Diskussionsrunde: Deutschlands neue Außenpolitik zwischen nationalen Interessen, Friedensförderung und humanitären Prinzipien

Online-Diskussionsveranstaltung des Centre for Humanitarian Action, 30.9.2026

Deutschland hat eine neue interessengeleitete Außenpolitik angekündigt. Im Sommer 2026 hat es bereits den Umbau des Auswärtigen Amts abgeschlossen, der eine wirksame Durchsetzung dieser Interessen in einer seit Jahren deutlich konfliktreicheren Weltpolitik ermöglichen soll.

Befürworter*innen des Umbaus betonen Synergien und Vorteile für alle Politikfelder, da Deutschlands Interessen und geopolitischen Ziele sowie eine werte- und prinzipienorientierte Politik sich ergänzen würden. Kritiker*innen befürchten Zielkonflikte und inkohärente außenpolitische Ansätze mit Blick auf die Verteidigung des Völkerrechts, Deutschlands friedenspolitisches Engagement, humanitäre Prinzipien oder eine werteorientierte Entwicklungszusammenarbeit.

Auch am Beispiel von Deutschlands Engagement in Konfliktregionen wie dem Sudan, in Gaza und in der Ukraine diskutierten wir mit der Leitungsebene des Auswärtigen Amts sowie führenden friedenspolitischen und humanitären Expert*innen die neu ausgerichtete deutsche Außenpolitik:

  • Katharina Ahrendts, Abteilungsleiterin Globale Ordnung, Vereinte Nationen und humanitäre Hilfe; Auswärtiges Amt
  • Sarah Meschenmoser, Leiterin der Politischen Abteilung; Ärzte ohne Grenzen
  • Gerrit Kurtz, Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten; Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Das Event wurde moderiert von Ralf Südhoff, Direktor des Centre for Humanitarian Action.

Die Diasporapolitik Eritreas

In: Sinem Adar, Isabelle Werenfels (Hg.): Diasporapolitik im Zeitalter der Autokratisierung. China, Eritrea, Indien, Marokko, Russland und die Türkei im Vergleich SWP-Studie 2026/S 13, 29.09.2026

Für das streng autokratische Eritrea spielt die Dias­pora eine zentrale Rolle für den Regimeerhalt. Nach Jahrzehnten der Auswanderung ist die eritreische Gesellschaft zu weiten Teilen transnational zu verstehen. Politische Auseinandersetzung findet beinahe ausschließlich im Ausland statt, da organisierte Oppo­sition, freie Presse und Versammlungsfreiheit im Land selbst untersagt sind. Der Staat unter der Führung von Präsident Isaias Afwerki kontrolliert die eritreische Gesellschaft umfassend und versucht dies mit transnationaler Repression auch dort zu erreichen, wo die Freiräume größer sind. Dies ruft bisweilen gewaltsame Gegenaktionen einzelner Diasporagruppen hervor. In Deutschland reagierten Politik und Medien darauf mit teilweise pauschalisierenden und fremdenfeindlichen Aussagen. Damit laufen sie jedoch Gefahr, das von Eritrea gepflegte Narrativ einer Nation, die stets Opfer imperialer Großmachtpolitik war, zu untermauern. Gleichzeitig unterstützt Eritrea bewaffnete Akteure am Horn von Afrika und sieht sich mit äthiopischen Kriegsdrohungen konfrontiert. Eine konstruktive deutsche Politik gegenüber Eritrea sollte somit innen- und außenpolitische Erwägungen berücksichtigen.

Gründe für die Emigration

Auswanderung aus Eritrea ist eng mit der politischen Entwicklung des Landes verbunden. Hunderttausende verließen während des dreißigjährigen Unabhängigkeitskriegs das Land, der 1991 mit dem Ende des Derg-Regimes in Addis Abeba und der Einnahme Asmaras durch die Eritreische Volksbefreiungsfront (Eritrean People’s Liberation Front, EPLF) endete. Die Unabhängigkeit von Äthiopien folgte zwei Jahre später. Nach dem Krieg zwischen den ehemaligen Verbündeten Äthiopien und Eritrea in den Jahren 1998 bis 2000 setzte die Regierung von Präsident Isaias Afwerki ab 2001 auf interne Repression und Militarisierung, die seitdem insbeson­dere jüngere Menschen in die Flucht treiben. Je nach eigener bzw. familiärer Erfahrung mit dem Unabhängigkeitskampf oder mit der anschließenden Unterdrückung setzt sich die Diaspora heute sowohl aus Befürwortern der eritreischen Regierung als auch deren entschiedenen Gegnern sowie Menschen zusam­men, die sich nicht politisch engagieren. Daraus ergibt sich auch ein Generationenkonflikt.

Der Nationaldienst, der einem Zwangsarbeitsdienst gleichkommt, ist einer der Hauptfluchtgründe.

In Eritrea haben seit der Unabhängigkeit 1993 keine Wahlen stattgefunden, das Parlament ist seit 2002 nicht zusammengetreten.1 Die eritreische Regierungs­partei Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (People’s Front for Democracy and Justice, PFDJ), die Nachfol­gerin der EPLF, verfolgt seit dem Krieg gegen Äthiopien einen Kurs der nationalen Entwicklungsautonomie und autoritären Sicherheit; die Rechte des Individuums werden dem Staat untergeordnet.2 Alle jungen Menschen müssen einen unbefristeten sogenannten Natio­naldienst in Militär oder Arbeitsdienst ableisten, aus dem sie teilweise erst nach Jahrzehnten entlassen wer­den. Dabei werden sie oft weit weg von ihren Familien eingesetzt und schlecht bezahlt. Sexuelle Gewalt, Folter und erniedrigende Behandlung sind im Nationaldienst laut unabhängigen Berichten weit verbreitet.3 Der Nationaldienst, der einem Zwangsarbeitsdienst gleichkommt, ist einer der Hauptfluchtgründe;4 hinzu kommt, dass der Bevölkerung in der staatlich durchkontrollierten Wirtschaft nur begrenzt Entwicklungs­möglichkeiten zugestanden werden.

Politische Entfaltung außerhalb des Systems ist in Eritrea verboten. Das Land belegte im Jahr 2025 den letzten Platz im Ranking für Pressefreiheit, das die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen regelmäßig erstellt.5 Private Versammlungen von mehr als sieben Personen bedürfen einer regierungsamtlichen Erlaubnis.6 Die Gesellschaft ist durch PFDJ-Organisationen, zum Beispiel für Frauen, Studierende und Jugendliche, straff durchstrukturiert. Diese Orga­nisationen sind auch im Ausland aktiv.

Motivation und Ziele: Die vierte Front

Die eritreische Diasporapolitik folgt den Maßgaben der innenpolitischen Repression und der außenpolitischen Einflussnahme, mit der das Regime in der Region agiert. Sie dient primär drei Zwecken: der Finan­zierung des Staates, der Legitimierung des Regimes sowie der Unterdrückung bzw. Schwächung der Oppo­sition.

Damit ist sie von zentraler Bedeutung für den Erhalt des autoritären Regimes. Eine sehr kleine Elite von Offizieren und Parteikadern kontrolliert das Land. Die Wirtschaft basiert zu weiten Teilen auf einer Landwirtschaft, die ohne künstliche Bewässerung auskommen muss und damit anfällig für Dürren ist, sowie auf großen Bergbauprojekten. Daneben spielen wohl illegale Aktivitäten wie Schleusertum und Schmuggel (unter anderem von Waffen und Gold) eine wichtige Rolle. So werfen lokale äthiopischen Behörden in Tigray7 dem Land vor, Goldvorkommen in der Region ausbeuten zu lassen bzw. das Edelmetall zu schmuggeln, offensichtlich in Kooperation mit Offizieren der Tigray Defence Forces (TDF).8 Außerdem soll es vom Sesamhandel in West-Tigray profitieren. Die Region wird seit Beginn des Kriegs im Norden Äthiopiens im November 2020 von amharischen Milizen kontrolliert, die zuvor von Eritrea ausgebildet worden waren.9 Im Kriegsverlauf sollen zudem eritreische Militäreinheiten eine großangelegte Plünderungsaktion in Tigray durchgeführt haben.10

Eritrea hat noch nie einen Staatshaushalt veröffent­licht, und auch die Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen fällt (mit gewisser Ausnahme der Afrikanischen Entwicklungsbank) gering aus. Belast­bare Zahlen liegen nicht vor. Schätzungen zufolge stellt jedoch die Ausbeutung der Auslandseritreer:in­nen die »konstanteste und unverzichtbare Einkommensquelle des Regimes« dar. Zumindest laut rund zwanzig Jahre alten Angaben könnte die Diaspora für ein Drittel der Staatseinnahmen sorgen,11 sowohl über Besteuerung als auch durch Rücküberweisung privater Gelder. Letztere gehen zwar an Familien­angehörige, lindern aber damit den Druck auf das System, in ausreichendem Maße Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung zu schaffen. Zudem profitiert der Staat von der Kontrolle der Zahlungs­kanäle, einschließlich des informellen, transnationalen Zahlungssystems Hawala.12

Die weiteren Ziele der eritreischen Diasporapolitik sind politischer Natur. Es geht darum, eine dem Regime gegenüber loyale Gemeinschaft zu formen, diese in Entwicklungsprojekte in Eritrea einzubinden und zur Überwachung der Landsleute im Ausland zu ermutigen. Wer sich als regimetreu erweist, darf das Heimat­land auch regelmäßig besuchen. Das eritreische Infor­mationsministerium beschreibt die Diaspora-Mitglieder als

»ambassadors without portfolios because they repre­sent their homeland’s interests in their host coun­tries. They defend Eritrea’s sovereignty and policy positions in foreign land to promote its national interests. They are increasingly seen as a national resource in their performance in public diplo­macy.«13

Infobox 1: Die eritreische Diaspora in Zahlen
Zahlen in Bezug auf die eritreische Bevölkerung sind mit großer Vorsicht zu betrachten, da es nie einen Zensus gab. Die Verein­ten Nationen schätzten die einheimische Bevölkerung im Jahr 2025 auf 3,6 Millionen.a Zusätzlich gibt es laut dem UN-Hoch­kommissar für Flüchtlinge (UNHCR) rund 686.000 aus Eritrea Vertriebene, die meis­ten davon in Äthiopien (rund 180.000) und im Sudan (rund 138.000). Deutschland ist mit rund 70.000 Personen das drittgrößte Aufnahmeland eritreischer Geflüchteter.b Darüber hinaus leben vermutlich 1,2 Millionen bis 1,8 Mil­lionen Eritreastämmige im Ausland, darunter Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft oder Nachkommen von Migran­ten.c 2025 machten Eritreer:innen mit 7.583 Men­schen die drittgrößte Bevölkerungsgruppe (11,4 Prozent) aus, denen die Flucht über das Mittelmeer nach Italien gelang.d Es gibt keine aktuellen Zahlen zur Höhe der eri­treischen Rücküberweisungen.a UN Population Division, Data Portal, <https://tinyurl.com/ 5ec6bw6t> (zuletzt eingesehen am 27.7.2026). b UNHCR, Refugee Data Finder, <https://www.unhcr.org/ refugee-statistics/download> (zuletzt eingesehen am 27.7.2026). c Hirt/Mohammad, »By Way of Patriotism, Coercion, or Instrumentalization« [wie Fn. 11]. d UNHCR, Most Common Nationalities of Sea Arrivals (Since 1st January 2025), 31.12.2025, <https://tinyurl.com/ bdkfhbvk> (zuletzt eingesehen am 27.7.2026)>.

Die eritreische Regierung spricht in diesem Zusam­menhang auch von der Diaspora als »vierter Front«, die neben den militärischen Frontabschnitten im Wes­ten, Zentrum und Osten Eritreas der militärischen und politischen Landesverteidigung diene.14 Diese Bezeichnung lässt den Unterschied zwischen Zivil­bevölkerung und Militär bewusst verschwimmen.15

Dementsprechend zielt die Diasporapolitik gleichzeitig darauf, Opposition zur PFDJ zu unterbinden. Infiltration, Überwachung und Einschüchterung bis hin zum Einsatz von Gewalt durch paramilitärische Gruppen wie Eri Blood sollen Diasporamitglieder daran hindern, sich jenseits der regimetreuen Institutionen politisch zu engagieren.16 Tatsächlich ist die eritreische Opposition gespalten und verfügt weder über eine führende Partei noch eine Führungsfigur.

Institutionen und Instrumente

Eritreas totalitäres politisches System findet in den Institutionen der Diasporapolitik seinen Niederschlag. Neben den Auslandsvertretungen unterhält die Regie­rungspartei PFDJ in den Wohnländern nationale Ableger ihrer Gliederungen für Jugendliche, Frauen und Studierende. Das gilt auch für Deutschland. Über Treffen und Aktivitäten dieser Institutionen gibt unter anderem die Website des eritreischen Informationsministeriums Auskunft.17

Hinzu kommen eritreische Kulturvereine, soge­nannte Mahbere-koms. Regimetreuen Diasporamitgliedern stehen außerdem Sprachkurse, apolitisch wirkende Kulturangebote oder Auszeichnungen offen. Eritreisch-orthodoxe Kirchengemeinden in der Dias­pora dienen der Überwachung und Repression, indem sie das Abhalten von Taufen oder Hochzeiten von der Begleichung der Aufbausteuer abhängig machen und Gläubige mit abweichenden politischen Ansichten ausschließen.18 Dies ist besonders problematisch, weil die orthodoxe Kirche im gesellschaftlichen Leben der Eritreer:innen eine wichtige Rolle spielt. Wie im Inland zielt der eritreische Staat also darauf, dass sich Eri­treer:innen in der Diaspora gegenseitig überwachen und zur Loyalität gegenüber der PFDJ drängen. Oppositionelle Diasporamitglieder berichten von Informanten-Netzwerken und davon, dass kritische Aktivitäten ihrerseits zu Repressalien gegenüber Familienangehörigen im Heimatland führen können.19

Infobox 2: Wichtige Institutionen der Diasporapolitik ■ eritreische Auslandsvertretungen (Botschaften und Konsulate) ■ PFDJ-Deutschland sowie Young People’s Front for Demo­cracy and Justice und andere Gliederungen der Regie­rungspartei im Ausland ■ Mahbere-koms (Kulturvereine, die auch der Über­wachung und Steuereintreibung dienen) ■ Zentralrat der Eritreer in Deutschland e.V. (Dach­organisation regimetreuer Vereine)

Zentrale Instrumente der eritreischen Diaspora­politik sind kulturelle und politische Veranstaltungen, die von den Botschaften, Konsulaten oder Parteiorga­nisationen beispielsweise im Zusammenhang mit dem eritreischen Unabhängigkeitstag am 24. Mai oder dem Märtyrertag am 20. Juni ausgerichtet werden.

Besondere Aufmerksamkeit haben in den letzten Jahren sogenannte Eritrea-Festivals erlangt. Diese gehen zurück auf die Zeit des Unabhängigkeitskriegs; das erste fand 1974 in Bologna statt.20 Es diente dazu, die Menschen im Exil mit dem nationalen Freiheitskampf zu verbinden und Gelder für die EPLF zu sammeln. Hier konnte man sich treffen, austauschen und der Heimat gedenken. Kulturelle und politische Zwecke wurden damals wie heute vermischt. Heute finden solche Festivals überall dort statt, wo es eine größere eritreische Diaspora gibt, unter anderem in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Dabei finden sich Regierungsvertreter unter den Rednern, die eigens für diesen Zweck anreisen. So war es auch 2023 in Gießen der Fall, wo alle sechs Gou­verneure der eritreischen Regionen auftreten durften.21 Der hiesige Veranstalter – der Zentralrat der Eritreer in Deutschland e.V., der enge Beziehungen zur PFDJ unterhält – bewirbt die Festivals allerdings hauptsächlich als kulturelle Treffen.

