also fails to investigate allegations of the UN’s complicity in the systemic discrimination of the Rohingya population that are already part of the public record. 

The Rohingya people have suffered from systemic discrimination by the Myanmar government for decades. In a Buddhist-dominated country, the government and many Buddhist citizens regard the Rohingya as foreign, rejecting even their name and calling them “Bengali”, i.e. belonging to neighboring Bangladesh. The Rohingya have lacked citizenship and associated rights since the 1982 nationality law. Amid the democratic reform process in Myanmar since 2012, discrimination against the Rohingya has increased, including restrictions on their freedom of movement. In reaction to an attack on police stations by a Rohingya armed group in August 2017, the Myanmar security forces engaged in indiscriminate violence against the civilian population, killing thousands and driving around 700,000 people across the border into Bangladesh. Former UN High Commissioner for Human Rights Zeid Ra’ad al-Hussein described these attacks as “textbook example of ethnic cleansing”. A fact-finding mission recommended that senior military commanders should be investigated for genocide, war crimes and crimes against humanity. It found six indicators of “genocidal intent”, including in its most recent report evidence of sexual violence by the security forces, with hundreds of women and girls gang-raped.

Existing allegations: timidity or even complicity?

For several years, there have been serious allegations of misconduct by the UN Country Team based in Myanmar and senior UN officials elsewhere, including through leaked internal reports, statements by former employees, and investigative reporting. These allegations are complex, but essentially fall into either of two main points. The first concerns a lack of coherence both within the UN presence in Myanmar and among the UN leadership in New York. Even though the UN Secretary-General Ban Ki-moon and his deputy Jan Eliasson had spearheaded a reform to improve the UN system’s processes and internal mechanisms in the wake of the Sri Lanka inquiry, these reforms were not effective in Myanmar. Specifically, public reports charged that the Resident Coordinator, the highest UN official in the country, excluded critical voices from meetings and suppressed a report warning of a deterioration of the situation in early 2017. Mirroring differences between public advocacy and quiet dialogue at the country level, senior UN officials disagreed on the organization’s overall approach, with Eliasson and al-Hussein on one side, and the head of the UN Development Programme, Helen Clark, and Vijay Nambiar, special advisor for Myanmar, on the other side. Limited public or private criticism by the UN after an earlier massacre, “proved to the Myanmar government that it could manipulate the U.N.’s self-inflicted paralysis in Rakhine”, a UN official told the journalist Column Lynch. In other words, the activists allege that contradictory messages from different parts of the UN system and relative muteness on major human rights issues signaled to Myanmar’s security forces that it could get away with them.

The second point that those reports make goes even further. They allege that the UN Country Team was complicit in the discriminatory policies of the Myanmar government towards the Rohingya people. The UN and its international partners sustained displaced Rohingyas in internment camps, which the government did not allow them to leave, and collaborated with the government in the so-called Rakhine Action Plan. The plan, supposedly aimed at improving the humanitarian situation, included the registration of Rohingya as “Bengalis”, thus erasing their identity. Liam Mahony, an international consultant, spoke with representatives of the humanitarian community in Myanmar and observed in a critical report in 2015: “The State benefits not only from having the cost of minimally sustaining the population carried by others, it also gets a legitimacy benefit from having all these international organizations present (and better yet, present and quiet.)”

Explaining “systemic failure”

In his report, Gert Rosenthal largely confirms the first allegation, and ignores the second one. He identifies the tension between quiet diplomacy and public advocacy as the core challenge for the UN in dealing with the situation in Rakhine state, and “systemic and structural failures” in resolving them. In a chapter of just six pages, Rosenthal describes five reasons for these failures: lack of support from member states; the absence of a common strategy by the UN leadership; too many points of coordination; a dysfunctional country team led by a Resident Coordinator out of her depth but unable to receive more expert support from headquarters because of government opposition; and competing lines of reporting from the field, muddling information and analysis available in New York. Because the problems were systemic, no single entity or individual should be singled out, he concludes, pointing to the “shared responsibility on the part of all parties involved”.

The report’s observations are pertinent, and in mentioning the lack of executive decision-making by the Secretary-General go beyond the findings of the Sri Lanka inquiry that was published in 2012. As a new generation of UN Country Teams has started to deploy since the start of the year, extracting lessons for their engagement would be important. Rosenthal acknowledges that pushing for change in the government of Myanmar’s behavior towards the Rohingya while simultaneously working with it on humanitarian and development issues as well as supporting the democratic transition process was “a difficult balancing act”.

