Statebuilding in Somalia und Somaliland im Angesicht geopolitischer Rivalitäten

Nachdem der Staatsaufbau in Somalia und in Somaliland lange divergierte, hat er sich in den letzten Jahren begonnen anzunähern. Somalia hat die Verfassung überarbeitet und ist auf dem Weg zu direkten Wahlen. Somaliland führt seit Jahrzehnten Wahlen durch und konnte 2025 mit Israel die erste Anerkennung durch einen UN-Mitgliedsstaat erreichen. Die beiden Staatsbildungsprozesse werden von erheblichen Elitenkonflikten begleitet, die durch das Engagement extraregionaler Akteure befördert werden.

In: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, 18.August 2026

Bild: A view of Lido beach in Mogadishu, AMISOM

1 Einleitung

Seit dem Sturz des damaligen Präsidenten Siad Barre 1991 und dem folgenden Bürgerkrieg haben Somalia und die sich im gleichen Jahr für unabhängig erklärte Region Somaliland ihre jeweils separaten Erfahrungen gemacht, einen Staat aufzubauen. Beide haben diesbezüglich Fortschritte zu verzeichnen, stoßen mittlerweile jedoch auch auf ähnliche Herausforderungen und Widersprüche.

Somalia ist beim Staatsaufbau sehr stark von internationaler Unterstützung abhängig gewesen, sowohl beim Aufbau legitimer Regierungen, für die Sicherheit angesichts des Konflikts mit Al-Shabaab, als auch für wirtschaftliche Ressourcen und Staatsausgaben. Im Unterschied dazu musste Somaliland ohne internationale Legitimität und mit deutlich weniger externen Ressourcen auskommen, hatte aber auch weniger eigene Sicherheitsprobleme. In beiden Gebieten spielte der Dialog mit einflussreichen Akteuren (insbesondere traditionellen Führungspersonen von Clans sowie den Vertretern somalischer Bundesstaaten) eine wichtige Rolle, der teils in einem Spannungsverhältnis zur Herausbildung einer stärkeren Zentralstaatlichkeit stand. Statebuilding und Friedensbemühungen nahmen teilweise sogar ein antagonistisches Verhältnis zueinander ein (Mushtaq 2018, S. 94).

Somaliland ist es gelungen, mehrfach direkte Mehrparteienwahlen zu organisieren, die zu friedlichen Machtwechseln führten. Umgekehrt beförderten opportunistische Eliten, eine schwache Zentralstaatstradition sowie die Verfügbarkeit von Ressourcen durch rivalisierende externe Akteure interne Machtkämpfe in Somalia. Dort fanden auf nationaler Ebene seit 2012 nur indirekte Wahlen statt, überdies jedes Mal nach einer umstrittenen Verlängerung der Wahlperiode. Die Machtkämpfe sind ebenfalls ein entscheidender Grund für mangelnde Fortschritte im Kampf gegen Al-Shabaab.

In den letzten Jahren haben sich die Statebuilding-Erfahrungen von Somalia und Somaliland jedoch angenähert. Im Dezember 2025 konnten Bürger*innen von Mogadischu an den ersten direkten Kommunalwahlen seit mehr als 50 Jahren teilnehmen. Im März 2026 beschloss das somalische Parlament in Mogadischu, die letzten Änderungen der Verfassung anzunehmen. Damit ging ein 14 Jahre langer Überarbeitungsprozess zu Ende. Auch auf nationaler Ebene sind direkte Wahlen geplant. Allerdings trat die Verlängerung der Legislaturperiode und damit der Amtszeit der aktuellen Regierung von vier auf fünf Jahren mit sofortiger Wirkung in Kraft. Dies traf auf deutliche Ablehnung anderer politischer Eliten in der Opposition, einschließlich in einigen der Bundesstaaten Somalias. Was ein Meilenstein in der staatlichen Entwicklung Somalias sein sollte – die Fertigstellung einer dauerhaften Verfassung – wurde zum Zankapfel politischer Eliten.

In Somaliland gab es 2023 einen bewaffneten Konflikt in der Stadt Las Anod, welchen die Sicherheitskräfte Somalilands verloren. Zwei Jahre später wurde dort der neue Bundesstaat North East ausgerufen, welcher sich Mogadischu zugehörig erklärte. Sowohl in Somalia als auch in Somaliland gibt es autoritäre Tendenzen von Regierungseliten (Elder 2021; Freedom House 2025). Die jeweilige Stärkung des Zentralstaates ging auf Kosten der territorialen Kohärenz der beiden Gebiete. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Unterstützung rivalisierender externer Akteure. Mogadischu arbeitet insbesondere mit der Türkei, Katar, Saudi-Arabien und Ägypten zusammen, während Somaliland eng mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Israel kooperiert (Chome 2026). Israel war auch der erste UN-Mitgliedsstaat, der Somaliland im Dezember 2025 als eigenständigen Staat anerkannte.

Im Folgenden werden die unterschiedlichen Statebuilding-Erfahrungen in Somalia und Somaliland betrachtet. Diese erklären auch die jeweilige Herangehensweise an internationale Zusammenarbeit. Die lang andauernde Verfassungsreform in Somalia war ein Machtkampf um die staatliche Organisation. In Somaliland hat die Anerkennungspolitik in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Transaktional auftretende externe Akteure erleichtern es somalischen Eliten, ihre jeweiligen opportunistischen Ziele zu verfolgen, anstatt sich auf die Verbesserung der Lage der Bevölkerung zu fokussieren.

2 Entwicklung der Staatlichkeit in Somalia

Das überwiegend aride, tiefliegende Gelände, in dem die Somalis leben, hat keine Tradition eines starken Zentralstaats hervorgebracht. Die dominante Lebensform ist nomadischer Pastoralismus auf der Grundlage von Kamelen, die wechselnde Weidegründe brauchen. An diese Lebens- und Wirtschaftsweise angepasst entwickelte sich ein verzweigtes Clansystem als Solidargemeinschaft ohne starke politische Führungspersonen, jedoch mit eigenem Rechtssystem (Lewis 1988).

Dementsprechend war die Vorstellung von Nationalstaaten, wie sie im 19. Jahrhundert in Europa aufkam und über die Kolonialmächte ans Horn von Afrika gebracht wurde, der traditionellen sozialen Organisation von Somalis äußerst fremd. Die Erfahrung der imperialen Fremdherrschaft war dabei durchaus unterschiedlich. Während Italien im Süden und Zentrum Somalias versuchte, einen Zentralstaat aufzubauen, hielten sich die Briten im Norden deutlich stärker zurück und setzten auf die Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten. Somalische Eliten grenzten sich auch vom äthiopischen Imperialismus ab, der von einer Tradition sesshafter Landwirtschaft und der solomonischen Monarchie im abessinischen Hochland ausging. Im Unterschied dazu unterhielten somalische Clanvertreter*innen „endless negotiations over how to share the spoils of government between them“ (Clapham 2017, S. 55). 1969 übernahm das Militär die Macht und etablierte die autoritäre Regierung unter Siad Barre, der den Gesamtstaat jedoch hauptsächlich mit Gewalt und Zwang zusammenhielt (sowie externer Unterstützung während des Kalten Krieges). Mit dem Ende der externen Unterstützung und Barres Sturz 1991 brach dieses Kartenhaus zusammen. Ohne staatliche Strukturen stützten sich Somalis auf die beiden Traditionen, die sich gehalten hatten: Clanherrschaft und Islamismus (Abdullahi „Baayadiyow“ 2018, S. 221). Bürgerkrieg, die Herausbildung von Warlords und eine Reihe militärischer Interventionen externer Mächte waren die Folge.

Bemühungen, die politischen Kräfte Somalias zu vereinen, standen den Ambitionen einiger Eliten entgegen, welche diese mit Gewalt verfolgten. Die Gründung von Übergangsregierungen auf internationalen Konferenzen verstärkte die Auseinandersetzung eher, beziehungsweise schuf neue Gelegenheiten, staatliche Positionen und damit Zugang zu Ressourcen zu verteilen (De Waal 2015). In den frühen 2000er-Jahren prägte der US-geführte „Globale Krieg gegen den Terrorismus“ Somalia. Dazu arbeiteten die USA auch mit Milizenführern und Warlords zusammen. Diese waren jedoch nicht im Stande, sich gegen die Islamisten durchzusetzen, welche vielmehr Mogadischu erobern konnten. Dies brachte 2006 wiederum Äthiopien dazu, militärisch zu intervenieren und die Islamisten der „Council of Islamic Courts“ aus der Hauptstadt zu vertreiben (Menkhaus 2007). Allerdings bildete sich aus dem Council of Islamic Courts Al-Shabaab, die sich später mit Al-Qaida verbündeten und heute weite Teile des ländlichen Territoriums im Süden und Zentrum Somalias kontrollieren.

Der somalische Staat ist weitgehend von externen Zuwendungen abhängig – 2025 machten externe Quellen Zweidrittel der staatlichen Einnahmen aus (Federal Government of Somalia 2026). Eigene Einnahmequellen sind beispielsweise Häfen und Flughäfen, an denen Zölle erhoben werden können, welche 2025 etwa 39 % der einheimischen Einnahmen ausmachten. Bundesstaaten (Federal Member States, FMS), die über eigene internationale Häfen verfügen – Jubaland und Puntland – sind deutlich weniger von Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt abhängig als der Rest.Footnote 1 Das Verhältnis der FMS-Regierungen zur Bundesregierung sollte also auch vor diesem fiskalischen Hintergrund gesehen werden.

3 Erfolge und Grenzen von Staatlichkeit in Somaliland

Somalilands Erfahrung mit dem Wiederaufbau von Staatlichkeit wird oft sehr stark vom Rest Somalias abgegrenzt (Prunier 2026). Dabei sind auch dort Clan-Identität, die Kontrolle von Infrastruktur und der Umgang mit internationalen Akteuren eng miteinander verwoben.

Somaliland entstand im Mai 1991 im Kontext des bereits laufenden Bürgerkrieges zwischen dem Somali National Movement (SNM) und der somalischen Bundesregierung. Die SNM wandte sich gegen übergreifende Kontrolle aus dem Süden. Ende der 1980er-Jahre hatte es massive militärische Schläge der Bundesregierung gegen Städte im Norden gegeben, einschließlich der Bombardierung von Hargeisa. 50.000 bis 100.000 Zivilist*innen sollen bei dieser Militärkampagne getötet worden sein (Gordon 2023). Der Erfolg bewaffneter Gruppen im Süden, Mogadischu zu erobern, erneuerte die Angst vor der Dominanz des Südens. So entschieden die SNM sowie traditionelle Führer, die Union mit Somalia aufzulösen. Somalilands Argument für staatliche Eigenständigkeit besteht bis heute darin, dass das ehemalige britische Schutzgebiet 1960 für fünf Tage unabhängig war (und von den damaligen Großmächten als solches anerkannt wurde), bis es sich mit der ehemaligen italienischen Kolonie zur Republik Somalia zusammenschloss (Bradbury et al. 2003).

Zentral für die Entwicklung einer eigenständigen politischen Identität war die separate staatliche Entwicklung, die Somaliland seit 1991 genommen hat. Diese beruhte auf einem Dialog der wichtigsten Großclans und ihrer traditionellen Führungspersonen in der Region, welche über das Oberhaus (House of Elders oder Guurti) eine eigene Vertretung erhielten. Gerade in den ersten Jahren der Unabhängigkeit waren es diese traditionellen Führungspersonen, welche in internen bewaffneten Konflikten vermittelten und damit quasi-staatliche Aufgaben übernahmen (Bradbury et al. 2003, S. 459). So entstand ein hybrides System, das sehr viel stärker als (später) im Süden auf einer Kombination von traditionellen und modernen Elementen von Herrschaft beruhte. Die ersten Mehrparteienwahlen fanden im Dezember 2002 auf lokaler und im April 2003 auf nationaler Ebene statt. Seitdem hat es mehrere friedliche Machtwechsel gegeben.

Gleichwohl sind etwa im letzten Jahrzehnt zunehmend autoritäre Tendenzen zu beobachten. Somaliland wird von dem Isaaq-Großclan dominiert, demographisch und politisch. Während kleinere Clans sowohl im Osten als auch im Westen die Staatsgründung mittrugen, profitierten sie nur wenig von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der letzten Jahre (Norman 2023). Das politische Leben konzentriert sich in der Hauptstadt Hargeisa, während der Hafen (und Flughafen) von Berbera eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielt. Isaaq-Unternehmer*innen im Zentrum profitierten vom Staat (Elder 2021). Investitionen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien, der EU und den USA fokussierten sich auf die Entwicklung eines Infrastruktur-Korridors von Berbera bis nach Addis Abeba. Infrastruktur außerhalb von Hargeisa, Berbera und diesem Korridor ist jedoch kaum entwickelt, was zu Unzufriedenheit bei den dortigen Clans führte (Hoehne und Norman 2026, S. 16).

Am deutlichsten wirkte sich diese Entwicklung in der Stadt Las Anod im Osten aus. Ein lokaler Streit führte zu Protesten gegen die Regierung, die Anfang 2023 in einen bewaffneten Konflikt zwischen Sicherheitskräften von Somaliland und lokalen Milizen der Dhulbahante, des dort dominanten Großclans, eskalierten. Erstere beschossen Las Anod zwischenzeitlich mit Artillerie, konnten aber die Stadt nicht zurückerobern und zogen sich nach einem halben Jahr von Kämpfen aus der Region zurück. Die bewaffneten Gruppen (SSC-Khatumo) erklärten daraufhin eine eigene Verwaltung, mit dem Ziel, sich der Republik Somalia anzuschließen (Hoehne und Norman 2026). Die Bundesregierung in Mogadischu witterte eine Chance, das staatliche Projekt der abtrünnigen Region Somaliland zu schwächen und erkannte diese Verwaltung von ihrer Seite aus an. Im August 2025 wurde aus der Region der neue somalische Bundesstaat „North East“, zu dessen feierlicher Gründung im Januar 2026 der somalische Präsident Hassan Sheikh Mohamud anreiste – der erste Besuch eines somalischen Staatsoberhaupts im Norden seit 40 Jahren. In der Folge verlor Hargeisa die Kontrolle über ein knappes Drittel des beanspruchten Territoriums.

4 Die somalische Verfassungsreform

Das aktuelle politische System Somalias basiert auf der vorläufigen Verfassung von 2012, aus der die somalische Bundesregierung (Federal Government of Somalia, FGS) hervorging. Seitdem lief ein Überprüfungsprozess, um sich auf eine dauerhafte Verfassung zu einigen.

Ein zentraler Streitpunkt ist die föderale Organisation Somalias. Während Somaliland sich bereits 1991 abgesondert hatte und Puntland 1998 als autonome Region gegründet wurde, kamen die anderen heutigen FMS erst nach 2012 zustande, basierend auf den Aushandlungsprozessen zwischen den jeweiligen lokalen Machthabern, oft mit externer Unterstützung. Die Grenzen und Kompetenzen der FMS waren dabei umstritten, schufen sie doch jeweils eigene Mehrheitsverhältnisse für die lokalen Clans. Der Wiederaufbau der staatlichen Strukturen, an denen sie grundsätzlich Interesse hatten, wurde von diesen als Nullsummenspiel betrachtet, bei dem Gewinne einzelner Clans oder der Zentralregierung als Beeinträchtigung der eigenen Macht gesehen wurden (Mushtaq 2018, S. 94).