Ein weiteres wichtiges Instrument der Diaspora­politik ist die Aufbausteuer, auch Zwei-Prozent-Steuer genannt, weil sie zwei Prozent vom Einkommen betra­gen soll. Sie gilt seit 1995. Exil-Eritreer:innen müssen diese abführen, um an konsularische Dienstleistungen wie Pässe zu gelangen, Erbschaften antreten oder Landgeschäfte tätigen zu dürfen. Trieben Auslandsvertretungen das Geld früher direkt ein, sollen Exil-Eritreer:innen es jetzt ins Land überweisen, wo die Familienangehörigen die Steuer bezahlen müssen.

Regimegegner fürchten Repressalien, wenn sie die Aufbausteuer nicht zahlen.

Verschärft wurde die Praxis durch die sogenannte Reueerklärung. Damit müssen Menschen, die aus Eritrea geflohen sind und in den letzten Jahren keine Aufbausteuer gezahlt haben, offiziell erklären, dass sie ihr Verhalten bereuen und für die aufgelaufenen Steuern aufkommen.22 Tun sie dies nicht, fürchten Regimegegner Repressalien, sowohl für sich selbst als auch für Angehörige in Eritrea, die ihre Geschäfts­lizenz verlieren könnten. Bevor eritreische Auslands­vertretungen konsularische Dienstleistungen wie die Ausstellung von Geburtsurkunden oder Pässen erbrin­gen, verlangen sie Belege über die Zahlung der Steuer. Im Gegenzug für die Zahlung erteilen sie Auslands­eritreer:innen einen »Diaspora-Status«, der es ihnen ermöglicht, nach Eritrea ein- und wieder auszureisen (und Devisen ins Land bringen).23 Dieses System ist »central to control by Eritrea of its expatriates, as well as a key financial tool for the Government to secure offshore revenue from its global diaspora«, schreibt der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Eritrea.24

Infobox 3: Eritreische Staatsbürgerschaft In Eritrea wird die Staatsbürgerschaft durch Geburt erworben (Art. 3 Abs. 1 der eritreischen Verfassung von 1997) und kann auch an Kinder von mindestens einem eritreischen Elternteil weitergegeben werden, die im Ausland geboren werden. In diesem Falle kann eine eritreische Auslandsvertretung die Staatsbürgerschaft bescheinigen. Deutsche Verwaltungsgerichte gehen davon aus, dass auch die Nachkommen von Menschen eritreischer Herkunft (das heißt Personen, die vor 1933 auf heute eritreischem Staatsgebiet lebten) ihre Staatsbürgerschaft über mehrere Generationen in diesem Sinne weitergeben.a a Verwaltungsgericht Hannover, Urteil vom 23.1.2018, Az.: 3 A 6312/16, <https://tinyurl.com/ 2c3ku4cf> (zuletzt eingesehen am 27.7.2026).

Die deutsche Migrationspolitik trägt bisweilen zu diesem System bei. Eritreische Geflüchtete erhalten in der Regel nur subsidiären Schutz, weil der eritreische Nationaldienst nicht als spezifische Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes zählt. 2022 entschied das Bun­desverwaltungsgericht, dass Behörden von subsidiär Schutz­berechtigten aus Eritrea nicht verlangen dürften, bei einer eritreischen Auslandsvertretung einen Reisepass zu beantragen, weil sie dafür die »Reueerklärung« unterzeichnen müssten.25 Diaspora­mitglieder berichten, dass lokale Behörden diese Entscheidung nicht einheitlich umsetzten, zumal sie nicht ohne Weiteres auf die Beschaffung anderer Dokumente angewandt werde. Von Eritreer:innen, die sich um die deutsche Staatsbürgerschaft bemühen, werde überdies die Vorlage einer eritreischen Geburts­urkunde verlangt, die ebenfalls nur von der Auslandsvertretung zu erhalten sei.

Stabilisierung des Regimes und transnationale Repression

Dank seiner Diasporapolitik hat das eritreische Regime Zugriff auf eine transnationale Gemeinschaft, deren Loyalität bisweilen so weit reicht, dass sie die eigenen Landsleute im Ausland kontrolliert und überwacht. Eritrea erhebt im Ausland außerdem eine »Aufbausteuer«, deren Eintreibung die Wohnländer zwar begrenzen, aber letztlich nicht verhindern können. Die eritreischen Behörden zeigen sich insofern anpassungsfähig.

Auch die Massenflucht vor allem jüngerer Menschen weiß die Autokratie für sich zu nutzen. Zwar untergräbt die Migrationsbewegung den Entwicklungs- und Legitimitätsanspruch der Regierung, aber sie beschert dem Land Einkünfte und wirkt damit stabilisierend auf die Verhältnisse.26 Während das Regime die legale Auswanderung erschwert, verdient es am Menschenschmuggel von und über Eritrea mit.27

Die transnationale Repression provoziert Gegenreaktionen.

Die Erfolge der transnationalen Repression, die zum Kern der eritreischen Diasporapolitik gehört, markieren indes gleichzeitig ihre Grenzen. Denn sie provoziert Gegenreaktionen. So bildete sich im Ausland eine ebenfalls transnational agierende Opposition, die den bewaffneten Kampf nach Eritrea tragen möchte: Die dezentral organisierte Brigade N’Hamedu, auch »Blaue Revolution« genannt, unterhält mittlerweile in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Ableger und zielt auf den Sturz des Regimes. In den Wohnländern wurden sie vor allem dadurch bekannt, dass ihre Mitglieder in mehrere gewalttätige Ausschreitun­gen im Zusammenhang mit Eritrea-Festivals verwick­elt waren, etwa in Stuttgart und Gießen 2022 und 2023. Regimetreue Vereine wie die Deutsch-Eritreische Gesellschaft bemühten Hyperbeln, wenn sie die Gewalt als »zivilisatorische[n] Bruch« bezeichneten und vor der »mediale[n] Dämonisierung und Stigmatisierung Eritreas« warnten.28 Denn die Ausschrei­tungen lenkten auch Aufmerksamkeit auf die autoritäre Praxis des Heimatlandes und dessen repressive Diaspora­politik. Das Europäische Parlament erwähnte Eritrea 2025 in einer Resolution zum Thema Schutz von Menschenrechtsverteidiger:innen vor transnationaler Repression.29 Die Brigade N’Hamedu, die eigenen Angaben zufolge nach dem gewaltsamen Sturz der Regie­rung in Eritrea ein »gerechtes und demokratisches Land« anstrebt,30 hat derweil ein Büro in Äthi­opien eröffnet, wo es Eritreer:innen mobilisiert.

Relevanz für Deutschland

Eritreas totalitäres politisches System und transnationale Repression bedeuten für die deutsche Außen­politik, dass die Regierung von Isaias Afwerki als Partner nicht infrage kommt. Die diplomatischen Beziehungen werden auch dadurch erschwert, dass Deutsch­land keinen akkreditierten Botschafter mehr in Asmara hat, seit das Regime den damaligen Leiter der Auslandsvertretung im Juni 2022 wegen einer angeblich nicht genehmigten Reise des Landes verwies.

Gleichwohl sucht Deutschland Gesprächskanäle nach Asmara, weil die Spannungen in der Region zunehmen und Berlin an Deeskalation gelegen ist. Eritrea mischt sich traditionell immer wieder in die Konflikte am Horn von Afrika ein.31 Gleichzeitig spricht die äthiopische Regierung immer häufiger Drohungen gegenüber Eritrea aus, was zum einen die Gefahr eines erneuten zwischenstaatlichen Krieges erhöht und zum anderen Isaias erlaubt, den National­dienst und die Militarisierung der Gesellschaft weiter­hin zu rechtfertigen. Europäische Interessen an einem Rückgang der Migration aus Eritrea lassen sich aber weder durch Drittstaaten-Abkommen noch gar durch (bislang nicht erfolgte) Abschiebungen durchsetzen. Die Flucht aus Eritrea wird erst aufhören, wenn die insbesondere mit dem Nationaldienst verbundene Repression nachlässt.

Derweil tut sich die deutsche Politik schwer damit, einen konstruktiven Umgang mit der eritreischen Diaspora(politik) zu finden. Insbesondere die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Zuge der Eritrea-Festivals in Gießen und Stuttgart 2022/23, bei denen auch zahlreiche Polizisten verletzt wurden, sorgten für Aufmerksamkeit und zogen Strafprozesse wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung nach sich. Im März 2025 ließ die Bundesanwaltschaft darüber hin­ausgehend wegen des Verdachts auf Gründung und Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Ver­einigung Objekte von 17 Beschuldigten durchsuchen. Sie zählten zur Brigade N’Hamedu, und diese habe, so der Anfangsverdacht, die Gewalt gegen die Veranstalter der Festivals und zu deren Schutz abgestellte Polizis­ten gezielt geplant.32

Eritreische Diasporagruppen der Opposition beklagen daher Ungleichbehandlung durch den deutschen Staat: Die von Regimetreuen organisierten Festivals zuguns­ten eines autoritären Staates dürften stattfinden, wäh­rend sie selbst sowohl von deutschen Sicherheitsbehörden als auch eritreischen Handlangern überwacht würden. Ermittlungen wegen möglicher Gesetzesverletzungen gegen die oppositionelle Dias­pora scheint es kaum zu geben, teils vermutlich, weil Überwachung schwer nachzuweisen ist, teils aus Furcht der Betroffenen vor Repressalien. Das Vor­gehen der Bundesanwaltschaft empfanden einige jedenfalls als Einschüchterungsversuch, weshalb sie davon absahen, eine Gegendemonstration zum Eritrea-Festival in Hessen, das 2025 in Hofheim am Taunus stattfand, zu organisieren.33

Hier stehen die Behörden also vor der Heraus­forderung, einerseits grundgesetzlich garantierte Frei­heiten wie das Versammlungsrecht und die Meinungsfreiheit vor Repression zu schützen, die transnational oft innerhalb der Diaspora-Community gegen Oppositionelle ausgeübt wird, und andererseits das staatliche Gewaltmonopol mithilfe der rechtsstaatlich gebotenen Instrumente durchzusetzen. Außerdem müssen sie die politisch gewollte Abwehr von Migration mit dem Schutz vor Repression in Einklang bringen, den auch subsidiär Schutzberechtigte genießen. Einer neuen Handlungsempfehlung zufolge, die das Bundes­innenministerium im Januar 2026 in Absprache mit den Ländern herausgab, können Ausländerbehörden von eritreischen Staatsangehörigen durchaus verlangen, einen Pass bei der Botschaft zu beantragen. Nur die Unterzeichnung einer Reueerklärung sei – gemäß dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2022 – unzumutbar, nicht aber die bloße Vorsprache bei der Botschaft. Erst wenn die betreffende Person plausibel darzulegen in der Lage sei, dass sie eine Reueerklärung werde abgeben müssen, sei auf die Vorsprache bei der Botschaft zu verzichten.34

Letztlich sind Politik und Behörden in Deutschland gefordert, der transnationalen Natur der eritreischen Diasporapolitik gerecht zu werden. Im Zuge des Gewalt­ausbruchs in Gießen 2023 warnte die damalige Bun­desinnenministerin Nancy Faeser, ähnlich wie andere politisch Verantwortliche: »Ausländische Konflikte dürfen nicht in unserem Land ausgetragen werden.«35 Damit verkannte sie allerdings die Tatsache, dass politische Konflikte in Eritrea gar nicht ausgetragen werden können. Organisierte Kritik ist nur in der Diaspora möglich. Hier gibt es demokratische Freiheiten und Räume, die eine ihrerseits grenzüberschreitende Öffentlichkeit ermöglichen. Statt sich von rechtsgerichteten, pauschalisierenden Diskursen36 wie im Umfeld der Ausschreitungen 2023 treiben zu lassen, sollte Deutschland sich als Teil dieser Öffentlichkeit verstehen und die – gewaltfreie – politische Auseinandersetzung in der Diaspora schützen.

Kämpfe in Tigray: “Es gab genug Warnungen”

Interview mit dem Spiegel, 26.9.2026

SPIEGEL: Herr Kurtz, erst vor vier Jahren endete der brutale Bürgerkrieg zwischen Äthiopiens Armee und der sogenannten Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Seit einigen Monaten scheinen die Spannungen wieder zuzunehmen. Nun haben Kämpfer der TPLF mehrere Flughäfen eingenommen, es gibt Berichte über heftige Kämpfe. Geht der Krieg jetzt wieder los?

Kurtz: In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Kämpfe in Tigray – die waren allerdings in der Regel nach ein paar Stunden vorbei. Am vergangenen Sonntag haben die wichtigsten bewaffneten Gruppen Äthiopiens verkündet, dass sie eine »Allianz des Überlebens« bilden, die den Sturz der Regierung von Abiy Ahmed als Ziel hat. Mittlerweile spricht die TPLF selbst von Krieg. Das bedeutet nicht, dass es sich nicht wieder einfangen lässt – aber wir sehen hier schon eine ziemliche Eskalation.

SPIEGEL: Der vergangene Bürgerkrieg begann als Machtkampf zwischen der TPLF und der äthiopischen Regierung von Abiy Ahmed. Nach Schätzungen der Afrikanischen Union kostete der Krieg mehr als 600.000 Menschen das Leben, letztlich einigte man sich im Pretoria-Abkommen von 2022 auf einen Waffenstillstand. Warum scheint dieser nun zu zerbrechen?

Kurtz: Wichtige Punkte des Abkommens wurden nie umgesetzt, wie etwa die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat. Noch immer sind Hunderttausende Menschen vertrieben und leben unter extrem prekären humanitären Bedingungen. Das ist ein wichtiger Punkt, die große Frage ist jedoch eine politische: Was ist die künftige Rolle der TPLF?

Vor Abiys Amtsantritt 2018 dominierte die von Tigrayern geführte TPLF über Jahrzehnte die äthiopische Staats- und Sicherheitsordnung. Während des Krieges wurde die TPLF verboten, nach dem Kriegsende hätten sie sich laut Vorgaben aus Addis Abeba neu als Partei registrieren müssen – das wollte man aber in Mekelle auf keinen Fall.

Im Mai erklärte die TPLF schließlich, dass sie die von Abiy eingesetzte Übergangsregierung nicht anerkennen werde und man eine konkurrierende Regionalregierung bilde. Diese wurde dann wiederum von Addis Abeba nicht anerkannt. Das erinnerte bereits an die politische Konstellation vor dem November 2020, als der Bürgerkrieg ausbrach.

»Die Rebellen wissen noch aus dem vergangenen Krieg, dass es nicht so leicht ist, nach Addis Abeba zu marschieren.«

SPIEGEL: Gab es nun einen konkreten Auslöser?

Kurtz: Die Gründung der Rebellenallianz war lange vorbereitet worden. Dass wenige Tage nach ihrer Verkündung der Krieg beginnt, ist sicher kein Zufall. Im Juni haben Parlamentswahlen stattgefunden, Tigray blieb von der Wahl ausgeschlossen. Am 5. Oktober kommt das neue Parlament erstmals zusammen. Möglicherweise hat dieser Termin auch eine Rolle gespielt.

SPIEGEL: In der Allianz haben sich Rebellengruppen zusammengeschlossen, die einst gegeneinander kämpften. Nun ist ihr erklärtes Ziel, die Regierung zu stürzen.

Kurtz: Ja, und bis vor Kurzem haben sie das noch nicht so explizit gesagt. Das Hauptziel ist sicher, die Regierung massiv unter Druck zu setzen. Die Rebellen wissen noch aus dem vergangenen Krieg, dass es nicht so leicht ist, nach Addis Abeba zu marschieren.

SPIEGEL: Die Regierung von Abiy Ahmed wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. Hat die Rebellenallianz ebenfalls ausländische Geldgeber im Rücken?

Kurtz: Nicht im gleichen Maße. Sie erhalten Unterstützung aus Eritrea, auch wenn der Nachbarstaat nicht Teil des neuen Bündnisses ist. Aber die Regierung in Asmara schickt anscheinend Munition und Waffen an die TPLF. Eine größere eritreische Truppenpräsenz in Tigray haben wir bislang nicht gesehen, das scheint auch nicht die Erwartung der Allianz zu sein. Die Rückendeckung ist geografisch wichtig: Im vergangenen Krieg konnten die Regierungstruppen die TPLF komplett isolieren, indem sie die Grenze in Zusammenarbeit mit Eritrea dichtmachten. Damals war Eritrea mit Äthiopien verbündet. Insofern ist die Versorgung aus Eritrea für die Rebellen sehr wichtig, das Land hat – anders als Äthiopien, mehrere Häfen.