Diplomacy on human rights issues often involves such balancing acts for the UN. The restrictions present in Myanmar – a repressive government, divided member states, and lack of dedicated UN capacities on political and human rights issues – were not unheard of. The Resident Coordinator was in a very difficult position to engage in advocacy, as Mahony had already concluded in 2015: humanitarian organizations were “expecting UNHCR and the Resident Coordinator to do it all for them.” Yet it is difficult to conclude from Rosenthal’s synoptic account which kind of advocacy and at what points in time could have been successful in dissuading the security forces from their attacks.

Lack of detail, counterfactuals and potential leverage

A detailed narrative investigating incidents where the UN was faced with a concrete incident and needed to make a choice between advocacy and diplomacy would have been helpful. Which information did which UN entity have, how was it handled within the system, and who used it in which form in any engagement with the government? In which ways did the actions of the government, member states and the UN entities interact to inform decision-making in the UN Country Team and at UN headquarters? For example, the journalist and Myanmar expert Francis Wade writes about the way in which an incident in the village of Du Chee Yar Tan had instilled greater caution in the UN’s advocacy. Based on initial reports of a massacre, the UN had raised the issue with the government authorities, only to be rebuked and find out later from further sources that the alleged incident was apparently not as serious as initially assumed.

Closer attention to such incidents would have been important. But Rosenthal had very limited capacity, having to work on its own without support staff or colleagues. He did not travel to Myanmar. Investigating inflection points would have helped to persuade the reader of his conclusions. It would have also allowed to point out more counterfactual decisions, or the consequences of the choices that were made for the calculus of the security forces and for how events unfolded on the ground. The only benchmark that Rosenthal mentions is an observer mission in Rakhine state that could have monitored the actions of armed groups and the military. Such a mission could have investigated incidents such as the attacks on police stations in 2016 and 2017 that provided the excuse for the security services’ “clearance operations”. But, as he himself acknowledges, such a mission was impossible without the agreement of the government.

Lastly, Rosenthal hardly enquires into the potential leverage of the UN system, or any other actor to change the government’s behavior. He briefly mentions China, India, Indonesia and ASEAN as “privileged” partners of the UN, but does not discuss any specific efforts UN officials made to convince them to put pressure on the government, including for the failed upgrade of the UN presence in the country. Nor does he inquire whether the US gave in too quickly to Chinese opposition to dealing with Myanmar in the UN Security Council earlier on. Rosenthal observes that even when Guterres wrote a stern letter to the Security Council in early September 2017 after the start of the ethnic cleansing campaign, it did not lead the council “to respond in either a forceful or a timely manner.”

In contrast, Mahony’s 2015 assessment talks of the “uniquely privileged position” of the UN and member states in relation to a government that desperately sought international legitimacy for its democratic reform process and the “huge financial rewards that this new leadership brings”. It would have been essential to learn if UN actors felt the same and in what ways they used such leverage.

Why accountability matters

The shortcomings of such an internal review matter. Not only does the UN owe greater accountability to the Rohingya victims of the systemic discrimination, forced displacement, and indiscriminate killings, but also to its own staff, and to the wider public. The Secretary General’s Office is currently leading a follow-up process to the Rosenthal report. Its first task will need to be to expand on Rosenthal’s very short recommendations.

Even though Rosenthal does not say so explicitly, some commentators have drawn the conclusion that his report “assigns collective responsibility for the atrocities committed during the 2017 Rohingya crisis to both the UN civil service and UN member states.“ That is misleading – there is nothing in the report to suggest how a more coherent UN system supported by member states could have prevented the atrocities. Maybe more pressure could have emboldened the civilian government led by Aung San Suu Kyi to try and stand up to the military, or earlier and more widespread targeted sanctions could have influenced the military leadership. Without a more thorough analysis of international engagement, we can only guess.

In the meantime, the UN’s reputation further deteriorates, potentially undermining its work elsewhere as well as the reform of the country team system. No official, diplomat, or government representative has been held accountable for a responsibility that is shared collectively. More than one million Rohingya refugees continue to live in horrid conditions in Bangladeshi refugee camps.