Über die lange Zeit der Staatsbildung nahmen die Clanfamilien eine zentrale Rolle ein. Die „4,5-Formel“ zur Aufteilung staatlicher Positionen und Abgeordneten im Parlament erhärtete die politische Bedeutung der Clans.Footnote 2 Die vorläufige Verfassung von 2012 sieht eigentlich direkte Wahlen vor. Wegen der angespannten Sicherheitslage und mangelnder politischer Einigkeit über die Organisation direkter „One Person One Vote“-Wahlen wurde die 4,5-Formel jedoch auch seit 2012 bei indirekten Wahlen angewandt. Dabei nahmen die FMS bei der Besetzung der Wahlgremien eine zunehmend einflussreiche Rolle ein (Rift Valley Institute 2023, S. 9).

Neben der mangelnden Sicherheit (angesichts der Präsenz von Al-Shaabab) sowie geringen Kapazitäten des Staates waren Streitigkeiten innerhalb der politischen Elite dafür verantwortlich, dass keine direkten Wahlen stattfanden. Sowohl 2016 als auch 2020 gab es keine rechtzeitige Einigung über den Wahlprozess, sodass die Legislaturperiode verlängert wurde. Mächtige FMS warfen der Bundesregierung vor, das politische System dominieren zu wollen. Dies war auch bei der Diskussion der Verfassungsänderungen 2023–2026 der Fall. Die Verfassungskommission schlug vor, ein präsidentielles System mit direkt gewähltem Präsidenten einzuführen. Die Zahl der zugelassenen Parteien sollte auf die jeweils zwei stärksten, die aus den Kommunalwahlen hervorgegangen wären, begrenzt werden, gleichwohl es ein Verhältniswahlrecht geben sollte. Im parlamentarischen Verfahren und Verhandlungen mit der Opposition wurden diese Vorschläge jedoch noch stark verändert, sodass der Präsident wie bisher von den Abgeordneten gewählt werden und es keine Begrenzung der politischen Parteien geben sollte (nur eine 10 %-Hürde) (Schmidt 2026). Am 4. März 2026 nahmen Mehrheiten des Unter- und des Oberhauses im Parlament diese Verfassungsänderungen an.

Dennoch wandte sich die somalische Opposition, insbesondere die Präsidenten der Bundesstaaten Puntland und Jubaland sowie ehemalige hochrangige somalische Regierungsmitglieder, gegen die Verfassungsänderungen, insbesondere die Verlängerung der laufenden Wahlperiode.

Puntland hatte sich bereits 2022 aus der weiteren Überarbeitung der Verfassung rausgezogen. Nachdem das Parlament in Mogadischu im März 2024 die ersten vier Kapitel der überarbeiteten Verfassung angenommen hatte (einschließlich Stimmen von Abgeordneten aus Puntland), zog die Regionalregierung des nördlichen Bundesstaats sogar seine Anerkennung der somalischen Bundesregierung zurück. Said Abdullahi Mohamed Deni, der Präsident Puntlands, trat 2022 bei den somalischen Präsidentschaftswahlen an und erklärte bereits 2025 seine erneute Kandidatur (Mustaqbal Media 2025).

Jubaland, ganz im Süden Somalias, zog seine Zusammenarbeit mit der FGS im November 2024 zurück. Vorausgegangen waren von der FGS nicht anerkannte Regionalwahlen, welche die Basis für eine dritte Amtszeit des Präsidenten von Jubaland, Ahmed Mohamed Islam Madobe, schufen. In der Bundesverfassung sind mehr als zwei Amtszeiten nicht vorgesehen. In der Folge kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Einheiten der Bundesregierung und der Regionalregierung von Jubaland, aus denen letztere als Sieger hervorgingen. Somalische Truppen mussten über die Grenze nach Kenia fliehen.

Im März 2026 schloss sich South West State der Kritik der anderen beiden Bundesstaaten an den Verfassungsänderungen an und beendete ebenfalls die Zusammenarbeit mit der FGS. In diesem Fall konnte sich Mogadischu jedoch durchsetzen. Die Regierung entzog dem damaligen Präsidenten von South West State, Abdiaziz Mohamed Hassan (Laftagaren), seine Anerkennung und schickte Truppen in die regionale Hauptstadt Baidoa. Laftagaren zog sich zurück. Im Gegensatz zu den Auseinandersetzungen in Jubaland, wo äthiopische Truppen auf Seiten der Regionalregierung eingegriffen hatten, hielten sie sich in South West State zurück.

Die militärischen Auseinandersetzungen in Jubaland und South West State deuten auf ein grundsätzliches Problem hin: Es gibt kein Verfassungsgericht oder sonstige belastbare Institution, welche einen Streit zwischen FMS und FGS entscheiden könnte (SOMLAW 2026). Wenn Verhandlungen scheitern, greifen die Beteiligten regelmäßig zu Gewalt.

5 Somalische Anerkennungspolitik

War die Erlangung völkerrechtlicher Anerkennung ein langgehegtes Ziel von Regierungen in Hargeisa, nahm dieses Vorhaben mit dem Verlust von Las Anod 2023 eine neue Dynamik an (Hoehne und Norman 2026, S. 27). Am 1. Januar 2024 schloss Somaliland ein Memorandum of Understanding (MoU) mit Äthiopien ab. Laut äthiopischer Regierung sollte Äthiopien eine Marinebasis sowie verbesserten maritimen Handelszugang erhalten. Dafür sollte Somaliland Anteile an Ethiopian Airlines bekommen und die äthiopische Regierung versprach, ihre Position gegenüber der Anerkennung Somalilands zu prüfen (ENA English 2024).

Massive Proteste aus Mogadischu folgten. Die somalische Regierung organisierte diplomatischen Widerstand in der Arabischen Liga, intensivierte die Zusammenarbeit mit Ägypten und Eritrea, den wichtigsten regionalen Gegnern Äthiopiens, und drohte, die äthiopischen Truppen in Somalia des Landes zu verweisen. Im November 2024 verlor der somaliländische Präsident Muse Bihi Abdi die Präsidentschaftswahlen. Mitte Dezember 2024 erzielte die Türkei eine Einigung zwischen Abiy Ahmed, dem äthiopischen Ministerpräsidenten, und Hassan Sheikh Mohamud, dem somalischen Präsidenten. Das MoU wurde darin zwar nicht direkt erwähnt, aber die Regierungen verkündeten, auf einen verlässlichen Meereszugang für Äthiopien hinzuarbeiten (Republic of Türkiye Ministry of Foreign Affairs 2024). Die Aussicht auf eine baldige äthiopische Anerkennung Somalilands verschwand.

Die neue somaliländische Regierung schaffte es, im Dezember 2025 Israel als ersten UN-Mitgliedsstaat zu gewinnen, der das Gebiet als eigenständigen Staat anerkannte. Für Israel ging es primär um nationale Sicherheitsinteressen. Die Lage von Somaliland am Golf von Aden gegenüber von Jemen ist hierbei zentral. Israel ist mehrfach von den Houthis, die mit Iran in der sogenannten „Achse des Widerstands“ verbündet sind und Teile Jemens kontrollieren, angegriffen worden. Die Houthis beschossen darüber hinaus 2024/25 Handelsschiffe im Roten Meer, die Israel anfuhren und die sie mit Israel verbündeten Staaten zurechneten. Von Somaliland aus kann Israel die Aktivitäten der Houthis leichter überwachen. Für Israel dient das Engagement in Somaliland, das eng mit den VAE zusammenarbeitet, zudem als Gegengewicht zum türkischen Einfluss in der Region (Donelli 2026). Entgegen der somaliländischen Erwartungen hat die israelische Anerkennung jedoch keinen Kaskadeneffekt ausgelöst, bei dem andere Regierungen nachgezogen hätten. Neben Äthiopien und den VAE hat Somaliland insbesondere Aspirationen, die USA und Großbritannien zu diesem Schritt zu bewegen. So gibt es offene Sympathien für die Anerkennung Somalilands bei konservativen Politikern wie dem ehemaligen britischen Verteidigungsminister Gavin Williamson (Duale 2026) oder republikanischen Abgeordneten in den USA. Die jeweiligen Regierungen hielten sich aber bisher zurück. Im UN-Sicherheitsrat verteidigten die USA zwar Israels Anerkennung Somalilands, betonten aber, dass ihre eigene Haltung in der Frage sich nicht geändert habe (UN News 2025).

6 Schlussfolgerungen

Statebuilding in Somalia hängt entscheidend von internationaler Unterstützung ab. Diejenigen FMS bzw. Regionen, die ausländische Investitionen insbesondere in Infrastruktur und den Sicherheitssektor anziehen konnten, können eine unabhängigere Politik gegenüber der Regierung in Mogadischu verfolgen. Dies betrifft Jubaland und Puntland sowie Somaliland. In allen drei Gebieten investierten die Vereinigten Arabischen Emirate in dortige Häfen sowie Militärbasen in Berbera, Bosaso und Kismayo. Verschiedene ausländische Trainingsbemühungen der somalischen Streitkräfte bzw. einzelner Spezialkräfte stärkten zwar durchaus die jeweiligen Einheiten im Kampf gegen Al-Shabab, allerdings blieb die Integration dieser Kräfte, die oft ihre Clan-Loyalität behielten, in eine einheitliche Armee eine große Herausforderung (Robinson und Matisek 2021). Eigene Kräfte der FMS zementierten die Fragmentierung. Hinzu kommt, dass Äthiopien und Kenia als wichtigste Nachbarstaaten ein Interesse daran haben, die Bedrohung von Al-Shaabab von ihrem eigenen Territorium fernzuhalten. Dafür halten sie eigene Truppen, sowohl als Teil der Mission der Afrikanischen Union als auch auf bilateraler Basis, in Somalia, die mit FMS wie Jubaland sehr eng zusammenarbeiten. Dieses Engagement läuft somit eher auf Pufferzonen in den jeweiligen Grenzregionen als auf die Stärkung des somalischen Gesamtstaates hinaus.

Insgesamt müssten Bemühungen zum Staatsaufbau nicht im Widerspruch zur somalischen Tradition von Dialog und Konsens stehen. Angesichts der Vielfalt der somalischen Gesellschaft könnte ein demokratisches System mit direkten Wahlen vielmehr Koalitions- und Konsensbildung befördern. Somalilands Erfahrung zeigt, dass traditionelle Elemente mit solchen modernen Institutionen zusammenwirken können. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die beteiligten Eliten tatsächlich die verschiedenen Konzepte miteinander verbinden wollen und nicht opportunistisch auf den jeweils größten Gewinn an Ressourcen und politischen Verbindungen aus sind. Die wachsende Konkurrenz externer Mächte, die Interesse am Horn von Afrika haben, erleichtert jedoch dieses Verhalten.

Notes

  1. Während Hirshabelle 2020 98 % seiner Einnahmen aus Zuwendungen erhielt, waren dies bei Puntland nur 13 % und 43 % bei Jubaland (Davies et al. 2023).
  2. Das 4,5 System wurde erstmals 1997 eingeführt und 2000 reformiert. Indem es sich auf Clans und nicht auf Territorien bezog, sollte es die kriegsbedingte Binnenvertreibung und die Sicherheitslage berücksichtigen. Nach dem System erhalten die vier größten Clanfamilien jeweils die gleiche Anzahl an Sitzen im Parlament, während alle anderen kleineren Clans (die „0,5“) die Hälfte von Sitzen eines Clans erhalten (Rift Valley Institute 2023).

Der Krieg im Sudan seit April 2023. Auslöser, Akteure und Dynamik

Die Sudanese Armed Forces und die Rapid Support Forces bekämpfen einander in einem brutalen Krieg auf Kosten der Zivilbevölkerung. Internationale Unterstützung erhalten die Kriegsparteien dabei aus unterschiedlichen geopolitischen Interessen.

In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 7. August 2026

Bild: Kontrolle von Territorium in Sudan Anfang Juli 2026, (c) Thomas van Linge

Am Morgen des 15. April 2023 erschütterten Schüsse die sudanesische Hauptstadt Khartum. In kürzester Zeit griffen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) auf weite Teile der Metropole über.

Der Krieg im Sudan hat sich seitdem zur größten humanitären Krise weltweit entwickelt, gemessen an der Anzahl von Personen, die laut den Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind: 33,7 Millionen im Jahr 2026. Zur Auflösung der Fußnote[1] Nirgend sonst waren so viele Menschen – 8,8 Millionen im Mai 2026 – innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Zur Auflösung der Fußnote[2] Die Zahl der Todesopfer lässt sich nicht mit Sicherheit beziffern, aber allein beim Massaker der RSF in al-Faschir im Herbst 2025 sind schätzungsweise zehntausende Menschen getötet worden. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind immens, sodass 19,5 Millionen Menschen – 41 Prozent der Bevölkerung – Hunger leiden, einige von ihnen in lebensgefährlicher Not. Zur Auflösung der Fußnote[3]

Gewalt ist leider nicht neu in der Republik Sudan, aber dieser Krieg unterscheidet sich von früheren Konflikten. Für Bevölkerungsgruppen in Darfur oder den Nubabergen begann der Krieg nicht erst an jenem Samstagmorgen im April 2023, da die sudanesischen Peripherien schon lange von bewaffneten Konflikten erschüttert wurden. Dieser Krieg brach jedoch innerhalb des Machtzentrums aus: zwischen den beiden größten Sicherheitskräften des Landes, mitten in der Hauptstadt Khartum, nicht durch einen Rebellenaufstand in einer weit entfernten Landesgegend. Die politische Ordnung implodierte von innen heraus.

Dominanz der Sicherheitskräfte

Der aktuelle Konflikt hat tiefe Wurzeln. Dem politischen System Sudans ist eine große Ungleichheit eingeschrieben: Urbane arabische Eliten beuteten die Arbeitskraft und Ressourcen in der Peripherie im Westen, Süden und Osten aus. Bereits im 19. Jahrhundert etablierte sich eine kommerzielle Führungsschicht, die sich als arabisch verstand und auf „die nicht-arabische“ Bevölkerung teils mit rassistischer Verachtung hinabsah. Eine landesweit geteilte nationale Identität, ob unter säkular-arabischen oder islamischen Vorzeichen, konnte sich seitdem nicht entwickeln. Im Süden und in der westlichen Region Darfur, die erst 1916 Teil des Sudan wurde, setzten die britisch-ägyptischen Kolonialherren auf Militärexpeditionen und die Ermächtigung lokaler Herrscher, aber investierten jahrzehntelang nur wenig in Bildung, Gesundheit und andere öffentliche Entwicklung. Zur Auflösung der Fußnote[4] Bürgerkrieg und Militärherrschaft prägen den Sudan seit seiner Unabhängigkeit 1956.