SPIEGEL: Die isolierte, langjährige Diktatur Eritrea verfügt jedoch nicht über dieselben finanziellen Mittel wie die Emirate.

Kurtz: Das stimmt. Der wohl potenteste mögliche Partner für die Rebellenallianz wäre Ägypten. Kairo streitet mit Addis Abeba um die Nutzung des Nilwassers, und hat sich im Zuge dessen in den vergangenen Monaten sehr stark an Eritrea angenähert. Bislang gibt es aber keine Beweise für eine direkte ägyptische Unterstützung äthiopischer Rebellen.

»Man hätte die Eskalation in den vergangenen Monaten verhindern können.«

SPIEGEL: Äthiopien grenzt an den Sudan, wo seit über drei Jahren ein verheerender Bürgerkrieg geführt wird. Die sudanesische Armee wirft Äthiopien vor, die Rapid Support Forces (RSF) zu unterstützen. Könnte sich der Konflikt in einen Regionalkrieg wandeln?

Kurtz: Die Gefahr besteht, dass die Konflikte sich stärker verbinden – obwohl ihre Ursachen unterschiedlich sind. Schon jetzt sehen wir grenzüberschreitende Angriffe. Es gab eine ganze Reihe von Berichten über Drohnen, die aus Äthiopien in den Sudan geschickt worden sind, auch Waffen werden über die Grenze an die RSF geliefert. Bislang ist es nicht zu einem zwischenstaatlichen Konflikt zwischen Äthiopien und Sudan gekommen, auch, weil da offenbar gute Geheimdienstkontakte bestehen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie weit das noch geht.

SPIEGEL: Lässt sich eine weitere Eskalation noch verhindern, und wenn ja, von wem?

Kurtz: Man hätte die Eskalation in den vergangenen Monaten verhindern können. Es gab genug Warnungen. Dieser Konflikt hat sich seit Monaten aufgebaut und die internationale Reaktion war nicht entschieden genug. Es gab Versuche der Mediation durch die Afrikanische Union, aber diese waren nicht besonders erfolgreich. Die USA haben versucht zu vermitteln, ließen aber gleichzeitig Sanktionen gegen die eritreische Regierung auslaufen, genau wie ein Waffenembargo gegen Äthiopien. Natürlich gab es immer wieder Aufrufe, das Waffenstillstandsabkommen von Pretoria umzusetzen, aber zu wenig konkrete Bemühungen, sowohl auf die äthiopische Regierung als auch auf die TPLF einzuwirken.

Wer jetzt noch eine Rolle spielen könnte, sind die arabischen Länder. Die Emirate haben viel Einfluss in Addis Abeba, Saudi-Arabien hat gewisse Kontakte nach Eritrea. Natürlich braucht es diplomatische Initiativen. Aber wenn man jetzt glaubt, man könne einfach eine neue Initiative anfangen, sollte man nicht vergessen, welche Fehler man schon gemacht hat.

Statebuilding in Somalia und Somaliland im Angesicht geopolitischer Rivalitäten

Nachdem der Staatsaufbau in Somalia und in Somaliland lange divergierte, hat er sich in den letzten Jahren begonnen anzunähern. Somalia hat die Verfassung überarbeitet und ist auf dem Weg zu direkten Wahlen. Somaliland führt seit Jahrzehnten Wahlen durch und konnte 2025 mit Israel die erste Anerkennung durch einen UN-Mitgliedsstaat erreichen. Die beiden Staatsbildungsprozesse werden von erheblichen Elitenkonflikten begleitet, die durch das Engagement extraregionaler Akteure befördert werden.

In: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, 18.August 2026

Bild: A view of Lido beach in Mogadishu, AMISOM

1 Einleitung

Seit dem Sturz des damaligen Präsidenten Siad Barre 1991 und dem folgenden Bürgerkrieg haben Somalia und die sich im gleichen Jahr für unabhängig erklärte Region Somaliland ihre jeweils separaten Erfahrungen gemacht, einen Staat aufzubauen. Beide haben diesbezüglich Fortschritte zu verzeichnen, stoßen mittlerweile jedoch auch auf ähnliche Herausforderungen und Widersprüche.

Somalia ist beim Staatsaufbau sehr stark von internationaler Unterstützung abhängig gewesen, sowohl beim Aufbau legitimer Regierungen, für die Sicherheit angesichts des Konflikts mit Al-Shabaab, als auch für wirtschaftliche Ressourcen und Staatsausgaben. Im Unterschied dazu musste Somaliland ohne internationale Legitimität und mit deutlich weniger externen Ressourcen auskommen, hatte aber auch weniger eigene Sicherheitsprobleme. In beiden Gebieten spielte der Dialog mit einflussreichen Akteuren (insbesondere traditionellen Führungspersonen von Clans sowie den Vertretern somalischer Bundesstaaten) eine wichtige Rolle, der teils in einem Spannungsverhältnis zur Herausbildung einer stärkeren Zentralstaatlichkeit stand. Statebuilding und Friedensbemühungen nahmen teilweise sogar ein antagonistisches Verhältnis zueinander ein (Mushtaq 2018, S. 94).

Somaliland ist es gelungen, mehrfach direkte Mehrparteienwahlen zu organisieren, die zu friedlichen Machtwechseln führten. Umgekehrt beförderten opportunistische Eliten, eine schwache Zentralstaatstradition sowie die Verfügbarkeit von Ressourcen durch rivalisierende externe Akteure interne Machtkämpfe in Somalia. Dort fanden auf nationaler Ebene seit 2012 nur indirekte Wahlen statt, überdies jedes Mal nach einer umstrittenen Verlängerung der Wahlperiode. Die Machtkämpfe sind ebenfalls ein entscheidender Grund für mangelnde Fortschritte im Kampf gegen Al-Shabaab.

In den letzten Jahren haben sich die Statebuilding-Erfahrungen von Somalia und Somaliland jedoch angenähert. Im Dezember 2025 konnten Bürger*innen von Mogadischu an den ersten direkten Kommunalwahlen seit mehr als 50 Jahren teilnehmen. Im März 2026 beschloss das somalische Parlament in Mogadischu, die letzten Änderungen der Verfassung anzunehmen. Damit ging ein 14 Jahre langer Überarbeitungsprozess zu Ende. Auch auf nationaler Ebene sind direkte Wahlen geplant. Allerdings trat die Verlängerung der Legislaturperiode und damit der Amtszeit der aktuellen Regierung von vier auf fünf Jahren mit sofortiger Wirkung in Kraft. Dies traf auf deutliche Ablehnung anderer politischer Eliten in der Opposition, einschließlich in einigen der Bundesstaaten Somalias. Was ein Meilenstein in der staatlichen Entwicklung Somalias sein sollte – die Fertigstellung einer dauerhaften Verfassung – wurde zum Zankapfel politischer Eliten.

In Somaliland gab es 2023 einen bewaffneten Konflikt in der Stadt Las Anod, welchen die Sicherheitskräfte Somalilands verloren. Zwei Jahre später wurde dort der neue Bundesstaat North East ausgerufen, welcher sich Mogadischu zugehörig erklärte. Sowohl in Somalia als auch in Somaliland gibt es autoritäre Tendenzen von Regierungseliten (Elder 2021; Freedom House 2025). Die jeweilige Stärkung des Zentralstaates ging auf Kosten der territorialen Kohärenz der beiden Gebiete. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Unterstützung rivalisierender externer Akteure. Mogadischu arbeitet insbesondere mit der Türkei, Katar, Saudi-Arabien und Ägypten zusammen, während Somaliland eng mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Israel kooperiert (Chome 2026). Israel war auch der erste UN-Mitgliedsstaat, der Somaliland im Dezember 2025 als eigenständigen Staat anerkannte.

Im Folgenden werden die unterschiedlichen Statebuilding-Erfahrungen in Somalia und Somaliland betrachtet. Diese erklären auch die jeweilige Herangehensweise an internationale Zusammenarbeit. Die lang andauernde Verfassungsreform in Somalia war ein Machtkampf um die staatliche Organisation. In Somaliland hat die Anerkennungspolitik in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Transaktional auftretende externe Akteure erleichtern es somalischen Eliten, ihre jeweiligen opportunistischen Ziele zu verfolgen, anstatt sich auf die Verbesserung der Lage der Bevölkerung zu fokussieren.

2 Entwicklung der Staatlichkeit in Somalia

Das überwiegend aride, tiefliegende Gelände, in dem die Somalis leben, hat keine Tradition eines starken Zentralstaats hervorgebracht. Die dominante Lebensform ist nomadischer Pastoralismus auf der Grundlage von Kamelen, die wechselnde Weidegründe brauchen. An diese Lebens- und Wirtschaftsweise angepasst entwickelte sich ein verzweigtes Clansystem als Solidargemeinschaft ohne starke politische Führungspersonen, jedoch mit eigenem Rechtssystem (Lewis 1988).

Dementsprechend war die Vorstellung von Nationalstaaten, wie sie im 19. Jahrhundert in Europa aufkam und über die Kolonialmächte ans Horn von Afrika gebracht wurde, der traditionellen sozialen Organisation von Somalis äußerst fremd. Die Erfahrung der imperialen Fremdherrschaft war dabei durchaus unterschiedlich. Während Italien im Süden und Zentrum Somalias versuchte, einen Zentralstaat aufzubauen, hielten sich die Briten im Norden deutlich stärker zurück und setzten auf die Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten. Somalische Eliten grenzten sich auch vom äthiopischen Imperialismus ab, der von einer Tradition sesshafter Landwirtschaft und der solomonischen Monarchie im abessinischen Hochland ausging. Im Unterschied dazu unterhielten somalische Clanvertreter*innen „endless negotiations over how to share the spoils of government between them“ (Clapham 2017, S. 55). 1969 übernahm das Militär die Macht und etablierte die autoritäre Regierung unter Siad Barre, der den Gesamtstaat jedoch hauptsächlich mit Gewalt und Zwang zusammenhielt (sowie externer Unterstützung während des Kalten Krieges). Mit dem Ende der externen Unterstützung und Barres Sturz 1991 brach dieses Kartenhaus zusammen. Ohne staatliche Strukturen stützten sich Somalis auf die beiden Traditionen, die sich gehalten hatten: Clanherrschaft und Islamismus (Abdullahi „Baayadiyow“ 2018, S. 221). Bürgerkrieg, die Herausbildung von Warlords und eine Reihe militärischer Interventionen externer Mächte waren die Folge.

Bemühungen, die politischen Kräfte Somalias zu vereinen, standen den Ambitionen einiger Eliten entgegen, welche diese mit Gewalt verfolgten. Die Gründung von Übergangsregierungen auf internationalen Konferenzen verstärkte die Auseinandersetzung eher, beziehungsweise schuf neue Gelegenheiten, staatliche Positionen und damit Zugang zu Ressourcen zu verteilen (De Waal 2015). In den frühen 2000er-Jahren prägte der US-geführte „Globale Krieg gegen den Terrorismus“ Somalia. Dazu arbeiteten die USA auch mit Milizenführern und Warlords zusammen. Diese waren jedoch nicht im Stande, sich gegen die Islamisten durchzusetzen, welche vielmehr Mogadischu erobern konnten. Dies brachte 2006 wiederum Äthiopien dazu, militärisch zu intervenieren und die Islamisten der „Council of Islamic Courts“ aus der Hauptstadt zu vertreiben (Menkhaus 2007). Allerdings bildete sich aus dem Council of Islamic Courts Al-Shabaab, die sich später mit Al-Qaida verbündeten und heute weite Teile des ländlichen Territoriums im Süden und Zentrum Somalias kontrollieren.

Der somalische Staat ist weitgehend von externen Zuwendungen abhängig – 2025 machten externe Quellen Zweidrittel der staatlichen Einnahmen aus (Federal Government of Somalia 2026). Eigene Einnahmequellen sind beispielsweise Häfen und Flughäfen, an denen Zölle erhoben werden können, welche 2025 etwa 39 % der einheimischen Einnahmen ausmachten. Bundesstaaten (Federal Member States, FMS), die über eigene internationale Häfen verfügen – Jubaland und Puntland – sind deutlich weniger von Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt abhängig als der Rest.Footnote 1 Das Verhältnis der FMS-Regierungen zur Bundesregierung sollte also auch vor diesem fiskalischen Hintergrund gesehen werden.

3 Erfolge und Grenzen von Staatlichkeit in Somaliland

Somalilands Erfahrung mit dem Wiederaufbau von Staatlichkeit wird oft sehr stark vom Rest Somalias abgegrenzt (Prunier 2026). Dabei sind auch dort Clan-Identität, die Kontrolle von Infrastruktur und der Umgang mit internationalen Akteuren eng miteinander verwoben.

Somaliland entstand im Mai 1991 im Kontext des bereits laufenden Bürgerkrieges zwischen dem Somali National Movement (SNM) und der somalischen Bundesregierung. Die SNM wandte sich gegen übergreifende Kontrolle aus dem Süden. Ende der 1980er-Jahre hatte es massive militärische Schläge der Bundesregierung gegen Städte im Norden gegeben, einschließlich der Bombardierung von Hargeisa. 50.000 bis 100.000 Zivilist*innen sollen bei dieser Militärkampagne getötet worden sein (Gordon 2023). Der Erfolg bewaffneter Gruppen im Süden, Mogadischu zu erobern, erneuerte die Angst vor der Dominanz des Südens. So entschieden die SNM sowie traditionelle Führer, die Union mit Somalia aufzulösen. Somalilands Argument für staatliche Eigenständigkeit besteht bis heute darin, dass das ehemalige britische Schutzgebiet 1960 für fünf Tage unabhängig war (und von den damaligen Großmächten als solches anerkannt wurde), bis es sich mit der ehemaligen italienischen Kolonie zur Republik Somalia zusammenschloss (Bradbury et al. 2003).

Zentral für die Entwicklung einer eigenständigen politischen Identität war die separate staatliche Entwicklung, die Somaliland seit 1991 genommen hat. Diese beruhte auf einem Dialog der wichtigsten Großclans und ihrer traditionellen Führungspersonen in der Region, welche über das Oberhaus (House of Elders oder Guurti) eine eigene Vertretung erhielten. Gerade in den ersten Jahren der Unabhängigkeit waren es diese traditionellen Führungspersonen, welche in internen bewaffneten Konflikten vermittelten und damit quasi-staatliche Aufgaben übernahmen (Bradbury et al. 2003, S. 459). So entstand ein hybrides System, das sehr viel stärker als (später) im Süden auf einer Kombination von traditionellen und modernen Elementen von Herrschaft beruhte. Die ersten Mehrparteienwahlen fanden im Dezember 2002 auf lokaler und im April 2003 auf nationaler Ebene statt. Seitdem hat es mehrere friedliche Machtwechsel gegeben.

Gleichwohl sind etwa im letzten Jahrzehnt zunehmend autoritäre Tendenzen zu beobachten. Somaliland wird von dem Isaaq-Großclan dominiert, demographisch und politisch. Während kleinere Clans sowohl im Osten als auch im Westen die Staatsgründung mittrugen, profitierten sie nur wenig von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der letzten Jahre (Norman 2023). Das politische Leben konzentriert sich in der Hauptstadt Hargeisa, während der Hafen (und Flughafen) von Berbera eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielt. Isaaq-Unternehmer*innen im Zentrum profitierten vom Staat (Elder 2021). Investitionen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien, der EU und den USA fokussierten sich auf die Entwicklung eines Infrastruktur-Korridors von Berbera bis nach Addis Abeba. Infrastruktur außerhalb von Hargeisa, Berbera und diesem Korridor ist jedoch kaum entwickelt, was zu Unzufriedenheit bei den dortigen Clans führte (Hoehne und Norman 2026, S. 16).