A Question of Leadership: Lessons from the UN’s Actions in Myanmar

The UN’s inquiry into its own actions in Myanmar since 2012 draws significant parallels with a similar exercise that focused on the UN’s role during the end of the war in Sri Lanka. Once again, the UN found itself in a situation where a government was committing atrocities, but the UN showed an incoherent, ineffective response. Without clear leadership adjudicating differences among key stakeholders in the UN system, the principled engagement to which Secretary-General Ban Ki-moon had committed himself remained elusive.

This text first appeared on Strife Blog hosted at the Department of War Studies, King’s College London.

Engaging with severe human rights violations requires courage and coherence, setting clear principles and the readiness to stand by them if they are under pressure. An independent inquiry on the UN’s action during the Rakhine crisis in Myanmar, which came out in June, observed that the international organisation showed a “systemic failure” in dealing with the state’s repression of the Rohingya people between 2010 and 2018. Choosing his words carefully, its author, the former Guatemalan foreign minister Gert Rosenthal, echoed a similar exercise on the UN’s behaviour during the end of the war in Sri Lanka in 2008/09. Importantly, the UN system’s shortcomings were not a simple matter of failing to speak out, but of incoherence across the system, exacerbated by the lack of executive decision-making in Myanmar and at headquarters level. The lack of leadership by Secretary General Ban Ki-moon, despite his strong rhetorical commitment to human rights and atrocity prevention, deserves further attention.

From the UN’s perspective, the situation in Sri Lanka and Myanmar showed uncanny parallels, despite all objective differences. In Sri Lanka, the armed forces pursued a relentless final assault on the Tamil Tigers’ last hold-outs in Sri Lanka in 2008-2009. In Myanmar, the security forces attacked Rohingya civilians repeatedly, culminating in full-scale ethnic cleansing of the Rohingya population in 2017. In both countries, governments were the major perpetrators of violence, the presence of armed groups notwithstanding. Both governments were opposed to a strong human rights presence by the UN, and frustrated efforts by the UN Secretariat to increase its relevant capacity.

Myanmar and Sri Lanka, though both at the time host to significant armed violence, had successfully objected to any political or peacekeeping presence. The Resident Coordinators (RC), the head of the UN Country Team, in both countries had been chosen at a time of relative peace and with a strong development focus, not a profile in international humanitarian and human rights law. There were even some personal overlaps: Vijay Nambiar, the special advisor on Myanmar between 2012 and 2016, had been one of the most important UN officials during the Sri Lanka crisis, as Ban’s chef de cabinet. Lastly, there were strong geopolitical divisions that manifested themselves in a reluctance of the UN Security Council to discuss the situation as an official agenda item. In short, they were among the most difficult situations for the UN to work in.

The central challenge, as identified by Rosenthal, is a familiar and highly pertinent one: “how the United Nations can maintain some type of constructive engagement with individual member states where human rights abuses are systematically taking place, while at the same time pressing for those states to uphold their international commitments.” In other words, the UN needs to find an adequate mix of “quiet diplomacy” and “outspoken advocacy”, approaches that are associated with different parts of the UN system. For such a mix, the UN needs an inclusive organisational structure to produce a coherent policy, communicated across the system, owned by the leadership, and based on current, on-the-ground information and analysis.

The failure in Myanmar, according to Rosenthal, was that none of those prerequisites were present. Both at country and at HQ level, there were stark differences of opinion regarding the most adequate modus operandi. These manifested themselves in an increasingly polarised  working environment, as a function of the high stakes involved in the crisis in Rakhine state. Both sides of the argument thought that the other approach was not only wrong-headed, but potentially dangerous and counterproductive to de-escalate the violence and reduce discrimination. The emotionally charged atmosphere explains the reports about critical individuals being excluded from key meetings by Renata Lok Dessalien. The UN also had difficulty accessing the most volatile areas of Rakhine state and providing independent monitoring after alleged incidents.

Perhaps most importantly, there was a lack of strategic leadership, not just at the country level, but also at the highest level of the UN system. Differences between Deputy Secretary-General Jan Eliasson, who pressed for advocacy, and Special Envoy Vijay Nambiar and UNDP Administrator Helen Clark, who stressed quiet diplomacy and development efforts, respectively, were never resolved by Secretary-General Ban. Rosenthal writes, “even at the highest level of the Organization there was no common strategy.”