Gegen die Ausbeutung durch den Staat wandten sich mehrfach bewaffnete Aufstände. Spätestens seit den 1980er Jahren setzte die sudanesische Regierung zur Bekämpfung dieser Aufstände auf eine Milizenstrategie. Zur Auflösung der Fußnote[5] Sie bewaffnete, trainierte und unterstützte Milizen, die oft ethnisch oder religiös geprägt waren. In den frühen 2000er Jahren baute der Sicherheitsapparat arabische Reitermilizen in Darfur auf, die lokal als „Dschandschawid“ bekannt wurden. Zur Auflösung der Fußnote[6] Das strategische Ziel der Milizenstrategie war, die Kämpfe fernab des wirtschaftlichen und politischen Zentrums zwischen Angehörigen von Bevölkerungsgruppen in der Peripherie zu halten. Zudem erlaubte es diese Strategie, die regulären Streitkräfte relativ schwach zu halten, um sich vor möglichen neuen Machtzentren dort zu schützen. Denn das Militär spielte sowohl eine zentrale Rolle bei Putschen gegen zivile Regierungen als auch beim Sturz von Militärregierungen. Zur Auflösung der Fußnote[7]

Als Teil dieses Systems beförderte der damalige Präsident Umar al-Baschir 2013 eine Dschandschawid-Gruppe und nannte sie „Rapid Support Forces“, zu dessen Kommandeur er Mohammed Hamdan Daglo, Spitzname „Hemeti“, bestimmte. Die RSF standen ursprünglich unter der Aufsicht des Geheimdienstes, 2017 setzte sie al-Baschir jedoch unter seine direkte Kontrolle und stellte sie damit auf eine Ebene mit den anderen Sicherheitskräften. Zur Auflösung der Fußnote[8] Sie wurden nicht nur zur Aufstandsbekämpfung in Darfur, sondern auch zur Grenz- und Migrationskontrolle eingesetzt. Auch wenn die EU stets darauf Wert legte, die RSF nicht direkt zu finanzieren, kooperierte sie doch mit der Baschir-Regierung im Zuge des „Khartum-Prozesses“ zur Migrationskontrolle. Die RSF kontrollierten fortan die Schmuggelnetzwerke Richtung Libyen und dem Mittelmeer. Zur Auflösung der Fußnote[9] Die RSF wurden auch als Söldner im Krieg im Jemen ab 2015 auf Seiten der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) angeführten Koalition eingesetzt, was sehr einträglich für die RSF war.

Von der Revolution zum Krieg

Der Sturz al-Baschirs im April 2019 und die Einführung einer zivil-militärischen Übergangsregierung im August brachten Hemeti und die RSF ins Zentrum der politischen Macht. Hemeti wurde Mitglied des Souveränitätsrats, der als Kollektivorgan die Präsidentschaft ersetzte, und gerierte sich als Stellvertreter von Abdel Fattah al-Burhan, dem Oberkommandierenden der SAF und Vorsitzenden dieses Gremiums, dem auch zivile Vertreter angehörten. Ein Verhandler der zivilen Parteien argumentierte 2019, dass der Versuch, die Sicherheitskräfte schneller an die Seite zu drängen, bereits damals zu Kämpfen zwischen SAF und RSF in Khartum hätte führen können. Zur Auflösung der Fußnote[10] So baute der Übergangsprozess darauf, dass die zivile Demokratiebewegung weiterhin Druck über die Straße, über internationale Kontakte und in den neuen Institutionen ausüben würde, um das System nachhaltig zu verändern. Doch so kam es nicht.

Von Beginn an dominierten die Sicherheitskräfte die Regierung und nutzten jede Gelegenheit, ihre Macht gegenüber der zivilen Komponente auszuweiten. Der zivile Ministerpräsident Abdalla Hamdok bemühte sich um eine „Partnerschaft“ mit dem Militär, statt auf Distanz zu gehen. Das Juba Peace Agreement (JPA), das die Sicherheitskräfte zusammen mit einer Reihe von bewaffneten Gruppen am 3. Oktober 2020 im südsudanesischen Dschuba unterschrieben, stärkte die militärische Komponente in der Übergangsregierung. Zur Auflösung der Fußnote[11] Ein Viertel der Kabinettssitze war nun diesen bewaffneten Bewegungen vorbehalten, obwohl sie bereits Jahre zuvor von den Sicherheitskräften militärisch besiegt und ihre verbleibenden Kräfte außer Landes vertrieben worden waren. Die Unterzeichner des Friedensabkommens spalteten sich vom Rest der Demokratiebewegung ab. Am 25. Oktober 2021 ließ al-Burhan Ministerpräsident Hamdok und weitere Kabinettsmitglieder festsetzen und riss die ganze Macht an sich.

Nach dem Militärputsch gelang es SAF und RSF nicht, eine zivile Fassadenregierung zu errichten – angesichts der breiten, andauernden Protestbewegung fanden sich keine zivilen Vertreter:innen für diese Rolle. Stattdessen verschärfte sich der Wettbewerb zwischen den beiden Sicherheitskräften. Al-Burhan brachte Angehörige des früheren Baschir-Regimes zurück in die Regierung, die Hemeti skeptisch sahen. Dieser begann, sich um Teile der zivilen Parteien zu bemühen. Im Dezember 2022 unterzeichneten al-Burhan, Hemeti und Vertreter der politischen Parteien ein Rahmenabkommen, welches die Bildung einer vollständig zivilen Regierung vorsah. Vorher sollten allerdings noch einige Kernfragen in Workshops geklärt werden. Beim Thema Sicherheitssektorreform gab es trotz anfänglicher Annäherung keine Einigung. Strittig waren primär zwei Fragen: der Zeitraum, in dem die RSF in die SAF integriert werden sollten (die RSF wollten zehn Jahre, die SAF maximal zwei), und wie autonom die RSF in der Zwischenzeit operieren könnte. Zur Auflösung der Fußnote[12]

Anfang April 2023 brachten die RSF zusätzliche Truppen in die Hauptstadtregion. Am 13. April verlegten sie Einheiten nach Meroe im Norden des Landes, was wiederum die SAF in Alarmbereitschaft versetzte. Mitglieder des Souveränitätsrats und die Vereinten Nationen versuchten vergebens, bis in die Nacht des 14. April zu vermitteln. Wer angesichts des gegenseitigen Misstrauens für die ersten Schüsse am folgenden Morgen verantwortlich war, ist nicht restlos geklärt. Die RSF waren zweifelsohne besser vorbereitet.

Wechselnde Konfliktdynamik und große Gewalt

Den RSF gelang es, weite Teile der Städte Khartum und Omdurman zu kontrollieren sowie bis zum Herbst 2023 den Großteil Darfurs einzunehmen. Al-Burhan war im Militärhauptquartier im Zentrum Khartums umzingelt, bis es den SAF im August 2023 gelang, ihn zu evakuieren. Die Ministerien bauten ein temporäres Verwaltungszentrum in der nordöstlichen Hafenstadt Port Sudan auf. Ende 2023 eroberten die RSF Wad Madani im Bundesstaat al-Dschazira und breiteten sich im Zentrum und Süden des Landes aus. Mit ihren schnellen mobilen Einheiten von Pick-up-Trucks waren sie den SAF im Manöverkampf überlegen. Zur Auflösung der Fußnote[13] Die Stärke der SAF als konventionelle Armee lag in der Verteidigung stationärer Ziele, die Dutzenden Angriffen der RSF standhielten. Die SAF wussten sich anfangs nicht anders zu helfen, als Basen der RSF selbst in der Hauptstadt mit Kampfflugzeugen zu bombardieren. Die RSF verteilten sich in kleinen Gruppen und plünderten private Haushalte.

Erst gegen Ende des Jahres 2024 wendete sich das Blatt: Die SAF begannen, den Bundesstaat al-Dschazira und weitere Gebiete südlich der Hauptstadt zurückzuerobern. Im März 2025 nahmen SAF-Truppen den stark zerstörten Präsidentenpalast in Khartum ein und vertrieben wenig später die RSF ganz aus der Hauptstadtregion. Im Gegenzug gelang es den RSF im Oktober 2025 mit al-Faschir die letzte von der SAF und ihren Verbündeten gehaltene Landeshauptstadt in Darfur einzunehmen. Die Frontlinie verlagerte sich in die Region Kordofan. Außerdem gab es Kämpfe um Versorgungswege der RSF in den Bundesstaaten Nord-Darfur an der Grenze zu Tschad und in Blauer Nil an der Grenze zu Äthiopien.

Der Krieg ist von enormer Brutalität gekennzeichnet. Sudanes:innen sprechen von einem „Krieg gegen die Zivilbevölkerung“, auf die weder SAF noch RSF Rücksicht nehmen. Während die Vereinten Nationen beiden Seiten massive Menschenrechtsverletzungen vorwerfen, sticht das Ausmaß der RSF-Gewalt besonders hervor. Zur Auflösung der Fußnote[14] Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt werden als Terrorwaffe eingesetzt, Städte belagert und ausgehungert. Mehrfach gingen die RSF gezielt gegen nicht-arabische Bevölkerungsteile wie 2023 die Masalit in West-Darfur sowie die Zaghawa in Nord-Darfur vor. 18 Monate lang belagerten die RSF die Hauptstadt Nord-Darfurs, al-Faschir. Im April 2025 nahmen sie mit Zamzam das größte Vertriebenenlager des Landes südlich der Stadt ein. Als die RSF ein halbes Jahr später al-Faschir eroberten, gingen sie von Haus zu Haus, stellten Männer in Gruppen zusammen und erschossen sie. Zur Auflösung der Fußnote[15] Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen schrieb, das Ausmaß, die Schwere und Systematik der Gewalt der RSF in al-Faschir seien „Hinweise auf einen Völkermord“. Zur Auflösung der Fußnote[16] Die RSF sahen die Männer der erwähnten Volksgruppen als Teil ihrer Gegner an, die sich aus diesen rekrutierten, egal ob sie Waffen trugen oder nicht. Hetze, Aufstachelung und eine Ideologie der arabischen Oberhoheit entmenschlichten die nicht-arabischen ethnischen Gruppen.

Merkmale der Kriegsführung

Drei zentrale Faktoren erklären den wechselnden militärischen Erfolg der Konfliktparteien: ihre interne Kohärenz und Anpassungsfähigkeit, der Einsatz moderner Rüstungstechnologie sowie die Verfügbarkeit von militärischem Nachschub aus dem Ausland.

Sowohl die RSF als auch die SAF bauten im Verlauf des Kriegs Koalitionen mit weiteren bewaffneten Akteuren auf. Die SAF profitierten von der „Sudanesischen Islamischen Bewegung“, um Freiwilligeneinheiten aufzustellen und Milizenverbände zu gründen. Im November 2023 schlossen sich die wichtigsten Unterzeichnergruppen des Juba Peace Agreement (JPA) offiziell den SAF an, nachdem sie sich bis dahin militärisch neutral verhalten hatten.

Die Fähigkeit, lokale Führer für sich zu gewinnen, war oft von entscheidender Bedeutung. Besonders deutlich war dies in der Eroberung von al-Dschazira. Die RSF-Offensive wurde dort von Abu Aqla Keikel geleitet, einem ehemaligen Armeeoffizier, der vor Kriegsbeginn seine eigenen „Sudan Shield Forces“ gegründet hatte und 2023 zu den RSF übergelaufen war. 2024 wechselte Keikel erneut die Seiten und half der Armee, den Bundesstaat zurückzuerobern. Zur Auflösung der Fußnote[17] Die RSF etablierten ihrerseits 2025 eine Zusammenarbeit der Sudan People’s Liberation Army-North (SPLM-N) unter der Führung von Abdelaziz al-Hilu. Diese kontrollierten Gebiete in den Nubabergen und im südlichen Teil des Bundesstaats Blauer Nil, womit die RSF Zugang zu weiten Teilen der Grenze zum Südsudan und 2026 auch einen direkten Zugang zur Grenze mit Äthiopien gewannen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bestand im Zugang zu moderner Waffentechnologie, insbesondere Drohnen und entsprechenden Abwehrsystemen. Hatte die Armee stets über eine konventionelle Luftwaffe verfügt, konnte sie mittels Drohnen ihre Luftaufklärung derart verbessern, dass ihre Artillerie fortan deutlich präziser agieren konnte. Zur Auflösung der Fußnote[18] Die RSF können mit ihren Drohnen Infrastruktur und Militärstellungen weit hinter den Frontlinien angreifen – wie im Mai 2025, als sie für die SAF völlig überraschend Port Sudan bombardierten. Sowohl die hergebrachte Strategie der Armee, Kriege in der Peripherie zu belassen, als auch ihr Anspruch, in den von ihr kontrollierten Gebieten für Wiederaufbau zu werben, werden durch diese Fähigkeit konterkariert.

Externe Akteure und ihre Motivation

Ein zentrales Merkmal des Kriegs im Sudan ist seine Internationalisierung: Zahlreiche Staaten versorgen die Konfliktparteien mit Waffen und Rüstungstechnologie. Eine transnationale Konfliktökonomie sorgt für die Versorgung mit Treibstoff und anderen Gütern, während Goldschmuggel die wichtigste Finanzierungsquelle ist. Wahrscheinlich erhöhte bereits die Aussicht auf (weitere) externe Unterstützung die Risikobereitschaft der Militärführer vor Beginn des Krieges. Zwar stehen zentrale externe Unterstützer teilweise in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, sie arbeiten aber in anderen Bereichen außerhalb Sudans auch zusammen. Die internationale Unterstützung hält den Konflikt am Laufen, der im Kern jedoch ein Kampf um die Vorherrschaft in Politik, Wirtschaft und Sicherheit zwischen sudanesischen Akteuren bleibt. Die Bezeichnung als „Stellvertreterkrieg“ verwischt diese Aspekte. Zur Auflösung der Fußnote[19]

Die SAF profitieren primär von der Unterstützung Ägyptens, der Türkei und Saudi-Arabiens. Alle drei verbindet das Interesse an einem stabilen Staat an der Küste des Roten Meers, wo sie Handels- und Sicherheitsinteressen pflegen. Ägyptens Militär unterhält seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu den SAF. Darüber hinaus verbindet der Nil als wirtschaftliche Lebensader Ägypten und den Sudan, insbesondere in der Auseinandersetzung um die Nutzung des Nilwassers durch den Oberanrainer Äthiopien, dessen Grand Ethiopian Renaissance Dam 2025 offiziell eröffnet wurde. Ägypten will eine erneute Teilung des Sudan verhindern. Zudem ist Ägypten durch die mehr als eine Million sudanesischen Geflüchteten im Land seit Kriegsbeginn belastet. Im Gegensatz zu Ägypten ist die Türkei offen gegenüber der Rolle der Sudanesischen Islamischen Bewegung auf Seiten der SAF. Die Türkei bemühte sich bereits während der Regierungszeit von Präsident al-Baschir um die Reaktivierung des alten osmanischen Hafens Sawakin in der Nähe von Port Sudan. Die Türkei liefert Bayraktar-TB2-Drohnen sowie Drohnenabwehrsysteme. Türkische Drohnen werden auch von ägyptischem Territorium aus gegen die RSF eingesetzt. Zur Auflösung der Fußnote[20] Saudi-Arabien konzentriert sich auf die politische und finanzielle Absicherung des Militärregimes.