Am deutlichsten wirkte sich diese Entwicklung in der Stadt Las Anod im Osten aus. Ein lokaler Streit führte zu Protesten gegen die Regierung, die Anfang 2023 in einen bewaffneten Konflikt zwischen Sicherheitskräften von Somaliland und lokalen Milizen der Dhulbahante, des dort dominanten Großclans, eskalierten. Erstere beschossen Las Anod zwischenzeitlich mit Artillerie, konnten aber die Stadt nicht zurückerobern und zogen sich nach einem halben Jahr von Kämpfen aus der Region zurück. Die bewaffneten Gruppen (SSC-Khatumo) erklärten daraufhin eine eigene Verwaltung, mit dem Ziel, sich der Republik Somalia anzuschließen (Hoehne und Norman 2026). Die Bundesregierung in Mogadischu witterte eine Chance, das staatliche Projekt der abtrünnigen Region Somaliland zu schwächen und erkannte diese Verwaltung von ihrer Seite aus an. Im August 2025 wurde aus der Region der neue somalische Bundesstaat „North East“, zu dessen feierlicher Gründung im Januar 2026 der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud anreiste – der erste Besuch eines somalischen Staatsoberhaupts im Norden seit 40 Jahren. In der Folge verlor Hargeisa die Kontrolle über ein knappes Drittel des beanspruchten Territoriums.

4 Die somalische Verfassungsreform

Das aktuelle politische System Somalias basiert auf der vorläufigen Verfassung von 2012, aus der die somalische Bundesregierung (Federal Government of Somalia, FGS) hervorging. Seitdem lief ein Überprüfungsprozess, um sich auf eine dauerhafte Verfassung zu einigen.

Ein zentraler Streitpunkt ist die föderale Organisation Somalias. Während Somaliland sich bereits 1991 abgesondert hatte und Puntland 1998 als autonome Region gegründet wurde, kamen die anderen heutigen FMS erst nach 2012 zustande, basierend auf den Aushandlungsprozessen zwischen den jeweiligen lokalen Machthabern, oft mit externer Unterstützung. Die Grenzen und Kompetenzen der FMS waren dabei umstritten, schufen sie doch jeweils eigene Mehrheitsverhältnisse für die lokalen Clans. Der Wiederaufbau der staatlichen Strukturen, an denen sie grundsätzlich Interesse hatten, wurde von diesen als Nullsummenspiel betrachtet, bei dem Gewinne einzelner Clans oder der Zentralregierung als Beeinträchtigung der eigenen Macht gesehen wurden (Mushtaq 2018, S. 94).

Über die lange Zeit der Staatsbildung nahmen die Clanfamilien eine zentrale Rolle ein. Die „4,5-Formel“ zur Aufteilung staatlicher Positionen und Abgeordneten im Parlament erhärtete die politische Bedeutung der Clans.Footnote 2 Die vorläufige Verfassung von 2012 sieht eigentlich direkte Wahlen vor. Wegen der angespannten Sicherheitslage und mangelnder politischer Einigkeit über die Organisation direkter „One Person One Vote“-Wahlen wurde die 4,5-Formel jedoch auch seit 2012 bei indirekten Wahlen angewandt. Dabei nahmen die FMS bei der Besetzung der Wahlgremien eine zunehmend einflussreiche Rolle ein (Rift Valley Institute 2023, S. 9).

Neben der mangelnden Sicherheit (angesichts der Präsenz von Al-Shaabab) sowie geringen Kapazitäten des Staates waren Streitigkeiten innerhalb der politischen Elite dafür verantwortlich, dass keine direkten Wahlen stattfanden. Sowohl 2016 als auch 2020 gab es keine rechtzeitige Einigung über den Wahlprozess, sodass die Legislaturperiode verlängert wurde. Mächtige FMS warfen der Bundesregierung vor, das politische System dominieren zu wollen. Dies war auch bei der Diskussion der Verfassungsänderungen 2023–2026 der Fall. Die Verfassungskommission schlug vor, ein präsidentielles System mit direkt gewähltem Präsidenten einzuführen. Die Zahl der zugelassenen Parteien sollte auf die jeweils zwei stärksten, die aus den Kommunalwahlen hervorgegangen wären, begrenzt werden, gleichwohl es ein Verhältniswahlrecht geben sollte. Im parlamentarischen Verfahren und Verhandlungen mit der Opposition wurden diese Vorschläge jedoch noch stark verändert, sodass der Präsident wie bisher von den Abgeordneten gewählt werden und es keine Begrenzung der politischen Parteien geben sollte (nur eine 10 %-Hürde) (Schmidt 2026). Am 4. März 2026 nahmen Mehrheiten des Unter- und des Oberhauses im Parlament diese Verfassungsänderungen an.

Dennoch wandte sich die somalische Opposition, insbesondere die Präsidenten der Bundesstaaten Puntland und Jubaland sowie ehemalige hochrangige somalische Regierungsmitglieder, gegen die Verfassungsänderungen, insbesondere die Verlängerung der laufenden Wahlperiode.

Puntland hatte sich bereits 2022 aus der weiteren Überarbeitung der Verfassung rausgezogen. Nachdem das Parlament in Mogadischu im März 2024 die ersten vier Kapitel der überarbeiteten Verfassung angenommen hatte (einschließlich Stimmen von Abgeordneten aus Puntland), zog die Regionalregierung des nördlichen Bundesstaats sogar seine Anerkennung der somalischen Bundesregierung zurück. Said Abdullahi Mohamed Deni, der Präsident Puntlands, trat 2022 bei den somalischen Präsidentschaftswahlen an und erklärte bereits 2025 seine erneute Kandidatur (Mustaqbal Media 2025).

Jubaland, ganz im Süden Somalias, zog seine Zusammenarbeit mit der FGS im November 2024 zurück. Vorausgegangen waren von der FGS nicht anerkannte Regionalwahlen, welche die Basis für eine dritte Amtszeit des Präsidenten von Jubaland, Ahmed Mohamed Islam Madobe, schufen. In der Bundesverfassung sind mehr als zwei Amtszeiten nicht vorgesehen. In der Folge kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Einheiten der Bundesregierung und der Regionalregierung von Jubaland, aus denen letztere als Sieger hervorgingen. Somalische Truppen mussten über die Grenze nach Kenia fliehen.

Im März 2026 schloss sich South West State der Kritik der anderen beiden Bundesstaaten an den Verfassungsänderungen an und beendete ebenfalls die Zusammenarbeit mit der FGS. In diesem Fall konnte sich Mogadischu jedoch durchsetzen. Die Regierung entzog dem damaligen Präsidenten von South West State, Abdiaziz Mohamed Hassan (Laftagaren), seine Anerkennung und schickte Truppen in die regionale Hauptstadt Baidoa. Laftagaren zog sich zurück. Im Gegensatz zu den Auseinandersetzungen in Jubaland, wo äthiopische Truppen auf Seiten der Regionalregierung eingegriffen hatten, hielten sie sich in South West State zurück.

Die militärischen Auseinandersetzungen in Jubaland und South West State deuten auf ein grundsätzliches Problem hin: Es gibt kein Verfassungsgericht oder sonstige belastbare Institution, welche einen Streit zwischen FMS und FGS entscheiden könnte (SOMLAW 2026). Wenn Verhandlungen scheitern, greifen die Beteiligten regelmäßig zu Gewalt.

5 Somalische Anerkennungspolitik

War die Erlangung völkerrechtlicher Anerkennung ein langgehegtes Ziel von Regierungen in Hargeisa, nahm dieses Vorhaben mit dem Verlust von Las Anod 2023 eine neue Dynamik an (Hoehne und Norman 2026, S. 27). Am 1. Januar 2024 schloss Somaliland ein Memorandum of Understanding (MoU) mit Äthiopien ab. Laut äthiopischer Regierung sollte Äthiopien eine Marinebasis sowie verbesserten maritimen Handelszugang erhalten. Dafür sollte Somaliland Anteile an Ethiopian Airlines bekommen und die äthiopische Regierung versprach, ihre Position gegenüber der Anerkennung Somalilands zu prüfen (ENA English 2024).

Massive Proteste aus Mogadischu folgten. Die somalische Regierung organisierte diplomatischen Widerstand in der Arabischen Liga, intensivierte die Zusammenarbeit mit Ägypten und Eritrea, den wichtigsten regionalen Gegnern Äthiopiens, und drohte, die äthiopischen Truppen in Somalia des Landes zu verweisen. Im November 2024 verlor der somaliländische Präsident Muse Bihi Abdi die Präsidentschaftswahlen. Mitte Dezember 2024 erzielte die Türkei eine Einigung zwischen Abiy Ahmed, dem äthiopischen Ministerpräsidenten, und Hassan Sheikh Mohamud, dem somalischen Präsidenten. Das MoU wurde darin zwar nicht direkt erwähnt, aber die Regierungen verkündeten, auf einen verlässlichen Meereszugang für Äthiopien hinzuarbeiten (Republic of Türkiye Ministry of Foreign Affairs 2024). Die Aussicht auf eine baldige äthiopische Anerkennung Somalilands verschwand.

Die neue somaliländische Regierung schaffte es, im Dezember 2025 Israel als ersten UN-Mitgliedsstaat zu gewinnen, der das Gebiet als eigenständigen Staat anerkannte. Für Israel ging es primär um nationale Sicherheitsinteressen. Die Lage von Somaliland am Golf von Aden gegenüber von Jemen ist hierbei zentral. Israel ist mehrfach von den Houthis, die mit Iran in der sogenannten „Achse des Widerstands“ verbündet sind und Teile Jemens kontrollieren, angegriffen worden. Die Houthis beschossen darüber hinaus 2024/25 Handelsschiffe im Roten Meer, die Israel anfuhren und die sie mit Israel verbündeten Staaten zurechneten. Von Somaliland aus kann Israel die Aktivitäten der Houthis leichter überwachen. Für Israel dient das Engagement in Somaliland, das eng mit den VAE zusammenarbeitet, zudem als Gegengewicht zum türkischen Einfluss in der Region (Donelli 2026). Entgegen der somaliländischen Erwartungen hat die israelische Anerkennung jedoch keinen Kaskadeneffekt ausgelöst, bei dem andere Regierungen nachgezogen hätten. Neben Äthiopien und den VAE hat Somaliland insbesondere Aspirationen, die USA und Großbritannien zu diesem Schritt zu bewegen. So gibt es offene Sympathien für die Anerkennung Somalilands bei konservativen Politikern wie dem ehemaligen britischen Verteidigungsminister Gavin Williamson (Duale 2026) oder republikanischen Abgeordneten in den USA. Die jeweiligen Regierungen hielten sich aber bisher zurück. Im UN-Sicherheitsrat verteidigten die USA zwar Israels Anerkennung Somalilands, betonten aber, dass ihre eigene Haltung in der Frage sich nicht geändert habe (UN News 2025).

6 Schlussfolgerungen

Statebuilding in Somalia hängt entscheidend von internationaler Unterstützung ab. Diejenigen FMS bzw. Regionen, die ausländische Investitionen insbesondere in Infrastruktur und den Sicherheitssektor anziehen konnten, können eine unabhängigere Politik gegenüber der Regierung in Mogadischu verfolgen. Dies betrifft Jubaland und Puntland sowie Somaliland. In allen drei Gebieten investierten die Vereinigten Arabischen Emirate in dortige Häfen sowie Militärbasen in Berbera, Bosaso und Kismayo. Verschiedene ausländische Trainingsbemühungen der somalischen Streitkräfte bzw. einzelner Spezialkräfte stärkten zwar durchaus die jeweiligen Einheiten im Kampf gegen Al-Shabab, allerdings blieb die Integration dieser Kräfte, die oft ihre Clan-Loyalität behielten, in eine einheitliche Armee eine große Herausforderung (Robinson und Matisek 2021). Eigene Kräfte der FMS zementierten die Fragmentierung. Hinzu kommt, dass Äthiopien und Kenia als wichtigste Nachbarstaaten ein Interesse daran haben, die Bedrohung von Al-Shaabab von ihrem eigenen Territorium fernzuhalten. Dafür halten sie eigene Truppen, sowohl als Teil der Mission der Afrikanischen Union als auch auf bilateraler Basis, in Somalia, die mit FMS wie Jubaland sehr eng zusammenarbeiten. Dieses Engagement läuft somit eher auf Pufferzonen in den jeweiligen Grenzregionen als auf die Stärkung des somalischen Gesamtstaates hinaus.

Insgesamt müssten Bemühungen zum Staatsaufbau nicht im Widerspruch zur somalischen Tradition von Dialog und Konsens stehen. Angesichts der Vielfalt der somalischen Gesellschaft könnte ein demokratisches System mit direkten Wahlen vielmehr Koalitions- und Konsensbildung befördern. Somalilands Erfahrung zeigt, dass traditionelle Elemente mit solchen modernen Institutionen zusammenwirken können. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die beteiligten Eliten tatsächlich die verschiedenen Konzepte miteinander verbinden wollen und nicht opportunistisch auf den jeweils größten Gewinn an Ressourcen und politischen Verbindungen aus sind. Die wachsende Konkurrenz externer Mächte, die Interesse am Horn von Afrika haben, erleichtert jedoch dieses Verhalten.

Notes

  1. Während Hirshabelle 2020 98 % seiner Einnahmen aus Zuwendungen erhielt, waren dies bei Puntland nur 13 % und 43 % bei Jubaland (Davies et al. 2023).
  2. Das 4,5 System wurde erstmals 1997 eingeführt und 2000 reformiert. Indem es sich auf Clans und nicht auf Territorien bezog, sollte es die kriegsbedingte Binnenvertreibung und die Sicherheitslage berücksichtigen. Nach dem System erhalten die vier größten Clanfamilien jeweils die gleiche Anzahl an Sitzen im Parlament, während alle anderen kleineren Clans (die „0,5“) die Hälfte von Sitzen eines Clans erhalten (Rift Valley Institute 2023).

Der Krieg im Sudan seit April 2023. Auslöser, Akteure und Dynamik

Die Sudanese Armed Forces und die Rapid Support Forces bekämpfen einander in einem brutalen Krieg auf Kosten der Zivilbevölkerung. Internationale Unterstützung erhalten die Kriegsparteien dabei aus unterschiedlichen geopolitischen Interessen.

In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 7. August 2026

Bild: Kontrolle von Territorium in Sudan Anfang Juli 2026, (c) Thomas van Linge

Am Morgen des 15. April 2023 erschütterten Schüsse die sudanesische Hauptstadt Khartum. In kürzester Zeit griffen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) auf weite Teile der Metropole über.

Der Krieg im Sudan hat sich seitdem zur größten humanitären Krise weltweit entwickelt, gemessen an der Anzahl von Personen, die laut den Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind: 33,7 Millionen im Jahr 2026. Zur Auflösung der Fußnote[1] Nirgend sonst waren so viele Menschen – 8,8 Millionen im Mai 2026 – innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Zur Auflösung der Fußnote[2] Die Zahl der Todesopfer lässt sich nicht mit Sicherheit beziffern, aber allein beim Massaker der RSF in al-Faschir im Herbst 2025 sind schätzungsweise zehntausende Menschen getötet worden. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind immens, sodass 19,5 Millionen Menschen – 41 Prozent der Bevölkerung – Hunger leiden, einige von ihnen in lebensgefährlicher Not. Zur Auflösung der Fußnote[3]

Gewalt ist leider nicht neu in der Republik Sudan, aber dieser Krieg unterscheidet sich von früheren Konflikten. Für Bevölkerungsgruppen in Darfur oder den Nubabergen begann der Krieg nicht erst an jenem Samstagmorgen im April 2023, da die sudanesischen Peripherien schon lange von bewaffneten Konflikten erschüttert wurden. Dieser Krieg brach jedoch innerhalb des Machtzentrums aus: zwischen den beiden größten Sicherheitskräften des Landes, mitten in der Hauptstadt Khartum, nicht durch einen Rebellenaufstand in einer weit entfernten Landesgegend. Die politische Ordnung implodierte von innen heraus.

