“The wars in Sudan and South Sudan are increasingly intertwined”

Comments on the war in South Sudan, EFE Agency, 4 April 2025

“The wars in Sudan and South Sudan are increasingly intertwined, and each side is likely to support armed actors in the other territory,” I tell Spanish media.

Kurtz says that although “there is no solid evidence” that the Sudanese Army supports the White Army or groups linked to the South Sudanese opposition, “there are strong historical ties” between the Sudanese military and Machar.

However, he points out that the Sudanese Army “has an interest in preventing the South Sudanese government from allowing the RSF to operate in South Sudanese territory and receive weapons” through the neighbouring country, especially after the agreement between the paramilitaries and SPLM-N, Kiir’s ally.

The Sudanese military dome is also concerned about the opening of an UAE hospital in Madhol, in northern South Sudan, as they “suspect it could be used as a concentration point for RSF supplies, as well as for the treatment of its soldiers,” as happened with the Emirati medical centre in Amdjarass (Chad).


Although the expert points to a growing interconnection of both crises, he recalls that “neither the Sudanese or South Sudanese parties have much resources, they are unlikely to act as major material sponsors.”

Added to this is Uganda’s participation and the influence of the Emirates in the area, so “it is absolutely possible that the conflict will become increasingly regional.”

“But we are not seeing two clear blocks, but rather a complex tangle of contradictions,” he says.

Horn von Afrika: Die Zivilgesellschaft wird weiter geschwächt

Beitrag in: Nadine Biehler (Koord.), US ohne AID?, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, 04.04.2025 (360 Grad)

Am Horn von Afrika sind die USA bislang der größte Geber gewesen, sowohl in der klassischen Entwicklungszusammenarbeit als auch in der humanitären Hilfe. 45 Prozent der Mittel für die von den Vereinten Nationen (UN) koordinierte Hilfe für Sudan, die weltweit größte humanitäre Krise, kamen im vergangenen Jahr aus den USA. 

Hilfsorganisationen berichten, dass sie zwar Ausnahmen von den Kürzungen erhielten, die Mittel jedoch nicht bei ihnen ankommen, weil das Zahlungssystem von USAID nicht mehr funktioniert. Die Konsequenzen bekommt vor allem die Zivilbevölkerung zu spüren. Diese steht in einer von Konflikten, Klimaveränderungen, schwacher Infrastruktur und Repression geprägten Region ohnehin unter massivem Druck. Drei zentrale Folgen lassen sich identifizieren: 

Erstens wird die extreme humanitäre Not weiter steigen. In Sudan herrscht bereits jetzt in wahrscheinlich zehn Gebieten eine Hungersnot. Ohne zusätzliche Mittel dürfte sich die Hungersnot auf weitere Teile des Landes ausbreitenRund 30 Millionen Sudanes:innen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, aber nur ein Teil wird sie bekommen. Dies betrifft nicht nur Lebensmittel. In der äthiopischen Region Tigray zum Beispiel musste eine Organisation ihre psychosoziale Hilfe für Opfer sexueller Gewalt abrupt einstellen. Dies kann das Trauma der Überlebenden verstärken.

Zweitens drohen die US-Kürzungen, den zivilgesellschaftlichen Sektor am Horn von Afrika massiv zu schwächen. Dies betrifft nicht nur Organisationen in Feldern wie Gesundheit und Ernährung, sondern auch solche, die sich für Frieden, Menschenrechte und Demokratie einsetzen. So mussten in Äthiopien 85 Prozent aller zivilgesellschaftlichen Organisationen ihre Arbeit einstellen. In den vergangenen Monaten standen diese ohnehin unter Druck: Einigen wurde die Lizenz entzogen, andere wurden zeitweise verboten oder ihre Führung ausgetauscht. In Südsudan könnten 60 Prozent des Mediensektors kollabieren, einschließlich der Radiosender in lokalen Sprachen. Dies verschärft die ohnehin unzuverlässige Nachrichtenlage in einer Situation, in der falsche Gerüchte schnell bewaffnete Auseinandersetzungen anheizen.