Daneben haben die SAF auch von Waffenlieferungen und militärischer Zusammenarbeit mit Iran, Eritrea, Russland und der Ukraine profitiert. Iran hatte bereits unter al-Baschir Waffenlieferungen an die verbündete Hamas über Sudan geleitet. Im aktuellen Krieg lieferten sie Mohajer-6-Drohnen an die SAF. Irans Interesse an einer Basis an der sudanesischen Rotmeerküste traf jedoch auf Ablehnung. Zur Auflösung der Fußnote[21] Eritrea stellte Territorium für die Ausbildung von Kämpfern bewaffneter Einheiten auf Seiten der SAF zur Verfügung. Zur Auflösung der Fußnote[22] Es hat traditionell enge Beziehungen zu einigen Volksgruppen im Ostsudan und sieht die Möglichkeit, zusammen mit Ägypten den Sudan als Hebel gegen seinen regionalen Gegner Äthiopien zu nutzen. Russland verfolgt bereits seit 2017 das Ziel, eine Marinebasis am Roten Meer zu eröffnen. Das entsprechende Abkommen wurde aber von sudanesischer Seite nie ratifiziert. Russland unterstützte die SAF mit Kampfflugzeugen, sicherte sich über die Aktivitäten der Gruppe Wagner bzw. des „Afrikakorps“ zugunsten der RSF jedoch auch ab. Zur Auflösung der Fußnote[23] Die Wagner-Söldner flogen Drohnen und lieferten in den ersten Kriegsmonaten tragbare Flugabwehrraketen an die RSF. Ukrainische Piloten und Spezialkräfte arbeiteten eine Zeit lang zusammen mit den SAF, unter anderem, um al-Burhan aus dem belagerten Militärhauptquartier zu befreien. Zur Auflösung der Fußnote[24] Iran, Russland und die Ukraine scheinen aber in den letzten Jahren keine Rolle mehr für die militärische Unterstützung der SAF zu spielen.

Die RSF arbeiteten derweil mit einem Hauptunterstützer zusammen, den VAE. Von Dubai aus operiert laut US-Finanzministerium ein Netzwerk von 50 Unternehmen, das die militärische und finanzielle Versorgung der RSF sicherstellt. Zur Auflösung der Fußnote[25] Seit September 2024 wurden hunderte von Söldnern aus Kolumbien über die VAE nach Darfur gebracht, wo sie die RSF mit spezialisierten Kenntnissen unterstützten. Zur Auflösung der Fußnote[26] Während China sich politisch auf die SAF konzentriert, landen chinesische Waffen wie Artillerie, Munition und Drohnen aus kommerziellen Gründen auf beiden Seiten des Konflikts. Zur Auflösung der Fußnote[27]

Die VAE-unterstützten Waffenlieferungen beziehen eine Reihe von Nachbarländern mit ein. Die wichtigsten Routen laufen dabei über den von den Libyan Arab Armed Forces von Chalifa Haftar kontrollierten Teil Libyens, über Tschad sowie seit Ende 2025 auch über Äthiopien. Die RSF-Führer treten offen in Kenia und Uganda auf, deren Präsidenten gute Beziehungen zu den VAE pflegen.

Eine Mischung verschiedener Motive treibt die VAE an. Sie haben Interesse am landwirtschaftlichen Potenzial des Sudan, wollen eine Hafeninfrastruktur an der sudanesischen Küste wie bereits in anderen ostafrikanischen Ländern betreiben, und sind dazu das wichtigste Ziel von Goldexporten aus dem Sudan. Hinzu kommt ihre ideologische Opposition gegen die Muslimbruderschaft sowie persönliche Netzwerke und Überzeugungen der VAE-Führung, die bislang weder im eigenen Land noch im Ausland spürbare Konsequenzen wegen ihrer destabilisierenden Rolle erlebte. Zur Auflösung der Fußnote[28]

Vermittlungsansätze

Der Krieg im Sudan steht auch für die Krise der internationalen Konfliktbearbeitung insgesamt. Bisherige Ansätze, die von einigermaßen einheitlichem Druck, Anreizen und Expertise geprägt waren, sind angesichts der vielfältigen ausländischen Interessen im Sudan kaum noch zu erreichen. Zur Auflösung der Fußnote[29] Stattdessen konkurrieren Mittelmächte und internationale Organisationen um die Kontrolle von Mediationsformaten, um ihren Einfluss im Sudan sowie ihre Relevanz unter Beweis zu stellen. Diplomatische Treffen beschäftigen sich dann oft damit, Zugang zu diesen Formaten zu erlangen und sie aufeinander abzustimmen. Die Konfliktparteien nutzen die internationale Uneinigkeit dazu, Legitimität zu gewinnen, während sie die Kämpfe fortsetzen.

Zwei Hauptformate haben sich in der Vermittlung herauskristallisiert. Die Quad-Initiative der USA, Ägyptens, Saudi-Arabiens und der VAE hat das Ziel, eine humanitäre Waffenruhe als Zwischenschritt zu einem dauerhaften Waffenstillstand zu vereinbaren. Indirekte Gespräche mit hochrangigen Vertretern der beiden Hauptkonfliktparteien fanden statt. Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien, die Ende 2025 eskalierte, behindert jedoch Fortschritte.

Das Quintett von Afrikanischer Union als Führung, der Intergovernmental Authority on Development, der Arabischen Liga, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union bemüht sich seit Anfang 2026 darum, in Konsultationen und Workshops mit Vertreter:innen politischer Parteien und der Zivilgesellschaft Parameter für einen neuen Übergangsprozess zu definieren. Die Organisationen haben jedoch teilweise nur sehr begrenzte Kapazitäten für den Prozess bereitgestellt. Die wichtigsten politischen Parteien sind fragmentiert, da sich ihr Führungspersonal entweder dem unabhängigen Block „Somoud“, dem „Democratic Bloc“ (pro-SAF) oder der RSF-geführten „Tasis“-Koalition angeschlossen hat, die oft nicht zusammen in einem Raum verhandeln wollen. Auch bei Frauen- oder Jugendgruppen ist häufig umstritten, wer das Mandat hat, an einem international unterstützten Prozess teilzunehmen. Beide Vermittlungsinitiativen miteinander zu verbinden, bleibt eine Herausforderung.

Fazit

Im Sudan gibt es eine erhebliche Lücke zwischen dem Bedarf einer umfassenden, inklusiven Antwort, welche die strukturellen Konfliktursachen wie die Fragmentierung des Sicherheitssektors, die Politisierung des Militärs und die Ausbeutung der Peripherien angeht, und den Ansätzen, die angesichts der aktuellen Weltlage möglich scheinen. Ein Waffenstillstand, so wichtig er wäre, liefe ohne weiteren politischen Prozess Gefahr, die De-facto-Teilung des Landes zu zementieren. 2025 rief die Tasis-Koalition eine eigene Regierung mit Sitz in Nyala und geführt von Hemeti aus.

Die Koalitionen, welche die SAF und die RSF für den Kampf zusammengestellt haben, zeigen interne Zerfallserscheinungen und Rivalitäten. Mediator:innen können diese bisweilen als Hebel nutzen. Es ist jedoch auch möglich, dass sie den Auftakt für gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb der beiden Lager bilden.

Umso wichtiger wird es deswegen sein, die jeweiligen lokalen Konstellationen in unterschiedlichen Landesteilen in einem möglichen Friedensprozess zu berücksichtigen. Auf lokaler Ebene sind es bereits jetzt vorwiegend engagierte Freiwillige, die sich um die Versorgung der Bevölkerung kümmern – gerade dort, wo internationale Hilfsorganisationen nicht hinkommen. Traditionellen, religiösen oder wirtschaftlichen Eliten ist es gelungen, kurzzeitige lokale Waffenstillstände zu vereinbaren. Zur Auflösung der Fußnote[30] Diese lokalen Initiativen mit Vermittlungsprozessen auf nationaler wie auch regionaler Ebene zu verbinden, wird von zentraler Bedeutung sein, um Frieden im Sudan zu schaffen.

Fußnoten

  1. Zur Erwähnung der Fußnote  [1]Vgl. UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, Global Humanitarian Overview 2026, Genf 2025.
  2. Zur Erwähnung der Fußnote  [2]Vgl. International Organisation on Migration, DTM Sudan Displacement and Return Snapshot (6), 15.6.2026, Externer Link: https://dtm.iom.int/reports/dtm-sudan-displacement-and-return-snapshot-6.
  3. Zur Erwähnung der Fußnote  [3]Vgl. Integrated Food Security Phase Classification, Special Report Sudan, 3.6.2026.
  4. Zur Erwähnung der Fußnote  [4]Vgl. Douglas H. Johnson, The Root Causes of Sudan’s Civil Wars: Old Wars and New Wars, 3. Auflage, Rochester 2016.
  5. Zur Erwähnung der Fußnote  [5]Vgl. Alex de Waal, Counter-Insurgency on the Cheap: The Road to Darfur, in: London Review of Books 15/2004, Externer Link: https://www.lrb.co.uk/the-paper/v26/n15/alex-de-waal/counter-insurgency-on-the-cheap.
  6. Zur Erwähnung der Fußnote  [6]Vgl. Julie Flint/Alex de Waal, Darfur: A New History of a Long War, London 2008.
  7. Zur Erwähnung der Fußnote  [7]Vgl. Willow Berridge/Alex de Waal/Justin Lynch, Sudan’s Unfinished Democracy. The Promise and Betrayal of a People’s Revolution, London 2022.
  8. Zur Erwähnung der Fußnote  [8]Vgl. Joshua Craze/Raga Makawi, The Republic of Kadamol. A Portrait of the Rapid Support Forces at War, Small Arms Survey, Genf 2025.
  9. Zur Erwähnung der Fußnote  [9]Vgl. Jérôme Tubiana/Clotilde Warin/Gaffar Mohammud Saeneen, Multilateral Damage. The Impact of EU Migration Policies on Central Saharan Routes, Den Haag 2018.
  10. Zur Erwähnung der Fußnote  [10]Vgl. Gerrit Kurtz, Machtbeziehungen in Sudan nach dem Fall Bashirs: Von der Revolution zum Krieg, Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-Studie 10/2024, S. 20.
  11. Zur Erwähnung der Fußnote  [11]Vgl. ders., Die Spoiler von Darfur: Im Schatten des gescheiterten Übergangsprozesses verschärft sich die Konfliktsituation in Sudans Westen, SWP-Aktuell 54/2022.
  12. Zur Erwähnung der Fußnote  [12]Vgl. Volker Perthes, Sudan’s Transition to War, in: Survival Aug-Sept/2024, S. 127–148, hier S. 135.
  13. Zur Erwähnung der Fußnote  [13]Vgl. Hager Ali, The War in Sudan: How Weapons and Networks Shattered a Power Struggle, GIGA Fokus 2/2024, Externer Link: https://www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/the-war-in-sudan-how-weapons-and-networks-shattered-a-power-struggle.
  14. Zur Erwähnung der Fußnote  [14]Vgl. Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/60/22, Sudan: A War of Atrocities, vorgestellt auf seiner 60. Tagung (8.9.–3.10.2025).
  15. Zur Erwähnung der Fußnote  [15]Vgl. Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), „They were shooting us like animals“: RSF Final Offensive and Capture of Besieged El Fasher (24–30 October 2025), Genf 2026, Ziff. 50f.
  16. Zur Erwähnung der Fußnote  [16]UNHRC, Independent International Fact-Finding Mission for the Sudan, A/HRC/61/77, Sudan: Hallmarks of Genocide in El-Fasher, vorgestellt auf seiner 61. Sitzung (23.2.–2.4.2026), S. 18 (eigene Übersetzung).
  17. Zur Erwähnung der Fußnote  [17]Vgl. International Crisis Group, Sudan’s Calamitous War: Finding a Path Toward Peace, Crisis Group Africa Briefing 204/2025, Externer Link: https://www.crisisgroup.org/brf/africa/horn-africa/sudan/b204-sudans-calamitous-war-finding-path-toward-peace.
  18. Zur Erwähnung der Fußnote  [18]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Denis M. Tull, The Myth of the Gamechanger: Drones and Military Power in Africa, Megatrends Policy Brief 33/2025, Externer Link: https://doi.org/10.18449/2025MTA-PB33.
  19. Zur Erwähnung der Fußnote  [19]Vgl. Gerrit Kurtz, Wie man über den Krieg in Sudan sprechen sollte – und wie nicht, 22.4.2024, Externer Link: https://www.megatrends-afrika.de/publikation/mta-spotlight-30-wie-man-ueber-den-krieg-in-sudan-sprechen-sollte-und-wie-nicht.
  20. Zur Erwähnung der Fußnote  [20]Vgl. Declan Walsh et al., The Secret Egyptian Air Base Behind Sudan’s Drone War, 1.2.2026, Externer Link: https://www.nytimes.com/2026/02/01/world/africa/egypt-sudan-drones.html.
  21. Zur Erwähnung der Fußnote  [21]Vgl. Nicholas Bariyo/Benoit Faucon, Iran Tried to Persuade Sudan to Allow Naval Base on Its Red Sea Coast, in: Wall Street Journal, 3.3.2024.
  22. Zur Erwähnung der Fußnote  [22]Vgl. Eritrea Military Training Camps Raise Concerns About Security in Eastern Sudan, 26.1.2024, Externer Link: https://www.dabangasudan.org/en/all-news/article/eritrea-training-camps-raise-concerns-about-security-situation-in-eastern-sudan.
  23. Zur Erwähnung der Fußnote  [23]Vgl. Declan Walsh/Ivor Prickett, A War on the Nile Pushes Sudan Toward the Abyss, 5.4.2024, Externer Link: https://www.nytimes.com/2024/06/05/world/africa/sudan-khartoum-darfur-war.html.
  24. Zur Erwähnung der Fußnote  [24]Vgl. Ian Lovett/Nicholas Bariyo/Nikita Nikolaienko, Ukraine Is Now Fighting Russia in Sudan, 6.3.2024, Externer Link: https://www.wsj.com/world/ukraine-is-now-fighting-russia-in-sudan-87caf1d8.
  25. Zur Erwähnung der Fußnote  [25]Vgl. U.S. Department of the Treasury, Treasury Sanctions Sudanese Paramilitary Leader, Weapons Supplier, and Related Companies, 7.1.2025, Externer Link: https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy2772.
  26. Zur Erwähnung der Fußnote  [26]Vgl. Human Rights Watch, From Bogotá to El Fasher. The UAE’s Role in the Deployment of Colombian Fighters and Other Backing to the Rapid Support Forces in Sudan, 25.5.2026.
  27. Zur Erwähnung der Fußnote  [27]Vgl. China’s Hidden Hands: How Chinese Weapons Are Fueling Both Side of Sudan’s War, 4.6.2025, Externer Link: https://3ayin.com/en/china-/.
  28. Zur Erwähnung der Fußnote  [28]Vgl. Gerrit Kurtz/Wolfram Lacher/Stephan Roll, Die destabilisierende Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate in afrikanischen Konflikten, SWP-Aktuell 22/2026.
  29. Zur Erwähnung der Fußnote  [29]Vgl. Gerrit Kurtz, Frieden in der Krise: Konfliktbearbeitung am Horn von Afrika, SWP-Studie 10/2026.
  30. Zur Erwähnung der Fußnote  [30]Vgl. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNDP Sudan, Bridging Divides. Local Peace Initiatives in Sudan, Khartum 2025.

The Tigray Region in the Grey Zone between War and Peace

The Conflict Between the TPLF and the Ethiopian Government Has the Potential to Escalate beyond the Country’s Borders

SWP Comment 2026/C 29, 22.07.2026 (see the German version here)

Tensions between Addis Ababa and the Tigray Region are gradually mounting. Mis­calculations could even trigger another large-scale war, although the parties involved may not directly seek one. Since the war in northern Ethiopia ended in November 2022, no new, stable political order has emerged. Tigray remains suspended between war and peace. Responsibility for this lies with both the Ethiopian government and its partner in peace, the Tigray People’s Liberation Front (TPLF). Having lost power in the national government in 2018, the TPLF has yet to find a new role for itself; in­stead, it has been marked by internal power struggles and characterised by authoritarian tendencies. Conversely, the Ethiopian government has not done enough to facilitate the return of internally displaced persons and restore Tigray’s territorial integrity. A renewed outbreak of hostilities could draw in Eritrea, Sudan and other regional actors. Germany and the European Union (EU) should firmly commit to crisis prevention in order to avoid further escalation in the already tense Red Sea region.