Dominanz der Sicherheitskräfte

Der aktuelle Konflikt hat tiefe Wurzeln. Dem politischen System Sudans ist eine große Ungleichheit eingeschrieben: Urbane arabische Eliten beuteten die Arbeitskraft und Ressourcen in der Peripherie im Westen, Süden und Osten aus. Bereits im 19. Jahrhundert etablierte sich eine kommerzielle Führungsschicht, die sich als arabisch verstand und auf „die nicht-arabische“ Bevölkerung teils mit rassistischer Verachtung hinabsah. Eine landesweit geteilte nationale Identität, ob unter säkular-arabischen oder islamischen Vorzeichen, konnte sich seitdem nicht entwickeln. Im Süden und in der westlichen Region Darfur, die erst 1916 Teil des Sudan wurde, setzten die britisch-ägyptischen Kolonialherren auf Militärexpeditionen und die Ermächtigung lokaler Herrscher, aber investierten jahrzehntelang nur wenig in Bildung, Gesundheit und andere öffentliche Entwicklung. Zur Auflösung der Fußnote[4] Bürgerkrieg und Militärherrschaft prägen den Sudan seit seiner Unabhängigkeit 1956.

Gegen die Ausbeutung durch den Staat wandten sich mehrfach bewaffnete Aufstände. Spätestens seit den 1980er Jahren setzte die sudanesische Regierung zur Bekämpfung dieser Aufstände auf eine Milizenstrategie. Zur Auflösung der Fußnote[5] Sie bewaffnete, trainierte und unterstützte Milizen, die oft ethnisch oder religiös geprägt waren. In den frühen 2000er Jahren baute der Sicherheitsapparat arabische Reitermilizen in Darfur auf, die lokal als „Dschandschawid“ bekannt wurden. Zur Auflösung der Fußnote[6] Das strategische Ziel der Milizenstrategie war, die Kämpfe fernab des wirtschaftlichen und politischen Zentrums zwischen Angehörigen von Bevölkerungsgruppen in der Peripherie zu halten. Zudem erlaubte es diese Strategie, die regulären Streitkräfte relativ schwach zu halten, um sich vor möglichen neuen Machtzentren dort zu schützen. Denn das Militär spielte sowohl eine zentrale Rolle bei Putschen gegen zivile Regierungen als auch beim Sturz von Militärregierungen. Zur Auflösung der Fußnote[7]

Als Teil dieses Systems beförderte der damalige Präsident Umar al-Baschir 2013 eine Dschandschawid-Gruppe und nannte sie „Rapid Support Forces“, zu dessen Kommandeur er Mohammed Hamdan Daglo, Spitzname „Hemeti“, bestimmte. Die RSF standen ursprünglich unter der Aufsicht des Geheimdienstes, 2017 setzte sie al-Baschir jedoch unter seine direkte Kontrolle und stellte sie damit auf eine Ebene mit den anderen Sicherheitskräften. Zur Auflösung der Fußnote[8] Sie wurden nicht nur zur Aufstandsbekämpfung in Darfur, sondern auch zur Grenz- und Migrationskontrolle eingesetzt. Auch wenn die EU stets darauf Wert legte, die RSF nicht direkt zu finanzieren, kooperierte sie doch mit der Baschir-Regierung im Zuge des „Khartum-Prozesses“ zur Migrationskontrolle. Die RSF kontrollierten fortan die Schmuggelnetzwerke Richtung Libyen und dem Mittelmeer. Zur Auflösung der Fußnote[9] Die RSF wurden auch als Söldner im Krieg im Jemen ab 2015 auf Seiten der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) angeführten Koalition eingesetzt, was sehr einträglich für die RSF war.

Von der Revolution zum Krieg

Der Sturz al-Baschirs im April 2019 und die Einführung einer zivil-militärischen Übergangsregierung im August brachten Hemeti und die RSF ins Zentrum der politischen Macht. Hemeti wurde Mitglied des Souveränitätsrats, der als Kollektivorgan die Präsidentschaft ersetzte, und gerierte sich als Stellvertreter von Abdel Fattah al-Burhan, dem Oberkommandierenden der SAF und Vorsitzenden dieses Gremiums, dem auch zivile Vertreter angehörten. Ein Verhandler der zivilen Parteien argumentierte 2019, dass der Versuch, die Sicherheitskräfte schneller an die Seite zu drängen, bereits damals zu Kämpfen zwischen SAF und RSF in Khartum hätte führen können. Zur Auflösung der Fußnote[10] So baute der Übergangsprozess darauf, dass die zivile Demokratiebewegung weiterhin Druck über die Straße, über internationale Kontakte und in den neuen Institutionen ausüben würde, um das System nachhaltig zu verändern. Doch so kam es nicht.

Von Beginn an dominierten die Sicherheitskräfte die Regierung und nutzten jede Gelegenheit, ihre Macht gegenüber der zivilen Komponente auszuweiten. Der zivile Ministerpräsident Abdalla Hamdok bemühte sich um eine „Partnerschaft“ mit dem Militär, statt auf Distanz zu gehen. Das Juba Peace Agreement (JPA), das die Sicherheitskräfte zusammen mit einer Reihe von bewaffneten Gruppen am 3. Oktober 2020 im südsudanesischen Dschuba unterschrieben, stärkte die militärische Komponente in der Übergangsregierung. Zur Auflösung der Fußnote[11] Ein Viertel der Kabinettssitze war nun diesen bewaffneten Bewegungen vorbehalten, obwohl sie bereits Jahre zuvor von den Sicherheitskräften militärisch besiegt und ihre verbleibenden Kräfte außer Landes vertrieben worden waren. Die Unterzeichner des Friedensabkommens spalteten sich vom Rest der Demokratiebewegung ab. Am 25. Oktober 2021 ließ al-Burhan Ministerpräsident Hamdok und weitere Kabinettsmitglieder festsetzen und riss die ganze Macht an sich.

Nach dem Militärputsch gelang es SAF und RSF nicht, eine zivile Fassadenregierung zu errichten – angesichts der breiten, andauernden Protestbewegung fanden sich keine zivilen Vertreter:innen für diese Rolle. Stattdessen verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den beiden Sicherheitskräften. Al-Burhan brachte Angehörige des früheren Baschir-Regimes zurück in die Regierung, die Hemeti skeptisch sahen. Dieser begann, sich um Teile der zivilen Parteien zu bemühen. Im Dezember 2022 unterzeichneten al-Burhan, Hemeti und Vertreter der politischen Parteien ein Rahmenabkommen, welches die Bildung einer vollständig zivilen Regierung vorsah. Vorher sollten allerdings noch einige Kernfragen in Workshops geklärt werden. Beim Thema Sicherheitssektorreform gab es trotz anfänglicher Annäherung keine Einigung. Strittig waren primär zwei Fragen: der Zeitraum, in dem die RSF in die SAF integriert werden sollten (die RSF wollten zehn Jahre, die SAF maximal zwei), und wie autonom die RSF in der Zwischenzeit operieren könnte. Zur Auflösung der Fußnote[12]

Anfang April 2023 brachten die RSF zusätzliche Truppen in die Hauptstadtregion. Am 13. April verlegten sie Einheiten nach Meroe im Norden des Landes, was wiederum die SAF in Alarmbereitschaft versetzte. Mitglieder des Souveränitätsrats und die Vereinten Nationen versuchten vergebens, bis in die Nacht des 14. April zu vermitteln. Wer angesichts des gegenseitigen Misstrauens für die ersten Schüsse am folgenden Morgen verantwortlich war, ist nicht restlos geklärt. Die RSF waren zweifelsohne besser vorbereitet.

Wechselnde Konfliktdynamik und große Gewalt

Den RSF gelang es, weite Teile der Städte Khartum und Omdurman zu kontrollieren sowie bis zum Herbst 2023 den Großteil Darfurs einzunehmen. Al-Burhan war im Militärhauptquartier im Zentrum Khartums umzingelt, bis es den SAF im August 2023 gelang, ihn zu evakuieren. Die Ministerien bauten ein temporäres Verwaltungszentrum in der nordöstlichen Hafenstadt Port Sudan auf. Ende 2023 eroberten die RSF Wad Madani im Bundesstaat al-Dschazira und breiteten sich im Zentrum und Süden des Landes aus. Mit ihren schnellen mobilen Einheiten von Pick-up-Trucks waren sie den SAF im Manöverkampf überlegen. Zur Auflösung der Fußnote[13] Die Stärke der SAF als konventionelle Armee lag in der Verteidigung stationärer Ziele, die Dutzenden Angriffen der RSF standhielten. Die SAF wussten sich anfangs nicht anders zu helfen, als Basen der RSF selbst in der Hauptstadt mit Kampfflugzeugen zu bombardieren. Die RSF verteilten sich in kleinen Gruppen und plünderten private Haushalte.

Erst gegen Ende des Jahres 2024 wendete sich das Blatt: Die SAF begannen, den Bundesstaat al-Dschazira und weitere Gebiete südlich der Hauptstadt zurückzuerobern. Im März 2025 nahmen SAF-Truppen den stark zerstörten Präsidentenpalast in Khartum ein und vertrieben wenig später die RSF ganz aus der Hauptstadtregion. Im Gegenzug gelang es den RSF im Oktober 2025 mit al-Faschir die letzte von der SAF und ihren Verbündeten gehaltene Landeshauptstadt in Darfur einzunehmen. Die Frontlinie verlagerte sich in die Region Kordofan. Außerdem gab es Kämpfe um Versorgungswege der RSF in den Bundesstaaten Nord-Darfur an der Grenze zu Tschad und in Blauer Nil an der Grenze zu Äthiopien.

Der Krieg ist von enormer Brutalität gekennzeichnet. Sudanes:innen sprechen von einem „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“, auf die weder SAF noch RSF Rücksicht nehmen. Während die Vereinten Nationen beiden Seiten massive Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, sticht das Ausmaß der RSF-Gewalt besonders hervor. Zur Auflösung der Fußnote[14] Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt werden als Terrorwaffe eingesetzt, Städte belagert und ausgehungert. Mehrfach gingen die RSF gezielt gegen nicht-arabische Bevölkerungsteile wie 2023 die Masalit in West-Darfur sowie die Zaghawa in Nord-Darfur vor. 18 Monate lang belagerten die RSF die Hauptstadt Nord-Darfurs, al-Faschir. Im April 2025 nahmen sie mit Zamzam das größte Vertriebenenlager des Landes südlich der Stadt ein. Als die RSF ein halbes Jahr später al-Faschir eroberten, gingen sie von Haus zu Haus, stellten Männer in Gruppen zusammen und erschossen sie. Zur Auflösung der Fußnote[15] Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen schrieb, das Ausmaß, die Schwere und Systematik der Gewalt der RSF in al-Faschir seien „Hinweise auf einen Völkermord“. Zur Auflösung der Fußnote[16] Die RSF sahen die Männer der erwähnten Volksgruppen als Teil ihrer Gegner an, die sich aus diesen rekrutierten, egal ob sie Waffen trugen oder nicht. Hetze, Aufstachelung und eine Ideologie der arabischen Oberhoheit entmenschlichten die nicht-arabischen ethnischen Gruppen.

Merkmale der Kriegsführung

Drei zentrale Faktoren erklären den wechselnden militärischen Erfolg der Konfliktparteien: ihre interne Kohärenz und Anpassungsfähigkeit, der Einsatz moderner Rüstungstechnologie sowie die Verfügbarkeit von militärischem Nachschub aus dem Ausland.

Sowohl die RSF als auch die SAF bauten im Verlauf des Kriegs Koalitionen mit weiteren bewaffneten Akteuren auf. Die SAF profitierten von der „Sudanesischen Islamischen Bewegung“, um Freiwilligeneinheiten aufzustellen und Milizenverbände zu gründen. Im November 2023 schlossen sich die wichtigsten Unterzeichnergruppen des Juba Peace Agreement (JPA) offiziell den SAF an, nachdem sie sich bis dahin militärisch neutral verhalten hatten.

Die Fähigkeit, lokale Führer für sich zu gewinnen, war oft von entscheidender Bedeutung. Besonders deutlich war dies in der Eroberung von al-Dschazira. Die RSF-Offensive wurde dort von Abu Aqla Keikel geleitet, einem ehemaligen Armeeoffizier, der vor Kriegsbeginn seine eigenen „Sudan Shield Forces“ gegründet hatte und 2023 zu den RSF übergelaufen war. 2024 wechselte Keikel erneut die Seiten und half der Armee, den Bundesstaat zurückzuerobern. Zur Auflösung der Fußnote[17] Die RSF etablierten ihrerseits 2025 eine Zusammenarbeit der Sudan People’s Liberation Army-North (SPLM-N) unter der Führung von Abdelaziz al-Hilu. Diese kontrollierten Gebiete in den Nubabergen und im südlichen Teil des Bundesstaats Blauer Nil, womit die RSF Zugang zu weiten Teilen der Grenze zum Südsudan und 2026 auch einen direkten Zugang zur Grenze mit Äthiopien gewannen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bestand im Zugang zu moderner Waffentechnologie, insbesondere Drohnen und entsprechenden Abwehrsystemen. Hatte die Armee stets über eine konventionelle Luftwaffe verfügt, konnte sie mittels Drohnen ihre Luftaufklärung derart verbessern, dass ihre Artillerie fortan deutlich präziser agieren konnte. Zur Auflösung der Fußnote[18] Die RSF können mit ihren Drohnen Infrastruktur und Militärstellungen weit hinter den Frontlinien angreifen – wie im Mai 2025, als sie für die SAF völlig überraschend Port Sudan bombardierten. Sowohl die hergebrachte Strategie der Armee, Kriege in der Peripherie zu belassen, als auch ihr Anspruch, in den von ihr kontrollierten Gebieten für Wiederaufbau zu werben, werden durch diese Fähigkeit konterkariert.

Externe Akteure und ihre Motivation

Ein zentrales Merkmal des Kriegs im Sudan ist seine Internationalisierung: Zahlreiche Staaten versorgen die Konfliktparteien mit Waffen und Rüstungstechnologie. Eine transnationale Konfliktökonomie sorgt für die Versorgung mit Treibstoff und anderen Gütern, während Goldschmuggel die wichtigste Finanzierungsquelle ist. Wahrscheinlich erhöhte bereits die Aussicht auf (weitere) externe Unterstützung die Risikobereitschaft der Militärführer vor Beginn des Krieges. Zwar stehen zentrale externe Unterstützer teilweise in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, sie arbeiten aber in anderen Bereichen außerhalb Sudans auch zusammen. Die internationale Unterstützung hält den Konflikt am Laufen, der im Kern jedoch ein Kampf um die Vorherrschaft in Politik, Wirtschaft und Sicherheit zwischen sudanesischen Akteuren bleibt. Die Bezeichnung als „Stellvertreterkrieg“ verwischt diese Aspekte. Zur Auflösung der Fußnote[19]

Die SAF profitieren primär von der Unterstützung Ägyptens, der Türkei und Saudi-Arabiens. Alle drei verbindet das Interesse an einem stabilen Staat an der Küste des Roten Meers, wo sie Handels- und Sicherheitsinteressen pflegen. Ägyptens Militär unterhält seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu den SAF. Darüber hinaus verbindet der Nil als wirtschaftliche Lebensader Ägypten und den Sudan, insbesondere in der Auseinandersetzung um die Nutzung des Nilwassers durch den Oberanrainer Äthiopien, dessen Grand Ethiopian Renaissance Dam 2025 offiziell eröffnet wurde. Ägypten will eine erneute Teilung des Sudan verhindern. Zudem ist Ägypten durch die mehr als eine Million sudanesischen Geflüchteten im Land seit Kriegsbeginn belastet. Im Gegensatz zu Ägypten ist die Türkei offen gegenüber der Rolle der Sudanesischen Islamischen Bewegung auf Seiten der SAF. Die Türkei bemühte sich bereits während der Regierungszeit von Präsident al-Baschir um die Reaktivierung des alten osmanischen Hafens Sawakin in der Nähe von Port Sudan. Die Türkei liefert Bayraktar-TB2-Drohnen sowie Drohnenabwehrsysteme. Türkische Drohnen werden auch von ägyptischem Territorium aus gegen die RSF eingesetzt. Zur Auflösung der Fußnote[20] Saudi-Arabien konzentriert sich auf die politische und finanzielle Absicherung des Militärregimes.

