Trotz des Erfolges der Armee ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht

Zitate in den Salzburger Nachrichten, 16. April 2025

Ukraine, Israel, Gaza und die US-Regierung: Für den Sudan ist häufig kein Platz in den Schlagzeilen. Dabei sind dort mehr Menschen auf der Flucht, als Österreich Einwohner hat.

Gudrun Doringer Salzburg, Khartum. Die Konkurrenz der Krisen sei verantwortlich dafür, dass die Katastrophe im Sudan zur Kurzmeldung verkomme, sagt Gerrit Kurtz. Er ist Sudan-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Für ihn ist sie mehr als das. Er beschäftigt sich tagein, tagaus eben mit dem Krieg im Sudan, der nun ins dritte Jahr geht.

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Warum wird überhaupt gekämpft in dem ostafrikanischen Land? Es ist der Machtkampf zweier Generäle, die einst verbündet waren. Gerrit Kurtz erklärt: „Abdel Fattah al-Burhan befehligt das Militär im Land. Mohamed Hamdan Daglo, bekannt als Hemeti, ist Chef der Rapid Support Forces, kurz RSF – eine Konkurrenzsicherheitskraft. Die RSF war unter dem früheren Herrscher Baschir aufgebaut worden, um sich vor Putschen zu schützen.“ Baschir war selbst unter einem solchen Putsch an die Macht gekommen. „Daher hat er Paramilitärs gefördert, um eine Konkurrenz herzustellen“, sagt Kurtz. „Die haben auch Aufstände [bekämpft] und Grenzen gesichert, aber sie waren von Anfang an als Konkurrenz angelegt. Als Baschir weg war, haben die beiden Kräfte erst einmal zusammengearbeitet, weil sie den Gegner in der zivilen Demokratiebewegung gesehen haben, mit der sie auch gut zwei Jahre lang mehr schlecht als recht zusammen regiert haben. Als sie dann geputscht haben im Oktober 2021, beide zusammen, da war der zivile Gegner in der Regierung nicht mehr da. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Sicherheitskräften musste geklärt werden: Wer ist die Nummer eins?“ Zu einer Einigung kam es nicht. Daran entzündete sich im April 2023 der Kriegsausbruch.

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Trotz des Erfolges der Armee ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. „Beide Seiten erhalten weiterhin reichlich Unterstützung von außen, um ihre Kämpfe fortzusetzen“, sagt Gerrit Kurtz. „Die RSF von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Armee durch militärische Zusammenarbeit mit Ägypten, mit dem Iran, mit Russland und mit der Türkei.“ Für die Bevölkerung sind die Auswirkungen fatal. Hunger wird als Waffe eingesetzt. Sexuelle Gewalt ebenso. „Es ist ein Krieg, der die Körper von Frauen und Kindern als Kriegsstrategie benutzt“, sagt Hala al-Karib, Sudan-Direktorin der Frauenrechtsorganisation Siha.

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Hätte das Grauen ein Ende – was würde der Sieg einer der beiden Kriegsparteien für das verwundete Land bedeuten?

Der Sudan sei die meiste Zeit seit seiner Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich von Militärregierungen regiert worden, sagt Kurtz. „Wenn also die Armee die Regierungsgewalt zurückerobern würde, dann wüssten wir, wie das aussieht: harte autoritäre Repression. In den Gebieten, die sie gerade zurückerobert haben, hören wir von Erschießungen der Leute, denen sie vorwerfen, sie hätten mit den RSF zusammengearbeitet.“ Kurtz erwähnt auch die Angehörigen des früheren islamistischen Regimes von Umar al-Baschir, die auch jetzt militärisch eine große Rolle für die Armee spielen. Sie könnten im Fall eines Armeesieges zurückkommen. „Davor haben viele Angst. Einige Menschen sehen die Armee dennoch als kleineres Übel. Die RSF wird mittlerweile zusammengehalten von einem Freibrief zu Plünderung und Rache. Wir sehen Massaker an der Zivilbevölkerung. Das ist Gewalt, die wir auf diese Weise von der Armee nicht sehen.“

Eine einberufene Konferenz am Dienstag in London sagte dem Sudan 660 Millionen Euro Hilfsgelder zu. „Die Konferenz ist der Versuch, ein Thema aufs Tapet zu heben, das sonst nicht vorkommt, weil es auch europäische Politiker nicht hoch hängen“, sagt Gerrit Kurtz. „Es birgt Frustpotenzial, weil es an Einflussmöglichkeiten mangelt.“ Für die Menschen im Sudan bedeutet der Beginn des dritten Kriegsjahres Aufmerksamkeit – für einen Tag.

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Author: Gerrit Kurtz

Researcher working on conflict prevention, diplomacy, peacekeeping and the United Nations, with a focus on the Horn of Africa. Associate, German Institute for International and Security Affairs (SWP).

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