Relations between the TPLF and the Ethio­pian government resemble a strategic game: Every move by one side prompts a response from the other. Accompanied by threatening rhetoric, both sides are testing how far they can go. Violence is part of their estab­lished repertoire.

On 8 April 2026, the Ethiopian government extended the mandate of the Tigray Interim Regional Administration (TIRA) by one year. General Tadesse Worede was to remain president in Mekelle. The TPLF, which was not consulted on the extension (though it had been involved in Tadesse’s appointment a year earlier), did not recog­nise the decision. Instead, it reinstated the regional parliament, which had emerged from elections organised unilaterally in 2020. On 5 May 2026, that parliament elected TPLF chairman Debretsion Gebre­michael president of the regional government. This administration, in turn, is not recognised by the Ethiopian government. Debretsion’s regional government stripped Tadesse of his powers. At the same time, the Tigray Defense Forces (TDF) – the regional government’s armed forces – are recruiting new fighters. Since last year, armed actors from Tigray have repeatedly engaged in brief violent clashes, with the Ethiopian National Defense Forces (ENDF) intervening on several occasions with drone strikes.

This is not some obscure political power struggle confined to the local level. The war from 2020 to 2022 was one of the deadliest armed conflicts worldwide in recent decades. The Pretoria Agreement, which ended the war, hangs by a thread. Ethiopia is the most populous country in the strategically im­portant Horn of Africa region.

The Pretoria Agreement’s fault lines

The cessation-of-hostilities agreement signed by the TPLF and the Ethiopian govern­ment in November 2022 in Pretoria, South Africa – after mediation by the African Union (AU), the Intergovernmental Authority on Development (IGAD) and the United States – remains an important framework for relations between Tigray and Addis Ababa, in the absence of alternatives.

The Pretoria Agreement brought about a noticeable improvement in living condi­tions in Tigray in the first few months fol­lowing its signing. Hostilities ceased and the government lifted the economic block­ade of the region and restored essential services (electricity, banking, telecommunications) that had been suspended during the war. The TPLF handed over its heavy weaponry under AU supervision.

The TPLF agreed to dissolve the regional government it had formed unilaterally in 2020 and, in consultation with Addis Ababa, establish an interim regional administration in March 2023. From the outset, however, the interim administration found itself in a difficult position, as it was also held account­­able by the people of Tigray for the Ethio­pian government’s failings.

These failures are particularly evident in three key areas concerning the implementation of the Pretoria Agreement. The first con­cerns the status of areas that belonged to the Tigray Region before the war and were occupied by Amhara militias and the ENDF at the start of the conflict. These include the Western and Southern Zones of the local administration, as well as Tselemti south of the Tekeze River (see map). The neighbouring Amhara Region claims these areas, which had in fact not formed part of Tigray prior to 1991. The Pretoria Agreement merely states that their status should be resolved in accordance with the Consti­tution. However, the steps necessary for a constitutional settlement have not yet been taken.

The Western Zone of Tigray is of strategic importance. Sesame and cotton are grown there on large agricultural estates for ex­port. The Ethiopian government fears that the TPLF could link up with armed groups across the border with Sudan and organise its own supply lines.

Second, closely linked to this territorial issue, is the plight of internally displaced persons. During the civil war, around 1.9 million people were displaced within and from Tigray. More than three years after the Pretoria Agreement, around 750,000 people remain displaced in the region, according to the UN High Commissioner for Refugees mainly from areas controlled by Amhara forces. With a total population of around six million, this represents a considerable burden. Displaced people who have been able to return to the disputed areas often find their homes destroyed or occupied. They also lack access to essential services. Without a mutually agreed resolution regarding political control of these areas, returns will remain difficult.

The third area of concern is the demobilisation, disarmament and reintegration (DDR) of TDF soldiers. In Tigray alone, around 274,000 people have been registered for the DDR programme. Some 63,000 people have gone through the DDR process in Ti­gray to date. However, the process has stalled since 2025. Many of the soldiers live in poor­­ly supplied camps. In some cases, the TIRA has allocated more than half of its budget solely to the fighters still awaiting demobilisation. These funds were consequently unavailable for the region’s development.

These unresolved issues also stood in the way of the region’s reintegration into Ethio­pia’s political system. No elections were held either for a new regional parliament or to elect Tigrayan representatives to the parliament in Addis Ababa, although the Pretoria Agreement had stipulated this. The entire Tigray Region was excluded from the general elections that took place on 1 June 2026.

The TPLF’s search for a role

Following the devastating war in northern Ethiopia, an intense debate began within the TPLF and among the Tigrayan elite more broadly. How had violence on such a scale come about? How much responsibility lay with the TPLF, which had dominated Tigray’s politics for five decades, and how much compromise could still be reached with Addis Ababa?

Key actors in the conflict ENDF: Ethiopian National Defense Forces (regular armed forces) TDF: Tigray Defense Forces (Tigray’s regular security forces) TIRA: Tigray Interim Regional Administration (stripped of power since May 2026) TPLF: Tigray People’s Liberation Front (political party) TPF: Tigray Peace Force (a splinter group of the TDF, pro-Addis Ababa)

The discussions also touched on the fun­damental question of Tigray’s place within Ethiopia’s state structure. Since the end of the 19th century, political elites from Tigray and Amhara had been competing for supremacy in Ethiopia. The rivalry esca­lated into several violent conflicts, such as the civil war against the Derg military re­gime from 1974 to 1991. The TPLF subsequently controlled the state and the econo­my for 27 years as part of a coalition of parties, until Abiy Ahmed, who is from Oromia, came to power in 2018. Under Abiy’s more centralised rule, the TPLF is unlikely to be able to play a national role any longer. However, according to an aca­demic from the region, many Tigrayan elites, including those in the TPLF, simply cannot accept their peripheral status.

In the post-war discussions, the interim administration was a bone of contention within the TPLF. Abiy prevented TPLF Chair­man Debretsion from becoming its head, whereupon the TPLF Central Committee elected Getachew Reda – its chief negotiator in Pretoria and former Minister of Com­munications – whom Abiy eventually ap­pointed in March 2023. Getachew’s govern­ment was caught between the uncompro­mising stance of the TPLF leadership led by Debretsion and the delaying tactics of the federal government in Addis Ababa.

In August 2024, the power struggle with­in the TPLF erupted into the open. The TPLF convened a party congress at short notice, which Getachew and other members of the TIRA boycotted. Shortly afterwards, Geta­chew and 15 others were expelled from the party. Getachew’s position soon became untenable. After the TPLF had already taken over parts of the administration with the help of security forces, Abiy dismissed Geta­chew in March 2025 and, following negotia­tions with Debretsion, replaced him with Tadesse Worede. Tadesse had previously headed the TIRA’s Peace and Security Bureau and, in that capacity, had controlled the TDF.

However, replacing the regional president did not resolve the underlying prob­lems. Tadesse soon encountered difficulties and resistance similar to those faced by his predecessor.

At the same time, relations between the TPLF and the Ethiopian state deteriorated. The National Election Board of Ethiopia (NEBE), which also oversees the political party system, had only re-registered the TPLF in 2024 (following its ban during the war) subject to certain conditions. The TPLF was required to hold a party congress to elect a leadership and adopt a constitution. The TPLF refused to comply with the legal framework, as this would have required it to register as a new political party, thereby renouncing its historical continuity. Fur­thermore, the TPLF argued that, as a signa­tory to the Pretoria Agreement, it was al­ready recognised as a political party. In May 2025, the NEBE ultimately revoked the TPLF’s registration. From the Ethiopian government’s perspective, the TPLF there­fore no longer exists as a legal entity. This complicates the initiation of direct talks.

The TPLF also faces a legitimacy problem within Tigray itself. On two occasions – March 2025 and May 2026 – it replaced previously legitimised interim administrations in Mekelle, partly through the use of force. Opposition politicians from Tigray report that they and their supporters are occasionally harassed and arrested. The TPLF has declared a “zero tolerance” policy towards media outlets that promote the agenda of its opponents. Tens of thousands of people, mainly young people from Tigray, have left Ethiopia in search of work, usual­ly heading for the Arabian Peninsula. In this situation, the TPLF benefits from the grey zone between war and peace in which Tigray finds itself. Its constant warnings about the Ethiopian government’s machi­nations help it to justify its own extra-legal measures.

Abiy the juggler

The Ethiopian government under Prime Minister Abiy faces its own challenges. It aims to drive forward the country’s ongo­ing political and economic transformation, moving away from the ethnic federalism and developmental-state model established under TPLF rule, and towards a unitary state and a controlled opening of the mar­ket economy.

Abiy must balance the interests of various groups without becoming dependent on them. He appears to be pursuing a strat­egy of dividing the opposition and thereby weakening it. A controversial national dia­logue, which could pave the way for con­stitutional amendments, is also part of his toolkit. However, no consultations for the national dialogue have taken place yet in Tigray itself.

Addressing and resolving the outstanding issues in the implementation of the Pre­toria Agreement would have meant jeopar­dising fragile relations with key groups. Clarifying the territorial status of Western Tigray by means of a referendum, which the government had proposed, would have required determining who was eligible to vote, particularly among people displaced from Tigray and new arrivals from Amhara.

The same applied to the government’s commitment to ensure the withdrawal of all “non-ENDF” troops, meaning primarily Amhara militias and Eritrean forces. Al­though Eritrean troops withdrew from cen­tral Tigray, they remained present in the north-east of the region, particularly in Zalambessa and Irob.

The government in Addis Ababa also capitalised on tensions within Tigray, which it actively fuelled, at least in certain in­stances. TDF fighters dissatisfied with the TPLF’s course split off in 2025 and began to form their own militia under the name Tigray Peace Force (TPF, Hara Meret in Ti­grinya). The ENDF appear to be supporting the TPF with ammunition, rations and pay. In November 2025, the ENDF deployed drones against the TDF as it pursued the TPF across the border into Afar.

In May 2026, Getachew, together with his new party, Simret, and other parties, founded the “Peace and Change Council”, which also includes TPF members. The coa­lition is led by General Tsdadkan Gebre­ten­sae, who commanded the TDF during the war and served as vice-president of the TIRA under Getachew. The Peace and Change Council aims to remove the TPLF from power in Tigray “by any means necessary”, as stated at its founding. Getachew has offi­cially served as Abiy’s adviser on East Africa, with the rank of minister, since April 2025.

“Tsimdo” and Eritrea’s interests

For its part, the TPLF is cooperating with its former arch-enemy, Eritrea. Initial contacts reportedly took place as early as the begin­ning of 2024 in Dubai, when Getachew met with Eritrean representatives on behalf of the TPLF and – according to Debretsion – with Abiy’s encouragement. A strategic objective of the TPLF is to ensure that it can no longer be cut off from the world by the government in Addis Ababa, as happened during the previous war.

As part of this rapprochement, Eritrea launched the “Tsimdo Selam” initiative in 2025. Representatives of Tsimdo describe it as a “grassroots peace movement” between related peoples in the border region of Ethi­opia, Eritrea and Sudan. However, given the actors involved in this alliance, Addis Ababa views the initiative as an anti-Ethio­pian alliance comprising the TPLF, Eritrea, the Fano (from Amhara) and other opposi­tion movements, which it claims is pre­paring a joint military offensive.

Eritrea has come a remarkable way – from fighting alongside the ENDF against the TPLF to becoming an ally of the TPLF against the Ethiopian government. For President Isaias Afwerki, the threat environ­ment has since shifted. Since 2023, Abiy has regularly spoken of Ethiopia’s right to access the sea and described the Red Sea as Ethiopia’s “natural boundary”. In November 2025, Ethiopian Foreign Minister Gedi­on Timothewos stated that Ethiopia had long had sufficient grounds to wage war against Eritrea, but was refraining from doing so out of a sense of responsibility.

Against this backdrop, Eritrea has an interest in overcoming its regional isolation without abandoning its existing totalitarian model of rule. That model also relies on constantly emphasising the threat of exter­nal interference, particularly by Ethiopia, in order to justify the continued militarisation of society.

There is a widespread willingness in the region to cooperate with a former enemy when that enemy is regarded as the “lesser evil” compared with the principal adversary, as discussions with various political actors in Ethiopia have shown. This calcula­tion shapes the TPLF’s relations with Eri­trea, those of the Fano with the TPLF, and also relations between the Peace and Change Council and the government in Addis Ababa. The actors assume that they can exploit each other’s interests for their own ends. It is a tactical collaboration, not a strategic alliance.

Regional entanglements

Tensions in northern Ethiopia involve not only Eritrea but also other regional actors that could contribute to an escalation and link it to ongoing armed conflicts.

For instance, Ethiopia’s relations with the Sudanese Armed Forces (SAF), which control most of the border with the neigh­bouring country, have deteriorated signifi­cantly in recent months. Since late 2025, Ethiopia has become one of the principal transit countries for supplies to the Rapid Support Forces (RSF) from the United Arab Emirates (UAE), as evidenced by dozens of suspicious cargo flights per month and satellite imagery from Benishangul-Gumuz. The SAF also accuses Ethiopia of facilitating Emirati drone strikes against Sudanese tar­gets, citing, among other evidence, the flight data of a Turkish-made Akıncı drone shot down in May 2026.

Addis Ababa, for its part, views the pres­ence in Sudan of Army 70 – an armed group from Tigray with links to the TPLF – with concern. Army 70 has intervened in the war there on the side of the SAF. The group reportedly comprises several thou­sand fighters who could operate from the Sudanese border in the event of a potential conflict over Western Tigray.

Furthermore, Eritrea is strengthening its ties with Egypt, which is in dispute with Ethiopia over control of Nile waters. In June 2026, Asmara and Cairo agreed to cooperate in various sectors, including the maritime economy. Egypt also intends to participate in developing the ports of Assab and Mas­sawa – precisely those ports in which Abiy has expressed an interest through his rheto­ric on access to the sea.

Another factor influencing the region is the rivalry between the UAE and Saudi Arabia. The UAE is one of Abiy’s closest financial and military partners, whereas Saudi Arabia views further militarisation of the Red Sea with scepticism. In 2020, Riyadh established the Red Sea Council, a regional initiative of the littoral states, of which Eritrea is a member. The blockade of the Strait of Hormuz reinforces the eco­nomic importance of the Red Sea for Saudi oil exports. Transnational smuggling routes for Iranian weapons and military materiel in the Red Sea also affect Riyadh’s security interests. Saudi Arabia has in the past attempted to mediate between Ethiopia and Eritrea. However, these efforts failed be­cause the negotiations did not address the military use of Assab, a key interest for Ethiopia.

Sporadic violence and risks of war

Tensions between the TPLF and Addis Ababa are gradually escalating, without, so far, reaching a full-blown crisis. Both sides pre­sumably do not wish to risk a repeat of the devastation of the last war, but have al­ready shown that they remain prepared to use military force to advance their interests. Since the TPLF took power in March 2025, there have been several clashes between the TDF and the ENDF. At the end of January 2026, TDF units advanced across the Tekeze River into Tselemti, and a few days later also into areas of Southern Tigray. Heavy fighting ensued, during which the ENDF also deployed drones. The clashes ended, however, when the TDF withdrew to their original positions. Tadesse, then head of the TIRA, said on regional television: “The force we sent was not sent to ignite a war. It was sent to carry out a manoeuvre-type opera­tion, to create pressure so that the issue of displaced persons’ return and our sovereign territorial rights would move forward as a renewed agenda and elicit a response.” The Ethiopian government responded to the incident by massing troops along the borders with Tigray for several months.