Daneben haben die SAF auch von Waffenlieferungen und militärischer Zusammenarbeit mit Iran, Eritrea, Russland und der Ukraine profitiert. Iran hatte bereits unter al-Baschir Waffenlieferungen an die verbündete Hamas über Sudan geleitet. Im aktuellen Krieg lieferten sie Mohajer-6-Drohnen an die SAF. Irans Interesse an einer Basis an der sudanesischen Rotmeerküste traf jedoch auf Ablehnung. Zur Auflösung der Fußnote[21] Eritrea stellte Territorium für die Ausbildung von Kämpfern bewaffneter Einheiten auf Seiten der SAF zur Verfügung. Zur Auflösung der Fußnote[22] Es hat traditionell enge Beziehungen zu einigen Volksgruppen im Ostsudan und sieht die Möglichkeit, zusammen mit Ägypten den Sudan als Hebel gegen seinen regionalen Gegner Äthiopien zu nutzen. Russland verfolgt bereits seit 2017 das Ziel, eine Marinebasis am Roten Meer zu eröffnen. Das entsprechende Abkommen wurde aber von sudanesischer Seite nie ratifiziert. Russland unterstützte die SAF mit Kampfflugzeugen, sicherte sich über die Aktivitäten der Gruppe Wagner bzw. des „Afrikakorps“ zugunsten der RSF jedoch auch ab. Zur Auflösung der Fußnote[23] Die Wagner-Söldner flogen Drohnen und lieferten in den ersten Kriegsmonaten tragbare Flugabwehrraketen an die RSF. Ukrainische Piloten und Spezialkräfte arbeiteten eine Zeit lang zusammen mit den SAF, unter anderem, um al-Burhan aus dem belagerten Militärhauptquartier zu befreien. Zur Auflösung der Fußnote[24] Iran, Russland und die Ukraine scheinen aber in den letzten Jahren keine Rolle mehr für die militärische Unterstützung der SAF zu spielen.

Die RSF arbeiteten derweil mit einem Hauptunterstützer zusammen, den VAE. Von Dubai aus operiert laut US-Finanzministerium ein Netzwerk von 50 Unternehmen, das die militärische und finanzielle Versorgung der RSF sicherstellt. Zur Auflösung der Fußnote[25] Seit September 2024 wurden hunderte von Söldnern aus Kolumbien über die VAE nach Darfur gebracht, wo sie die RSF mit spezialisierten Kenntnissen unterstützten. Zur Auflösung der Fußnote[26] Während China sich politisch auf die SAF konzentriert, landen chinesische Waffen wie Artillerie, Munition und Drohnen aus kommerziellen Gründen auf beiden Seiten des Konflikts. Zur Auflösung der Fußnote[27]

Die VAE-unterstützten Waffenlieferungen beziehen eine Reihe von Nachbarländern mit ein. Die wichtigsten Routen laufen dabei über den von den Libyan Arab Armed Forces von Chalifa Haftar kontrollierten Teil Libyens, über Tschad sowie seit Ende 2025 auch über Äthiopien. Die RSF-Führer treten offen in Kenia und Uganda auf, deren Präsidenten gute Beziehungen zu den VAE pflegen.

Eine Mischung verschiedener Motive treibt die VAE an. Sie haben Interesse am landwirtschaftlichen Potenzial des Sudan, wollen eine Hafeninfrastruktur an der sudanesischen Küste wie bereits in anderen ostafrikanischen Ländern betreiben, und sind dazu das wichtigste Ziel von Goldexporten aus dem Sudan. Hinzu kommt ihre ideologische Opposition gegen die Muslimbruderschaft sowie persönliche Netzwerke und Überzeugungen der VAE-Führung, die bislang weder im eigenen Land noch im Ausland spürbare Konsequenzen wegen ihrer destabilisierenden Rolle erlebte. Zur Auflösung der Fußnote[28]

Vermittlungsansätze

Der Krieg im Sudan steht auch für die Krise der internationalen Konfliktbearbeitung insgesamt. Bisherige Ansätze, die von einigermaßen einheitlichem Druck, Anreizen und Expertise geprägt waren, sind angesichts der vielfältigen ausländischen Interessen im Sudan kaum noch zu erreichen. Zur Auflösung der Fußnote[29] Stattdessen konkurrieren Mittelmächte und internationale Organisationen um die Kontrolle von Mediationsformaten, um ihren Einfluss im Sudan sowie ihre Relevanz unter Beweis zu stellen. Diplomatische Treffen beschäftigen sich dann oft damit, Zugang zu diesen Formaten zu erlangen und sie aufeinander abzustimmen. Die Konfliktparteien nutzen die internationale Uneinigkeit dazu, Legitimität zu gewinnen, während sie die Kämpfe fortsetzen.

Zwei Hauptformate haben sich in der Vermittlung herauskristallisiert. Die Quad-Initiative der USA, Ägyptens, Saudi-Arabiens und der VAE hat das Ziel, eine humanitäre Waffenruhe als Zwischenschritt zu einem dauerhaften Waffenstillstand zu vereinbaren. Indirekte Gespräche mit hochrangigen Vertretern der beiden Hauptkonfliktparteien fanden statt. Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien, die Ende 2025 eskalierte, behindert jedoch Fortschritte.

Das Quintett von Afrikanischer Union als Führung, der Intergovernmental Authority on Development, der Arabischen Liga, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union bemüht sich seit Anfang 2026 darum, in Konsultationen und Workshops mit Vertreter:innen politischer Parteien und der Zivilgesellschaft Parameter für einen neuen Übergangsprozess zu definieren. Die Organisationen haben jedoch teilweise nur sehr begrenzte Kapazitäten für den Prozess bereitgestellt. Die wichtigsten politischen Parteien sind fragmentiert, da sich ihr Führungspersonal entweder dem unabhängigen Block „Somoud“, dem „Democratic Bloc“ (pro-SAF) oder der RSF-geführten „Tasis“-Koalition angeschlossen hat, die oft nicht zusammen in einem Raum verhandeln wollen. Auch bei Frauen- oder Jugendgruppen ist häufig umstritten, wer das Mandat hat, an einem international unterstützten Prozess teilzunehmen. Beide Vermittlungsinitiativen miteinander zu verbinden, bleibt eine Herausforderung.

Fazit

Im Sudan gibt es eine erhebliche Lücke zwischen dem Bedarf einer umfassenden, inklusiven Antwort, welche die strukturellen Konfliktursachen wie die Fragmentierung des Sicherheitssektors, die Politisierung des Militärs und die Ausbeutung der Peripherien angeht, und den Ansätzen, die angesichts der aktuellen Weltlage möglich scheinen. Ein Waffenstillstand, so wichtig er wäre, liefe ohne weiteren politischen Prozess Gefahr, die De-facto-Teilung des Landes zu zementieren. 2025 rief die Tasis-Koalition eine eigene Regierung mit Sitz in Nyala und geführt von Hemeti aus.

Die Koalitionen, welche die SAF und die RSF für den Kampf zusammengestellt haben, zeigen interne Zerfallserscheinungen und Rivalitäten. Mediator:innen können diese bisweilen als Hebel nutzen. Es ist jedoch auch möglich, dass sie den Auftakt für gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb der beiden Lager bilden.

Umso wichtiger wird es deswegen sein, die jeweiligen lokalen Konstellationen in unterschiedlichen Landesteilen in einem möglichen Friedensprozess zu berücksichtigen. Auf lokaler Ebene sind es bereits jetzt vorwiegend engagierte Freiwillige, die sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern – gerade dort, wo internationale Hilfsorganisationen nicht hinkommen. Traditionellen, religiösen oder wirtschaftlichen Eliten ist es gelungen, kurzzeitige lokale Waffenstillstände zu vereinbaren. Zur Auflösung der Fußnote[30] Diese lokalen Initiativen mit Vermittlungsprozessen auf nationaler wie auch regionaler Ebene zu verbinden, wird von zentraler Bedeutung sein, um Frieden im Sudan zu schaffen.

Fußnoten

  1. Zur Erwähnung der Fußnote  [1]Vgl. UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, Global Humanitarian Overview 2026, Genf 2025.
  2. Zur Erwähnung der Fußnote  [2]Vgl. International Organisation on Migration, DTM Sudan Displacement and Return Snapshot (6), 15.6.2026, Externer Link: https://dtm.iom.int/reports/dtm-sudan-displacement-and-return-snapshot-6.
  3. Zur Erwähnung der Fußnote  [3]Vgl. Integrated Food Security Phase Classification, Special Report Sudan, 3.6.2026.
  4. Zur Erwähnung der Fußnote  [4]Vgl. Douglas H. Johnson, The Root Causes of Sudan’s Civil Wars: Old Wars and New Wars, 3. Auflage, Rochester 2016.
  5. Zur Erwähnung der Fußnote  [5]Vgl. Alex de Waal, Counter-Insurgency on the Cheap: The Road to Darfur, in: London Review of Books 15/2004, Externer Link: https://www.lrb.co.uk/the-paper/v26/n15/alex-de-waal/counter-insurgency-on-the-cheap.
  6. Zur Erwähnung der Fußnote  [6]Vgl. Julie Flint/Alex de Waal, Darfur: A New History of a Long War, London 2008.
  7. Zur Erwähnung der Fußnote  [7]Vgl. Willow Berridge/Alex de Waal/Justin Lynch, Sudan’s Unfinished Democracy. The Promise and Betrayal of a People’s Revolution, London 2022.
  8. Zur Erwähnung der Fußnote  [8]Vgl. Joshua Craze/Raga Makawi, The Republic of Kadamol. A Portrait of the Rapid Support Forces at War, Small Arms Survey, Genf 2025.
  9. Zur Erwähnung der Fußnote  [9]Vgl. Jérôme Tubiana/Clotilde Warin/Gaffar Mohammud Saeneen, Multilateral Damage. The Impact of EU Migration Policies on Central Saharan Routes, Den Haag 2018.
  10. Zur Erwähnung der Fußnote  [10]Vgl. Gerrit Kurtz, Machtbeziehungen in Sudan nach dem Fall Bashirs: Von der Revolution zum Krieg, Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-Studie 10/2024, S. 20.
  11. Zur Erwähnung der Fußnote  [11]Vgl. ders., Die Spoiler von Darfur: Im Schatten des gescheiterten Übergangsprozesses verschärft sich die Konfliktsituation in Sudans Westen, SWP-Aktuell 54/2022.
  12. Zur Erwähnung der Fußnote  [12]Vgl. Volker Perthes, Sudan’s Transition to War, in: Survival Aug-Sept/2024, S. 127–148, hier S. 135.
  13. Zur Erwähnung der Fußnote  [13]Vgl. Hager Ali, The War in Sudan: How Weapons and Networks Shattered a Power Struggle, GIGA Fokus 2/2024, Externer Link: https://www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/the-war-in-sudan-how-weapons-and-networks-shattered-a-power-struggle.
  14. Zur Erwähnung der Fußnote  [14]Vgl. Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/60/22, Sudan: A War of Atrocities, vorgestellt auf seiner 60. Tagung (8.9.–3.10.2025).
  15. Zur Erwähnung der Fußnote  [15]Vgl. Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), „They were shooting us like animals“: RSF Final Offensive and Capture of Besieged El Fasher (24–30 October 2025), Genf 2026, Ziff. 50f.
  16. Zur Erwähnung der Fußnote  [16]UNHRC, Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/61/77, Sudan: Hallmarks of Genocide in El-Fasher, vorgestellt auf seiner 61. Sitzung (23.2.–2.4.2026), S. 18 (eigene Übersetzung).
  17. Zur Erwähnung der Fußnote  [17]Vgl. International Crisis Group, Sudan’s Calamitous War: Finding a Path Toward Peace, Crisis Group Africa Briefing 204/2025, Externer Link: https://www.crisisgroup.org/brf/africa/horn-africa/sudan/b204-sudans-calamitous-war-finding-path-toward-peace.
  18. Zur Erwähnung der Fußnote  [18]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Denis M. Tull, The Myth of the Gamechanger: Drones and Military Power in Africa, Megatrends Policy Brief 33/2025, Externer Link: https://doi.org/10.18449/2025MTA-PB33.
  19. Zur Erwähnung der Fußnote  [19]Vgl. Gerrit Kurtz, Wie man über den Krieg in Sudan sprechen sollte – und wie nicht, 22.4.2024, Externer Link: https://www.megatrends-afrika.de/publikation/mta-spotlight-30-wie-man-ueber-den-krieg-in-sudan-sprechen-sollte-und-wie-nicht.
  20. Zur Erwähnung der Fußnote  [20]Vgl. Declan Walsh et al., The Secret Egyptian Air Base Behind Sudan’s Drone War, 1.2.2026, Externer Link: https://www.nytimes.com/2026/02/01/world/africa/egypt-sudan-drones.html.
  21. Zur Erwähnung der Fußnote  [21]Vgl. Nicholas Bariyo/Benoit Faucon, Iran Tried to Persuade Sudan to Allow Naval Base on Its Red Sea Coast, in: Wall Street Journal, 3.3.2024.
  22. Zur Erwähnung der Fußnote  [22]Vgl. Eritrea Military Training Camps Raise Concerns About Security in Eastern Sudan, 26.1.2024, Externer Link: https://www.dabangasudan.org/en/all-news/article/eritrea-training-camps-raise-concerns-about-security-situation-in-eastern-sudan.
  23. Zur Erwähnung der Fußnote  [23]Vgl. Declan Walsh/Ivor Prickett, A War on the Nile Pushes Sudan Toward the Abyss, 5.4.2024, Externer Link: https://www.nytimes.com/2024/06/05/world/africa/sudan-khartoum-darfur-war.html.
  24. Zur Erwähnung der Fußnote  [24]Vgl. Ian Lovett/Nicholas Bariyo/Nikita Nikolaienko, Ukraine Is Now Fighting Russia in Sudan, 6.3.2024, Externer Link: https://www.wsj.com/world/ukraine-is-now-fighting-russia-in-sudan-87caf1d8.
  25. Zur Erwähnung der Fußnote  [25]Vgl. U.S. Department of the Treasury, Treasury Sanctions Sudanese Paramilitary Leader, Weapons Supplier, and Related Companies, 7.1.2025, Externer Link: https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy2772.
  26. Zur Erwähnung der Fußnote  [26]Vgl. Human Rights Watch, From Bogotá to El Fasher. The UAE’s Role in the Deployment of Colombian Fighters and Other Backing to the Rapid Support Forces in Sudan, 25.5.2026.
  27. Zur Erwähnung der Fußnote  [27]Vgl. China’s Hidden Hands: How Chinese Weapons Are Fueling Both Side of Sudan’s War, 4.6.2025, Externer Link: https://3ayin.com/en/china-/.
  28. Zur Erwähnung der Fußnote  [28]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Stephan Roll, Die destabilisierende Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate in afrikanischen Konflikten, SWP-Aktuell 22/2026.
  29. Zur Erwähnung der Fußnote  [29]Vgl. Gerrit Kurtz, Frieden in der Krise: Konfliktbearbeitung am Horn von Afrika, SWP-Studie 10/2026.
  30. Zur Erwähnung der Fußnote  [30]Vgl. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNDP Sudan, Bridging Divides. Local Peace Initiatives in Sudan, Khartum 2025.

The Tigray Region in the Grey Zone between War and Peace

The Conflict Between the TPLF and the Ethiopian Government Has the Potential to Escalate beyond the Country’s Borders

SWP Comment 2026/C 29, 22.07.2026 (see the German version here)

Tensions between Addis Ababa and the Tigray Region are gradually mounting. Mis­calculations could even trigger another large-scale war, although the parties involved may not directly seek one. Since the war in northern Ethiopia ended in November 2022, no new, stable political order has emerged. Tigray remains suspended between war and peace. Responsibility for this lies with both the Ethiopian government and its partner in peace, the Tigray People’s Liberation Front (TPLF). Having lost power in the national government in 2018, the TPLF has yet to find a new role for itself; in­stead, it has been marked by internal power struggles and characterised by authoritarian tendencies. Conversely, the Ethiopian government has not done enough to facilitate the return of internally displaced persons and restore Tigray’s territorial integrity. A renewed outbreak of hostilities could draw in Eritrea, Sudan and other regional actors. Germany and the European Union (EU) should firmly commit to crisis prevention in order to avoid further escalation in the already tense Red Sea region.