Drittens könnte der Ausfall internationaler Unterstützung zwar langfristig die dringend nötige Lokalisierung humanitärer Hilfe beschleunigen – kurzfristig ist jedoch das Gegenteil der Fall. So mussten rund 80 Prozent der Gemeinschaftsküchen im Sudan, die von Selbsthilfenetzwerken mithilfe von US-Mitteln betrieben wurden, schließen. Die Diaspora unterstützt diese Netzwerke ebenfalls, kann den Wegfall aber kurzfristig nicht kompensieren. Europäische Geber, die ebenfalls ihre Mittel zurückfahren, sollten sich darauf konzentrieren, solche Selbsthilfenetzwerke und lokale Helfer stärker zu unterstützen. 

„Ein ignorierter Krieg“

Diktator Omar al-Baschir hat den Sudan 30 Jahre lang unterjocht. Als er 2019 gestürzt wurde, schienen Demokratie und Frieden in dem afrikanischen Land zum Greifen nah. Doch nun herrscht ein blutiger Bürgerkrieg. Er hat eine Vorgeschichte.

“Der Rest ist Geschichte”, Deutschlandfunk, 3.April 2025

Photo: President Kagame, President Omar al Bashir and Thabo Mbeki during Tana High Level Forum on Security in Africa – Ethiopia, 20 April 2013

Razzien gegen Brigade N’Hamedu in Deutschland

Zitate in: Eritreas Konflikte werden in Deutschland ausgetragen, Deutsche Welle, 31.3.2025

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Hier kommen die Eritrea-Festivals in westlichen Ländern ins Spiel. Offiziell sind sie Kulturveranstaltungen. Organisiert werden sie von der eritreischen Regierung und ihr nahestehende Exilgruppen in Deutschland. In Gießen etwa steht der regierungsnahe Zentralrat der Eritreer in Deutschland e.V. dahinter.

Ihr Charakter hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt, schreibt der Eritrea-Experte Gerrit Kurtz von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik der DW: “Früher waren sie eine Gelegenheit, an den Freiheitskampf zu erinnern. Die kulturell angelegten Festivals wurden zunehmend von Vertretern des Regimes übernommen, so dass dort jetzt häufig Offizielle der eritreischen Regierung oder ihnen nahestehenden Personen auftreten und Propaganda für das autoritäre Regime in Asmara verbreiten.”

Die deutschen Behörden sind hier in einem Dilemma, meint Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik: “Deutschland sollte sich nicht auf die Seite der eritreischen Regierung stellen, die oft versucht, auf Mitglieder der Diaspora Druck auszuüben oder sie zu überwachen. Gleichzeitig kann Deutschland natürlich gewalttätige Aktionen, in die Brigade N’Hamedu und andere Diasporaorganisationen verwickelt sind, auf seinem Boden nicht tolerieren.”

Der Eritrea-Experte Gerrit Kurtz rät: “Deutschland sollte grundsätzlich die Seite der gewaltfreien Opposition in der Diaspora einnehmen und demokratisch orientierte Akteure fördern, auch wenn die Bundesregierung weiterhin bilaterale Beziehungen zu Asmara unterhalten sollte.” Da Deutschland derzeit keinen Botschafter in Eritrea habe, seien seine Einflussmöglichkeiten dort begrenzt. “Allerdings hat Eritrea durchaus Interesse, die Beziehungen mit Deutschland zu verbessern, was gewisse Einflussmöglichkeiten eröffnet. Das Vorgehen gegen die Brigade N’Hamedu in Deutschland wird die Stellung Deutschlands beim Regime in Asmara positiv beeinflussen, auch wenn das nicht das Ziel der – rechtsstaatlich mutmaßlich gebotenen – Razzien war.”

Droht ein Bürgerkrieg in Südsudan?

Im Südsudan sollten Staatschef Salva Kiir und sein Vize Riek Machar an der Spitze einer Übergangsregierung dem Land Stabilität bringen. Doch es brechen alte Rivalitäten auf. Afrikaspezialist Gerrit Kurtz ordnet die Gefahr für einen neuen Bürgerkrieg ein.

Interview im “Echo der Zeit”, SRF, 28.März 2025

Kommen Kriegsverbrechen in Tigray vor ein deutsches Gericht?