The pressure on the TPLF to act is real, despite all its self-justification. There are shortages of cash, fuel and medicines. Since October 2025, Addis Ababa has fallen be­hind on its transfers to the regional admin­istration in Tigray. Public-sector employees, such as teachers, are not being paid. The population is caught in the crossfire be­tween the TPLF and Addis Ababa.

The politicisation of the TDF is further exacerbating the conflict. The TDF emerged as a cross-party resistance movement with many volunteers following the ENDF’s first offensive in 2020/21. However, in January 2025, TDF commanders openly sided with Debretsion and supported the TPLF’s take­over of the regional administration. There are now reports of forced conscription. In June, the regional assembly passed legisla­tion to mobilise troops and established a command post under Debretsion’s leader­ship. Resorting to forced recruitment con­firms reports that the TDF cannot rely on a substantial proportion of its troops being willing to fight. War fatigue is widespread, particularly given the prospect of a possible civil war within Tigray.

For both the TPLF and Abiy, the legitimacy of any potential military action is of great importance. Each side seeks to portray the other as the aggressor. The TPLF repeat­edly warns of the risk of war in open letters to international actors such as the AU, the United Nations and Western embassies. Conversely, the Ethiopian government warns international partners of alleged war preparations by the TPLF and Eritrea.

Neither the TPLF nor the Ethiopian government can fully control the escalation. There is a risk that smaller militias, such as the Tekeze Guards in Amhara-controlled Western Tigray, the TPF in Afar or the TPLF’s Army 70 in Sudan, might undertake military actions driven by local motives. The ENDF or TDF might then feel compelled either to follow their respective local partners or to respond to the limited actions of the militias. In this tense atmo­sphere, it is essential that reliable channels of communication are in place to ensure that miscalculations or misunderstandings do not escalate into a major conflict.

International entry points for prevention

International actors should press strongly to break the current spiral of escalation. A renewed outbreak of hostilities in northern Ethiopia could easily spill over into neigh­bouring countries. It is not yet too late to prevent the next war in the Horn of Africa. The TPLF and the governments in Addis Ababa and Asmara should cease their threats; the TPLF should register as a politi­cal party, and Addis Ababa should end Tigray’s economic isolation. These actors are likely to take such steps only if the other sides also cooperate. This requires international mediation.

The AU is taking the lead as mediator through its reinstated Special Envoy, Oluse­gun Obasanjo, who visited Mekelle in mid-June 2026. Other potential actors include the governments directly involved in the Pretoria Agreement: the United States, Kenya (with former President Uhuru Ken­yatta) and South Africa. Saudi Arabia and Turkey could also play a constructive role, particularly at the intergovernmental level, if they so wish.

Mediation will only succeed if it is genu­inely impartial and if the various levels of negotiation are properly coordinated. Uni­lateral pressure on one side of the conflict is likely to prove counterproductive. The United States runs the risk of having breached precisely this fundamental pre­requisite with its recent measures. For in­stance, it lifted its ban on arms exports to Ethiopia and imposed visa restrictions on TPLF leaders. The European Commission, too, must ask how conflict-sensitive its decision was to resume budget support for Ethiopia, even though its callmade three years earlier – for an investigation into war crimes had not been heeded. In a state­ment, the EU delegation to Ethiopia criti­cised the TPLF for its unilateral actions, but not the Ethiopian government for the eco­nomic isolation of Tigray. It is also clear, however, that public pressure is unlikely to deter the parties involved from further escalation; one-sided rhetoric could instead encourage them to take risks.

The German government should ensure that EU institutions adopt a balanced posi­tion towards the parties to the conflict. The German and European role should not be limited to supporting the ongoing AU medi­ation, particularly as the AU has traditionally been reluctant to criticise its host coun­try, Ethiopia.

The most important lever for influencing the Ethiopian government lies in the multi­billion-dollar programmes run by the World Bank and the International Monetary Fund (IMF), within whose governing bodies EU member states wield considerable influence. Germany should advocate for a joint message to the Ethiopian government that another large-scale war would jeopardise the successful continuation of these pro­grammes. The IMF itself has already high­lighted precisely this risk. The IMF and the World Bank should also take a more critical view of Ethiopia’s high gold exports, a sub­stantial share of which originates from informal mines in Tigray.

Germany and the EU should also raise the crisis in Ethiopia in discussions with extra-regional partners such as Egypt, Saudi Arabia, the UAE, Israel and Turkey. A key shortcoming following the Pretoria Agree­ment was that its implementation was not accompanied by a regional dialogue mecha­nism for security in the Horn of Africa. The current geopolitical rivalry in this region could at least be mitigated through greater communication, transparency and regular dialogue formats involving the states in the region and the external actors mentioned. Establishing a joint format will be difficult due to these rivalries; therefore, international special envoys will need to continue to work intensively to maintain these chan­nels of communication and coordinate their efforts. As a matter of preventive diplomacy, this engagement is more nec­essary than ever.

Peace in Crisis: Conflict Management in the Horn of Africa

SWP Research Paper 2026/RP 10, 17.06.2026

  • The system of international conflict management is in deep crisis. Relevant instruments such as UN peace operations are being withdrawn, normative and power-political preconditions (for example, US-guaranteed international order) no longer apply and all too often agreements have led to the entrenchment of violent authoritarian systems rather than their transformation.
  • This crisis is particularly evident in the Horn of Africa. Neither peace agreements concluded under significant international pressure (as in the case of South Sudan) nor those negotiated between armed actors with virtually no mediation (as in Sudan in 2020) have brought about stability. Rather, governments (such as that of Ethiopia) have regularly exploited peace processes to secure their own rule.
  • More recent mediation processes have been primarily a function of regional rivalries and the diplomatic interests of the external actors involved (as has been the case in Sudan since the current war began in April 2023). If foreign support is available, the parties to the conflict have fewer incentives to make compromises.
  • Because mechanisms for implementing agreements are poorly resourced and receive little political support, there is no inclusive political process following ceasefires to address the root causes of the conflict. Sooner or later, fighting flares up once again.
  • As far as European contributions to conflict resolution in the Horn of Africa are concerned, there are lessons to be learned from this crisis. Europe should neither cling nostalgically to what is a largely defunct system of conflict management, nor should it, out of frustration, adopt approaches dominated solely by security considerations. Instead, it should support civilian peace initiatives, help political economies of violence die out and rethink its own cooperation with governments that exacerbate conflict (such as that of the United Arab Emirates).

Äthiopien und das Meer

Seit Jahren fordert Addis Abeba einen eigenen Meereszugang. Dabei richtet sich der Fokus auf Eritrea, doch die bilateralen Beziehungen sind schwer belastet. Für einen Kompromiss am Horn von Afrika fehlt derzeit das notwendige Vertrauen.

in: Internationale Politik Juli/August 2026, 29.06.2026

Die Botschaft war nicht sehr subtil. Bei einer Militär­parade im Februar 2026 in Awassa zeigten die äthiopischen Streitkräfte ein riesiges Banner. Auf diesem war ein Soldat zu sehen, der eine Tür eintritt, und daneben die Worte: „Ob sie es mögen oder nicht, wir werden kein Binnenstaat sein.“

Die äthiopische Regierung spricht immer wieder von ihrem Recht auf einen souveränen Zugang zum Meer. Denn seit der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 ist Äthiopien ein Binnenstaat – mit rund 135 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste weltweit. Bei einer Rede vor Parlamentsabgeordneten sprach Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali 2023 davon, dass sein Land nicht in einem „geografischen Gefängnis“ leben dürfe. Und fast so, als wäre der Premier ein außenstehender Beobachter, führte Abiy aus, dass es sonst zu einem Konflikt kommen könne: Das Rote Meer sei „die natürliche Grenze Äthiopiens“.

Aus historischer Perspektive ist das eine eher selektive Darstellung. Denn trotz vorherigen abessinischen Einflusses kontrollierten vom Osmanischen Reich abhängige Herrscher über Jahrhunderte die heutige eritreische Küste am Roten Meer, bevor diese erst unter ägyptisch-britischen Einfluss und anschließend unter italienische Kolonialherrschaft kam; im Jahr 1869 kaufte Italien den Hafen von Assab.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte Äthiopien direkten Zugang zum Roten Meer und baute eine imperiale Marine auf. Nach der Unabhängigkeit Eritreas konnte Äthiopien dessen wichtigste Häfen in Massawa und Assab zu vorteilhaften Konditionen nutzen – bis zu dem verheerenden Grenzkrieg von 1998 bis 2000.

Außenhandel über Dschibuti
Wirtschaftliche Gründe sprechen für eine Diversifizierung der äthiopischen Handelswege. Derzeit muss sich Äthiopien für seinen Außenhandel primär auf
die Stabilität Dschibutis verlassen: 95 Prozent der äthiopischen Im- und Exporte laufen über das kleine Land. Sollte es dort zu Spannungen kommen – beispielsweise angesichts der Basen der USA und Chinas –, hätte das
fatale Folgen für die Versorgung des äthiopischen Marktes. Zudem
kostet die Abwicklung des Außenhandels über Dschibuti Äthiopien jedes Jahr rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Hafen- und Liegegebühren, die in knappen
ausländischen Devisen bezahlt werden müssen. Hinzu kommen erhebliche Ineffizienzen der logistischen Infrastruktur.
Abiy spricht davon, dass Äthiopien eine „Supermacht in Afrika“ werden solle, was ohne eigenen Meereszugang nicht möglich sei. Es geht um die nationale Sicherheit und die „Existenz“ eines Landes in einer spannungsgeladenen Region. Ein Militärhafen mit Landverbindung würde es Äthiopien ermöglichen,
Rüstungslieferungen über den Seeweg zu empfangen, ohne dass Drittstaaten davon Kenntnis erlangen.

Äthiopien baut eine eigene Marine auf, um in der Lage zu sein, Macht im Roten Meer und im Golf von Aden zu demonstrieren.
Denn nicht nur die sich ausweitende ägyptische Kooperation mit Eritrea und Somalia sorgt in Addis Abeba für Unruhe, auch zahlreiche weitere Mittelmächte
wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Israel verfolgen in dieser Region maritime Interessen.

Konflikte mit Eritrea

Wie weit Ministerpräsident Abiy für das Ziel eines souveränen Meereszugangs gehen würde, ist unklar. Er selbst schließt militärische Gewalt und einen Krieg
rhetorisch aus. Den Status quo herauszufordern, gehört aber durchaus zur Methode. Am Neujahrstag 2024 schloss Äthiopien eine Vereinbarung mit
Somaliland. Nach dieser sollte Äthiopien einen Marinehafen an dessen Küste errichten dürfen, wofür die abtrünnige Region Somalias Anteile an Ethiopian
Airlines erhalten sollte – und die Aussicht auf völkerrechtliche Anerkennung. Mogadischu organisierte jedoch einen breiten diplomatischen Protest, näherte
sich Ägypten und Eritrea an und drohte damit, die zur Bekämpfung Al-Shabaabs in Somalia stationierten äthiopischen Truppen des Landes zu verweisen. Nach türkischer Vermittlung einigten sich Abiy und der somalische
Präsident Hassan Sheikh Mohamud Ende 2024 darauf, einen verlässlichen Meereszugang für Äthiopien nur unter somalischer Souveränität zu verfolgen.
Danach schwenkte Äthiopiens Blick hinsichtlich eines Meereszugangs wieder auf Eritrea um.

Die Rhetorik verschärfte sich zusehends. Im Oktober 2025 schickte Äthiopien einen Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, in dem Eritrea vorgeworfen wurde, mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF)
einen Krieg gegen Addis Abeba vorzubereiten. Einen Monat später legte Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos in einer Rede vor ausländischen
Diplomaten ausführlich die Beschwerden gegenüber Eritrea dar. Gedion ging sogar so weit zu sagen, dass ein „Casus Belli“ bereits vorliege, aber Äthiopien
sich bewusst zurückhalte.

In Eritrea treffen solche Aussagen auf eine Regierung, die seit Jahrzehnten vor ausländischer Einflussnahme warnt. Das Vertrauen in internationale Akteure
ist sehr gering. Man fühlt sich immer wieder ungerecht behandelt – zum Beispiel als Äthiopien die Entscheidung der unabhängigen Grenzkommission
nach dem Krieg nicht umsetzte, ohne dafür sanktioniert zu werden. Hingegen erließ der UN-Sicherheitsrat 2009 ein Waffenembargo und Sanktionen gegen
Eritrea wegen dessen Unterstützung für Al-Shabaab; diese wurden erst 2018 aufgehoben.

Nach Abiys Amtsantritt 2018 hatten sich die beiden Länder angenähert, einschließlich persönlicher Treffen von Abiy und dem eritreischen Präsidenten
Isaias Afewerki. Die äthiopischeritreische Zusammenarbeit, das wurde bald deutlich, diente vor allem dazu, gemeinsam gegen die TPLF zu kämpfen. Isaias
machte die TPLF, die zu der Zeit die äthiopische Regierung dominiert hatte, für den Krieg Ende der 1990er Jahre und die darauffolgende internationale
Isolierung verantwortlich. Eritreische Truppen nahmen in großer
Zahl an dem Krieg in Tigray teil und verübten Berichten zufolge massive Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung.
An dem Pretoria-Abkommen, das den Krieg im Norden Äthiopiens
im November 2022 beendete, war Eritrea nicht beteiligt. Wie
Abiy später selbst sagte, wollte Eritrea die TPLF gänzlich vernichten,
statt ihr zu einem neuen politischen Leben zu verhelfen. So kühlte sich das Verhältnis zwischen Asmara und Addis Abeba wieder ab. Eritrea unterstützte
die Fano, amharisch-nationalistische Rebellen, die sich 2023 gegen den äthiopischen Staat wandten.

Doch die Umsetzung des Pretoria-Abkommens stockte, und in der TPLF setzten sich Hardliner durch, welche die Addis Abeba gegenüber treue Übergangsregierung von Tigray entmachteten. Sowohl Asmara als auch die
TPLF stellten ihre gegenseitige Feindschaft zurück und gingen eine taktische Zusammenarbeit ein im Glauben, so die Regierung in Addis Abeba schwächen zu können.