Relations between the TPLF and the Ethio­pian government resemble a strategic game: Every move by one side prompts a response from the other. Accompanied by threatening rhetoric, both sides are testing how far they can go. Violence is part of their estab­lished repertoire.

On 8 April 2026, the Ethiopian government extended the mandate of the Tigray Interim Regional Administration (TIRA) by one year. General Tadesse Worede was to remain president in Mekelle. The TPLF, which was not consulted on the extension (though it had been involved in Tadesse’s appointment a year earlier), did not recog­nise the decision. Instead, it reinstated the regional parliament, which had emerged from elections organised unilaterally in 2020. On 5 May 2026, that parliament elected TPLF chairman Debretsion Gebre­michael president of the regional government. This administration, in turn, is not recognised by the Ethiopian government. Debretsion’s regional government stripped Tadesse of his powers. At the same time, the Tigray Defense Forces (TDF) – the regional government’s armed forces – are recruiting new fighters. Since last year, armed actors from Tigray have repeatedly engaged in brief violent clashes, with the Ethiopian National Defense Forces (ENDF) intervening on several occasions with drone strikes.

This is not some obscure political power struggle confined to the local level. The war from 2020 to 2022 was one of the deadliest armed conflicts worldwide in recent decades. The Pretoria Agreement, which ended the war, hangs by a thread. Ethiopia is the most populous country in the strategically im­portant Horn of Africa region.

The Pretoria Agreement’s fault lines

The cessation-of-hostilities agreement signed by the TPLF and the Ethiopian govern­ment in November 2022 in Pretoria, South Africa – after mediation by the African Union (AU), the Intergovernmental Authority on Development (IGAD) and the United States – remains an important framework for relations between Tigray and Addis Ababa, in the absence of alternatives.

The Pretoria Agreement brought about a noticeable improvement in living condi­tions in Tigray in the first few months fol­lowing its signing. Hostilities ceased and the government lifted the economic block­ade of the region and restored essential services (electricity, banking, telecommunications) that had been suspended during the war. The TPLF handed over its heavy weaponry under AU supervision.

The TPLF agreed to dissolve the regional government it had formed unilaterally in 2020 and, in consultation with Addis Ababa, establish an interim regional administration in March 2023. From the outset, however, the interim administration found itself in a difficult position, as it was also held account­­able by the people of Tigray for the Ethio­pian government’s failings.

These failures are particularly evident in three key areas concerning the implementation of the Pretoria Agreement. The first con­cerns the status of areas that belonged to the Tigray Region before the war and were occupied by Amhara militias and the ENDF at the start of the conflict. These include the Western and Southern Zones of the local administration, as well as Tselemti south of the Tekeze River (see map). The neighbouring Amhara Region claims these areas, which had in fact not formed part of Tigray prior to 1991. The Pretoria Agreement merely states that their status should be resolved in accordance with the Consti­tution. However, the steps necessary for a constitutional settlement have not yet been taken.

The Western Zone of Tigray is of strategic importance. Sesame and cotton are grown there on large agricultural estates for ex­port. The Ethiopian government fears that the TPLF could link up with armed groups across the border with Sudan and organise its own supply lines.

Second, closely linked to this territorial issue, is the plight of internally displaced persons. During the civil war, around 1.9 million people were displaced within and from Tigray. More than three years after the Pretoria Agreement, around 750,000 people remain displaced in the region, according to the UN High Commissioner for Refugees mainly from areas controlled by Amhara forces. With a total population of around six million, this represents a considerable burden. Displaced people who have been able to return to the disputed areas often find their homes destroyed or occupied. They also lack access to essential services. Without a mutually agreed resolution regarding political control of these areas, returns will remain difficult.

The third area of concern is the demobilisation, disarmament and reintegration (DDR) of TDF soldiers. In Tigray alone, around 274,000 people have been registered for the DDR programme. Some 63,000 people have gone through the DDR process in Ti­gray to date. However, the process has stalled since 2025. Many of the soldiers live in poor­­ly supplied camps. In some cases, the TIRA has allocated more than half of its budget solely to the fighters still awaiting demobilisation. These funds were consequently unavailable for the region’s development.

These unresolved issues also stood in the way of the region’s reintegration into Ethio­pia’s political system. No elections were held either for a new regional parliament or to elect Tigrayan representatives to the parliament in Addis Ababa, although the Pretoria Agreement had stipulated this. The entire Tigray Region was excluded from the general elections that took place on 1 June 2026.

The TPLF’s search for a role

Following the devastating war in northern Ethiopia, an intense debate began within the TPLF and among the Tigrayan elite more broadly. How had violence on such a scale come about? How much responsibility lay with the TPLF, which had dominated Tigray’s politics for five decades, and how much compromise could still be reached with Addis Ababa?

Key actors in the conflict ENDF: Ethiopian National Defense Forces (regular armed forces) TDF: Tigray Defense Forces (Tigray’s regular security forces) TIRA: Tigray Interim Regional Administration (stripped of power since May 2026) TPLF: Tigray People’s Liberation Front (political party) TPF: Tigray Peace Force (a splinter group of the TDF, pro-Addis Ababa)

The discussions also touched on the fun­damental question of Tigray’s place within Ethiopia’s state structure. Since the end of the 19th century, political elites from Tigray and Amhara had been competing for supremacy in Ethiopia. The rivalry esca­lated into several violent conflicts, such as the civil war against the Derg military re­gime from 1974 to 1991. The TPLF subsequently controlled the state and the econo­my for 27 years as part of a coalition of parties, until Abiy Ahmed, who is from Oromia, came to power in 2018. Under Abiy’s more centralised rule, the TPLF is unlikely to be able to play a national role any longer. However, according to an aca­demic from the region, many Tigrayan elites, including those in the TPLF, simply cannot accept their peripheral status.

In the post-war discussions, the interim administration was a bone of contention within the TPLF. Abiy prevented TPLF Chair­man Debretsion from becoming its head, whereupon the TPLF Central Committee elected Getachew Reda – its chief negotiator in Pretoria and former Minister of Com­munications – whom Abiy eventually ap­pointed in March 2023. Getachew’s govern­ment was caught between the uncompro­mising stance of the TPLF leadership led by Debretsion and the delaying tactics of the federal government in Addis Ababa.

In August 2024, the power struggle with­in the TPLF erupted into the open. The TPLF convened a party congress at short notice, which Getachew and other members of the TIRA boycotted. Shortly afterwards, Geta­chew and 15 others were expelled from the party. Getachew’s position soon became untenable. After the TPLF had already taken over parts of the administration with the help of security forces, Abiy dismissed Geta­chew in March 2025 and, following negotia­tions with Debretsion, replaced him with Tadesse Worede. Tadesse had previously headed the TIRA’s Peace and Security Bureau and, in that capacity, had controlled the TDF.

However, replacing the regional president did not resolve the underlying prob­lems. Tadesse soon encountered difficulties and resistance similar to those faced by his predecessor.

At the same time, relations between the TPLF and the Ethiopian state deteriorated. The National Election Board of Ethiopia (NEBE), which also oversees the political party system, had only re-registered the TPLF in 2024 (following its ban during the war) subject to certain conditions. The TPLF was required to hold a party congress to elect a leadership and adopt a constitution. The TPLF refused to comply with the legal framework, as this would have required it to register as a new political party, thereby renouncing its historical continuity. Fur­thermore, the TPLF argued that, as a signa­tory to the Pretoria Agreement, it was al­ready recognised as a political party. In May 2025, the NEBE ultimately revoked the TPLF’s registration. From the Ethiopian government’s perspective, the TPLF there­fore no longer exists as a legal entity. This complicates the initiation of direct talks.

The TPLF also faces a legitimacy problem within Tigray itself. On two occasions – March 2025 and May 2026 – it replaced previously legitimised interim administrations in Mekelle, partly through the use of force. Opposition politicians from Tigray report that they and their supporters are occasionally harassed and arrested. The TPLF has declared a “zero tolerance” policy towards media outlets that promote the agenda of its opponents. Tens of thousands of people, mainly young people from Tigray, have left Ethiopia in search of work, usual­ly heading for the Arabian Peninsula. In this situation, the TPLF benefits from the grey zone between war and peace in which Tigray finds itself. Its constant warnings about the Ethiopian government’s machi­nations help it to justify its own extra-legal measures.

Abiy the juggler

The Ethiopian government under Prime Minister Abiy faces its own challenges. It aims to drive forward the country’s ongo­ing political and economic transformation, moving away from the ethnic federalism and developmental-state model established under TPLF rule, and towards a unitary state and a controlled opening of the mar­ket economy.

Abiy must balance the interests of various groups without becoming dependent on them. He appears to be pursuing a strat­egy of dividing the opposition and thereby weakening it. A controversial national dia­logue, which could pave the way for con­stitutional amendments, is also part of his toolkit. However, no consultations for the national dialogue have taken place yet in Tigray itself.

Addressing and resolving the outstanding issues in the implementation of the Pre­toria Agreement would have meant jeopar­dising fragile relations with key groups. Clarifying the territorial status of Western Tigray by means of a referendum, which the government had proposed, would have required determining who was eligible to vote, particularly among people displaced from Tigray and new arrivals from Amhara.

The same applied to the government’s commitment to ensure the withdrawal of all “non-ENDF” troops, meaning primarily Amhara militias and Eritrean forces. Al­though Eritrean troops withdrew from cen­tral Tigray, they remained present in the north-east of the region, particularly in Zalambessa and Irob.

The government in Addis Ababa also capitalised on tensions within Tigray, which it actively fuelled, at least in certain in­stances. TDF fighters dissatisfied with the TPLF’s course split off in 2025 and began to form their own militia under the name Tigray Peace Force (TPF, Hara Meret in Ti­grinya). The ENDF appear to be supporting the TPF with ammunition, rations and pay. In November 2025, the ENDF deployed drones against the TDF as it pursued the TPF across the border into Afar.

In May 2026, Getachew, together with his new party, Simret, and other parties, founded the “Peace and Change Council”, which also includes TPF members. The coa­lition is led by General Tsdadkan Gebre­ten­sae, who commanded the TDF during the war and served as vice-president of the TIRA under Getachew. The Peace and Change Council aims to remove the TPLF from power in Tigray “by any means necessary”, as stated at its founding. Getachew has offi­cially served as Abiy’s adviser on East Africa, with the rank of minister, since April 2025.

“Tsimdo” and Eritrea’s interests

For its part, the TPLF is cooperating with its former arch-enemy, Eritrea. Initial contacts reportedly took place as early as the begin­ning of 2024 in Dubai, when Getachew met with Eritrean representatives on behalf of the TPLF and – according to Debretsion – with Abiy’s encouragement. A strategic objective of the TPLF is to ensure that it can no longer be cut off from the world by the government in Addis Ababa, as happened during the previous war.

As part of this rapprochement, Eritrea launched the “Tsimdo Selam” initiative in 2025. Representatives of Tsimdo describe it as a “grassroots peace movement” between related peoples in the border region of Ethi­opia, Eritrea and Sudan. However, given the actors involved in this alliance, Addis Ababa views the initiative as an anti-Ethio­pian alliance comprising the TPLF, Eritrea, the Fano (from Amhara) and other opposi­tion movements, which it claims is pre­paring a joint military offensive.

Eritrea has come a remarkable way – from fighting alongside the ENDF against the TPLF to becoming an ally of the TPLF against the Ethiopian government. For President Isaias Afwerki, the threat environ­ment has since shifted. Since 2023, Abiy has regularly spoken of Ethiopia’s right to access the sea and described the Red Sea as Ethiopia’s “natural boundary”. In November 2025, Ethiopian Foreign Minister Gedi­on Timothewos stated that Ethiopia had long had sufficient grounds to wage war against Eritrea, but was refraining from doing so out of a sense of responsibility.

Against this backdrop, Eritrea has an interest in overcoming its regional isolation without abandoning its existing totalitarian model of rule. That model also relies on constantly emphasising the threat of exter­nal interference, particularly by Ethiopia, in order to justify the continued militarisation of society.

There is a widespread willingness in the region to cooperate with a former enemy when that enemy is regarded as the “lesser evil” compared with the principal adversary, as discussions with various political actors in Ethiopia have shown. This calcula­tion shapes the TPLF’s relations with Eri­trea, those of the Fano with the TPLF, and also relations between the Peace and Change Council and the government in Addis Ababa. The actors assume that they can exploit each other’s interests for their own ends. It is a tactical collaboration, not a strategic alliance.

Regional entanglements

Tensions in northern Ethiopia involve not only Eritrea but also other regional actors that could contribute to an escalation and link it to ongoing armed conflicts.

For instance, Ethiopia’s relations with the Sudanese Armed Forces (SAF), which control most of the border with the neigh­bouring country, have deteriorated signifi­cantly in recent months. Since late 2025, Ethiopia has become one of the principal transit countries for supplies to the Rapid Support Forces (RSF) from the United Arab Emirates (UAE), as evidenced by dozens of suspicious cargo flights per month and satellite imagery from Benishangul-Gumuz. The SAF also accuses Ethiopia of facilitating Emirati drone strikes against Sudanese tar­gets, citing, among other evidence, the flight data of a Turkish-made Akıncı drone shot down in May 2026.

Addis Ababa, for its part, views the pres­ence in Sudan of Army 70 – an armed group from Tigray with links to the TPLF – with concern. Army 70 has intervened in the war there on the side of the SAF. The group reportedly comprises several thou­sand fighters who could operate from the Sudanese border in the event of a potential conflict over Western Tigray.

Furthermore, Eritrea is strengthening its ties with Egypt, which is in dispute with Ethiopia over control of Nile waters. In June 2026, Asmara and Cairo agreed to cooperate in various sectors, including the maritime economy. Egypt also intends to participate in developing the ports of Assab and Mas­sawa – precisely those ports in which Abiy has expressed an interest through his rheto­ric on access to the sea.

Another factor influencing the region is the rivalry between the UAE and Saudi Arabia. The UAE is one of Abiy’s closest financial and military partners, whereas Saudi Arabia views further militarisation of the Red Sea with scepticism. In 2020, Riyadh established the Red Sea Council, a regional initiative of the littoral states, of which Eritrea is a member. The blockade of the Strait of Hormuz reinforces the eco­nomic importance of the Red Sea for Saudi oil exports. Transnational smuggling routes for Iranian weapons and military materiel in the Red Sea also affect Riyadh’s security interests. Saudi Arabia has in the past attempted to mediate between Ethiopia and Eritrea. However, these efforts failed be­cause the negotiations did not address the military use of Assab, a key interest for Ethiopia.

Sporadic violence and risks of war

Tensions between the TPLF and Addis Ababa are gradually escalating, without, so far, reaching a full-blown crisis. Both sides pre­sumably do not wish to risk a repeat of the devastation of the last war, but have al­ready shown that they remain prepared to use military force to advance their interests. Since the TPLF took power in March 2025, there have been several clashes between the TDF and the ENDF. At the end of January 2026, TDF units advanced across the Tekeze River into Tselemti, and a few days later also into areas of Southern Tigray. Heavy fighting ensued, during which the ENDF also deployed drones. The clashes ended, however, when the TDF withdrew to their original positions. Tadesse, then head of the TIRA, said on regional television: “The force we sent was not sent to ignite a war. It was sent to carry out a manoeuvre-type opera­tion, to create pressure so that the issue of displaced persons’ return and our sovereign territorial rights would move forward as a renewed agenda and elicit a response.” The Ethiopian government responded to the incident by massing troops along the borders with Tigray for several months.