Zitate in einem Artikel der Deutschen Welle, 28.März 2025

Gerrit Kurtz, Äthiopien-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, dämpft die Erwartungen: “Es soll eine Aufarbeitung geben, aber es kommen ständig neue Verletzungen hinzu, weil es ja gerade insbesondere in Amhara und Oromia weitere aktive Konflikte gibt, wo weiterhin massive Menschenrechtsverletzungen passieren. Und die äthiopische Justiz ist da nicht ausreichend hinterher.”

Schon die Strafverfolgung einfacher Täter ist damit nicht gewährleistet. Doch bei Entscheidungsträgern – wie in der LAW-Strafanzeige – ist sie noch unwahrscheinlicher, räumt Kurtz im DW-Interview ein: “Am einfachsten ist es natürlich immer, wenn es einen klaren Cut gibt nach einem Krieg, und andere Menschen, andere Parteien an der Regierung sind, die nicht für den Krieg verantwortlich waren. Nur dann kann es im eigenen Land zu einer glaubwürdigen Aufarbeitung kommen – und selbst dann gibt es immer noch größere Probleme. Aber das ist ja überhaupt nicht der Fall in Äthiopien.” Weil das effektivste Rechtsmittel, nämlich inländische Strafverfolgung, demnach nicht zur Verfügung stehe, zeigt Kurtz Verständnis für die Entscheidung, das sogenannte Weltrechtsprinzip zu bemühen.

Dass Äthiopien oder Eritrea hingegen ihre eigenen Staatsbürger nach Deutschland ausliefern würden, gilt als ausgeschlossen. Aus Sicht von SWP-Wissenschaftler Kurtz ist aber hierbei wichtig, dass die Namen aus der Strafanzeige nicht veröffentlicht wurden. “Das heißt: Bestimmte Menschen, die in dieses Raster reinfallen könnten in Äthiopien und Eritrea, die hochrangige Funktionen in Militär oder Staatsapparat haben, können sich nicht ganz sicher sein, ob sie betroffen sind oder nicht”, sagt Kurtz. Wenn es zu Ermittlungen kommt, müssten diese Menschen also beim Reisen vorsichtiger sein

Die Rückeroberung des Präsidentenpalasts in Khartum

Im Podcast “Was jetzt” von DIE ZEIT ordne ich die Rückeroberung des Präsidentenpalasts in Khartum durch die Sudanesischen Streitkräfte (SAF) am 21.3.2025 ein.

Es ist ein großer Erfolg für das Militär. Das Regierungszentrum zurückzuerobern nach fast zwei Jahren Kontrolle durch die RSF hat einerseits symbolische Bedeutung, andererseits kann die bald anstehende Rückeroberung des gesamten Hauptstadtraums auch eine militärische Bedeutung für die weiteren Schritte der Armee haben.

Die Behörden in Port Sudan sollten diesen Sieg nutzen, jetzt auch mehr humanitäre Güter und Personal ins Land zu lassen.

Bild: SAF-Kämpfer vor dem Präsidentenpalast.

Horn of Africa: Time for preventive diplomacy

In both Ethiopia and South Sudan, conflicts are escalating again. To prevent further regionalisation of the conflict landscape, Europe should support high-level diplomacy, says Gerrit Kurtz.

SWP Point of View, 21 March 2025. Also available in German.

In the Horn of Africa, two peace processes are in acute danger: Local power struggles in South Sudan and Ethiopia’s Tigray region are at risk of escalating into regional crises. In South Sudan – as in 2013 at the beginning of the last civil war – a power struggle is raging over the possible successor to 73-year-old President Salva Kiir. He is already positioning his son-in-law as a potential replacement. At the same time, clashes between the White Army – a Nuer militia – and the South Sudanese army in the Upper Nile region are causing a stir after a United Nations helicopter was shot down and a high-ranking army general was killed.

During the civil war from 2013 to 2018, the White Army fought on the side of the main rebel group, the Sudan People’s Liberation Army/Movement-in Opposition (SPLA/M-IO) under today’s First Vice President Riek Machar. Tensions between Kiir and Machar are intensifying once again – a dangerous déjà vu for the country, which has barely had time to recover after decades of conflict.