These shortcomings are particularly salient because Ban and Eliasson had vowed to turn a page after the damning findings of the Sri Lanka inquiry. They launched the “Human Rights up Front” initiative in late 2013 with the aim to improve coordination, information management, engagement with member states, and the UN’s organisational  culture. One of the new mechanisms established as part of the initiative was the so-called Senior Action Group (SAG). The SAG brought together the system’s most important parts at the top leadership level, including the UNDP Administrator, the High Commissioner for Human Rights, the Emergency Relief Coordinator, and other high-level officials. It was chaired by Deputy Secretary General Eliasson.

In the SAG’s discussion of the crisis in Rakhine state, Helen Clark, then UNDP administrator, protected UNDP and her RC, insisting that investing in development would also benefit the Rohingya, which should not be jeopardised  by an overly focus on human rights advocacy. Allegations of specific incidents required more investigation, she often insisted. According to a UN official familiar with these discussions that I interviewed, “any time there was a contentious issue, a dilemma between quiet diplomacy, public diplomacy and so on, the differences were simply discussed, and no executive decision was taken.”

While the UNDP administrator is appointed by the Secretary General, he or she also reports to the UNDP Executive Board. At the time, Clark had the final say on appointing or replacing RCs. The UN official that I interviewed described her behaviour as “territorial.” In any case, Ban could have insisted on a common position on the Rakhine crisis, not the least since Helen Clark had officially signed up to Human Rights up Front. Eliasson, who knew the destitute situation of the Rohingya from his time as Emergency Relief Coordinator in the early 1990s, had pressed for the replacement of the RC as early as 2015. Still, Ban did not overrule Clark nor did he “arbitrate a common stance between these two competing perspectives,” as Rosenthal writes.

The lack of leadership was highly problematic: the whole purpose of such high-level meetings as the SAG was to deal with questions that UN officials at the country level had not been able to agree on, and to create a common analysis and joint ownership of decisions. The different perspectives are ingrained in the distinct mandates and ways of working of the parts of the UN system; it falls to the collective leadership of the UN system to resolve tensions arising from the operational work. “Systemic failure” sounds like the reasons for incoherence lie mainly in structural differences. While these are important, ultimately responsibility for ensuring that the whole UN system works falls to its leadership, including the Secretary General and member states.

Clearly, the UN system is subject to the same cleavages and divisions that characterise  the international system as a whole. As Renata Lok Dessalien herself points out in a paper written after her assignment in Myanmar, conceptual differences regarding the meaning and interpretation of basic principles are ingrained in the UN Charter, for example between the promotion of human rights and the respect for national sovereignty. No internal UN reform such as Human Rights up Front can do away with those tensions, or abolish geopolitical differences. What it can do, and it has done with some mixed success, is change the way the organisation works, improving communication, analysis and decision-making procedures.

If the UN can hope to influence events in situations like those in Rakhine state in Myanmar at all, a coherent and coordinated policy across the whole system is a prerequisite. Otherwise both governments and critical member states are always able to play different parts of the system against each other, muting their respective effectiveness.

Luckily and despite significant opposition from key member states, the UN has started to improve its coherence in dealing with the crisis in Myanmar. Shortly after he came into office, Secretary General António Guterres appointed a permanent monitoring group within the UN, and prioritised strategic dialogue with Myanmar’s government, including State Counsellor Aung San Suu Kyi. He also championed a reform of the RC system. When Myanmar’s armed forces began their military offensive that included ethnic cleansing in Rakhine state in August 2017, Guterres resorted to public diplomacy. In a rare step, he wrote to the UN Security Council, urging its members to take action. Also in 2017, Renata Lok Dessalien finished her position as RC in Myanmar. Her successor, the Norwegian Knut Ostby, emphasized communication and principled engagement, for example threatening to reduce all but essential aid to IDP camps in Rakhine state if the government did not improve the Rohingyas’ freedom of movement. At the same time, renewed fighting between the ethnic Rakhine Arakan armed group and the government as well as continued denial of citizenship have left around a million Rohingya refugees stranded in refugee camps in neighbouring Bangladesh.

UN diplomacy consists of difficult balancing acts, in particular in dealing with unrepentant governments committing atrocities against their own population. Faced with an increasing emphasis of state sovereignty, including by the United States, Guterres has, at times, appeared to waver on human rights. If his prevention agenda is to succeed, he needs to mobilise all pillars of the UN to support each other, not just in Myanmar.