The pressure on the TPLF to act is real, despite all its self-justification. There are shortages of cash, fuel and medicines. Since October 2025, Addis Ababa has fallen be­hind on its transfers to the regional admin­istration in Tigray. Public-sector employees, such as teachers, are not being paid. The population is caught in the crossfire be­tween the TPLF and Addis Ababa.

The politicisation of the TDF is further exacerbating the conflict. The TDF emerged as a cross-party resistance movement with many volunteers following the ENDF’s first offensive in 2020/21. However, in January 2025, TDF commanders openly sided with Debretsion and supported the TPLF’s take­over of the regional administration. There are now reports of forced conscription. In June, the regional assembly passed legisla­tion to mobilise troops and established a command post under Debretsion’s leader­ship. Resorting to forced recruitment con­firms reports that the TDF cannot rely on a substantial proportion of its troops being willing to fight. War fatigue is widespread, particularly given the prospect of a possible civil war within Tigray.

For both the TPLF and Abiy, the legitimacy of any potential military action is of great importance. Each side seeks to portray the other as the aggressor. The TPLF repeat­edly warns of the risk of war in open letters to international actors such as the AU, the United Nations and Western embassies. Conversely, the Ethiopian government warns international partners of alleged war preparations by the TPLF and Eritrea.

Neither the TPLF nor the Ethiopian government can fully control the escalation. There is a risk that smaller militias, such as the Tekeze Guards in Amhara-controlled Western Tigray, the TPF in Afar or the TPLF’s Army 70 in Sudan, might undertake military actions driven by local motives. The ENDF or TDF might then feel compelled either to follow their respective local partners or to respond to the limited actions of the militias. In this tense atmo­sphere, it is essential that reliable channels of communication are in place to ensure that miscalculations or misunderstandings do not escalate into a major conflict.

International entry points for prevention

International actors should press strongly to break the current spiral of escalation. A renewed outbreak of hostilities in northern Ethiopia could easily spill over into neigh­bouring countries. It is not yet too late to prevent the next war in the Horn of Africa. The TPLF and the governments in Addis Ababa and Asmara should cease their threats; the TPLF should register as a politi­cal party, and Addis Ababa should end Tigray’s economic isolation. These actors are likely to take such steps only if the other sides also cooperate. This requires international mediation.

The AU is taking the lead as mediator through its reinstated Special Envoy, Oluse­gun Obasanjo, who visited Mekelle in mid-June 2026. Other potential actors include the governments directly involved in the Pretoria Agreement: the United States, Kenya (with former President Uhuru Ken­yatta) and South Africa. Saudi Arabia and Turkey could also play a constructive role, particularly at the intergovernmental level, if they so wish.

Mediation will only succeed if it is genu­inely impartial and if the various levels of negotiation are properly coordinated. Uni­lateral pressure on one side of the conflict is likely to prove counterproductive. The United States runs the risk of having breached precisely this fundamental pre­requisite with its recent measures. For in­stance, it lifted its ban on arms exports to Ethiopia and imposed visa restrictions on TPLF leaders. The European Commission, too, must ask how conflict-sensitive its decision was to resume budget support for Ethiopia, even though its call – made three years earlier – for an investigation into war crimes had not been heeded. In a state­ment, the EU delegation to Ethiopia criti­cised the TPLF for its unilateral actions, but not the Ethiopian government for the eco­nomic isolation of Tigray. It is also clear, however, that public pressure is unlikely to deter the parties involved from further escalation; one-sided rhetoric could instead encourage them to take risks.

The German government should ensure that EU institutions adopt a balanced posi­tion towards the parties to the conflict. The German and European role should not be limited to supporting the ongoing AU medi­ation, particularly as the AU has traditionally been reluctant to criticise its host coun­try, Ethiopia.

The most important lever for influencing the Ethiopian government lies in the multi­billion-dollar programmes run by the World Bank and the International Monetary Fund (IMF), within whose governing bodies EU member states wield considerable influence. Germany should advocate for a joint message to the Ethiopian government that another large-scale war would jeopardise the successful continuation of these pro­grammes. The IMF itself has already high­lighted precisely this risk. The IMF and the World Bank should also take a more critical view of Ethiopia’s high gold exports, a sub­stantial share of which originates from informal mines in Tigray.

Germany and the EU should also raise the crisis in Ethiopia in discussions with extra-regional partners such as Egypt, Saudi Arabia, the UAE, Israel and Turkey. A key shortcoming following the Pretoria Agree­ment was that its implementation was not accompanied by a regional dialogue mecha­nism for security in the Horn of Africa. The current geopolitical rivalry in this region could at least be mitigated through greater communication, transparency and regular dialogue formats involving the states in the region and the external actors mentioned. Establishing a joint format will be difficult due to these rivalries; therefore, international special envoys will need to continue to work intensively to maintain these chan­nels of communication and coordinate their efforts. As a matter of preventive diplomacy, this engagement is more nec­essary than ever.

Peace in Crisis: Conflict Management in the Horn of Africa

SWP Research Paper 2026/RP 10, 17.06.2026

  • The system of international conflict management is in deep crisis. Relevant instruments such as UN peace operations are being withdrawn, normative and power-political preconditions (for example, US-guaranteed international order) no longer apply and all too often agreements have led to the entrenchment of violent authoritarian systems rather than their transformation.
  • This crisis is particularly evident in the Horn of Africa. Neither peace agreements concluded under significant international pressure (as in the case of South Sudan) nor those negotiated between armed actors with virtually no mediation (as in Sudan in 2020) have brought about stability. Rather, governments (such as that of Ethiopia) have regularly exploited peace processes to secure their own rule.
  • More recent mediation processes have been primarily a function of regional rivalries and the diplomatic interests of the external actors involved (as has been the case in Sudan since the current war began in April 2023). If foreign support is available, the parties to the conflict have fewer incentives to make compromises.
  • Because mechanisms for implementing agreements are poorly resourced and receive little political support, there is no inclusive political process following ceasefires to address the root causes of the conflict. Sooner or later, fighting flares up once again.
  • As far as European contributions to conflict resolution in the Horn of Africa are concerned, there are lessons to be learned from this crisis. Europe should neither cling nostalgically to what is a largely defunct system of conflict management, nor should it, out of frustration, adopt approaches dominated solely by security considerations. Instead, it should support civilian peace initiatives, help political economies of violence die out and rethink its own cooperation with governments that exacerbate conflict (such as that of the United Arab Emirates).

Äthiopien und das Meer

Seit Jahren fordert Addis Abeba einen eigenen Meereszugang. Dabei richtet sich der Fokus auf Eritrea, doch die bilateralen Beziehungen sind schwer belastet. Für einen Kompromiss am Horn von Afrika fehlt derzeit das notwendige Vertrauen.

in: Internationale Politik Juli/August 2026, 29.06.2026

Die Botschaft war nicht sehr subtil. Bei einer Militär­parade im Februar 2026 in Awassa zeigten die äthiopischen Streitkräfte ein riesiges Banner. Auf diesem war ein Soldat zu sehen, der eine Tür eintritt, und daneben die Worte: „Ob sie es mögen oder nicht, wir werden kein Binnenstaat sein.“

Die äthiopische Regierung spricht immer wieder von ihrem Recht auf einen souveränen Zugang zum Meer. Denn seit der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 ist Äthiopien ein Binnenstaat – mit rund 135 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste weltweit. Bei einer Rede vor Parlamentsabgeordneten sprach Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali 2023 davon, dass sein Land nicht in einem „geografischen Gefängnis“ leben dürfe. Und fast so, als wäre der Premier ein außenstehender Beobachter, führte Abiy aus, dass es sonst zu einem Konflikt kommen könne: Das Rote Meer sei „die natürliche Grenze Äthiopiens“.

Aus historischer Perspektive ist das eine eher selektive Darstellung. Denn trotz vorherigen abessinischen Einflusses kontrollierten vom Osmanischen Reich abhängige Herrscher über Jahrhunderte die heutige eritreische Küste am Roten Meer, bevor diese erst unter ägyptisch-britischen Einfluss und anschließend unter italienische Kolonialherrschaft kam; im Jahr 1869 kaufte Italien den Hafen von Assab.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte Äthiopien direkten Zugang zum Roten Meer und baute eine imperiale Marine auf. Nach der Unabhängigkeit Eritreas konnte Äthiopien dessen wichtigste Häfen in Massawa und Assab zu vorteilhaften Konditionen nutzen – bis zu dem verheerenden Grenzkrieg von 1998 bis 2000.

Außenhandel über Dschibuti
Wirtschaftliche Gründe sprechen für eine Diversifizierung der äthiopischen Handelswege. Derzeit muss sich Äthiopien für seinen Außenhandel primär auf
die Stabilität Dschibutis verlassen: 95 Prozent der äthiopischen Im- und Exporte laufen über das kleine Land. Sollte es dort zu Spannungen kommen – beispielsweise angesichts der Basen der USA und Chinas –, hätte das
fatale Folgen für die Versorgung des äthiopischen Marktes. Zudem
kostet die Abwicklung des Außenhandels über Dschibuti Äthiopien jedes Jahr rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Hafen- und Liegegebühren, die in knappen
ausländischen Devisen bezahlt werden müssen. Hinzu kommen erhebliche Ineffizienzen der logistischen Infrastruktur.
Abiy spricht davon, dass Äthiopien eine „Supermacht in Afrika“ werden solle, was ohne eigenen Meereszugang nicht möglich sei. Es geht um die nationale Sicherheit und die „Existenz“ eines Landes in einer spannungsgeladenen Region. Ein Militärhafen mit Landverbindung würde es Äthiopien ermöglichen,
Rüstungslieferungen über den Seeweg zu empfangen, ohne dass Drittstaaten davon Kenntnis erlangen.

Äthiopien baut eine eigene Marine auf, um in der Lage zu sein, Macht im Roten Meer und im Golf von Aden zu demonstrieren.
Denn nicht nur die sich ausweitende ägyptische Kooperation mit Eritrea und Somalia sorgt in Addis Abeba für Unruhe, auch zahlreiche weitere Mittelmächte
wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Israel verfolgen in dieser Region maritime Interessen.

Konflikte mit Eritrea

Wie weit Ministerpräsident Abiy für das Ziel eines souveränen Meereszugangs gehen würde, ist unklar. Er selbst schließt militärische Gewalt und einen Krieg
rhetorisch aus. Den Status quo herauszufordern, gehört aber durchaus zur Methode. Am Neujahrstag 2024 schloss Äthiopien eine Vereinbarung mit
Somaliland. Nach dieser sollte Äthiopien einen Marinehafen an dessen Küste errichten dürfen, wofür die abtrünnige Region Somalias Anteile an Ethiopian
Airlines erhalten sollte – und die Aussicht auf völkerrechtliche Anerkennung. Mogadischu organisierte jedoch einen breiten diplomatischen Protest, näherte
sich Ägypten und Eritrea an und drohte damit, die zur Bekämpfung Al-Shabaabs in Somalia stationierten äthiopischen Truppen des Landes zu verweisen. Nach türkischer Vermittlung einigten sich Abiy und der somalische
Präsident Hassan Sheikh Mohamud Ende 2024 darauf, einen verlässlichen Meereszugang für Äthiopien nur unter somalischer Souveränität zu verfolgen.
Danach schwenkte Äthiopiens Blick hinsichtlich eines Meereszugangs wieder auf Eritrea um.

Die Rhetorik verschärfte sich zusehends. Im Oktober 2025 schickte Äthiopien einen Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, in dem Eritrea vorgeworfen wurde, mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF)
einen Krieg gegen Addis Abeba vorzubereiten. Einen Monat später legte Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos in einer Rede vor ausländischen
Diplomaten ausführlich die Beschwerden gegenüber Eritrea dar. Gedion ging sogar so weit zu sagen, dass ein „Casus Belli“ bereits vorliege, aber Äthiopien
sich bewusst zurückhalte.

In Eritrea treffen solche Aussagen auf eine Regierung, die seit Jahrzehnten vor ausländischer Einflussnahme warnt. Das Vertrauen in internationale Akteure
ist sehr gering. Man fühlt sich immer wieder ungerecht behandelt – zum Beispiel als Äthiopien die Entscheidung der unabhängigen Grenzkommission
nach dem Krieg nicht umsetzte, ohne dafür sanktioniert zu werden. Hingegen erließ der UN-Sicherheitsrat 2009 ein Waffenembargo und Sanktionen gegen
Eritrea wegen dessen Unterstützung für Al-Shabaab; diese wurden erst 2018 aufgehoben.

Nach Abiys Amtsantritt 2018 hatten sich die beiden Länder angenähert, einschließlich persönlicher Treffen von Abiy und dem eritreischen Präsidenten
Isaias Afewerki. Die äthiopischeritreische Zusammenarbeit, das wurde bald deutlich, diente vor allem dazu, gemeinsam gegen die TPLF zu kämpfen. Isaias
machte die TPLF, die zu der Zeit die äthiopische Regierung dominiert hatte, für den Krieg Ende der 1990er Jahre und die darauffolgende internationale
Isolierung verantwortlich. Eritreische Truppen nahmen in großer
Zahl an dem Krieg in Tigray teil und verübten Berichten zufolge massive Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung.
An dem Pretoria-Abkommen, das den Krieg im Norden Äthiopiens
im November 2022 beendete, war Eritrea nicht beteiligt. Wie
Abiy später selbst sagte, wollte Eritrea die TPLF gänzlich vernichten,
statt ihr zu einem neuen politischen Leben zu verhelfen. So kühlte sich das Verhältnis zwischen Asmara und Addis Abeba wieder ab. Eritrea unterstützte
die Fano, amharisch-nationalistische Rebellen, die sich 2023 gegen den äthiopischen Staat wandten.

Doch die Umsetzung des Pretoria-Abkommens stockte, und in der TPLF setzten sich Hardliner durch, welche die Addis Abeba gegenüber treue Übergangsregierung von Tigray entmachteten. Sowohl Asmara als auch die
TPLF stellten ihre gegenseitige Feindschaft zurück und gingen eine taktische Zusammenarbeit ein im Glauben, so die Regierung in Addis Abeba schwächen zu können.


Drohungen, Disruption, Krieg?
Die jahrelange öffentliche Inszenierung des Themas zeigt, dass
es Äthiopien nicht um kurzfristige Interessen geht. Internationale
Legitimität ist ein wichtiger Faktor. Die USA und auch andere Regierungen haben Addis Abeba in klaren Worten gesagt, dass ein offener Einmarsch in Eritrea inakzeptabel wäre. Er würde wahrscheinlich auch das milliardenschwere Programm des Internationalen Währungsfonds
mit Äthiopien gefährden. Gleichzeitig setzen sowohl Washington
als auch die EU derzeit auf Annäherung an Äthiopien.
Die äthiopische Regierung ist sich bewusst, dass ein direkter, konventioneller Krieg mit Eritrea ein hohes Risiko für die eigene Sicherheit darstellen würde. Äthiopien verfügt zwar über moderne Drohnen und ein großes Heer,
aber Eritrea ist seit Jahrzehnten eine stark militarisierte Gesellschaft.
Selbst eritreische Oppositionelle würden eher auf Seiten des autoritären Regimes von Isaias kämpfen, als eine äthiopische
Besatzung zu akzeptieren. Eritrea könnte seinerseits Druck über
die Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von äthiopischen
Oppositionsbewegungen ausüben, auch wenn diese inhaltlich
nicht viel verbindet. Eine weitere Regionalisierung von Konflikten
im Sudan und in Somalia wäre wahrscheinlich.
Vermittlungsbemühungen der USA, Saudi-Arabiens und europäischer
Akteure waren bislang nicht erfolgreich. Ein Kompromiss ist denkbar, der regionale Integration und grenzübergreifende Transportinfrastruktur
mit vertrauensbildenden Sicherheitsmaßnahmen und schließlich einer äthiopischen Marinebasis in Somaliland oder Dschibuti verbindet, aber ohne
extraterritorialen Korridor zum äthiopischen Kernland. Für eine solche Lösung braucht es jedoch das Vertrauen aller beteiligten Seiten. Am Horn von Afrika ist
davon derzeit wenig zu spüren.