Ethiopia: Split within the TPLF and growing tensions with Eritrea

In Ethiopia, a local power struggle in the Tigray region threatens to escalate into a regional crisis between the federal government in Addis Ababa and Eritrea. The Tigray People’s Liberation Front (TPLF) – once Ethiopia’s ruling party and the Ethiopian government’s opponent in the war between 2020 and 2022 – is divided: A faction led by chairman Debretsion Gebremichael is opposed by a reformist faction under the president of the Tigray Interim Regional Administration, Getachew Reda. 

The Debretsion faction has large parts of the Tigrayan military on its side and has been taking over local administrative structures for months, sometimes violently. In the meantime, it has also brought media and parts of the administration in the provincial capital, Mekelle, under its control. The TPLF’s Debretsion faction is said to have good relations with Eritrea, whereas Getachew is counting on Ethiopian Prime Minister Abiy Ahmed. Bilateral relations between Ethiopia and Eritrea have cooled markedly since the Pretoria Agreement, which ended the war between the TPLF and the government in 2022. Both countries are accused of supporting opponents of the other’s regime.

Due to the increasing tensions, there is a risk that there will be a regionalisation of the conflict landscape. Uganda has already sent troops to support the South Sudanese government, as it did in 2013. Similar to previous clashes, Sudanese actors are also intervening. Over the weekend, militias of the Rapid Support Forces in South Sudan were already fighting against units of the SPLA/M-IO, which were apparently on their way to receive weapons from the Sudanese Armed Forces.

Failure of the peace agreements – fragmented international engagement

The current escalations are no coincidence. The respective agreements to end the civil wars in South Sudan and Ethiopia have only been implemented to a limited degree. Unilateral deviations by both governments from their obligations have de facto prevailed. Kiir rapidly replaced cabinet members and had high-ranking generals of the SPLA/M-IO arrested. In Ethiopia, important measures of the Pretoria Agreement, such as the demobilisation of militias and the withdrawal of Eritrean and Amharic troops from Tigray, have largely failed to materialise. 

International engagement with the region is increasingly fragmented – as are the states of the region themselves. In Ethiopia, for example, there is a lack of credible guarantors for the peace process. At the recent extraordinary summit of the Intergovernmental Authority on Development (IGAD) on South Sudan, only two countries took part at the level of their president. Whereas the United States used to be the most important international partner for peace in the region, countries such as the United Arab Emirates, Saudi Arabia, and Turkey are now influential, but they tend to support certain sides rather than mediate in internal conflicts.

In view of the deteriorating situation, it is now time for high-level preventive diplomacy. A coordinated international approach could contain the escalation. An informal division of tasks would be conceivable: Influential countries such as Turkey and Saudi Arabia could defuse tensions at the intergovernmental level, while European actors could support IGAD and the African Union in local mediation processes.

Picture: In better times in 2019, President Salva Kiir met the head of the SPLA/M-IO, Riek Machar, in Juba, to prepare the government of national unity. Source: UN Photo/Isaac Billy

The Myth of the Gamechanger: Drones and Military Power in Africa

Advanced combat drones are increasingly used in conflicts in Africa. This analysis of the conflicts in Mali, Chad and Sudan shows, their potential to shift the balance of military power between state forces and insurgents depends on symmetrical access to technology, type of warfare and topography.

Megatrends Policy Brief 33, 05.03.2025, zusammen mit Wolfram Lacher und Denis Tull

Medium-altitude long-endurance combat drones are increasingly appearing in armed conflicts in Africa. In contexts where governments have historically possessed little or no air power, some expect drones to change the balance of military power between state and non-state forces. But is this actually
the case? This Policy Brief examines the role played by drones in recent conflicts in Mali, Chad and Sudan, finding three aspects to be particularly relevant. Firstly, access: does one conflict party enjoy privileged access to drones and interception technology? Secondly, is the fighting regular or irregular? Are both sides holding territory and fighting on definable fronts, or is it a guerrilla war? Thirdly, is the terrain open or covered? Are the distances involved within the range of available drones? In Africa’s theatres of conflict these factors rarely combine in ways that allow one side to derive a major strategic advantage from the use of combat drones.