Drohungen, Disruption, Krieg?
Die jahrelange öffentliche Inszenierung des Themas zeigt, dass
es Äthiopien nicht um kurzfristige Interessen geht. Internationale
Legitimität ist ein wichtiger Faktor. Die USA und auch andere Regierungen haben Addis Abeba in klaren Worten gesagt, dass ein offener Einmarsch in Eritrea inakzeptabel wäre. Er würde wahrscheinlich auch das milliardenschwere Programm des Internationalen Währungsfonds
mit Äthiopien gefährden. Gleichzeitig setzen sowohl Washington
als auch die EU derzeit auf Annäherung an Äthiopien.
Die äthiopische Regierung ist sich bewusst, dass ein direkter, konventioneller Krieg mit Eritrea ein hohes Risiko für die eigene Sicherheit darstellen würde. Äthiopien verfügt zwar über moderne Drohnen und ein großes Heer,
aber Eritrea ist seit Jahrzehnten eine stark militarisierte Gesellschaft.
Selbst eritreische Oppositionelle würden eher auf Seiten des autoritären Regimes von Isaias kämpfen, als eine äthiopische
Besatzung zu akzeptieren. Eritrea könnte seinerseits Druck über
die Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von äthiopischen
Oppositionsbewegungen ausüben, auch wenn diese inhaltlich
nicht viel verbindet. Eine weitere Regionalisierung von Konflikten
im Sudan und in Somalia wäre wahrscheinlich.
Vermittlungsbemühungen der USA, Saudi-Arabiens und europäischer
Akteure waren bislang nicht erfolgreich. Ein Kompromiss ist denkbar, der regionale Integration und grenzübergreifende Transportinfrastruktur
mit vertrauensbildenden Sicherheitsmaßnahmen und schließlich einer äthiopischen Marinebasis in Somaliland oder Dschibuti verbindet, aber ohne
extraterritorialen Korridor zum äthiopischen Kernland. Für eine solche Lösung braucht es jedoch das Vertrauen aller beteiligten Seiten. Am Horn von Afrika ist
davon derzeit wenig zu spüren.

Frieden in der Krise: Konflikt­bearbeitung am Horn von Afrika

SWP-Studie 2026/S 10, 08.05.2026, doi:10.18449/2026S10

Das System internationaler Konfliktbearbeitung befindet sich in einer tiefen Krise. Entsprechende Instrumente wie UN-Friedensmissionen werden abgezogen, normative und machtpolitische Voraussetzungen wie eine US-garantierte internationale Ordnung gelten nicht mehr, und bisherige Abkommen haben zu oft eine Vertiefung gewaltsamer autoritärer Systeme statt deren Transformation bewirkt.

Am Horn von Afrika zeigt sich diese Krise besonders deutlich. Stabilität brachten dort weder international erzwungene Friedensabkommen wie in Südsudan noch solche, die wie in Sudan 2020 praktisch ohne Mediation zwischen bewaffneten Akteuren ausgehandelt wurden. Regierungen wie die äthiopische haben Friedensprozesse vielmehr regelmäßig instrumentalisiert, um die eigene Herrschaft zu sichern.

Jüngere Vermittlungsprozesse sind primär eine Funktion regionaler Rivalitäten und diplomatischer Interessen von beteiligten externen Akteu­ren, wie in Sudan seit Kriegsbeginn im April 2023. Ist wie hier ausländische Unterstützung verfügbar, haben Konfliktparteien weniger Anreize, sich auf Kompromisse einzulassen.

Weil Mechanismen zur Umsetzung von Abkommen nur schwach aus­gestattet sind und politisch wenig unterstützt werden, gibt es nach Waffenstillständen keinen inklusiven politischen Prozess, um die Kon­flikt­ursachen anzugehen. Erneute Waffengänge sind früher oder später die Folge.

Für europäische Beiträge zur Konfliktbewältigung am Horn von Afrika sollten Lehren aus dieser Krise gezogen werden. Es gilt weder nostalgisch auf die weitgehend untergegangene Art der Konfliktbearbeitung zu blicken noch frustriert rein sicherheitsdominierten Ansätzen zu folgen. Vielmehr sollte Europa zivile Friedensinitiativen unterstützen, politische Gewaltökonomien auszutrocknen helfen und die eigene Zusammenarbeit mit konfliktverschärfenden Regierungen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) überdenken.

Volle Publikation

The Destabilising Role of the United Arab Emirates in African Conflicts

SWP Comment 2026/C 19, 13.05.2026 (with Wolfram Lacher and Stephan Roll)

The United Arab Emirates (UAE) has become one of the most aggressive external actors in African conflicts, from Ethiopia, Libya and Somalia to Sudan. The leadership in Abu Dhabi obstinately denies its support for belligerents, yet it has maintained it even during the US-Israeli war against Iran – despite the serious repercussions for the UAE. Its role impedes efforts at conflict resolution and exacerbates humanitarian crises and regional instability. It undermines Europe’s interest in reliable trade routes, the prevention of forced displacement and regional integration. Germany and its Euro­pean partners should accord much greater weight to the UAE’s destabilising actions in their bilateral relations, criticise them more explicitly and consider sanctions. The context of the war with Iran, as well as tensions between the UAE and Saudi Arabia, offers an opening for a change in policy in Abu Dhabi.

The Iran war has eclipsed a development that had attracted increasing attention among the European public in late 2025: the role of the UAE in African conflicts, particularly in light of the devastating humanitarian consequences of the ongoing war in Sudan. This war reached a new peak in October 2025, when the Rapid Support Forces (RSF) captured the city of El-Fasher in North Dar­fur and subsequently committed massacres leading to an estimated tens of thousands of deaths. The UAE is regarded as the RSF’s most important military, logistical and financial backer. Even after the start of the war with Iran, numerous suspicious cargo flights departed from the Emirates to Ethiopia, apparently to transport supplies across the border to the RSF. The UAE’s in­volvement in African conflicts, however, extends far beyond Sudan. As early as 2014, it supported Khalifa Haftar’s Libyan Arab Armed Forces (LAAF) in the Libyan civil war, including during their offensive against the internationally recognised government in Tripoli in 2019–20. In Ethiopia, the gov­ernment of Abiy Ahmed relied on drones from the UAE to repel an offensive by Tig­rayan rebels in autumn 2021. A hallmark of Emirati interventions is the reluctance to deploy its own military forces. Instead, it exerts its influence mainly through local partners, many of them quasi-state or non-state armed groups.

Support for disruptive actors

The UAE’s allies include Haftar’s LAAF in Libya, the RSF under Mohamed Hamdan Dagalo (Hemedti) in Sudan, the Puntland Maritime Police Force (PMPF) as well as the police and military forces of Somaliland in northern Somalia. According to numerous reports, the UAE supplies these groups, as well as the Ethiopian government, with weapons systems that are often decisive to the course of wars, such as advanced long-range drones. The UAE has also carried out its own air strikes against the government in Tripoli and in the Somali region of Punt­land, where it attacked a cell of the so-called Islamic State.

Three of the UAE’s local partners – the LAAF, the RSF and the PMPF – have tense or even hostile relations with their respec­tive central governments. They originate from para-state militias and control their own territory. Support for the Ethiopian government, particularly during the war in the country’s north in 2020–22, departs from this pattern, as in that case the Emir­ates strengthened the internationally recog­nised government against the Tigray Defense Forces (TDF). Nevertheless, all of these actors – and the UAE itself – are pursuing a disruptive agenda with regard to their political systems and aiming to shift the local balance of power.

The UAE’s toolkit also includes recruiting foreign fighters and mercenaries, transporting them to battlefields or deploying them for logistical support. As early as 2010, the UAE deployed a South African-run private military company to establish the PMPF in Somalia, allegedly for combating piracy. It later paid Sudanese mercenaries who fought on Haftar’s side in Tripoli. And in Sudan, the Emirati security firm Global Secu­rity Services Group organised the recruitment, transport and payment of several hundred Colombian mercenaries, including via a military base in the Emir­ates. When the US government imposed sanctions on the actors involved in 2025 (with the exception of the aforementioned Emirati security firm in question), it stated that these men had reinforced the RSF with “tactical and technical expertise, served as infantry and artillery personnel, as drone pilots, vehicle operators and instructors, some of whom even trained children for combat”.

Emirati activities in these conflict zones do not occur in isolation, but form part of a transnational network established by the UAE. Supplies to the RSF were routed, among other places, via LAAF-controlled areas of Libya (above all Kufra in the south), via N’Djamena and Amdjarass in Chad, and in some cases via stopovers in Kenya, Uganda and Rwanda. Bosaso in Puntland served as a base for supporting the PMPF, but also for transporting weapons from Yemen and Colombian mercenaries for the RSF. The UAE continually adapts these routes to respond to changes in the mili­tary situation or the positions of local rulers. To gain influence in the countries that form part of this logistical network, it deploys large sums of money. For instance, during a visit in June 2023, the UAE prom­ised Chadian President Idriss Déby a loan of US$1.5 billion. Emirati loans also helped the governments in Ethiopia and Kenya to overcome short-term financial difficulties. At the same time, the UAE profits from the export and smuggling of gold from conflict zones such as Sudan.

The Emirates denies most of these activities, particularly direct military support for parties to the conflict such as the RSF. After a 2024 report by the United Nations (UN) panel of experts referred to “credible” evi­dence of Emirati support for the RSF, there was no mention of this in the subsequent report, though it did appear in the leaked draft of that same report. The UAE points to the published, apparently amended version as proof of its alleged non-interference and even calls for a UN arms embargo for the whole of Sudan, whereas at present it applies only to Darfur.

The UAE has gone to considerable lengths to avoid international criticism. For instance, Emirati Minister of State Lana Nusseibeh spent four days in Brussels in November 2025 to meet with Members of the Euro­pean Parliament. In the Parliament’s reso­lution on Sudan, adopted at the same time, the UAE’s support for the RSF is not men­tioned, following opposition from the Euro­pean People’s Party to amendments tabled by left-wing parliamentary groups.

Economy, geopolitics and self-enrichment

The specific interests underlying the UAE’s actions in individual conflicts often remain unclear. Decisions are made within a small circle, with Mohammed bin Zayed Al Nah­yan, the Emir of Abu Dhabi and Emirati President, at its centre. Moreover, the thresh­old for intervention is low, as the UAE until recently bore hardly any political costs for these activities. These interventions do not necessarily follow a coherent overarching strategy. Nevertheless, certain underlying motives can be identified. For instance, the UAE’s security policies are frequently ex­plained by external economic interests. Indeed, in recent years the Emirates has emerged as one of the most important eco­nomic partners of numerous African states. The state-owned logistics groups DP World and AD Ports Group, based in Dubai and Abu Dhabi, operate or are developing ports and associated infrastructure in, among other places, Somalia, Senegal, Tanzania, Mozambique, Angola and Egypt. These port projects form part of strategically significant economic corridors designed to transport raw materials such as minerals, agricultural and energy commodities to international markets.

For the UAE, these corridors are essential also because they secure long-term access to strategic resources and trade routes. Such investments reflect an Emirati strategy to diversify the economy away from oil. Mili­tary interventions can therefore be under­stood as a means of safeguarding these eco­nomic interests.

However, given the impact of the UAE’s regional policies, this is at best a partial explanation. The UAE’s involvement often contributes to the destabilisation of eco­nomic spaces, suggesting additional motives that are not primarily economic. Foremost among these is the Emirates’ ambition to gain greater influence in the region and, with it, greater international significance. The primary aim is to hold its own against sig­nificantly stronger regional powers, such as Iran, but above all against its larger neigh­bour on the Arabian Peninsula, Saudi Arabia. Tensions between the two “brother states”, such as those that escalated in Yemen at the end of 2025, are by no means new. Whereas border disputes and wrangling over competences within the Gulf Coopera­tion Council used to dominate, the rivalry is now manifested predominantly in com­peting economic development and regional strategies. Both states are pursuing ambi­tious plans to establish themselves as cen­tral hubs for trade, logistics and investment between Africa, Asia and Europe. Since Riyadh forced Abu Dhabi to withdraw from southern Yemen, it has become clear just how serious these tensions are – with acute regional repercussions. Saudi Arabia, like Egypt and Somalia, temporarily closed its airspace to UAE supply missions bound for the RSF. Consequently, Ethiopia gained in importance as a logistical hub for such deliveries. Even the war with Iran, which has severely affected both the UAE and Saudi Arabia, did little to ease bilateral ten­sions. These tensions were also the reason why the Third International Sudan Confer­ence in Berlin on 15 April 2026 initially failed to produce a joint final declaration. At the end of April 2026, the UAE also announced its withdrawal from the OPEC+ oil cartel, a move likely to further strain its relationship with Saudi Arabia.

The ideological opposition of the ruling Al-Nahyan family in Abu Dhabi to the Mus­lim Brotherhood also significantly shapes its regional policies. The family seeks to preserve its authoritarian model of rule and opposes Islamist movements that pursue social mobilisation and demand political participation. Abu Dhabi therefore pursues a policy of actively containing such actors, which is reflected in both domestic repres­sion and an interventionist foreign policy. This became particularly evident during the blockade of neighbouring Qatar between 2017 and 2021, which was largely driven by Abu Dhabi. Qatar’s leadership was accused of supporting the Muslim Brotherhood in the region.

In African conflicts, too, the UAE often supports local actors such as the RSF, which explicitly opposes the Muslim Brotherhood or groups aligned with it. Yet, at times, the Emirates demarcation from other Islamist actors remains blurred. Security alliances are pragmatic in nature and do not neces­sarily align with the officially stated goals of counter-terrorism.

Finally, personal networks of members of the ruling families in Abu Dhabi and Dubai also play a role. Mansour bin Zayed, for instance, a brother of the President and chairman of the sovereign wealth fund Mubadala, has, according to media and research reports, close ties to local power actors in African conflicts, including Haftar in Libya and Dagalo in Sudan. Trade in and smuggling of gold and other resources pro­vide lucrative sources of revenue for both the RSF and the regular Sudanese military (Sudanese Armed Forces, SAF), as well as for their business partners in the UAE.

Escalation and spread of conflicts

The conflicts in Sudan, Ethiopia, Libya and Somalia each have their own causes and are not merely proxy wars. Nevertheless, exter­nal military and financial support – in this case from the UAE – encourages the con­flicting parties to pursue their goals by force. This has consequences: The war in Sudan has created the world’s largest humani­tarian crisis, measured by the number of people who, according to the UN, are de­pendent on humanitarian aid (33.7 mil­lion), have been displaced (at times more than 15 million) or are suffering from extreme hunger. The RSF, a partner of the UAE, is responsible for targeted violence against the Sudanese civilian population. This includes sexual violence, hostage-taking, looting, displacement, attacks on medical facilities and mass killings. Much of this violence is directed against members of non-Arab minorities such as the Masalit in West Darfur and the Zaghawa in North Darfur. The city of El-Fasher, which the SAF and its allies controlled until October 2025 as the last provincial capital in Darfur, was besieged by the RSF for a year and a half. During its capture of the city, the RSF pro­ceeded in such an organised manner against the non-Arab civilian population that a UN fact-finding mission described it as having the hallmarks of genocide.

The UAE’s logistical network, established primarily to support the RSF, is helping to link conflicts in various countries more closely. Since autumn 2025, the UAE has set up a training camp for the RSF in Beni­shangul-Gumuz in western Ethiopia. Mili­tary equipment intended for the RSF, some of it apparently arriving via the city of Berbera in Somaliland, also appears to be rerouted via a base of the Ethiopian armed forces. At the same time, the RSF has launched an offensive in the south of Sudan’s Blue Nile state, in which it is ap­parently also deploying units from South Sudan.

The UAE’s logistical support to the RSF via Chad threatens the fragile balance there. Several ethnic groups in Darfur – and therefore the local parties to the conflict – have close ties to Chad, from where some of the fighters also originate. President Déby at least temporarily allowed the UAE to use the country as a logistical hub to support the RSF. This fuels tensions within the Chadian military elite, since the RSF recruits pre­dominantly from Arab groups and fights against units drawn from the Zaghawa – Déby’s own group. Repeated clashes be­tween the RSF and the Chadian army in the border area suggest that the conflict could escalate.