Photo: Likely Chinese-made MALE UAV on Nyala airfield, Sudan, January 2025. Source: Maxar/ Humanitarian Research Lab at Yale School of Public Health

Wie Militär die Zivilbevölkerung schützen kann

Rezension von Stian Kjeksrud (2023): Using Force to Protect Civilians. Successes and Failures of United Nations Peace Operations in Africa, OUP, in: Vereinte Nationen 1/2025, S. 45

Trotz mehr als zwei Jahrzehnten Praxis wissen wir wenig darüber, wie genau militärische Mittel die Zivilbevölkerung schützen können. Stian Kjeksrud versucht in seiner Dissertation auszudifferenzieren, was militärische Einheiten in UN-Friedensmissionen tun, wenn sie Zivilpersonen beschützen. Dabei greift Kjeksrud, der an der Militärakademie der norwegischen Streitkräfte lehrt und selbst als Soldat in UN-Missionen gedient hat, auf Erkenntnisse aus der Militärtheorie zurück. Aus militärischer Sicht ist der Schutz der Zivilbevölkerung (Protection of Civilians – PoC) noch eher neu, trainieren Militärs doch traditionell darauf, Operationen gegen einen bewaffneten Gegner durchzuführen. Viele verstehen unter PoC primär die Einhaltung des humanitären Völkerrechts, also die Vermeidung eines unverhältnismäßigen Einsatzes eigener Kräfte. Bei PoC im Sinne der UN geht es jedoch darum, Zivilpersonen vor der Gewalt anderer zu bewahren.

Kjeksrud zieht eine Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden heran, um seine Forschungsfragen zu beantworten. Dafür hat er einen eigenen Datensatz erstellt, der 200 militärische Operationen in UN-Friedensmissionen umfasst, die PoC zum Ziel hatten und in der regelmäßigen UN-Berichterstattung über die Missionen erwähnt werden. Diese wertet er statistisch aus. Er ergänzt seine Analysen um zwei strukturierte Fallstudien: den Kampf der Interventionsbrigade als Teil der Stabilisierungsmission der Organisation der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo (United Nations Organization Stabilization Mission in the Democratic Republic of the Congo – MONUSCO) gegen die bewaffnete Gruppe ›M23‹ im Jahr 2013 und den Einsatz Gerrit Kurtz der Mission der Vereinten Nationen in Südsudan (United Nations Mission in South Sudan – UNMISS) Ende des Jahres 2011 im Bundesstaat Jonglei. Trotz des erheblichen Aufwands, den Kjeksrud bei der Datenerhebung und -auswertung betrieben hat, weist er durchgehend auf die äußerst begrenzte Datenlage und die dementsprechend begrenzte Aussagekraft seiner Ergebnisse hin, die nur einen Teil seiner Fälle erklären können.

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass militärische Operationen Erfolge zeigen können, Zivilpersonen vor größerem Schaden zu bewahren. Die reine Truppenpräsenz in einem Land genüge jedoch nicht, gleichfalls mache es keinen Unterschied, ob die Truppen von traditionell risikoaversen Truppenstellerstaaten kommen oder nicht. Wichtig sei vielmehr, dass diese Einheiten präventiv eingesetzt würden und ihr Auftreten an der Operationsweise der jeweiligen bewaffneten Gruppe ausgerichtet sei. Es komme also darauf an, die Art der Gewaltausübung, die Motivation der bewaffneten Akteure und das taktische Vorgehen in der jeweiligen Situation zu analysieren.

Gleichwohl ergibt sich noch keine Theorie, wie Kjeksrud selbst zu bedenken gibt. In der Regel kommen weitere Faktoren hinzu. Dazu gehören die Mobilität und Flexibilität der Truppen in unwegsamem Gelände durch den Einsatz von Hubschraubern, die effektive Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften des Gastlands und die Verbindung mit zivilen Fähigkeiten. Auch wenn die Zeit der großen und komplexen Missionen zu Ende geht, ist Kjeksruds stark empirisch ausgerichtete Analyse wertvoll, weil sie einen Beitrag dazu leistet, die komplexe Kausalität militärischer Einsätze aufzuschlüsseln.

Photo: Quick Reaction Force of MINUSMA Hosts Base in Ogossagou in Mali, (c): UN Photo/Harandane Dicko