Libya illustrates the potential long-term consequences for Europe of Emirati inter­ventionism. There, the UAE’s early interven­tion in support of Haftar was a key reason why his attack on Tripoli in April 2019 turned into a protracted civil war. It lasted for more than a year and resulted in a per­manent Turkish and Russian military presence in the country. Whether the UAE financed the involvement of the Russian Wagner Group in this conflict, as the US Defense Intelligence Agency claimed in 2020, remains unclear. What is certain, how­ever, is the UAE’s close cooperation with Wagner during the war: Wagner’s logistics relied in part on transport flights from the UAE, the UAE deployed Pantsir air defence systems that were operated by Wagner personnel, and the latter provided target coordinates for Emirati drones. The Emirates therefore shares some of the responsibility for the now entrenched Rus­sian military presence in Libya, and thus for the country’s ongoing division.

The humanitarian consequences of the conflicts in which the UAE intervenes are far-reaching – although the UAE itself remains largely insulated from them. The massive refugee crisis caused by the war in Sudan weighs particularly heavily on neigh­bouring states. However, it has also led to a growing number of Sudanese refugees arriving in Europe via the Mediterranean. Among arrivals in Italy, both the number and the proportion of Sudanese nationals doubled between 2024 and 2025, from 3 to 6 per cent. In Greece, Sudanese refugees already constituted the second-largest group in 2025, accounting for more than a fifth of the total.

Undermining international conflict resolution

A consistent pattern emerges not only in the UAE’s interventions, but also in its ap­proach to international conflict resolution. The Emirates participates in diplomatic pro­cesses aimed at ending conflicts, but it uses the international stage primarily to present itself as an ostensibly constructive actor.

The most prominent example of such diplomatic manoeuvring is the Quad for­mat (Egypt, Saudi Arabia, the UAE and the United States), which in September 2025 presented joint commitments for a ceasefire in Sudan. These included an end to external support, which, according to US intelligence reporting, the UAE in fact further intensified in 2025. These diplomatic initiatives served more to allow the RSF once again to present itself as a willing partner for a ceasefire while carrying out a massacre.

The UAE also positions itself as a humani­tarian donor for Sudan. At a conference or­ganised jointly with the African Union, the regional economic community IGAD and Ethiopia in February 2025, it pledged US$200 million, followed by a further US$500 mil­lion at a US conference in 2026. However, it is unclear where these funds are going, as the UAE contributed only around US$33 million to the UN-coordinated plan in 2025. Germany had already witnessed during the Berlin Libya Process (2019–20) how the UAE undermined diplomatic efforts: Despite pledges (together with Russia and Turkey) to cease support for the Libyan par­ties to the conflict, that support was in fact intensified. Even on the day of the Berlin Libya Conference in January 2020, trans­port aircraft flew from the Emirates to east­ern Libya. Consequently, the war did not end as a result of diplomatic efforts, but because of the military balance of power created by these interventions. Both Libya and, currently, Sudan demonstrate that, with­out pressure, including the UAE in con­flict resolution processes does not produce results.

The UAE’s actions also undermine a key instrument of multilateral conflict resolu­tion: arms embargoes. The UAE’s open dis­regard for the UN embargo on Libya from 2014 onwards, and particularly during the Tripoli war in 2019–20, likely encouraged states such as Turkey to adopt a similar approach. The same has applied to Sudan since 2023. A report from a UN panel of experts lists 458 flights involving heavy transport aircraft from military airports in the UAE or from the Emirati transhipment hub of Bosaso to eastern Libya between October 2024 and the end of 2025. These included 239 flights to Kufra, a hub for support to the RSF. These shipments likely violated both the UN arms embargo on Libya and that on Darfur. At the same time, it is clear that support for the SAF from Egypt, Saudi Arabia, Russia, Turkey, Iran and other countries is also fuelling the war.

In both conflicts, Western governments have been conspicuously reluctant to criti­cise the UAE, which also prevents them from pressing other intervening states more forcefully to comply with the embargoes. To date, no member of the UN Security Council has explicitly addressed the UAE’s support for the RSF in meetings. This leni­ency towards Emirati interventionism has contributed significantly to the loss of cred­ibility of the sanctions regimes.

Not a constructive partner

This analysis of Emirati interventions in Africa shows that the UAE has not, to date, been a reliable partner for European efforts at conflict prevention and resolution on the continent. Rather, the country acts as a spoiler whose interventions exacerbate local conflict dynamics, entrench war economies and drive state fragmentation. The conse­quences are not only disastrous for the societies affected, but also impact European interests – ranging from regional stability and migration to safeguarding multilateral order.

This assessment is by no means new. Even so, the UAE has so far not had to reckon with any tangible political consequences from Germany and its European partners for its actions. In the overall balance, other aspects of the bilateral relationship predominate: economic and trade interests; security co­operation, which has taken on even greater significance amid the Iran war; the UAE’s close cooperation with Israel; the strategic goal of preventing the Emirates from drift­ing further towards China or Russia; and, more recently, cooperation in the field of artificial intelligence.

There is an urgent need for a sober and comprehensive review of relations with the UAE, especially since other aspects have so far been neglected. These include, for in­stance, the Emirates’ ambivalent to obstruc­tive role in international climate negotiations, its pragmatic to friendly dealings with Russia, as well as its efforts to exert political influence in Europe – including relations with right-wing populist to far-right parties and support for networks spreading disinformation. Emirati foreign policy in Africa is therefore not an isolated shortcoming of an otherwise constructive partner. Rather, it should be understood as the expression of a consistent approach aiming to project power: The UAE promotes disruptive actors and systematically links military support with commercial and ideo­logical interests.

This approach could be intensified fur­ther in the future. Following the UAE’s withdrawal of its remaining troops from Yemen at the turn of 2025/26 due to differ­ences with Saudi Arabia, African theatres have become even more strategically impor­tant: as hubs along the trade and energy routes through the Red Sea, as locations for port and logistics projects as part of an expansionary foreign trade policy, as gate­ways to raw materials and as zones of mili­tary influence. The fact that logistical sup­port for the RSF in Sudan continued even amid Iranian attacks on the UAE demonstrates the importance the Emirates attaches to this policy. The Emirates’ recently ini­tiated cooperation with Israel in establishing a military presence in Somaliland like­wise reflects such ambitions.

At the same time, Abu Dhabi is likely to be far more interested now than before in not jeopardising its good relations with European states. Growing criticism of Emir­ati policy in Middle Eastern states, tensions with Saudi Arabia, and the economic and security vulnerabilities exposed by the Iran war present an opportunity to exert more effective pressure on the UAE. Specifically, Germany and its European partners have five courses of action available to them in order to encourage a more constructive Emirati regional policy.

First, the reputational dimension should be utilised more effectively towards Abu Dhabi. The UAE attaches great importance to its image as a modern, stable and respon­sible actor. Addressing its destabilising activ­ities more openly in international forums can generate political pressure. Instead of merely speaking in general terms about ex­ternal support for conflict actors in Africa, Germany should explicitly mention both the UAE and other states involved, without allowing itself to be drawn into Gulf rival­ries. Reputational damage can also have economic consequences, as in the case of the alleged involvement of the former head of DP World in the Epstein network – he resigned following the intervention of a Canadian pension fund.

Second, the EU should expand its financial sanctions and apply them more con­sistently, particularly where Emirati actors have been documented as violating UN em­bargoes or supporting belligerents.

Third, Germany’s arms export policy towards the UAE should be fundamentally reviewed. For despite the Emirates’ increased need to protect itself against Iranian attacks, the risk of German arms being transferred or used in third-country conflicts remains real. For instance, the UAE equipped Haftar’s offensive on Tripoli in Libya with Pantsir air defence systems mounted on MAN/Rhein­metall chassis. The French Galix defence system was deployed on UAE armoured vehicles in Sudan.

Fourth, stricter criteria could be applied in the enforcement of anti-money-launder­ing and transparency rules. European regu­lation should focus more on the role of Emirati financial centres as hubs for con­flict economies, informal capital flows and sanctions evasion. Although the UAE was removed from the Financial Action Task Force’s “grey list” in 2024 following the introduction of anti-money-laundering reforms, civil society organisations and transparency initiatives criticised this deci­sion as premature. They pointed to persis­tent structural deficits in enforcement, as well as the continued attractiveness of Emirati financial centres for problematic capital flows.

Fifth, diplomatic engagement also needs to be reassessed. The “strategic partnership” that Germany has maintained with the UAE since 2004 suggests a broad alignment of interests. Failing to at least suspend this part­nership in light of the UAE’s interventions in conflicts undermines Germany’s stated commitment to reliable, rules-based behaviour. Such a partnership makes sense only if the Emirates demonstrably reorients its policy in Africa towards de-escalation, thereby allowing Abu Dhabi’s considerable financial weight and political networks to be harnessed for constructive conflict reso­lution.

Dr Gerrit Kurtz is an Associate, Dr Wolfram Lacher a Senior Associate, and Dr Stephan Roll a Senior Fellow in the Africa and Middle East Research Division at SWP.

International Sudan conference in Berlin 2026: media

I spoke to several media on the third international Sudan conference that took place on 15 April 2026 in Berlin.

Interview: Sudan: Schwerste humanitäre Krise unserer Zeit, aber kaum jemand spricht darüber, mediasres, Deutschlandfunk, 15.4.2026

Interview: Sudan: “Krieg auf Kosten der Zivilbevölkerung”, ZDF Morgenmagazin, 15.4.2026

Interview: 3 Jahre Krieg in Sudan, SR Bilanz am Mittag, 15.4.2026 (ab 5:20)

Zitat: Arte Journal, 15 April 2026

“Doch ein Ende des Krieges in dem drittgrößten afrikanischen Land stehe bei der Sudan-Konferenz nicht auf dem Programm, erklärt Afrika-Experte Gerrit Kurtz im Gespräch mit Euronews. “Die Konfliktparteien sind gar nicht eingeladen, was diese auch kritisieren. Der Fokus liegt ausdrücklich auf zivilen Perspektiven.”

“Wichtig wäre, dass auch das Thema der Staaten, die direkt oder indirekt Konfliktparteien unterstützen, stärker behandelt wird. Ich zweifle daran, dass das ein Schwerpunkt sein wird. Insgesamt muss dort mehr passieren”, sagt Kurtz. “Es braucht echte Rechenschaft, die teilweise auch im persönlichen Gespräch eingefordert werden kann.”

Zitate in: euronews, 15.4.2026

“In Berlin werden Politiker relevanter Länder sowie Vertreter der UN und der sudanesischen Zivilgesellschaft erwartet. „Die Konferenz ist keine Friedenskonferenz“, sagt Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Niemand sollte seine Erwartungen zu hoch schrauben.“

Selbst eine dringend notwendige humanitäre Waffenruhe sei derzeit kaum in Sicht, so der Experte. „Es wäre bereits ein Fortschritt, wenn sich die sudanesischen Vertreter auf eine Erklärung zur Deeskalation des Konflikts einigen könnten.“ Ein solches Communiqué gilt nach einem Vorbereitungstreffen in Addis Abeba als wahrscheinlich, sagt Kurtz.

Gleichzeitig biete die Konferenz die Chance auf einen Perspektivwechsel, so der Experte: „Weg von den Kriegsparteien, hin zu denen, die bereits heute an gesellschaftlichem und politischem Frieden arbeiten.“”

Zitate in: Christian Putsch, Drei Jahre vergessener Krieg und die Angst, dass der Sudan endgültig zerfällt, Die Welt, 15.4.2026

Ähnlich sieht das Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Er sagt, eine Beteiligung der Kriegsparteien hätte zu einer Blockade der Konferenz geführt, da «sie keinen konstruktiven Beitrag leisten können und wollen». Deren Kritik hingegen zeige, dass das Treffen den Friedensprozess voranbringen könnte. Die Botschaft an die Kriegsparteien sei klar: «Euch gehört nicht die Zukunft.»”

Zitate in Seit drei Jahren herrscht Krieg im Sudan. Nun fand in Berlin eine Friedenskonferenz statt – die wichtigsten Akteure aber fehlten, Neue Zürcher Zeitung, 16.4.2026

Interview: Blutspur bis ins Weltall – wie kann das Grauen im Sudan enden?, Politik und Hintergrund, Bayrischer Rundfunk, 17.4.2026

International Sudan Conference in Berlin: Time for a change of perspective

SWP Point of View, 10 April 2026. Also available in German.

Germany is inviting key international and Sudanese actors to Berlin. The conference offers an opportunity to develop a civilian-centred perspective on ending the war in Sudan, says Gerrit Kurtz.

For almost three years, the Sudanese Armed Forces (SAF) and the Rapid Support Forces (RSF) have been fighting each other relentlessly. In the process, both sides have also attacked the civilian population, destroyed infrastructure, and weakened civil society engagement, benefiting from the support of external actors. Against this background, the international Sudan conference in Berlin is of particular importance. 

Managing goals and expectations

On the third anniversary of the conflict’s outbreak on 15 April, the German government will host an international conference on Sudan together with France, the United Kingdom, the United States, the European Union (EU), and the African Union (AU). Foreign ministers from key countries as well as representatives of the United Nations, humanitarian organisations, and Sudanese civil society are expected in Berlin. 

At the same time, it is important to note that this is not a peace conference. No one should raise their expectations too high. Even a humanitarian truce, which the United States wants to broker with its partners Egypt, Saudi Arabia, and the United Arab Emirates, is not currently in sight. It would already constitute some progress if the Sudanese representatives could agree on a declaration to de-escalate the conflict. A joint communiqué of the ministers is unlikely to materialise, given the experience with the lack of consensus at the previous meeting in London.

Placing civilian actors at the centre

Despite its limited scope, the international Sudan conference in Berlin offers the opportunity for a long overdue change in perspective: away from the warring parties and towards those who are already working for societal and political peace.

Of course, the SAF and the RSF themselves must silence the weapons. However, the military actors alone will not even be able to guarantee a permanent end to armed violence. At best, a power-sharing model would produce another fragile civil-military transitional government. Fighting within the armed coalitions would be likely given the divergent interests of their constituents; a renewed flare-up of violence would only be a matter of time. South Sudan has already taken a similar path: There, armed violence has become part of the political system.

Instead, Sudan needs a new, civilian-led political order. It will take time to develop, but creating the necessary framework for discussion is possible even during the ongoing war. This is precisely the goal of the quintet of five international organisations – the African Union, the European Union, the Intergovernmental Authority on Development, the United Nations, and the Arab League – which joined forces at the beginning of the year. The quintet is conducting consultations with numerous civil and political groups in Sudan. In contrast to earlier approaches, there is currently greater unity among the participating organisations as well as a coordinated process design. Different political blocs with ties to the conflict parties and independent civil actors are expected to agree on a Sudanese steering committee that sets the agenda and criteria for a political process. 

The conference should support this process. Participants should commit not to organise parallel initiatives and instead align existing projects with civilian actors – especially those from the United Kingdom, Norway, Canada, and Switzerland – in support of this process. 

The civilian components of the conference in Berlin, which is to bring together 40 Sudanese representatives, can be an important step towards a common platform and convey its own messages to the international participants.

Finally, the humanitarian component of the conference should mobilise urgently needed funding. It should also strengthen the ownership, protection, and financing of mutual aid networks such as the Emergency Response Rooms (ERRs). These networks are able to reach Sudanese regions where international aid organisations cannot operate, and their work strengthens social cohesion.

These civilian approaches could help to make the conditions for ending the war more favourable.